16. September 2007

"Dave war gigantisch!"

Interview geführt von

Am 21. September veröffentlichen die Foo Fighters ihr sechstes Studioalbum "Echoes, Silence, Patience And Grace". Wir treffen Bassist Nate Mendel und Drummer Taylor Hawkins in München.München, Mitte Juli, 10 Uhr morgens. Die Foo Fighters sind in der Stadt und die journalistischen Rahmenbedingungen dem Ereignis angemessen: Neue Platte in einem 5-Sterne-Hotel anhören, bei Kaffee und Orangensaft Notizen machen, Band in geräumiger Suite treffen, Interview führen. Gut, Album- und Songtitel wurden vorher auf einem kopierten und gefalteten DIN A6-Blatt serviert, aber hey, it's only Rock'n'Roll.

Foo Fighters-Bassist Nate Mendel und Drummer Taylor Hawkins sind guter Laune, erst recht als mitten im Gespräch ein zweites Frühstück herein gebracht wird. Mein Interview ist das zweite des Tages und Taylor verspricht schonmal "unverbrauchte, heiße Antworten".

Ihr habt letztes Jahr im Hyde Park eure bis dato größte Show mit Queens Of The Stone Age und Motörhead gespielt ...

Nate: Sie spielten mit uns! Wenn ich das hier mal klarstellen darf, ja? (lacht)

Okay. Für Live Earth habt ihr nun wieder vor großer Kulisse in London gespielt. Bekommt man da nostalgische Gefühle?

Taylor: Nein, denn es war ja nicht auf derselben Bühne.

Nate: Unser Hyde Park-Auftritt im letzten Jahr war schon das fetteste Konzert, das wir je gespielt haben. Es war sowas wie unser Festival, da steckte viel von uns als Band drin und natürlich war es uns auch wichtig, anständige Bands als Gäste zu verpflichten. Live Earth war da schon eine völlig andere Nummer, eine Benefizveranstaltung in einem Stadion mit tausend anderen Bands, mit unzähligen TV-Kameras und gerade mal 20 Minuten Spielzeit.

Na gut, da ist Nostalgie dann vielleicht eh nicht möglich.

Taylor: Man wird eigentlich auch selten nostalgisch aufgrund der eigenen Band. Das passiert mir eher bei anderen Bands.

Nate: Mir nicht. Ab und zu denkt man schon an schöne Dinge zurück, zum Beispiel an die Entstehung von "There's Nothing Left To Lose", wo wir den ganzen Tag lang bei Dave Basketball gespielt haben. Aber richtig nostalgisch würde ich das jetzt auch nicht nennen.

Ihr habt jetzt bei Live Earth zwar im direkten Vergleich vor weniger Leuten gespielt, es waren aber immer noch 60.000. Wie schwer ist es, so eine Masse an Menschen zu unterhalten?

Taylor: Die größte Anstrengung in dieser Hinsicht liegt natürlich bei Dave. Wir anderen müssen einfach so gut spielen, wie wir können. Was man eh immer muss, ob nun Arena- oder Clubgig. Aber ich war schon verdammt aufgeregt vor dieser Show ...

Nate: Na, es war definitiv eine andere Nummer als ein Gig in einem Theatersaal.

Taylor: Eine andere Nummer, das schon, aber halt nicht im Bezug auf unser Spiel.

Nate: Es erfordert auf jeden Fall mehr Konzentration, jedenfalls was mich betrifft. Man kriegt halt einfach schwer aus dem Kopf, dass vielleicht zwei Milliarden Menschen die Show sehen, dass überall um dich herum Leute sind und dass es eh scheiße klingt.

Ich stelle mir das auch äußerst stressig vor: Man weiß, wie viele Menschen da zuschauen und dann muss man für 20 Minuten ohne Soundcheck auf eine Festivalbühne.

