laut.de-Kritik

Die Isländerin lässt eine frische Brise Sound herein.

Review von

So schnell kanns gehen. Einst befreite sich Emiliana Torrini mit "Fisherman's Woman" vom Ballast der Elektronik und präsentiert sich instrumental fast nackt. Singer/Songwriter-Attitüde umschmeichelte ihre zarte und eindringliche Stimme. "Me And Armini" verbindet nun Stimmgewalt mit den Möglichkeiten der Elektronik und führt sie zu einem organischen Ganzen zusammen.

Eine fast chamäleonartige Verwandlung. Der recht konventionelle Beginn mit dem zurückgelehnten Opener "Fireheads" knüpft aber noch an den Vorgänger an. So hält sie zu Beginn den interessierten Hörer bei der Stange.

Spätestens mit dem Titeltrack öffnet Emiliana Torrini das Fenster und lässt eine frische Brise Sound herein, ehe der Verdacht aufkommt, ihre musikalischen Vorstellungen setzten eine muffige Patina an. Ein fluffiger Off Beat mit schön rollenden Dub-Basslinien, ein Besenschlagzeug, sparsam eingesetzte elektronische Beeps runden den wunderbar vor sich hin schlurfenden Track instrumental ab. So ein Gesang passt auch zu karibischen Rhythmen sehr gut.

Torrini ist sicher nicht mit den größten vokalen Fähigkeiten gesegnet. Dennoch bezaubert sie mit ihrem Elfengesang immer wieder aufs Neue, und unaufdringliche Detailverliebtheit schimmert ebenfalls immer wieder durch.

Man achte etwa in "Birds" auf die kaum wahrnehmbaren Vogelstimmen: "Let's stay awake and listen to the dark, before the birds, before they all wake up". Kitschig? Aber gerne doch. Zumal, wenn diese gesüßte Stimmung keine bemühte Diddlmausigkeit versprüht und absolut rund klingt.

So scheut Emilia Torrini sich auch nicht davor, den Song zwischendurch ein wenig ausfransen zu lassen und zart psychedelisch angehaucht auf Pink Floyds Spuren zu wandern. Sie kreiert eine sechsminütige Traumreise, die - trotz der für Pop-Maßstäbe schon ewigen Spielzeit - gerne doppelt so lange dauern dürfte.

Die Reisetätigkeiten in Gefilde unterschiedlichster Ausdrucksarten setzt sich nahtlos fort. "Jungle Drum" ziert nicht nur ein plakativer Titel. Offensiv wie nie zuvor trägt sie mittels eines tarantinoesken Western-Sounds eine zauberhafte Liebeserklärung an einen imaginären Herren der Schöpfung vor. Da darf sich jemand glücklich schätzen.

Keine Angst: Anhänger ruhiger Akustik-Nummern kommen auch 2008 dank einiger verträumter Kompositionen auf ihre Kosten. Aber die sind eben nur ein Teil des vollkommen runden Ganzen. Richtig spannend macht es Emiliana mit Songs wie "Gun", das mit düsterer Film Noir-Kulisse auf den Hörer eindringt. Nick Cave lässt grüßen.

So gelingt der Isländerin fast die Quadratur des Kreises. Das bislang abwechslungsreichste Album ihrer Karriere dürfte sämtliche Liebhaber ihrer unterschiedlichen musikalischen Facetten in einem einzigen Album begeistern. Wie ein Chamäleon eben!

Trackliste

  1. 1. Fireheads
  2. 2. Me And Armini
  3. 3. Birds
  4. 4. Heard It All Before
  5. 5. Ha Ha
  6. 6. Big Jumps
  7. 7. Jungle Drum
  8. 8. Hold Heart
  9. 9. Gun
  10. 10. Beggar's Prayer
  11. 11. Dead Duck
  12. 12. Bleeder

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