laut.de-Kritik

The Good, The Bad, The Ugly of Dave Grohl. Prädikat: Uneingeschränkt sehenswert!

Review von

The nicest man in rock'n'roll als Frontmann, originelle Musikvideos und moderner Arenarock, auf den sich momentan scheinbar der ganze Planet einigen kann: Das sind die Foo Fighters. Zumindest auf den ersten Blick. Denn wie immer ist nicht alles Gold, was glänzt.

Von den Anfängen mit Demokassette bis hin zum Entstehungsprozess des aktuellen Albums erzählt Regisseur James Moll (Oscar-Gewinner für die Holocaust-Dokumentation "The Last Days") die Geschichte einer Band, die eigentlich nur durch den Untergang einer anderen entstehen konnte. Begonnen wird nämlich mit Grohls Einstieg als Drummer bei Nirvana.

Tonnen von Archivmaterial untermalen die Schilderungen von zuerst nur Dave Grohl, "Nevermind"- und "Wasting Light"-Produzent Butch Vig und Pat Smear, allesamt Zeitzeugen vom tragischen Ende der damals größten Band der Welt. Den harten Tobak liefern aber die Erzähler selbst. "Hey man, I don't want you to die, ok?", flüsterte Grohl damals dem von Heroin gebeutelten Sänger übers Telefon zu. Wenige Tage später starb Kurt Cobain. Und sowohl Grohl als auch Pat Smear fielen in tiefe Löcher der Depression.

Quasi als Therapie bannte der Schlagzeuger nach angemessener Trauerphase seine eigenen Songs in kompletter Eigenregie auf eine Kassette und schrieb uneigennützig "Foo Fighters" drauf. And the rest, as they say, is history.

So zieht sich die Storyline chronologisch durch die Jahre, beleuchtet die Bandzusammenstellung, die einzelnen Alben und auch das sich recht flott drehende Line-Up-Karussell Ende der Neunziger. Sehr lobenswert wird dabei nichts beschönigt. Alle Mitglieder, auch die ehemaligen, kommen in ausgeglichenem Maße zu Wort.

Dass auch Strahlemann Dave Grohl nicht immer der perfekte Gentleman war, zeigt die Sequenz über den Entstehungsprozess des zweiten Albums "The Colour And The Shape" auf. Weil er mit den originalen Drumtracks von William Goldsmith unzufrieden war, spielte er das komplette Album noch einmal selbst ein, und zwar ohne Wissen von Goldsmith. Dieser zeigt sich im Interview sichtlich immer noch davon belastet, auch Grohl stellt fest: "Das wird er mir nie verzeihen."

Wie Goldsmith bekommt auch Franz Stahl ausführlich seinen Platz im Film. Der Jugendfreund Grohls aus Scream-Zeiten, folgte dem ausgestiegenen Pat Smear als Gitarrist nach, wurde aber nach zwei Jahren wegen kreativer Differenzen wieder rausgeschmissen. "I got a phone call, a fucking phone call", erinnert sich ein trauriger Stahl im Interview. Für Goldsmith kam schließlich Taylor Hawkins, als zweiter Gitarrist stieg Chris Shiflett ein, und fertig war das aktuelle Line-Up. Bassist Nate Mendel war zwar für die Dauer von zwölf Stunden ausgestiegen, beschloss aber schnell, zu den Foo Fighters zurück zu kehren.

Kaum ist die Geschichte der Besetzungswechsel erzählt, folgt der nächste Schicksalsschlag. Drummer Hawkins erwischt ein Überdosis Heroin und liegt einige Wochen im Koma. Kaum genesen, zerbricht die Band fast an den Aufnahmen zu "One By One". Es kommt zu einem Streit zwischen Grohl und Hawkins in bester Hetfield/Ulrich-Manier.

