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"Was glotzt ihr alle so? Ihr seid doch nur ein Haufen abgefuckter Arschlöcher!" Prima. Publikums-Beschimpfungen haben schon immer einen erstklassigen Einstieg abgegeben. "Ihr braucht doch Typen wie Fler!" Ich bezweifle das zwar, hege jedoch die Ahnung, dass sich nach dem ganzen Staub, den die "Neue Deutsche Welle" - größtenteils mittels heißer Luft - aufgewirbelt hat, auch der "Trendsetter" an den Mann bringen lassen wird.
Klappern gehört zum Handwerk, das Protzen mit den bisherigen Erfolgen ohnehin. "Ich hab von meinem ersten Album mehr Platten verkauft als andere in ihrer ganzen Karriere." Das mag sein, ich frage mich in Zeiten von Schnappi und Scooter allerdings zum wiederholten Male, wie noch irgendjemand glauben kann, Verkaufszahlen lieferten einen Hinweis auf gebotene Qualität. Ja, "NDW" ging in der Tat das eine oder andere Mal über den Tresen. Das erfahren wir zum ersten Mal in "Der Guteste" und beileibe nicht nur da. So what? Wo ist der Bus? Gegen Ende hängt mir die Prahlerei mit der Statistik so gründlich zum Hals raus, wie anderen die Goldkette drum herum.
Das ewig gleiche Geschwafel über dieselbe, der ausgelutschte Gangsta-Mist und allem voran die Fixierung auf Cash geht mir zunehmend massiv auf den Sack, zumal das Ganze im Falle Flers wie üblich nicht etwa in ausgefuchsten Reimen sondern mit dem gleichen Abwechslungsreichtum vorgetragen wird, den der Gesichtsausdruck im Booklet zur Schau stellt. "Kuck mal böse für 'ne Mark" hätte meine Oma dazu angemerkt. Sie hätte sich königlich amüsiert.
"Du kriegst mich aus der Straße doch die Straße nicht aus mir raus." Na, toll. Fler ist jetzt "Reich So Reich". Auch schön. Derartige Plattitüden locken doch wirklich keinen Hund mehr hinter dem Ofen hervor, auch nicht, wenn sie (wie in "Ich Bleib Wie Ich Bin") von Desue mit einem Beat unterlegt werden, der pianogeschwängert hübsch melancholisch aus der Box tropft.
Trotz allem gefällt mir der "Trendsetter" wesentlich besser als der Vorgänger. Deutlich weniger Theater um die Veröffentlichung, der Downgrade vom deutschen Adler zum Nachtfalken steht einem, der (trotz aller Verkaufszahlen, jaaaahaaa!) technisch wie inhaltlich auf keinsten in der ersten Reihe mitmischt, ganz gut zu Gesicht.
Desue, der den Großteil der Beats liefert, erzielt mit schöner Regelmäßigkeit mit minimalen Mitteln maximale Wirkung und trifft dabei stets einen Nerv - auch wenn die richtig fetten Bretter fehlen. Halt, nein! "Nick Bis Dein Genick Bricht" macht seinem Titel alle Ehre. Selbst Schreihals Tony D ringt mir hier ein kleines Grinsen ab. Mehr als Nicken ist allerdings nicht drin. Wer Inhalte sucht - manche tun dies sogar bei Aggro-Releases (habe ich gelesen) - der sucht. Zwar nicht lange, aber vergebens.
An den wenigen Stellen, an denen Fler auf dröges Reviergehabe und die große Gangsternummer verzichtet und auch ausnahmsweise mal nicht mit den Scheinen wedelt, erreicht er eine Glaubwürdigkeit, die ich ihm zugegebenermaßen nicht zugetraut hätte. Holla, da wird plötzlich Frauen Respekt gezollt ("Cüs Junge") und Einblick in die zerrüttete Kinderseele eines Problemschülers zugelassen? Was ist denn hier los? Hoffen wir das Beste, dass die guten Vorsätze aus "Vatermorgana" auch greifen, wenn es akut wird. Bis dahin üben wir noch ein bisschen. Wenn es dann überall tönt wie in "Ich Scheine", geht langsam die Sonne auf - sogar in Aggroberlin.
Weiter so! Irgendwann kommen wir dann bestimmt auf den richtigen Weg zu einem passablen Album. Bis dahin gilt: "Ich bin ein Phänomen, Alter. Mein Label ist ein Phänomen, Alter." Das will wohl niemand bestreiten. Am wenigsten ich.
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