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Wie gerne wäre ich jetzt im schönen England mit einem uncoolen Cider in der einen und fettigen Fish & Chips in der anderen Hand. In London der Queen von Weitem zuwinken, in Cornwall den schmucken Surfern beim Scheitern zuschauen oder am allerliebsten Bier trinken mit Mark E. Smith in Manchester.
Der entfernten Heimat von Elbow, die nach zweijähriger Schaffenspause endlich noch mal was von sich hören lassen. Wie schön, dass es genügend Musik aus diesem Lande gibt und man fürs erste sich damit zu Hause eindecken kann. Zum Beispiel mit "Leaders Of The Free World", dem dritten Werk der sympathischen Inselaffen.
Auch wenn der Popper irgendwann zum Rocker mutiert, bleibt immer ein Plätzchen für herzzerreißende Melodramatik übrig. Vor allem, wenn Sänger Guy Garvey und sein typisch englisches Melancholie-Frühstück dabei im Vordergrund stehen. Liebe, Frust und Schmerzen sind natürlich auch hier wieder die Hauptthemen, wobei der Albumtitel sich diesmal vor allem auf George W. Bush und sein Erbsenhirn bezieht.
Elbow sitzen seit 2001 mit auf dem königlichen Britpop-Thron, und selbst Chris Martin von Coldplay lässt sich von diesem Songwriting inspirieren und gilt als schmachtender Fan. Nach der letzten Platte Cast Of Thousands ist man natürlich gespannt, ob sich Guy und seine Mannen noch mal steigern. Nicht ganz, aber dennoch lässt das Anfangslied "Station Approach" wieder nur Gutes vermuten. Die Gänsehaut wächst mit Mr. Garveys Stimme, die sich gerne mal in eine höhere Stimmlage verirrt (Picky Bugger), um damit sein Leid noch fester in die Gehörwände zu pressen. Hier wird im übrigen vor exzessiven Partys gewarnt. Sehr vorbildlich.
Die erste Mitsommernachts-Hymne ist auf jeden Fall "Forget Myself". Der nächste Ohrcatcher betört mit einem gewaltigen Bass in "Leaders Of The Free World". Dieser Titelsong protestiert weniger, als er sich lustig macht. Elbow sehen sich nicht als politische Band. Sie sahen lediglich eine Veranstaltung, bei der Bush als der "Commander in Chief and Leader of the free World" angekündigt wurde. Das fanden sie so unglaublich, dass sie diese Phrase in ihr Repertoire mit aufnehmen mussten. Ihrer Meinung nach hätte eher so was wie Darth Vader reinkommen müssen, und nicht dieser Cowboy.
Die Aussichten auf sanfte Balladen verdichten sich mehr und mehr im zweiten Teil des Albums. Mit harmonischem Geigen- und Klavierzauber erfüllt spätestens "Great Expectations" die Erwartungen. Die Produktion fand diesmal ohne großen Aufwand im eigenen Studio statt. Bescheiden waren Elbow schon immer, um so gigantischer ihre Songs, und um so mehr freut man sich auf das nächste Livekonzert. Bestuhlt wäre es ein besonderes Erlebnis.
Ich weiß nicht, wie sie es schaffen, aber die Engländer treiben einem immer wieder Tränen in die Augen, vor allem wenn sie aus ihren selbstbetitelten "Shitholes" kommen, wie hier zum Beispiel Bury. Öde ist da gar kein Ausdruck mehr, man muss schon die Zähne zusammen beißen, um den Glauben an das Gute nicht zu verlieren. Letztendlich ist doch alles gar nicht so schwarz, und selbst in Manchester regnet es auch nicht ununterbrochen.
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