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Auch hierzulande darf fortan darüber debattiert werden, ob diese britische Senkrechtstarterin dem Jahr 2010 mit ihrem Debüt tatsächlich ihren Stempel aufdrückt. Ihr schillernder Mix aus Pop, Synthie-Arrangements und Folk-Anleihen veranlasste erst die BBC, Ellie zur heißesten Newcomerin zu erklären, bei den Brit Awards setzte ihr dann die Jury in der Kategorie "Critics' Choice" die Krone auf. Fortan ist der Hype um diese Musikerin in Gang gesetzt und beschert ihr Spitzenpositionen in den britischen Charts.
Bei allem Erfolg von "Lights" bemängeln diejenigen, die sich von ihren akustischen Coverversionen von Midlakes "Roscoe" und Bon Ivers "The Wolves" haben verzaubern lassen, nun die Abwesenheit von Folk. Die anderen werfen ihr dagegen vor, ihren Synthiepop zu inkonsequent und risikolos inszeniert zu haben.
Stilistisch gehen diese unangestrengt lächelnden Stücke über den Songwriterpop von Kolleginnen wie Kate Nash oder Lily Allen hinaus, auch wenn die Ohrwurm-Melodien, die Gitarren, ein Glockenspiel, Pianolinien oder Handclaps den Singer/Songwriter-Ursprung ihres musikalischen Schaffens offenbaren. Die Besonderheit dieser Lieder liegt aber vielmehr in den vielschichtigen, clubtauglichen Inszenierungen.
Den größten Anteil an diesem markanten Soundgewand hat der Produzenten Starsmith, der die ohrgängigen Songs behutsam mit vielschichtigen, bisweilen sphärischen Synthie-Elementen mit Retro-Charme und elektronischen Spielereien wirkungsvoll ausgestattet hat. Ellies Stimme hat er häufig artifiziell bearbeitet, was zu einem harmonischen Fluss zwischen herkömmlicher Instrumentierung, unaufdringlicher synthetischer Ausstaffierung und Gesang führt.
Neben leidenschaftlichen Dancefloor-Nummern wie "Starry Eyed", "Under The Sheets" und "Salt Skin" bewegen sich die Tracks im Midtempo-Bereich und bahnen sich mal verträumt-melodramatisch ( "This Love (Will Be Your Downfall)", "The Writer") ihren Weg oder gefallen mit effektiv anhebender dramaturgischer Spannung ("Everytime You Go", "Your Biggest Mistake").
Zwischen Eleganz und Teenie-Romantik tänzelt Ellie Goulding unaufdringlich unter der sich dezent drehenden Discokugel zu lässigen Rhythmen. Dass sie dabei einer auf Albumlänge absehbaren Struktur folgt und nach den zurückhaltenden Strophen stets einen hymnischen, Refrain auspackt, verleiht dieser durchweg kohärenten Platte in diesem synthetischen Kontext einen ungemeinen Pop-Appeal, der den überbordenden Enthusiasmus ebenso vermeidet wie die ernüchternde Melancholie.
Mit Folk will dieses Werk ebenso wenig zu tun haben wie mit hart stampfenden Elektro-Rhythmen. Vielmehr ist es Ellie Goulding auf bemerkenswerte und behutsame Weise geglückt, ihren unbekümmerten Songwriter-Pop mit schwerelosen, einnehmenden Synthie-Klängen in Einklang zu bringen und damit niveauvoll den Mainstream-Pop aufzumischen.
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