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Anmutig, stoisch und nur gelegentlich von störrischen Zeitgeist-Winden geplagt, gleitet sie nun schon dahin, die Karriere von Element Of Crime. Viele einstige Nahestehende sind seit dem ersten hohen Wellengang Anfang der 90er verschollen, doch andere drängten stets nach in diese robuste Melancholie-Rock-Zille, allein um Käptn Regener und dessen ganz speziellem Seemannsgarn auf schwerer See nahe zu sein.
"Immer Da Wo Du Bist Bin Ich Nie" ist so ein Satz, der eigentlich nur von Regener stammen kann, und dem nur ein Ausrufezeichen zur Kenntlichmachung der erbetenen Aufmerksamkeit fehlt. Denn ob der EOC-Chef will oder nicht: "Mittelpunkt Der Welt", das erste Gold-Album der Band-Geschichte und auch schon wieder unglaubliche vier Jahre alt, wirft einen beträchtlichen Schatten auf das neue Werk.
Da kann es nicht schaden, wird sich Herr Regener gedacht haben, eine der Top-Zeilen der Platte gleich mal im Opener zu verpulvern: "Was für Cloppenburg Pfanni ist / bist du für mich". Bis man diese auch rhythmisch anspruchsvoll umgesetzte Stelle zu hören bekommt, muss man erst mal mithalten mit dem Sänger, der in "Kopf Aus Dem Fenster" ein Tempo hinlegt wie weiland die Walz aus der Pfalz in Mexiko. Regener keucht, flucht und metaphert signalhaft wie eh und je, freilich nicht ohne sich dabei von einer seltsamen Wirklichkeitsebene zur nächsten zu hangeln - ein fulminanter Start.
Den countryesken Americana-Einschlag findet man später noch auf dem Titeltrack, einem sich dehnenden, untypisch ruppigen EOC-Stück mit einer zärtlichen Basslauf-Reverenz Dave Youngs an "These Boots Are Made For Walking". Doch Element Of Crime feiern natürlich auch seit jeher die Zurückgenommenheit, den leisen Moment: Einen ihrer schönsten seit langer Zeit präsentieren sie auf "Am Ende denk ich immer nur an dich".
Atemberaubend, wie es Regener hier gelingt, drei separate Erzählebenen gegen Ende wie selbstverständlich zusammen laufen zu lassen, kulminierend in der Frage: "Wie viele Erdbeereise muss der Mensch noch essen?". So einen Song wünscht man sich mal bei einer dieser lächerlichen TV-Jubelheimer-Veranstaltungen wie dem Echo, wo es gang und gäbe ist, der Republik die Abwrack-Poesie talentierter Nichtskönner vorzuführen.
Gewiss, Element Of Crime haben derlei Albernheiten gar nicht nötig. Einer höheren Gerechtigkeit folgend, warten so viele Fans wie nie auf vorliegendes Werk, das letztlich auch niemanden enttäuschen wird, der erst mit "Mittelpunkt Der Welt" zur Band fand.
Von Alltags-Topics wie Schädelweh auf Mallorca, den Teletubbies, der örtlichen Spargelkönigin und dem Whisky danach: Genügend bislang nicht artikulierte Wahrheiten finden sich ebenso wie musikalische Höhepunkte. Hier seien Regeners bis fast zum Schluss aufgehobenes Trompetensolo in "Deborah Müller", Christian Komorowskis Geige im waidwunden "Bitte Bleib Bei Mir" oder Jakob Iljas minimale Zauberei in "Am Ende Denk Ich Immer Nur An Dich" genannt.
Zwischendrin platziert die Band noch das schunkelige Alliterations-Karussell "Kaffee Und Karin", das Regener prompt zum Lallen verleitet ("Jammernunpicheln im Straßencafé") und sogar einen Kinderchor, wodurch "Der weiße Hai" zum fröhlichsten Stück mutiert.
Mit "The Storms Are On The Ocean", dem ersten englischsprachigen Albumtrack seit zwei Jahrzehnten, verneigen sich die Berliner zum Ende vor der Carter Family oder gleich dem gesamten Bluegrass-Genre.
"Und hier ist Endstation / hier gehts nicht weiter / hier steigen alle aus" - wollen wir hoffen, dass Regener hier maximal die Besatzung des schnuckligen 50 PS-Schiffchens meint, in das er seine Truppe für aktuelle Promofotos zitierte. Um in die Queen Mary 2 umzusteigen, zum Beispiel. Nach der nächsten Gold-Auszeichnung vielleicht.
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ja nun, michel...was soll man sagen:
ganz, ganz toller review-text, der selbst unter deinen allerbesten rezis einen der vorderen plätze einnimmt.