Taylor: Ja, da kann man schonmal in Panik geraten. Bei Live Earth hätte ich mir auf dem Weg zu den Drums beinahe in die Hosen gemacht. Aber nach dem ersten Song komme ich meistens runter. Im Wesentlichen können bei Liveshows zwei Faktoren auftreten. Wenn ich in den ersten zwei Songs einen Part vermassle, und wenn es nur ein kleiner Fehler ist, den wahrscheinlich eh niemand außer mir bemerkt, bin ich draußen.

Den Rest der Show kämpfe ich dann nur noch mit mir selbst, um mich einigermaßen wohl zu fühlen. Das ist natürlich ärgerlich, anstatt an eine großartige Show erinnere ich mich rückblickend dann immer nur an meinen kleinen Fehler an der Snaredrum oder wo auch immer.

Die andere Komponente für einen guten Auftritt ist der Drive, der von Dave ausgeht. Wenn er die Menge gut in den Griff bekommt, ist er auf eine bestimmte Art relaxed oder aufgeregt. Du merkst, dass Dave gut ist und das spornt dich auch an.

Hast du bei Live Earth auch was vermasselt?

Taylor: Nein, ich habe höchstens ein bisschen schneller gespielt, aber das mache ich ja oft.

Ich habe den Auftritt im Fernsehen gesehen und fand euch unglaublich heavy.

Taylor: Yeah, ich meine, wir sind nicht Rush oder Incubus, wo alles genau so klingt wie auf Platte. Ich benutze auch kein Click-Track (Metronom), dass alles auch schön perfekt wird. Ich würde sagen, wir kommen mehr aus der The Who-Schule oder von den frühen Police.

Nate: Es darf auch mal roh klingen.

Taylor: Yeah, roh und frenetisch. Ich liebe Rockbands, die live härter und schmutziger sind als auf Platte, bei Queen hat mir das immer sehr gut gefallen. Wenn du uns live siehst, dann haben wir keine Hilfsmittel außer Verstärkern, Drums und Mikrofonen. Wir benutzen keine Backgroundvocals vom Band, wie es heutzutage üblich ist, Dave hat keinen Auto-Tuner für seinen Gesang, der Ungenauigkeiten korrigiert, wie ihn heute alle Sänger benutzen, die nicht singen können.

Dadurch ist jede neue Show automatisch anders als die letzte und so sollte Rock'n'Roll sein. Ich meine, wenn ich Linkin Park sehe, wie sie zu ihren Backing Tapes spielen, erzeugt das bei mir ein Gefühl, als würde ich hier einem Raumausstatter zusehen, wie er einen Teppich ins Zimmer rollt (lacht).

Nate: Äh, ich helfe dir, wenn die Typen dich mal erwischen und dich deshalb zur Rede stellen.

Taylor: Yeah, bitte steh mir bei, wenn diese Holzköpfe uns zusammen schlagen. (lacht) Irgendwann treffe ich sie mal in einer dunklen Seitenstraße und dann gehts ab, ungefähr so: (mit Fistelstimme) "Hey, motherfuckers!"

Nate: Haha, und sie haben brandneue Nike-Turnschuhe an ...

Taylor: Genau, ganz frisch gekauft. (Mit Fistelstimme) "Ihr habt scheiße über uns erzählt, motherfuckers!" Dann mischt sich der Typ im Hintergrund ein: (rappt im Linkin Park-Style) "Why do you keep talking shit about us / talking shit about us is not so cool." Und dann fängt der andere an: "I'm so maaaaaad / at youuu" (alle lachen)

Nate: Uh, klingt furchteinflößend.

Taylor: Das kann ich dir sagen. (brüllt nochmal) "I'm so maaaaaad".

Nate: Es ist schon ein seltsamer Gedanke, dass da Leute im Publikum stehen, denen der Atem stockt, weil der Sound dieser Band so abartig perfekt ist und anschließend wollen sie "Everlong" auch so hören, und dann kommen wir und klingen wie ... wie wir eben (lacht).

Taylor: Wie The Who, die "Everlong" spielen.

Nate: Zum Beispiel. Und dann sind sie enttäuscht.

Ich weiß nicht, ob ihr es gelesen habt, aber die Times hat geschrieben, dass ihr von allen Rockbands die beste Show abgeliefert habt. Das ist doch ein großes Kompliment.