Nachdem die zahlreichen negativen und unschönen Töne abgehandelt sind, stehen die letzten 20 Minuten im Zeichen des aktuellen Albums. Schlussendlich lieferte das ja den eigentlichen Aufhänger dieses Filmprojektes. Endlich sieht man, wie aufgeräumt und perfekt Dave Grohls Garagenstudio eigentlich aussieht. Und dass seine Tochter ihren Papi schon mal beim Einspielen von Gitarrenspuren unterbricht, weil er doch versprochen hat, mit ihr im hauseigenen Pool eine Runde schwimmen zu gehen.

Nicht vergessen wurden auch die Gastauftritte von Bob Mould und Krist Novoselic, wo besonders letzteres eine leichte Nirvana-Nostalgie beschwört und einen passenden Bogen zum Beginn schlägt. Nach 100 Minuten ist das Album fertig, Dave Grohl schrubbt das Studio aus, alle sind glücklich. Vor allem die Zuseher.

Der Film bringt Insider-Einblicke in genau jene Abschnitte der Bandbiographie, die im typischen Kurzprofil nicht auftauchen und über die bisher eher geschwiegen wurde. Für Fans der Schlüssel zum El Dorado, für jeden Musizierenden eine Beispiel für Erfolg trotz widriger Umstände. James Moll inszeniert geschickt und fließend, zieht perfekt Spannungsbogen über Spannungsbogen hoch. Andere Filme fesseln an den Schirm, dieser hier klebt einen schraubstockähnlich ans Gerät. Prädikat: Sehenswert!

Trackliste

  1. 1. Back And Forth - Documentary
  2. 2. Extras

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8 Kommentare

  • Vor 6 Jahren

    Wo kann man die DVD/BlueRay bestellen?

  • Vor 6 Jahren

    Sehr interessante Review, macht Lust auf die DVD. Besonders die Zeit der Foos bis TINLTL und zum Einstieg Shifletts finde ich sehr spannend. Da hatte die Band noch eine gewisse Dynamik und die Hallen waren noch nicht ganz so gigantisch. Danach haben die Foos mich kaum noch angeprochen. Der schlechteste Song meiner Meinung nach ist Best Of You weil er den "neuen Sound" der Foos geprägt hat und dieser mir kaum zusagt. Das heisst halbgare Gitarren und ein seichter Text. Aber gut, einen Song wie Everlong (oder ein Album wie The Colour and the Shape) schreibt man wohl nur einmal im Leben. Mir scheint es fast so, als sei die Überdosis von Hawkins damals ein Wendepunkt gewesen. Wusste auch bisher gar nicht, dass es Heroin war. Damals wurde das in den News mit keinem Wort erwähnt. Grohl war bestimmt angepisst ohne Ende.

  • Vor 6 Jahren

    @audio:

    Ist diese Frage ernst gemeint im Jahr 2011 ???

    Die DVD ist sowohl für "neue" Fans, als auch ältere wie mich zu empfehlen.
    Wusste z.B. nicht, dass Chris vom Rest der Band gecastet wurde, oder vom kurzzeitigen Ausstieg von Nate.

  • Vor 6 Jahren

    Ich weiß nicht. Irgendwie hat "Everlong" bei mir nie gezündet. Das Lied hat doch irgendwie null Dynamik. Plätschert nur vor sich hin.
    Ich mag "The Pretender" sehr gerne. Und "Wasting Light" ist die erste FF-Platte, die ich mir tatsächlich gekauft habe.
    Der Film klingt aber spannend!

  • Vor 6 Jahren

    Ich besitz die DVD schon und muss sagen das es fast ein Pflichtkauf für jeden Fan ist. Die Art wie der Film gemacht wurde, ist sehr gut und die Foos werden dabei nicht wie bei anderen Bandfilmen in den Himmel gelobt, sondern es wird auch auf die negativen Seiten eingegangen. Die Review beschreibt das sehr gut!!
    Und zu guter Letzt hat man einfach spaß beim Schauen :) Also wer sie noch ncht hat ab in den nächsten Saturn oder wo auch immer ihr DVDs kauft und holt sie euch