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Wir lieben und wir hassen ihn, den ESC - und tauchen ein in die Historie des weltgrößten Gesangswettstreits.
Konstanz (laut) - Deutschland und der Eurovision Song Contest, beziehungsweise bis 1992 "Grand Prix Eurovision de la Chanson" – das ist eine Geschichte voller Missverständnisse. 1982 schloss die Nation mit Europa ein bisschen Frieden, ansonsten blitzte Teutonien mit seinen Beiträgen beim Rest des Kontinents meist ab. Zum Teil auch desaströs.
"Keiner mag uns", so lautete der Tenor, der oft genug durch die Republik hallte, wenn es um die Analyse der Abstimmungsergebnisse ging.
Warum? Das klären wir heute ein für allemal und zeigen euch die Teilnehmer am Gesangs-Wettstreit seit 1979 in Bild und Ton, so grausam es auch manchmal sein mag.
"Er zeugte sieben Kinder in einer Nacht"? Von wegen! Eigens für den Chanson-Wettbewerb stellte Komponist, Produzent und Grandprix-Papst Ralph Siegel eine farbenprächtige Gruppierung zusammen, die die Bühne hauptsächlich ihrer Choreographie wegen im Sturm nahm. Für die im Namen des Mongolenfürsten singende und tanzende Truppe war immerhin der vierte Platz drin.
Katja Ebstein zählt zu den uralten Häsinnen im Grandprix-Geschäft: Bereits 1970 und 1971 ging sie ins Rennen, wurde zweimal Dritte. Zehn Jahre nach ihrem Eurovisions-Debüt wollte sie es noch einmal wissen. Den Titel "Theater" schrieb ihr in Zusammenarbeit mit Texter Bernd Meinunger - wie kann es anders sein? - Ralph Siegel auf den Leib. Besser als Katja machten es in den Augen der Juroren (an Televoting war noch gar nicht zu denken) nur die Iren. Die hatten Johnny Logan.
Wieder einmal schickte Ralph Siegel einen Titel ins Rennen. Für seine Verhältnisse war der Song ganz annehmbar, auch wenn Valaitis optisch nicht unbedingt der heißeste Feger unter der Sonne war. Dennoch gelang ihr eine sehr gute Platzierung, denn sie musste sich nur dem britischen Siegertitel "Making Your Mind Up" von Bucks Fizz geschlagen geben. Vielleicht stand man damals eher auf leichte Unterhaltung und wollte sich nicht mit einem Blinden namens Johnny befassen.
Ralph Siegel und kein Ende. Im Jahr 1982 gießt er seinen Status im Schlagerzirkus allerdings in Beton. Nicole gewinnt. Mit ihrem Friedensliedchen ließ das Mädchen mit der weißen Gitarre die Konkurrenz weit hinter sich. Auf den Plätzen zwei und drei landeten Israel und die Schweiz. Gut, dass noch niemand weiß, wie lange dieser deutsche Erfolg der einzige bleiben soll.
Nach dem Sieg im vergangenen Jahr präsentieren sich die Deutschen als Gastgeber. Die Veranstaltung strahlt von München aus in die Welt. Nicoles Titel sollen die Karlsruher Brüder Hoffmann & Hoffmann verteidigen - knapp vorbei, es reicht nur für Platz 5. Liegt bestimmt daran, dass nicht Ralph Siegel, sondern zur Abwechslung einmal Michael Reinecke und Volker Lechtenbrink für die Nummer "Rücksicht" verantwortlich zeichnen ...
Wieder Michael Reinecke, wieder wirds nix. Mary Roos landet mit "Aufrecht Geh'n" punktgleich mit den Niederlanden nur auf dem 13. Platz - bei 19 teilnehmenden Nationen wahrlich kein berauschendes Ergebnis für eine wahrlich nicht berauschende Nummer, so farblos wie das Kostümchen der Sängerin. Gerne vergessen wir das, nicht jedoch Marys Auftritt in der Muppet Show. DAS war großes Kino.
Auch wenn man es nicht glauben mag: Für diesen Song gab es den zweiten Platz in Norwegen! Eine große Überraschung, auch damals. Die Gruppe Wind nahm insgesamt dreimal (1985, 1987 und 1992) am Contest teil und belegte zweimal den zweiten Platz. Besonders schön: die geilen Fön-Frisuren, das hübsche Rüschenhemd des Dirigenten und die tiefen Blicke zwischen den beiden Leadsängern. Wind gibts immer noch, jetzt allerdings unter dem Namen Licht.