Taylor: Auf jeden Fall. Und dafür gibt es zwei Gründe. Zunächst: Dave war großartig. Die Leute schauen einfach auf ihn. Wir waren gut, Dave war gigantisch. Er hatte diese unglaubliche Masse an Leuten total unter Kontrolle, und zwar von der ersten Sekunde an. Mittlerweile hat er das verdammt drauf.

Wenn ich da zurück denke an die Zeit, als ich in die Band kam, da liegen Welten dazwischen. Dave war noch sehr verbissen damals, fast ein bisschen fanatisch. Heute kann er sich vor 70.000 Menschen stellen und ihnen das Gefühl geben, er schaut jeden einzelnen persönlich an. Im Augenblick gehört er für mich zu den besten Sängern der Welt, das sage ich ganz im Ernst.

Was unsere Setlist betrifft: Wir haben vor dem Gig alle den Live Aid-Auftritt von Queen angeschaut. Sie haben es damals einfach perfekt gemacht: Sie spielten genau die Hits, die die Leute hören wollten und sie hatten einen Frontmann in Hochform. Dieses Rezept nahmen wir uns als Vorbild: Wir wählten unsere vier, fünf bekanntesten Hits aus und Dave brachte sie entsprechend rüber. So einfach ist das. Darum haben wir auch besser abgeschnitten als andere Bands.

"Meine Frau steht auf Madonna!"


Hattet ihr auch Zeit und Lust, euch andere Bands anzuschauen?

Nate: Ich saß nur bei Metallica am Rand der Bühne, habe aber gar nicht so viel mitgekriegt wegen dem ganzen Trubel, der backstage immer herrscht.

Taylor: Die habe ich auch gesehen und natürlich die Chilis. Chad ist ein enger Freund von mir.

Madonna?

Taylor: Nein, wir mussten gleich los, damit wir nicht im Stau stecken bleiben. Ich habe aber gehört, dass sie toll gewesen sein soll. Naja, wenn du ein Rockfan bist, stehst du eher nicht auf Madonna. Aber meine Frau mag sie und meinte später zu mir: "Hey, sie war mindestens so gut wie ihr Jungs!" (lachen)

Wie lief das eigentlich bei euch, als die Live Earth-Anfrage rein kam? Liegt der Zusage ehrliche Unterstützung für Al Gores Klimaanliegen zugrunde oder freut man sich als Musiker vor allem über die Chance, vor 70.000 Leuten zu spielen?

Nate: Also ich musste mich schon erstmal informieren, da mir am Anfang nicht klar war, was genau diese Veranstaltung bezweckt. Das war ja nicht einfach ein weiteres Charity-Ding, wo man Geld sammelt und dann ist gut, sondern hier ging es um Aufmerksamkeit für eine bestimmte Sache. Uns hat es dann aber gefreut, dass wir gefragt wurden.

Taylor: Die Frage ist ja, worin besteht unsere Hilfe, unser Beitrag an so einer großen Sache. Wenn man sich Al Gores Anliegen jetzt mal als einen menschlichen Körper vorstellt, dann bestand unser Beitrag dafür in etwa der Größe eines halben Fingernagels, verstehst du? Uns war klar, dass wir nicht da rausgehen und die Welt retten. Wir waren von mir aus Teil eines großen Plans, um die Welt zu retten oder um ein kleines bisschen Aufmerksamkeit für diese Sache zu erregen.

Erst gestern hat uns eine verdammt zynische Lady interviewt, die unsere neue Platte nicht mochte, was okay ist, die uns aber vor allem vorhielt, als Stars an so einer Aktion überhaupt teilzunehmen. Das wäre eine Sauerei, wir würden danach einfach weiter unser verschwenderisches Leben führen und so weiter. Mein Standpunkt ist: Diese Argumentation ist oberflächlich und unsinnig. Unsere Band war an diesem Tag lediglich ein Werkzeug, um auf etwas hinzuweisen. Wir kamen nur um zu spielen. Und hey, ohne bekannte Bands oder Filmstars ist es halt auch ziemlich schwer, die Leute für etwas zu gewinnen.

