laut.de-Kritik

Der Klassenclown und die verspielte Pointe.

Review von

Bei Fatoni ist alles beim Alten: gleiche Themen, gleiche Kumpels, auch an der Vortragsweise hat sich nichts geändert. Das macht sein Mixtape "Im Modus" vor allem berechenbar.

Zugegeben, es gibt durchaus positive Seiten an dieser Berechenbarkeit. Seine sarkastische Gesellschaftskritik zum Beispiel, die in Fatonis Texten fundamental zu sein scheint. Auch fallen die fetten Beats auf, für die der gar nicht mal so dicke Toni ein ganz gutes Ohr hat. Neben Best Buddy Dexter stellen diesmal unter anderem auch Maniac von den Demograffics, Enaka, Konwsum und Grossstadtgeflüster ihre Sampling-Skills unter Beweis. Jeder Beat, mal abgesehen vom karnevalesken "Suicide Tuesday" bietet feinste Kopfnicker-Bässe. Dazwischen schleichen sich immer wieder Autotune-Anleihen, um die man 2017 scheinbar gar nicht mehr herum kommt.

"Im Modus" beweist, dass Fatoni technisch hohe Ansprüche an seine Musik hat. Beats und Flow zeugen von hoher Affinität und Liebe zum Genre. Doch irgendwie verliert die Masche des Münchners an Reiz, wenn er dasselbe Pferd noch mal vor denselben Karren spannt. Pseudo-ironische Kritik durch die Blume an den Medien und der Gesellschaft, Hipster-Gebaren und Pubertätshumor kommen dem Hörer ziemlich bekannt vor.

Die Dauergäste Edgar Wasser, Juse Ju und Dexter machen das Déjà-Vu komplett. Fatoni gefällt sich etwas zu gut in der Rolle des Klassenclowns und verspielt damit die Pointe, die ihm vor eineinhalb Jahren so viele Sympathien eingebracht hat.

Schade auch, wenn der "Benjamin Button des Rap" Maeckes für "Fast So Wie Beim Wu-Tang Clan" verbrät, einem Song über einen alternden Rapper, der früher besser war. Der Witz wurde eigentlich auch schon auserzählt.

Noch trauriger wird es zum Finale, denn als Abschluss hat Fatoni noch eine Live-Version von "Lassensiemichkünstlerichbindurch" aus seiner Splash! Mag-Cypher mit Enoq, Edgar Wasser und Maeckes auf "Im Modus" gepackt. Während er den Klampfe spielenden Poetry Slam-Comedian gibt, erklärt er Hip Hop-Witze und merkt selbst, dass das eigentlich gar nicht lustig ist. Deswegen gehen spannende Momente wie "Tagesschauapp", "Narkolepsie" und "Wie Ein Dschungel" irgendwie unter.

Natürlich gibt es Menschen, die auch bei der 180sten Wiederholung von 'How I Met Your Mother' über denselben Ziegenwitz lachen. Genauso gibt es wahrscheinlich noch genügend Fans, die sich über einen Abklatsch von Fatoni & Dexter ohne Dexter freuen. Und doch stellt sich hier die Frage, ob der Anspruch an Kunst und Musik nicht ein anderer sein sollte.

Trackliste

  1. 1. Wie Ein Dschungel
  2. 2. Das Ist Alles Kunst
  3. 3. Anders
  4. 4. Echt
  5. 5. Modus
  6. 6. Suicide Tuesday
  7. 7. Tagesschauapp
  8. 8. Fast so wie beim Wu-Tang Clan
  9. 9. Narkolepsie
  10. 10. Krisengebiet
  11. 11. Da.Yo.Ne
  12. 12. Marillenschnaps
  13. 13. Zum Entspannen
  14. 14. Gravitationswellen
  15. 15. Lassen Sie Mich Künstler Ich Bin Durch (Live)

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