Porträt

laut.de-Biographie

Firewater

"Get Off The Cross (We Need The Wood For The Fire)" ist nicht gerade das, was der gewöhnliche Christ unter einem netten Plattentitel versteht. Nett ist dieser auch nicht gemeint und ebenso keineswegs humorvoll in dem Sinne, dass er zum Schenkelklopfen animieren soll.

Tod Ashley sieht den Namen des ersten Firewater-Albums aus dem Jahre 1996 als unorthodoxe Anklage gegen das Christentum, das trotz des großen Leides auf Erden im Nichtstun verharrt.

Die Geschichte von Firewater beginnt jedoch schon einige Zeit vor dem Debütrelease. Ashley, der eher unter seinem Pseudonym Tod A bekannt ist, treibt bereits seit den späten Achtzigern sein musikalisches Unwesen in New York. Erst musiziert er eine Weile mit einem gewissen Jon Spencer. Mit der Krachcombo Cop Shoot Cop, bei denen er einen der beiden Viersaiter zupft, verursacht er einiges Aufsehen. Nur mit Bass, Schlagzeug und Samples arbeitend, bewegt sich die Band klar außerhalb der Grenzen des Mainstreams.

Nachdem diese aber Mitte der Neunziger kreativ stagnieren, und Tod bereits einiges Material schreibt, das er im CSC-Kontext nicht umsetzen kann, steigt er aus und hebt mit Firewater sein eigenes Baby aus der Taufe. Mit "Get Off The Cross ..." wecken Firewater sogleich Begehrlichkeiten der großen Labels, denen Tod jedoch die kalte Schulter zeigt. Er weigert sich sogar, deren Vertreter auf die Gästeliste für Konzerte zu setzen.

Der Stil von Firewater hat mit dem von Cop Shoot Cop nichts mehr gemein. Vielmehr setzt Ashley auf ein würziges Gebräu aus Folk-Elementen, traditioneller osteuropäischer Musik, Grantel-Songs, die an Tom Waits erinnern und eine an Morphine angelehnte Stimmung transportieren. Thematisch setzt Tod sich mit seinem ureigenen schwarzen Humor immer wieder mit den Verlierern des Lebens auseinander, ohne jedoch in weinerliche Traurigkeit zu verfallen. Die Loser seiner Songs haben eine sympathische Ausstrahlung. Fans versteigen sich sogar in die Behauptung, Ashley sei der personifizierte Songwriter-Gott.

Seine Underground-Attitude behält er weiterhin bei: So erscheint auch "The Ponzi Scheme" auf einem Indielabel, selbst wenn Firewater das Potential zum einen oder anderen Chartbreaker hätten. Tod A. durchschaut die Mechanismen des Business und behält die Fäden lieber selbst in der Hand. Seine Frau betreibt das Label Jetset, bei dem alle Firewater-Scheiben erscheinen.

Die Wartezeit, bis mit "Psychopharmacology" 2002 das dritte Lebenszeichen erscheint, ist mit vier Jahren die längste Durststrecke für die Fans, die Ashley plattenlos zurück legt. Es soll sich jedoch lohnen. Zum ersten Mal ist ein Firewater-Album auch in Europa erhältlich, und noch dazu schlägt die Presse Purzelbäume ob der faszinierenden Platte.

Die Fortsetzung folgt mit "Man On The Burning Tightrope", das die Geschichte der kreativ so berauschenden Band Anfang März 2004 um ein Kapitel erweitert. Nur zwei Monate später legt Tod mit "Songs We Should Have Written" nach. Wie aus dem Titel unschwer zu erkennen ist, handelt es sich dabei um ein Album mit Coverversionen - natürlich im typischen Firewater-Outfit.

Nach der Tour zu "The Man On The Burning Tightrope", die Firewater auch durch Europa führt, wird es still um die Band. 2005 vermeldet Noisolution, die deutsche Plattenfirma, Tod A würde Urlaub in Thailand machen. Das ist jedoch nur die halbe Wahrheit, denn Tod geht nach Asien, um sich mental von all dem Stress zu erholen, der ihn in den USA plagt. Das hat ganz konkret etwas mit dem zu der Zeit amtierenden Präsidenten George W. Bush zu tun. Um sich über Wasser zu halten, unterrichtet er Englisch: "To keep himself in beer and cigarettes".

So ganz aufs süße Nichtstun kann sich Ashley aber nicht beschränken. So entsteht eine ganze Reihe neuer Songs, die er dann in der Türkei, Israel, Pakistan und Indien mit Musikern aus diesen Ländern aufnimmt. Das Ergebnis "The Golden Hour" (2008) fasziniert die Fans erneut.

Aus der Tour zum Nachfolger "International Orange" wird dann erst mal nichts: Tod A. bricht sich in Istanbul im August 2012 bei einem Sturz die Kniescheibe. Erst im März 2013 holt er auch die deutschen Gigs nach.

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