Kommen wir zu eurer neuen Platte, die ich übrigens sehr gut finde, wenn man das nach einem Mal Anhören behaupten kann.

Taylor: Soso, einmal angehört und schon heißt es: "Oh, Song 3 und 4 sind der Hammer und diese Bridge da ..."

Nate: Haha, eigentlich sollten wir die Journalistin von gestern auf unsere Gehaltsliste setzen. Überleg mal, dann wäre sie auf Tour immer bei uns, in der Umkleide, würde uns die Zigarren anstecken ...

Taylor: Ha! Die halbe Schachtel Zigaretten hat sie mir auch noch weggeraucht.

Nate: Eben, und dann würde sie fragen: "Bist du sicher, dass du diese Schuhe auf der Bühne tragen willst, hmm? Sowas hättest du 1997 nie getragen ..."

Taylor: Yeah, sie hats einfach nicht überwunden, dass wir seit damals nicht immer weiter "Monkey Wrench" schreiben. Zu schade.

Sie mochte nur eure ersten zwei Platten?

Nate: Nein, sie mochte absurderweise auch die letzte, "Skin & Bones". Dabei ist die meiner Meinung nach echt nicht so gut wie unsere neue Platte.

Taylor: Nein, ist sie nicht. Aber die Neue ist vielleicht etwas glatter und klingt produzierter. Ich glaube das geht ihr auf den Zeiger. Nicht zu vergessen die dynamische Spannbreite bei einigen neuen Sachen ...

Was doch sicher immer eine Herausforderung für eine Band ist ...

Taylor: Yeah, ich liebe sowas. Aber manche Leute sähen es lieber, wenn wir für immer poppige Punksongs spielen. Zu der Gruppe gehört sie scheinbar. Andererseits: Sie meinte, sie mag "Best Of You" ... stadionrockiger gehts ja wohl nicht.

In der Listening Session eben habe ich mir notiert, dass vor allem die Songs "Come Alive" und "But, Honestly" sehr geil geworden sind aufgrund der Dynamik-Parts, die ihr da reingebastelt habt. Ich kann mir vorstellen, dass die aus einer Jamsession heraus entstanden sind.

Nate: Eigentlich sind es drei Songs, die eher ruhig beginnen und dann an Fahrt zulegen. Stimmt, es ist für unsere Herangehensweise eher ungewöhnlich.

Taylor: Schon lustig, niemand erwähnt "Let It Die" bei der Frage nach den dynamischen Sachen ...

Nate: Ist das der letzte Song? Ach nee, der zweite, richtig!

Taylor: Der zweite, ja. Wir hatten "The Pretender" damals noch nicht ganz fertig, da spielten wir eine Zeit lang mit dem Gedanken, "Let It Die" als erste Single zu veröffentlichen. Das wäre glaube ich ein Desaster geworden! Aber egal: Im Prinzip entstanden die von dir genannten Songs aus Jams, wobei "But, Honestly" eigentlich nicht, da wusste Dave von Anfang an, wohin der Song gehen sollte.

Gegen Ende kam da noch ein Part hinzu, den wir im Prinzip schon seit Jahren jammen. singt das Gitarrengegniedel: Ne-ne-ne-ne / Ne-ne-ne-ne / Ne-ne-ne-ne / Ne-ne-ne-ne. Schon bei "There's Nothing Left To Lose" wollten wir das irgendwo einbauen, denn es erinnerte uns sehr an The Whos "Baba O'Riley".

Bei "Come Alive" hatte Dave eine ungefähre Idee, wo dynamische Stellen reinpassen könnten, so dass es eigentlich an uns allen lag, stundenlang mit unserem Produzenten Gil (Norton, Anm. d. Red.) an einzelnen Stellen zu feilen. Dieser verrückte Schluss kam dann scheibchenweise zustande, dieser dramatische, überschäumende, großartige Schluss. Ich weiß noch, wie ich am Schlagzeig saß und den anderen ein paar Ideen vorspielte, ein paar Fills einbaute, bis Gil schrie: "Yeahh!!" Und Dave: "Hmm ...ehh, yeahh!!" Aber "Erase/Replace" würde ich auch zu den Songs hinzuzählen, die von uns allen gemeinsam erarbeitet wurden.