Zweimal hat sich die Peters beim Vorentscheid darum beworben, Teutoniens Belange zu vertreten, beim dritten Anlauf klappt es dann mit "Über Die Brücke Geh'n". Das Lied klingt typisch für 80er-Schlager. Plastik-Schlagzeug, pathetischer Text und hymnenhafte Melodie. Auch typisch für dieses Jahrzehnt: die einbetonierte Haarlack-Frise, Schulterpolster und Sakkos in dämlichen Farben. Platz acht von 20 Teilnehmern gab es für diesen Titel, der wohl in den wenigsten Köpfen hängengeblieben ist.
Wind die zweite. "Laß' Die Sonne In Dein Herz" ist eine harmlose Offbeat-Nummer, die keinem weh tut. Vielleicht war ganz Europa entzückt darüber, dass endlich einmal Deutsche in Skandinavien einmarschieren und so harmlos daher kommen, dass dabei letztendlich sogar der zweite Platz heraus springt.
Maxi und Chris Garden heißen eigentlich Meike (Tochter) und Chris (Mutter) Gärtner. Die beiden hatten im Jahr vorher mit "Frieden Für Die Teddybären" schon einmal versucht, am Contest teilzunehmen, erreichten aber nur den zweiten Platz im deutschen Vorentscheid. Mit "Lied für einen Freund" schafften sie es dann doch in den internationalen Wettbewerb, belegten dort aber nur den 14. Platz. Na, und wer hat den Song produziert? Richtig: Onkel Ralph.
Beim 34. Eurovision Song Contest 1989 in Lausanne schmettert Nino de Angelo den Song "Flieger" aus der Feder von Dieter Bohlen und Joachim Horn-Bernges. Der gebürtige Karlsruher italienischer Abstammung landet mit diesem Schmachtfetzen allerdings nur auf Platz 14. "Ich hab die Zeit nie ganz vergessen / Als wir noch Flieger waren", sang er damals. Die Zeit der Höhenflüge ist für Nino de Angelo definitiv vorbei: Er soll rund 1,5 Millionen Euro Schulden haben und muss Privatinsolvenz anmelden. Ein zweiter Versuch beim Grand Prix-Vorentscheid 2002 scheitert.
Das beste an dieser Nummer ist nur auf der Aufzeichnung des damaligen Grand Prix-Auftrittes zu sehen: der Part von Dirigent Rainer Pietsch, der mit seinem Walross-Bart den zwei Langeweilern auf der Bühne eindeutig die Schau stiehlt. Wieder einmal steckt Siegel hinter der Komposition. Mehr ist zu diesem Schnarchzapfen von einem Song nicht zu sagen.
Dieser Traum starb ziemlich schnell: Der Titel fuhr die schlechteste Platzierung für einen deutschen Beitrag seit 1956 ein. Sogar bei der Auswahl im deutschen Vorentscheid gab es schon Buhrufe. Dabei hätten die Interpreten mindestens einen Sondergewinn für ausgefeilte Choreografie verdient: Wir gehen vor und zurück, vor und zurück. Atlantis 2000 lösten sich kurz danach auf.
Mit der Combo Wind wird es wieder traumatisch. "Träume Sind Für Alle Da" hieß 1992 das Motto, nachdem ein Jahr zuvor Atlantis 2000 mit ihrem Traum-Song fast untergegangen waren. Nicht viel besser machten es die Wind/Lichter mit diesem Siegel-Song. Mit jämmerlichen 27 Pünktchen belegten sie den fast genauso jämmerlichen 16. von 23 Plätzen. Der Vizetitel von 1987? In weite Ferne gerückt.
Die nach einem Platz im Münchener Stadtteil Schwabing benannte Band tritt 1993 beim ESC im irischen Millstreet an. In weißen Bügelfalten-Anzügen und mit wirklich fiesen Frisuren tragen die fünf Bandmitglieder den Titel "Viel Zu Weit" vor. "Viel zu weit / Und dabei zum Greifen nah" bleibt auch der Sieg: Da vor allem Sänger und Frontmann Stefan Zauner, der den Song geschrieben hat, mit seiner schwächelnden Stimme nicht überzeugt, landet die Münchener Freiheit auf Platz 18.
