laut.de-Kritik

Jede Menge Spaß mit Morden und Grabräuberei.

Review von

Death Metal ist ein Genre, das Musikrezensenten nach einer Weile vor Herausforderungen stellt. Was noch schreiben zu einer Stilrichtung, die ihre Hochzeit vor über 25 Jahren hatte und sich konstant größerer Weiterentwicklung verweigert? Auf der anderen Seite stellt diese Renitenz einen Wert in sich dar und gilt auch nicht für alle Kapellen.

Auch wenn wir es bei Exhumed im Kern immer noch mit den Splatter-Liebhabern zu tun haben, die 1998 "Gore Metal" eintrümmerten: der Fortschritt lässt nicht von der Hand weisen. Mit jedem weiteren Album zeigt sich die Band aus Kalifornien technisch ausgereifter und dreht etwas weiter an der Produktionsschraube. "Death Revenge" vollbringt dabei das Kunststück, gleichzeitig schön dreckig rüber zu kommen und gut zu klingen.

Wer gehofft hatte, dass mit der Rückkehr von Ur-Bassist Ross Sewage auch das ganz räudige Gerödel der frühen Tage Wiedereinzug halten würde, muss eine leichte Enttäuschung einkalkulieren. Zwar finden sich mit Stücken wie "Unspeakable" oder "The Harrowing" ein paar niedermähende Klopper auf Exhumeds siebtem Studioalbum. Die Musiker um Frontlurch Matt Harvey suchen aber nach neuen Elementen in ihrem Sound und finden sie auch. Oft pendeln sie zwischen den Polen Melodie und Gehacke hin und her, diese Mischung geht voll auf.

Bevor Angst vor dreistimmigem Harmoniegesang aufkommt: Die Melodien finden sich ausschließlich in den Gitarrenlinien. Dabei vernachlässigen die Kalifornier den Grind-Anteil in ihrem Sound zu keiner Zeit, es weht ein Hauch von Punk durch den Raum. Thrash mengen sie auch wieder bei, "Night Work" erinnert zu Beginn nicht nur ein bisschen an Slayers "Raining Blood".

Die größte Neuerung: Exhumed haben irgendwo ein Keyboard im Schrank gefunden, hinter den vergammelten Leichenresten. Also teilen sie ihr neuestes Ouevre in zwei Akte und leiten diese jeweils mit instrumentalen Tasten-Intros ein. Über die Notwendigkeit dieser musikalisch vernachlässigbaren Klangwerke kann man vortrefflich streiten. Sie klingen ein bisschen wie Computerspielgedudel aus den 90ern. Das siebeneinhalbminütige Instrumentalstück "The Anatomy Act Of 1832" kommt auch nicht ohne Keys aus, überzeugt insgesamt aber mit vielen verschiedenen Teilen. Ein netter Gegensatz zum Herumgegurgel von jetzt wieder drei Vokalisten. Und Gegurgel meine ich wörtlich, wie ein kurzer Moment in "Dead End" zeigt. Exhumed werden oft mit Carcass verglichen - und das zurecht. Während die Herrschaften aus Liverpool sich weiterhin zieren, neues Material aufzunehmen, liefert Kalifornien ab.

Inhaltlich gibt es dieses Mal die ganze große Kunstschule: Die Metaller aus San Jose lassen sich thematisch nicht lumpen und präsentieren ihr erstes Konzeptalbum rund um eine Reihe von grauslichen Morden und Grabräubereien im Schottland der 1820er Jahre. Zeigte zuletzt "Necrocracy" die Band in bestechender Verfassung, setzen sie ihr Formhoch auf der neuen Platte fort. Ein besonderes Lob gebührt erneut der Cover-Gestalung: So eine charamante Hommage an Horrorschundfilm-Poster der 70er und 80er zeugt von viel Liebe zum Sujet. Exhumed machen auch auf ihrem siebten Album wieder eine Menge Spaß.

Trackliste

  1. 1. Death Revenge Overture
  2. 2. Defenders Of The Grave
  3. 3. Lifeless
  4. 4. Dead End
  5. 5. Night Work
  6. 6. Unspeakable
  7. 7. Gravemakers Of Edinburgh
  8. 8. The Harrowing
  9. 9. A Funeral Party
  10. 10. The Anatomy Act Of 1832
  11. 11. Incarnadined Hands
  12. 12. Death Revenge

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