Welcher Song klang als Demo am wenigsten wie die Version, die es auf die Platte geschafft hat?

Nate: Wahrscheinlich "Cheer Up Boys".

Taylor: Ja. "Cheer Up Boys" war im Original langsamer. Dave und ich hatten den Song als Demo aufgenommen, allerdings ohne den Cowboy-Beat am Anfang. Auf den kam ich, weil ich zu der Zeit viel Pixies gehört habe.

Nate: Echt?

Taylor: Ja, das habe ich bei irgend einem Pixies-Song geklaut. Und Sweet habe ich auch oft gehört, die hatten das ja auch auf ihren Platten. Hörst du Sweet?

Nate: Nein.

Taylor: Die haben zwei Hammer-Platten, "Desolation Boulevard" und "Give Us A Wink", super, kommt an Queen dran.

Zum Songwriting: Seid ihr beide diesmal mehr am Prozess des Schreibens beteiligt gewesen als auf früheren Platten?

Taylor: Die Arbeitsweise in der Band ist ziemlich eingespielt und ändert sich daher eher selten. Dave bringt die Grundidee mit.

Weil er die Texte schreibt?

Taylor: Ja und weil es seine Songs sind. Ich meine, es kommt vor, dass Nate eine tolle Idee hat und sagt: "Jungs, hört mal her" oder so. Dave findet das dann okay und so verändert sich der Song. Wenn Chris oder ich eine Idee haben, wird sie meistens abgelehnt. (lacht)

Wenn Dave mit neuen Songs ankommt, setzt das bei uns ja auch Energien frei und jeder versucht, etwas beizutragen. Nach all den Jahren wissen wir auch alle ziemlich gut, was Dave gefällt und was nicht.

Nate: Vertrauen spielt da natürlich auch eine große Rolle. Wir respektieren Dave und kommen gut klar mit seiner Rolle als Bandleader. Es gab zwar Situationen, in denen wir vor einem Demo saßen und ich meinetwegen sagte: "Leute, das ist scheiße." Aber wenn die anderen das genauso sehen, dann lässt man es halt liegen und arbeitet an einer neuen Idee weiter.

Ihr habt also ein Veto beim Songwriting?

Beide: Ähh ... nein! (lachen)

Nate: Ich wollte eigentlich sagen, dass es nicht so schlimm ist, wenn mal ...

Taylor: Du kannst zu einem Songwriter nicht sagen, dass seine Songs scheiße sind. Das gehört sich einfach nicht. Gil, unser Produzent, machte gegen Ende der Aufnahmen den großen Fehler, Dave zu sagen, dass ihm eine Stelle überhaupt nicht passt. Also bevor der Song überhaupt fertig war. Das war ein großer Fehler. Es brauchte eine Weile, bis das wieder bereinigt war.

Ich denke, es ist immer besser, dem Song erstmal Raum zu geben, die Idee des Songwriters umzusetzen und abzuwarten, ob der eigene Verbesserungsvorschlag dann noch Sinn macht. Dann kannst du immer noch kommen und sagen: "Hey, du, also hör mal ... you know?" Es war einfach ein blöder Zeitpunkt von Gil, die Platte war eigentlich fast fertig, wir saßen alle schon lange aufeinander herum, naja.

"Dave ist stolz auf seine Vergangenheit"


Nate, Hand aufs Herz, im Proberaum schonmal die Basslinie von "Come As You Are" gespielt?

Nate: Klar, wir spielen die ganze Zeit Nirvana-Songs. (alle lachen)

Taylor: Ab und zu mache ich mich über Dave lustig und spiele das hier: trommelt den Beginn von "Smells Like Teen Spirit" auf seinen Schenkeln: Da-da-da / Da-da-da / Da-da-da / Yeah ... / Daa-daa-daaa You know?