Wie schlecht müssen eigentlich die anderen Beiträge des Jahres gewesen sein? Melanie, Kati und Dorkas landen doch tatsächlich mit ihrem 'Party-Kracher' auf dem dritten Platz. Ja, ganz genau: MeKaDo setzt sich aus Anfangsbuchstaben ihrer Vornamen zusammen. Dass so etwas noch nie cool war, zeigt sich daran, dass die Single in den Charts floppte und die Band sich kurz darauf auflöste. Achtet bitte besonders auf den wichtigen Part des Keyboarders. "Dance!"
Stone & Stone gehen in die ESC-Geschichte der peinlichsten Auftritte ein: Beim Grand Prix 1995 in Dublin schickt Deutschland Glen J. Penniston und Tatjana Cheyenne Penniston ins Rennen, die vorher noch schnell einen ihrer Songs – den Regeln entsprechend – ins Deutsche übersetzen müssen. Das Ergebnis ist ein musikalischer Schrecken mit unerträglichem Text, dargeboten von einer Frau in weißem Nachthemd. Ein Griff ins Klo ist auch der Gesang. Das absolut berechtigte Ergebnis: Platz 23 von 23 - mit einem Mitleidspunkt aus Malta. Diese Platzierung verhinderte dann die deutsche Teilnahme am Eurovision Song Contest 1996. Stone & Stone ziehen sich nach dieser Blamage aus dem Showgeschäft zurück. Doch die "Erinnerung bleibt und erzählt von dir" – leider!
Für das miserable Abschneiden von Stone & Stone im Vorjahr kann man rückblickend gar nicht dankbar genug sein. Weil deren Beitrag "Verliebt In Dich" verdientermaßen mit der roten Laterne abgestraft wurde, musste Deutschland in die Qualifikationsrunde - und scheiterte. Das Video zeigt, wieso. Gut, dass wir uns so nicht ausgerechnet bei einer Veranstaltung blamiert haben, durch die A-ha-Frontmann Morten Harket führte.
Die Optik von Bianca Shomburg ist kein Zufall. Wer hinter den Sauerkraut-Locken und dem insgesamt biederen Äußeren eine Beamtin vermutet, die sich für den Samstagabend-Schwof in der Dorfdsico zurecht gezimmert hat, liegt genau richtig. Über den Umweg eines Gesangswettbewerbs landet sie zielsicher in den Krallen des Duos Ralph Siegel/Bernd Meinunger, die ihr daraufhin diesen Mumpf auf den Leib kritzeln. Die materialisierte Durchschnittlichkeit offenbarte sich auch in der Platzierung. Der 18. von 25 Plätzen spricht wortlos die Bitte aus, dass wir das Mäntelchen des Schweigens über diesen Auswurf breiten.
"Ich find Schlager toll / Wirf noch eine Mark in die Jukebox, Baby". Mit der Nummer hat er uns gekriegt, der Meister. Nußecken hin oder her, Guildo Horn und seine Orthopädischen Strümpfe rockten, dass der Kaffeetisch wackelte - Zehntausende grölten bei Rock am Ring lauthals mit. In Birmingham hinterließ Horn dann 1998 mit "Guildo Hat Euch Lieb" in britischen Augen doch ein ungewohntes Deutschen-Bild. Prompt landete er allen medialen Unkenrufen in der Heimat zum Trotz auf Rang sieben. Und mal ehrlich: Raabs Komponisten-Aka Alf Igel ist noch heute witziger als jede zweite Comedy-Show im TV. Schlager next level!
Nachdem die öffentliche Meinung ein Jahr zuvor noch von der Bildzeitung bestimmt war und der Frage, ob "so einer" Deutschland repräsentieren darf, gab man sich 1999 ganz dufte multikulti und schickte den klingenden Beweis der Völkerverständigung gen Jerusalem. Allerdings durfte die Truppe Sürpriz erst loslegen, nachdem Corinna May wegen Regelverstößen disqualifiziert wurde. Ralph Siegel wars recht, aus seiner Feder stammte der Sürpriz-Song. Mit dem dargebotenen Türkpop konnte Europa etwas anfangen. Mit dem dritten Platz überraschte die Combo nicht nur die heimischen Zuschauer.
