laut.de-Kritik

Zwischen Disturbed-Attacken und Hey-Ho-Mark-Forster-Sound.

Review von

Von einem "überdurchschnittlichen Alternative Metal-Brocken, den es erst einmal zu toppen gilt" sprach ich beim letzten richtigen Emil Bulls-Album "Sacrifice To Venus" noch. Nun steht fest: Diese Hürde hängt für die Münchner zu hoch. "Kill Your Demons" wirkt im Gegensatz zum Vorgänger wie in der Mikrowelle aufgewärmt.

Das beginnt schon beim gewöhnungsbedürftig künstlichen Sound. Zwar klingen die Riffs durchaus fett, der Mix aber eher unfertig. "Kill Your Demons" startet mit rumpeligem Synthie-/Gitarren-Mischmasch, später schneiden die Leads unangenehm schrill durch die Riffdecke. Oder sind meine Boxen etwa kaputt? Abgesehen davon scheint den Bulls plötzlich jegliche Originalität abhanden gekommen zu sein. Lyrisch hatte man schon mal mehr drauf als "Come kill kill kill kill your demons" und die gewohnte Stil-Mixtur – nennen wir sie Nu-Alternative-Popcore – das klang einst wesentlich frischer.

Es hagelt Breakdowns, die Bullet For My Valentine nicht mal auf B-Seiten packen würden, etwa in "Black Flags (Over Planet Earth)". Bei "The Ninth Wave" hockt Rammsteins "Mehr" im Speedboot und der gute Eindruck, den das Solo hinterlässt verfliegt dank fiepender Synthies im (ebenfalls inspirationslosen) Breakdown – ein Paradebeispiel dafür, warum manches einfach besser ohne Verzierungen funktioniert.

Bringt "Miss Magnetic" als augenzwinkernde Kaugummi-Pop-Einlage den Kahn zurück in die Spur, radiert das Refrain-Ende ("Addicts are never free-i-hii-hii") dieses Bild sauber wieder aus. Geht nicht schlimmer? Geht schlimmer. "Euphoria" wartet mit "Hey-ho"-Forster-Ästhetik auf. Passender Text dazu: "I'm on track with you / It's ready set and go / I wanna feel glorious!"

Doch es ist nicht alles schlecht. Von Hooks versteht die Bande nach wie vor einiges. "Once And For All" ist eine astreine Livehymne, "The Anatomy Of Fear" kommt schön aggressiv, aber auch catchy daher, auch wenns im letzten Drittel etwas zu cheesy wird. "Mt. Madness" überzeugt voll und ganz – von eingestreuten Death-Growls über Disturbed-Attacken bis hin zum eingängigen Alternative-Chorus.

Ihre sanfte Seite kehren Emil Bulls im Melancholie-Rocker "Winterblood" nach außen. Da man bis dahin eine ganze Reihe Plattitüden überwinden musste, gerät dieser Abschluss recht wohlig. Bis zur nächsten Platte heißt es daher: Lieber live anschauen und sich wegblasen lassen.

Trackliste

  1. 1. Kill Your Demons
  2. 2. The Ninth Wave
  3. 3. Black Flags (Over Planet Earth)
  4. 4. Miss Magnetic
  5. 5. Once And For All
  6. 6. The Anatomy Of Fear
  7. 7. Mt. Madness
  8. 8. Euphoria
  9. 9. In Any Case Maybe
  10. 10. Gone Dark
  11. 11. Levels And Scales
  12. 12. Winterblood (The Sequel)

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1 Kommentar

  • Vor einem Monat

    Waren die mal relevant? Zumindest vermittelt die Review nicht den Eindruck, dass sie es inzwischen geworden sind.

    Die Akustik Platte fand ich ziemlich gut, inkl. zugehörigem Live-Auftritt. Aber ansonsten kann ich mit denen irgendwie gar nix anfangen.