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"Als die Titel der Teldec in Hamburg vorgespielt wurden, machte sich Ratlosigkeit und Ernüchterung quer durch alle Abteilungen breit. Das war zwar Falco, aber nicht so, wie man ihn sich vorgestellt hatte", erinnert sich Ex-Manager Horst Bork an das Jahr 1987. Man mag in der Regel der Meinung eines Artists eher zugeneigt sein als der einer Plattenfirma - deren Gefühlsregungen sind angesichts vorliegender CD allerdings nachvollziehbar.
Warum? Jeder hört die unterschiedlichen Potenziale von beispielsweise "Rock Me Amadeus" und nun "The Spirit Never Dies (Jeanny Final)". Ersteres bleibt eine unüberhörbar prägnante Ansage in Sound und Text, fast zu größenwahnsinnig. Letzteres wirkt dagegen wie gefälliger Schlagerpop, der zu keiner Zeit Emotionen auslöst, wie es einst "Jeanny, Part 1" vermochte - auch wenn das Gitarrensolo einem Joe Perry alle Ehre macht.
Worüber wir sprechen? Ein Wassereinbruch im Archiv eines Frankfurter Studios förderte sie Ende 2008 zu Tage: unveröffentlichte Falco-Aufnahmen. Die Bänder zu retten war alles andere als einfach, berichtet Produzent Gunther Mende, der die Nummern unbedingt veröffentlichen wollte. Kein Wunder, landeten von seinen Produktionssessions mit Falco damals doch gerade mal vier Tracks auf dem Album "Wiener Blut".
"Das waren die Mutterbänder von 1987 mit nichts weiter als Falcos Stimme darauf. Ich fand schließlich in London eine Spezialfirma, die das Material in einem Inkubator aufheizte, so, als würde man Brötchen aufbacken, und es damit möglich machte, die Master noch vier- oder fünfmal abzuspielen", berichtet Mende weiter. Nur fünf von 19 Tonbändern sollen brauchbar gewesen sein.
Die oben beschriebene Kluft zwischen "Amadeus" und dem offiziell dritten und auf der CD unnötigerweise zweimal vorhandenen "Jeanny"-Teil zeichnete sich schon ab dem Album "Emotional" (1986) ab: Spätestens um 1990 war die Luft raus. Eine langsamere Nummer wie "Posion" steht hierfür exemplarisch: Okayer, eingängiger Pop, aber wo ist er, der eine spezielle, elektrisierende Moment? Man hörte ihn weder damals bei Teldec, noch drängt er sich heute in den Überarbeitungen auf.
Vielleicht noch beim recht knackig produzierten "Kissing In The Kremlin" - hier kommt die spezielle Vocal-Trademark des Wieners noch mal deutlich zum Tragen. "Dada Love" hört man dagegen an, dass die Vocals irgendwie zusammengeschnitten wurden (Lyrics: Mende, Composed: Mike Wolff - auch Letzterer arbeitete mit Falco zusammen).
Der Rest ist handwerklich korrekter, mit Liebe zum Detail und seriös ausgeführter Breitwand-Pop: Das funky "Qué Pasa Hombre" stört keinen, "Sweet Symphony" gibt sich offensiv hymnisch - zu wenig, um wirklich zu bewegen.
Mende und seine Mitstreiter haben sich zwar hörbar Mühe gegeben. Doch letztlich schiebt keine der neuen Nummern das Gemüt so an, wie es früher schon allein Albumtracks à la "Macho Macho" oder "Brilliantin' Brutal" vermochten.
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