Viel Feind, viel Ehr - allerallerallerspätestens seit Lenas Sieg in Olso trifft dieser Allgemeinplatz auf den ehemaligen Metzger mit Einser-Abschluss zu. Aber schon vorher war er dem selbsternannten deutschen Grand Prix-Fachpersonal mehr als nur ein Dorn im Auge. Mit der Faust in der Tasche mussten die Schlager-Funktionäre ab Ende der Neunziger Stefan Raabs beachtliche Grand Prix-Platzierungen hinnehmen, ob mit Guildo Horn, Max Mutzke oder anno 2000 eben Raab selber: "Wadde Hadde Dudde Da?" kam in Stockholm tatsächlich auf Platz fünf. Noch Fragen, Herr Siegel?
2001 schmachtet in Kopenhagen Michelle für Deutschland "Wer Liebe Lebt" und beschenkt uns mit einem der wohl hartnäckigsten und nervigsten Ohrwürmer aller Zeiten. Raffiniert singt sie den letzten Refrain auf Englisch (dann: "To Live For Love") und gewinnt so das internationale Publikum für sich. Immerhin Platz acht für Michelle in einem bodenlangen Traum aus altrosa Spitze, obwohl die Töne nicht immer sitzen. "Und du hörst die Melodie / Voll Gefühl und voller Poesie" – Ansichtssache.
2002 hat sie es dann nach zwei vergeblichen Versuchen endlich geschafft, die Corinna. Deutschland wollte eine wunderbare Stimme nach Tallinn schicken, bekam letztlich doch nur wieder den üblichen Siegel-Stumpfsinn verpasst. Mit Bumms-Beats aus der Dose schrammte der zwar engagiert vorgetragene, aber dennoch langweilige Song unter Ferner Liefen auf den 21. von 24 Rängen.
Fremdscham, dein Name ist Lou. Man wollte wirklich im Erdboden versinken, als Marie-Luise 'Lou' Hoffner mit Pumuckl-rot gefärbtem Schopf diesen hanebüchenen Blödsinn von sich gab. Doch kein Loch wäre tief genug gewesen. Verbrochen hat diesen ... nunja ... Song ein gewisser Ralph Siegel, der sich im Vorjahr aus dem Grandprix-Geschäft verabschiedet hatte. Eigentlich. Das wahre Rätsel bleibt aber, warum dieser Beitrag überhaupt Punkte, immerhin 53 an der Zahl, eingefahren hat. Es muss wohl die schwule Fangemeinde gewesen sein, die die Aufforderung feierte: "Let's get happy, let's be gay."
Max Mutzke gehört zu einem der wenigen deutschen Kandidaten, für den man sich nicht in Grund und Boden schämen muss. Stefan Raab entdeckt den Sänger mit der souligen Stimmer in seiner Castingshow "SSDSGPS" und beteiligt sich somit nach Guildo Horn und "Wadde Hadde Dudde Da?" zum dritten Mal am Eurovision Song Contest. In Instanbul verschafft sich Max Mutzke 2004 Respekt mit "Can't Wait Until Tonight", indem er es trotz schlagerferner Raab-Komposition immerhin den achten Platz erreicht. Und das mit geschlossenen Augen!
Gracia Arabella Baur hatte ihre 15 Minuten Ruhm eigentlich schon als Teilnehmerin der ersten Staffel von "Deutschland sucht den Superstar" aufgebraucht. Als Fünftplatzierte ging sie damals durchs Ziel. Ein gewisser David Brandes - seinerzeit Produzent der unsäglichen Vanilla Ninja-Ischen - gefiel wohl ihr Hintern in Lederbuxen. Also schrieb er ihr ein Liedlein namens "Run & Hide" auf den Leib. Leider offenbarte eben dieses, dass die Gute so gar nicht singen kann. Nach Chart-Manipulationen um die Single der verdiente Lohn: Hohn und Spott sowie der geteilte letzte Platz. Lediglich Monaco und Moldawien vergaben jeweils zwei Gnadenpünktchen für diesen Klump.
