Die Meinungen zu Falco gehen auseinander. Reiht sich der Falke von Wien, der unter Drogeneinfluss in einem Autowrack an irgendeiner unübersichtlichen Kreuzung in der Dominikanischen Republik zu Tode gefahren wurde, in die Ahnengalerie der zu früh gegangenen Helden ein?
Eines bleibt jedenfalls: Die Nummer eins in Amerika - mit deutschem Text, drei Wochen lang. Das mag nicht zuletzt an dem Exotenbonus gelegen haben, den ihm sein Bezugspunkt, die Stadt Wien mit ihrem unsterblich genialen Sohn Wolfgang Amadeus Mozart, verlieh.
Jene glorreichen Zeiten waren längst vergangen, als Falco 1994 auf dem Domplatz zu Wiener Neustadt vor die 10.000 Fans trat. Von der ersten Kameraeinstellung an spürt man, dass er längst zum Zweifler seiner selbst geworden war.
Ernst und angespannt nahm er die Stufen zur Bühne und absolvierte das Konzert, meist ohne Euphorie - was Anlass und Projekt wohl angemessen war. Der Bürgermeister von Wiener Neustadt hatte anlässlich der 800-Jahrfeier anfragen lassen, ob Falco mit dem Konservatoriumsorchester für ein Open-Air-Konzert kollaborieren wolle.
Sollte irgendjemand mit vorliegender DVD tatsächlich zum ersten Mal auf Falco stoßen: Er möge als allererstes das extrem erhellende Making-Of anwählen (ein ungewohnter Blick auf den Popstar Falco, der eine Lesung hält, kommt noch hinzu). Denn hier erfährt man für den Konzertmitschnitt so zentrale wie erstaunliche Informationen.
Beteiligte erzählen von der komplizierten und aufwändigen Planung des Events - damals wie heute. Angefangen vom Problem der Songauswahl (nicht alle Stücke eigneten sich zur Orchestrierung) bis hin zum schier unglaublichen Coup, den Falcos 2007 wieder zusammen gekommene Band stemmte.
Unter Anleitung von Thomas Rabitsch reproduzierten Drumszene-Hero Thomas Lang und Co. das damalige Konzert, indem sie es zum alten Filmmitschnitt nachspielten. Da das vorhandene Tonmaterial qualitativ nicht ausreichte ("Symphonic" ist auch als CD erhältlich - mit einigen Songs mehr), legten Techniker Falcos Stimme frei und drum herum wurde "einfach" alles neu eingespielt - inklusive der Orchesterparts.
Zudem wurde das Bildmaterial mit privaten Kameramitschnitten und nachträglichen Bluebox-Aufnahmen (so gab es etwa keine Close-ups der Musiker) gepimpt. Und was soll man sagen? Der immense Aufwand hat sich gelohnt, die Spezialisten haben ganze Arbeit geleistet.
Selbst wenn vom ursprünglichen Tonmaterial nur noch eine Bruchteil original ist - Falcos Stimme. Die Liebe zum Detail ließ ein derart schlüssiges Werk entstehen, dass es beim Hören egal ist, wann welcher Part eingespielt wurde. Und rein technisch gesehen, geht die Nachbearbeitung des Events ziemlich sicher als Benchmark in Sachen Musikproduktion durch.
Wie 1994 funktioniert die Verbindung von E- und U-Musik vorzüglich, wie bereits das von "Vienna Calling" inspirierte Intro verdeutlicht: die alten Falco-Songs erstrahlen in "neuen" Arrangements und haben dank der Nachbearbeitung im Studio eine Wucht erlangt, die vor 14 Jahren wohl nicht erreicht wurde.
In Wahrheit hat das perfekt reproduzierte Spektakel mit Falco aber eigentlich so gut wie nichts mehr zu tun. Trotzdem, wer, wenn nicht seine Originalband von damals durfte diese Herausforderung annehmen und schaffte es auch, sie umzusetzen.
Und so kann man den Falken noch besser Erinnerung behalten, wie er sich damals in Wiener Neustadt präsentierte - ein vom Licht und Schatten des Promilebens Gezeichneten, der die Hoffnung nicht aufgegeben hat.


Auch wenns Konzert an sich nur knapp über 1 Stunde dauert! Am 2. März kommts übrigens auf 3Sat!