Nate: Nein, wir spielen natürlich keine Nirvana-Songs!

Taylor: Das mache ich halt mal, wenn Dave gut drauf ist. Für ihn ist es natürlich auch ein guter Joke. Ab und zu brüllt er: "Hey, I'm the fucking drummer of Nirvana! The most important band of the early Nineties!" (alle lachen) Ich habe ihm schon ein paar Mal gesagt, er soll sich endlich den Song als Klingelton zulegen! Vielleicht mache ich es auch einfach mal, haha! Nur um ihn zu ärgern.

Hört sich nicht so an, als habe er ein Problem mit der Glorifizierung seiner Vergangenheit.

Taylor: Ach nein, nicht wirklich. Nirvana ist so lange vorbei und Dave hat in der Zwischenzeit so viele andere Dinge gemacht. Er ist eher stolz auf seine Vergangenheit. Es ist jedenfalls nicht so, dass er Nirvana als lästigen Schatten betrachtet, der ihn bis ans Ende aller Tage verfolgt. Zum Glück, denn seine Band war verdammt wichtig.

Nate: Chris sollte man allerdings nicht auf No Use For A Name ansprechen, sonst geht er die Wände hoch. Das ist heiliges Territorium bei ihm.

Taylor, gab es im Studio Momente, wo Dave dir irgendwelche Drumming-Ideen von sich erklären wollte und sich zum besseren gegenseitigen Verständnis gleich selbst ans Schlagzeug setzte?

Taylor: Nein, da ist er sehr feinfühlig. Natürlich sagt er mir im Studio die ganze Zeit wo's lang geht, aber hey, in dieser Band bin ich der Drummer. Wenn Dave Drums spielen will, geht er halt zu den Queens oder zu Tenacious D. Mit ihm wollen eh alle Bands spielen, und sei es nur weil er ihnen das Gefühl gibt, sie hätten jetzt den goldenen Schlüssel zum Nirvana-Himmel gefunden. (lacht) Und natürlich weil er ein gottverdammt geiler Drummer ist, darüber müssen wir ja nicht diskutieren.

Auf der letzten Platte hatten wir die Nummer "Cold Day In The Sun", das war mein Song. Dave spielte Drums und ich Gitarre. Das war vielleicht ein Gefühl, ich im Kontrollraum und er da am Schlagzeug, haha. Aber grundsätzlich lässt er sich nicht gerne sagen, was zu tun ist. Bei diesem Song schlug ich ihm zum Beispiel eine leichte Veränderung vor und er antwortete: "Nein, ich mag es so wie ich es spiele!" Erinnerst du dich?

Nate: Nein, ich war an dem Tag nicht im Studio.

Taylor: Es war mein Song, aber er wollte es gefälligst so spielen, wie es ihm gefiel.

Fällt es dir als professionellem Drummer leichter, Ratschläge von ihm entgegen zu nehmen als von jemand, der das Instrument nicht beherrscht?

Taylor: Ich weiß, worauf du hinaus willst: Wie fühlt es sich an, der unbedeutendste Drummer in der Band zu sein. Nein, also Dave ist ziemlich cool, was das angeht. Wenn er ein so verdammtes Arschloch wäre wie Billy Corgan, würde ich sicher nicht in seiner Band spielen. Wäre Dave nicht der coole, großzügige Typ, der er ist, wäre seine Band eine Dave Grohl-Show mit ständig wechselnden Bandmitgliedern. Er ist sich jederzeit bewusst, dass wir eine Band sind. Er nimmt Vorschläge entgegen und wir erarbeiten alles gemeinsam, aber es sind seine Songs. Und das ist okay.

Weiterlesen

LAUT.DE-PORTRÄT Foo Fighters

Am 5. April 1994 endet mit dem tragischen Selbstmord von Kurt Cobain das Kapitel Nirvana und somit auch Dave Grohls Karriere als Schlagzeuger der Band.

Noch keine Kommentare