Das war doch unfair. So mies war der Song eigentlich gar nicht. Und wenn Dittsche am Schlagzeug sitzt und sein Ingomann Gitarre spielt, sollte es Sympathiepunkte ohne Ende hageln. Außerdem war die Nummer einer der wenigen Beiträge, der von dem auftretenden Künstler selbst geschrieben wurde. Gut, andererseits ist die Kakteen-Dekoration schon arg hässlich, Country sollte man den Amis überlassen und Lordi waren einfach unschlagbar. Aber der 15. Platz war definitiv nicht gerechtfertigt!
Mit Ciceros Roger wollte Deutschland es wieder wissen und schickte einen äußerst erfolgreichen Solo-künstler ins Rennen. Bei den Buchmachern als Mitfavorit gehandelt, stürzte der gute Swingmaster aber in der Voting-Gunst derbe ab. Deutsche, die Swing spielen? 'Das gibts doch gar nicht', dachte sich wohl Resteuropa und ließ "Frauen Regier'n Die Welt" links liegen. Ein 19. Platz von 24 ... man hatte sich weitaus mehr erhofft.
23 - in Worten dreiundzwanzig. Der Platz, den sich die erfolgreichste deutsche Castingtruppe No Angels beim Eurovision Song Contest 2008 in Belgrad abholte. Mieser gings quasi nicht: Deutschland behielt die rote Laterne mit Polen und Großbritannien fest in der Hand. "Die grottigen No Angels trafen die Watschen jedenfalls mit vollem Recht. Der Farblosigkeit halfen auch kein zentimeterdick aufgetragenes Make-Up und eine ganze Batterie Windmaschinen ab", urteilten wir damals gnadenlos richtig. Der Titel "Disappear" musste einfach zum Menetekel werden.
Unser Lied für Moskau - "Das Boot"-Kapitän Alex Christensen sollte es richten. Offenbar vertraute noch nicht einmal er seiner Nummer und seinem Sänger Oscar Loya genug, um diese ohne die Erfolgsgaranten Titten, Trommeln, Feuerwerk auf die Bühne zu stellen. Retten sollte es Edel-Stripperin Dita von Teese, die zumindest erstere mitbrachte. Geholfen hats nix, allzu oft hieß es: "Germany - zero points." 18 tröpfelten insgesamt zusammen, gerade genug für den vorletzten Platz.
Vom vorletzten Platz im Vorjahr straight to Number One: Germany, twelve points. Als Live-Zuschauer wollte man es einfach nicht glauben. Kommt jetzt gleich Nicole aus der Kulisse gehüpft und ruft "Haha, alles nur Spaß, jetzt singe ich ein Lied für den Frieden"? Nee, es war Realität. Lovely Lena war geboren. Man mag darüber streiten, ob "Satellite" ein perfekter Popsong ist, im Kontext des Wettbewerbs überstrahlte er sämtliche Konkurrenten locker. Was natürlich vor allem daran lag, dass sich halb Europa zwischen all den Karnevalsfratzen mit dem, hach, unschuldigen Charme dieser zierlichen Abiturientin identifizieren konnte, die um sämtliche Bühnen-Theatralik einen Bogen machte.
Lena - Taken by a Stranger - MyVideo
"Oh, alles ist neu / Alles ist anders / Meine Kleider gefallen mir nicht mehr / Ich kenne diesen Geschmack im Mund / und ich weiß nicht mehr woher / Oh, ich glaube, ich habe meine Unschuld verloren." Zwar ein Tocotronic-Text, aber Lena kennt den Inhalt nun auch. Zig Pressekonferenzen und zwei Nummer Eins-Alben liegen hinter, eine Hallen-Tournee vor ihr, irgendwo zwischendrin: die Titelverteidigung.
Selbst wenn Lena ihr Kleid von 2010 noch toll findet, damit kann sie Europa nicht noch mal betören. Deshalb bekommt die Schlagerparade mit "Taken By A Stranger" einen düsteren Elektropop-Song vor den Latz geknallt, der zwei Garantien mitbringt: Nicht mitgrölbar, kaum einprägsam. Ideale Voraussetzungen für eine immens hohe Erwartungshaltung. Müssen es halt die Backingtänzer mit den Ganzkörperanzügen rausreißen.
