Mit seinem zwölfköpfigen Racing Team, bestehend aus dem üblichen Rock-Instrumentarium und einem Bläser-Register, stand Farin Urlaub bislang nur auf der Bühne. Für sein drittes Soloalbum holte er das Team erstmals ins Studio. "Die Wahrheit Übers Lügen" enthält zwei Teile: "Büffelherde" ist elf Songs stark, das kleine Album "Ponyhof" enthält vier Tracks.
Ein Büffel wagte sich schon zwei Wochen vor dem Erscheinungs-Datum an die Öffentlichkeit: die Vorab-Single "Nichimgriff" repräsentiert den Sound des ersten, großen Albums: Zumeist handelt es sich um kraftvolle Rocksongs, umrahmt von zaghaften Bläsersätzen und üppigen Backgroundchören. In den meisten Fällen geben Rhythmus und Klang den Ton an, kunstvolle Melodien à la "Phänomenal Egal" sind hier rar.
Vor allem "Gobi Todic" und "Seltsam" fehlt die melodiöse Substanz. Textlich überzeugen die beiden Songs auf voller Linie, langweilen jedoch in musikalischer Hinsicht enorm. Auch andere Nummern sind klanglich lieblos verpackt, "Pakistan" etwa ist ein aalglatt produzierter Pop-Track mit Bombast-Echos und Akustik-Gitarre. Die Lyrics erzählen von der allseits bekannten Reiseleidenschaft des Herrn U. fern ab jeglicher Originalität.
Gleich darauf verfällt der Berliner in der Ballade "Niemals" in übertriebene Gefühlsduselei. Mit "Atem" beweist er dann doch, dass er auch Liebeslieder ohne Schmalz zu Stande bringt. Besondere Anerkennung verdient der Text, gespickt mit allerlei schönen Bildern.
Der Song "Krieg" stimmt ebenfalls versöhnlich. Der Dance-Beat-Rhythmus erinnert an die Ärzte-Single "Lasse Reden", der Hintergrund ist jedoch ein viel ernsterer. Eindrücklich erzählt Urlaub vom Krieg im Alltag, vom Kampf an den Supermarktregalen und im Straßenverkehr. Auch die Moritat "Die Leiche" ist ein Highlight. Mit akustischer Gitarre und zuckersüßem Frauenchor im Hintergrund besingt der Barde den makaberen Fund einer Leiche.
Von solchen Kleinoden hätte die Büffelherde eindeutig mehr gebraucht. Lockerheit, Humor und Experimentierfreude bleiben oft auf der Strecke. Das Meiste wirkt einfach zu verkopft.
Ganz anders verhält es sich auf dem Ponyhof. Da wirkt der Berliner erfreulich entspannt. Er nutzt den Reggae, um das Leben zu preisen ("I.F.D.G."), oder porträtiert treffend einen Vorgarten-Revoluzzer ("Zu Heiss"). Mit "Insel" begibt sich der Tausendsassa in Seeedsche Dance-Hall-Gefielde, bevor die Ska-Nummer "Trotzdem" den Optimismus feiert. Endlich kommen auch mal die Bläser des Racing Teams zum Einsatz.
Am Ende fragt man sich, warum Urlaub nicht ein paar Ponys unter die Büffel geschmuggelt hat. Hätte er alle Titel bunt gemischt und auf einen Silberling gebracht, wäre die Sache erheblich abwechslungsreicher ausgefallen.
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- das review ist ziemlich objektiv - die kleene cd ist! klasse, büffel mit einigen highlights aber sonst enttäuschend, textlich wie musikalisch 