Öhm naja, ohne hier blöd rumsticheln zu wollen, kenne die Band sogut wie garnicht und nach der Review weis ich jetzt zwar ziemlich genau worum es in den einzelnen Songs geht und dass dies texlich ziemlich drauf haben, aber was die für Musik machen, bzw. wie sich die Songs denn eigentlich anhören weis ich immernoch nich genau(bis auf einige Ausnahmen in denen spezielle Instrumente erwähnt werden).
@The Gus:
Stimmt schon, andererseits sind Element Of Crime stilistisch ungefähr so experimentierfreudig wie Status Quo oder AC/DC. So was beschreibt man vielleicht ein oder zwei Mal, danach wird's 'n büsch'n dröge.
Gruß
Skywise
Aus purer Höflichkeit habe ich gewartet bis die Rezension hier erscheint. Sehr schön geschrieben und die Sache sehr gut getroffen.
Der Satz mit den Jubelheimern hat mir ein fröhliches Grinsen hervorgezaubert.
@Skywise:
Das möchte auch bitte so bleiben. Das experimentieren sollen Sie den jungen überlassen. Ich will das nie und nimmer anders haben.
Eine dieser unschlagbaren Zeilen:
"Wer eine Monatskarte hat,
Sollte besser nicht am Monatsanfang sterben."
Dass das Bier in meiner Hand alkoholfrei ist
ist Teil einer Demonstration
gegen die Dramatisierung
meiner Lebenssituation
Doch andrerseits sagt man das Schweinesystem
sei auf nüchterne Lohnsklaven scharf
darum steht da auch noch ein Whisky
weil man dem niemals nachgeben darf
----------------------
Und sowas eingebettet in einen unaufgeregten Walzer.
Das ist einfach unschlagbar.
in sachen wortgewandtheit reicht regener kaum jemand das langenscheidt.
in sachen wortgewandtheit reicht kaum jemand thammü DER langendscheidt.
oder die? 
florian langenscheidt.
verleger.
unterstützt aktiv die fdp.
also: das (neoliberale arschloch).
DAS!
"The Storms Are On The Ocean" ist auf der LP-Version nicht drauf. Lohnt das?
Ansonsten, sehr feines Album, dass bei mir in Dauerrotation läuft und momentangefühltichweißnichtgenauwieviele Vorgänger schlägt.
Und die Teletubbies erhalten endlich die Huldigung, die sie verdienen.
oh, dann werde ich es mir doch mal bei einem der möglichen anbieter käuflich erwerben 
Wir haben so richtig schön aneinander vorbeigeredet. Ich bezog mich auf die Doppeldeutigkeit deines Satzes, dass du Veränderung genauso hasst wie EoC. Jetzt weiß ich ja wie du es meintest.
Also Chapeau!
Ich bin ja froh wenn wenigstens ein paar in diesem Thread posten!
Deshalb bist du unbedingt einer von den Guten!
Morgen bin ich beim EoC Radiokonzert von Radio1 in Potsdam.
Juchhu!

Hm, so experimentierunfreudig finde ich das neue Album gar nicht. Den Country-Einschlag hätte ich so nicht erwartet, aber er passt wunderbar zu EoC und Svens rauher Stimme. Diese neue Ruppigkeit mag ich sehr. Sie sind sich treu geblieben ohne stehen zu bleiben. Klasse!
nur 2 mal gehört bis jetzt. natürlich viel zu wenig zm viel darüber sagen zu können aber gefallen tut es bis hier her
Bin noch nicht so warm geworden. Für mich zuviel Country, zuwenig Regenersche Trompete und die Texte holpern schon etwas gegenüber früheren Meisterwerken. Obwohl das Titelstück und der fast schon Mike Krügersche Mitschunkelsong Der Weisse Hai und (halt country aber nicht schlecht) Kopf aus dem Fenster kommen bei mir recht gut an. Am Ende, Einer kommt weiter und Bitte bleib bei mir haben wir so schon ein paar dutzend Mal von den Herren gehört und back to the english language brauche ich echt nicht mehr bei EoC.
Aber ich glaube, die Scheibe wächst noch. Mittelpunkt hat mir am Anfang auch nicht gefallen 
"Einer kommt weiter" ist für mich der Track der Platte.