Ach, ich bin ja absoluter ESC-Fan. Natürlich kann man immer diskutieren, ob die Platzierungen gerechtfertigt sind. Ich muss aber sagen, die ersten und letzten fünf Plätze sind immer gerechtfertigt, nur im Mittelfeld kann man streiten drüber.
Ich muss wirklich sagen, dass ich 'ne hohe Trefferquote hatte in den letzten Jahren.
Außer bei Texas Lightning, da hab' ich mich wirklich verschätzt. Das war aber auch ungerecht. Nur wenn ich zurückblicke, denke ich, Europa konnte halt nichts mit Country anfangen, weil gesanglich hatten wir die beste Sängerin an diesem Abend. Ansonsten die letzten Plätze waren nun mal scheiße. Ich glaube den Tiefpunkt schlechthin hatten wir damals wahrlich mit Gracia. Ich hab's mir damals live angeguckt und musste ... naja ... fein ausgedrückt fast kotzen :-). Bei No Angels auch.
Ein Highlight meiner Meinung nach war "Lass' Die Sonne In Dein Herz". Das war luftig, leicht, außergewöhnlich. Summer-Sunshine-Reggae aus München :-). Man beachte nur, dass damals beim Finale ein späterer Weltstar dort Gitarre gespielt hat nämlich Rob Pilatus von Milli Vanilli :-).
Aber auch die wirklichen Schlager sollte man nicht negativ werten. Ich fand beispielsweise Songs wie "Rücksicht" oder "Wer Liebe Lebt" schon kompositorisch ausgefeilte Songs.
Was ich unverantwortlich fand damals war Corinna May. Das hat einfach nicht gepasst. Um ehrlich zu sein, das sah eben halt irgendwie strange für's Publikum aus. 'Ne große Ballade wäre, auch für ihre Stimme, viel passender gewesen.
Meine persönliche Lieblingsnummer ist ja bis heute ganz klar "Can't Wait Until Tonight". Eine wundervolle Komposition, von Max toll gesungen und dann immer wieder diese kleine Wurlitzer-Piano-Einwürfe von Wolfgang Dahlheimer. Besser ging's nicht.
Ich war um ehrlich gesagt froh, dass Nicole letztes Jahr abgelöst wurde. Sie hat sich 28 Jahre lang genug aufgegeilt auf ihren Sieg.
Und dann eben halt letztes Jahr Lena. Sie hat halt den Scheiß gerockt, kann man nicht anders sagen :-). Warum sollte es dieses Jahr nicht anders sein? ;-)
Aber auch international gab's schöne Songs. Ein Hightlight war definitiv "Fly On The Wings Of Love". Die zwei doch schon älteren Herren mit ihren Gitarren haben das Lied einfach sehr gefühlvoll, aber doch mit einem Augenzwinkern gesungen. Auch in dem Arrangement vereinte es irgendwie alle Elemente der Popmusik. Einfach schön. Dann Johnny Logan. Der Mann kann einfach schöne Melodien schreiben und sie toll singen.
Dann Helena Paparizou fand ich einfach geil, muss ich einfach mal so sagen. Ich hab das gesehen und wusste sofort, dass sie gewinnen wird. Ich hab' sogar glaub' ich damals für sie abgestimmt.
Lordi war auch wirklich gerechtigtfertigt. Das hat einfach gerockt. Ganz großes Kino.
Auch fand ich Alexander Rybak schön ... musikalisch, mein' ich ;-). Einer der wenigen, der das Lied auch selbst geschrieben hat. Wahnsinns-Performance.
Fazit: Der ESC ist einfach 'ne Veranstaltung die polarisiert, aber die man nie zu ernst nehmen sollte :-). Ist nur Unterhaltung ;-).
So, das war mein ausführlicher Kommentar :-). Das muss zu diesem Thema vorerst reichen für die nächsten Jahre :-).
Mal so am Rande: Könnt Ihr bei den Listen vielleicht das Anzeigefenster fest ausrichten (oder so), damit man das nicht immer schließt, wenn man versehentlich (weil sich die Fenstergröße bei jeder Nummer verändert) an den Pfeilen vorbei klickt?
Is auf Dauer bisschen stressig :/
Das größte Scheitern war der Unsympath Thomas Hermanns, der die Show bis auf letztes Jahr viel zu lange vorher und nachher kommentieren musste. Ein absolut schmieriger Typ.
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