Alleine für diese Textzeile ziehe ich meinen Hut vor Regener:
"Der Zucker in deinem Kaffee ist nur Kohle und Wasser und Glück, dass einer das neu arrangiert hat und dich das Ergebnis entzückt. Weil die Zunge dafür ein Gespür hat, wie ein Feuermelder für Rauch - und die Körperzelle es gleichsam wie ich deinen Anblick brauch."
geht mir ganz genauso.
man liebt den stoff
man liebt die lyrics
man liebt die haltung
aber man ahnt irgendwo im hintersten winkel des sumpfigen unterbewußtseins:
"seufz, eine weitere jimmy and johnnny oder damals hinterm mond wird es einfach nie mehr geben....seufz"
besser kann ich nicht sagen.
für mich ist das qualitativ quasi ein großes album. die gehören zusammenb; reine empfindungssache.
aber die mond-platte hat für eoc freunde meines alters einfach immer den besonderen stein im brett, dass sven hier den schwenk zur deutschen sprache vollzog und die ganzen betulichen deutschrocker mit frischer alltagslyrik und sprachwitz über den jordan schickte.
Habe mir gerade Die schönen Rosen bestellt und gestern zum ersten Mal gehört. Die Phase zwischen Weisses Papier und Romantik kannte ich bislang nicht. Musikalisch finde ich sie aber nahe an Damals hinterm Mond, meinem grossen Einstiegsalbum. Textlich aber nicht so reif wie Weisses Papier.
Immer da...: Ich weiss noch nicht, wo ich die neue Scheibe einreihen soll. Musikalisch halt schon mit mehr Countryeinflüssen als Waitsgroove, textlich habe ich z.T. den Eindruck, dass gewisse Stücke nicht ganz zu Ende gedacht und ausgearbeitet wurden. Das mag System haben: die Ideen sind gut und die Szenarien kommen rüber speziell bei "Am Ende...", einer wunderbaren Momentaufnahme, bei der ich mir immer eine 3D-Freezeframeaufnahme auf der Leinwand vorstelle oder "Kaffee und Karin", das etwas bierselig an "Alle vier Minuten" anknüpft, ohne dessen philosophisch-semantischen Gehalt zu erreichen. Der Titelsong schafft das eher. "In mondlosen Nächten" ist recht schön und eine typische Regenerballade und "Kopf aus dem Fenster" kalauert in gutem alten Stil herum, obwohl hier die Reime schon sehr holpern. Einer meiner Favoriten ist das voll aus dem Rahmen fallende "Der weisse Hai", das mich an Mike Krüger oder andere Blödler der 70er erinnert (Kreuzberger Nächte sind lang lassen grüssen), ohne jedoch auf dieses platte Niveau herunter zu kommen.
Habe das Album schon x-Mal gehört, aber es wächst nicht gross, wie dies damals bei Damals hinterm Mond oder Weisses Papier, oder sogar Romantik der Fall war. Ich würde es als "Kleine Schwester von Mittelpunkt" bezeichnen, da waren auch schon erste Countryeinschläge vorhanden.
Kenne leider auch nicht alle, habe nur die folgenden, die ich mal subjektiv so benoten würde:
Try To Be Mensch 5/10
Einige gute Songs, aber Regener auf Engisch passt nichte nicht. Der Sprachwechsel tat gut. Auch die Texte waren zu plump und direkt.
Damals hinterm Mond 10/10
Ist fast nicht zu toppen. Jedes Stück ein Juwel, cinematographische Szenenbeschreibungen zu Waits-artiger experimenteller aber grooviger Musik.
Weißes Papier 9/10
Praktisch perfekt - den einen Punkt Abzug gebe ich nur, damit das Vorgängeralbum keine Konkurrenz erhält.
Die schönen Rosen 7/10
Hab sie erst 2-3 Mal gehört, muss wohl noch wachsen. Hat aber weniger Tiefgang als Weisses Papier und musikalisch nur etwas an Mond angelehnt.
Romantik 8/10
Feiner in der Musik, aber stark in den Texten. Gefällt mir sehr gut. Eine Platte zum träumen und Nachdenken.
Mittelpunkt der Welt 8/10
Würde ich mal mit Romantik vergleichen, obwohl etwas mehr Countryeinschlag und alleine für die Zeile "Einer hält den Spaten und zwei schaun ihm beim Halten zu" gibts einen Extrapunkt! Hatte am Anfang Mühe mit dem Teil, ist aber gewachsen.
Immer da wo Du bist bin ich nie 7/10
Kommt nicht ganz an die Vorgänger heran. Ausser dem Eingangsstück, Kaffee und Karin, dem Titeltrack und Weisser Hai bewegt sich alles etwa im gleichen Stil. Euro und Markstück ist gut, aber den Hype, der darum gemacht wird hier, werde ich wohl nie begreifen. Dann gefällt mir Roter Sand von Rammstein besser (nicht dass ich es vergleichen wollte, aber vielleicht eben doch).
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