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Zwei Jahre nach den Debüt beehren uns Ria und Konsorten mit ihrem zweiten Streich. Immerhin genug Zeit für die zierliche Frontfrau, an handwerklichen Mängeln und der kompositorischen Einfallslosigkeit des Erstlings zu arbeiten.
Doch leider erhebt sich hier kein gothischer Phönix aus der kreativen Asche. Stattdessen reitet Frau Schenk samt Mannschaft den altbekannten Gaul üblicher Klischees gnadenlos bis zum verdienten Exitus der Mähre.
Was dieses Album samt ihrer Kunstfigur so unerträglich macht, ist vor allem der stets präsente Verzicht auf alles, was man auch nur im entferntesten als authentisch bzw. unverfälscht bezeichnen könnte. Der pausenlos voran getragene Bezug auf die Postpunk-/Gothic-Kultur ist dabei die größte Mogelpackung. Unbeleckt und gleichgültig gegenüber den künstlerischen Errungenschaften dieses Genres in allen bildenden Künsten, reduziert sich Eisblume anscheinend bewusst auf lahme Äußerlichkeiten. Es ist mir schlicht rätselhaft, wie mein die eigene Kunst so sehr auf das klassische Klischee der Schatten und Nebel-Goth-Lolita herunterbricht. Als gäbe es hiervon nicht bereits mehr als genug Abziehbilder auf breiter Manga-Front.
Unvermeidbar, dass in solch einer Kalkulation auch der Ideenreichtum für das Coverartwork eher begrenzt anmutet. Unwirkliche, dunkle Vögel zur mystischen Aura hat Madonna bereits vor knapp fünfzehn Jahren für "Frozen" von der Szene adaptiert. Aber Frau Ciccone hat im Gegensatz zu diesem Machwerk elegant und originell geklaut. Die persönlichkeitsbefreite Anlehnung Rias an das Backcover der aktuellen Platte des Gothfathers macht das unangenehme das Déjà-vu-Erlebnis nicht besser. Wird hier etwa mit dem schlechten Gedächtnis des Publikums kokettiert? Nicht mit uns.
Rein musikalisch landet man mit Eisblume dann auch verlässlich in der kieksenden Sangesprovinz. Das verquengelte Teenage-Timbre weist erneut unangenehme Ähnlichkeiten zu anderen Lolitas wie Bill Kaulitz auf. Wer soll das ertragen? Immerhin wäre es möglich, auch in dieser einen Stimmlage Souveränität und königlich gotische Weiblichkeit einzubringen. The Cranes haben seinerzeit u.a. mit dem Szenehit "Shining Road" bewiesen, wie lässig so etwas geht. Das sollte sich die gute Ria wirklich einmal anschauen.
Besonders schlimm: die immer auf die gleiche Weise hingeschmirgelten Songstrukturen/Soundwände. Natürlich kann dieses Schema F zwischen Schlagerpop und Gähn-Refrain der Scheibe in keiner Sekunde zu so etwas wie Identität oder gar Glaubwürdigkeit verhelfen. Im Gegenteil: Wer es nicht glaubt, soll gerne Vergleiche anstellen mit massenhaft ähnlich arrangierten und komponierten Songs der deutschen Rockprovinz. Tokio Hotel-Tracks, typisches Silbermondgewürz und Stürmer-Anteile der Kollegen von Luftpumpe und Reißbrett vernichten wirklich jeden Ansatz, der auch nur entfernt an das Mittelmaß heranreichte. Wo bleiben stattdessen die Ideen der gefühlt 100 Namen in den Credits?
Dabei gäbe durchaus einen Silberstreifen am Horizont, wenn man ihn nur zuließe. Man höre sich nur einmal das gefühlvolle Pianothema von Kiko Masbaum auf "Für Immer" an. Doch statt sich von der Inspiration eines solchen Ansatzes mitreißen zu lassen, vergräbt das Lied die Tasten und sich im typischen Wühltischrock-Arrangement. Über Zeilen wie "Die Ewigkeit scheint mit dir klein" muss man an dieser Stelle schon nicht mehr sprechen. Zu wenig lyrisches Gefühl für die nachdenkliche Pose der Band.
Damit bleibt alles beim Alten. Die Eisblume erweist sich einmal mehr als songwriterisches Gefrierfach-Gestrüpp. Wer nicht älter als 13 ist oder unter Alzheimerschüben leidet, wird dieser Copycat-Orgie sicherleich etwas abgewinnen können. Alle anderen laufen Gefahr, sich schier tödlich zu langweilen.
"Die persönlichkeitsbefreite Anlehnung Rias an das Backcover der aktuellen Platte des Gothfathers macht das unangenehme das Déjà-vu-Erlebnis nicht besser."
Als würden die Murphy kennen und ihn bewusst zitieren. Lächerlich. Die arbeiten mit einem abgelatschten Pseudobildchen, ebenso wie Murphy auch. Am Ende noch schön über Alzheimerkranke lustig gemacht. Assauer klopft sich freudig auf den Schenkel.
So auf den Schreck werde ich mir gleich mal wie das Meisterwerk "Disintegration" von "The Cure" reinlegen (wann gibt es eigentlich zu diesen Teil ein Meilenstein-Review?). Was ich bemerkenswert finde, ist die Tatsache, dass hier vorwiegend die Pop-Kultur verissen wird. Eigentlich weiß man doch vorher, was da einen erwartet, und ich würde mir die Zeit für den Veriss sparen. Wie viel gute Musik da einem entgehen mag.^^
Endlich wieder ein Eisblume-Review. Während ich sonst den Eindruck habe, der Anwalt könne sich alles irgendwie schön schreiben, hier ein Verriss nach allen Regeln der Kunst. Die Rebecca Black des deutschen Pop-Goth hat wieder zugeschlagen.
Den Untergang von Gothic haben aber schon andere vor Jahren eingeleitet. Blutengel, Down Below, Stahlmann, die Liste scheint endlos.
Übrigens kann ich mir auch schwer vorstellen, dass das Cover von Peter Murphy abgekupfert wurde. Ich bezweifle bei den von mir genannten "Musikern", dass denen "Bauhaus" ein Begriff ist.
Gutes Stichwort übrigens: "You worthless bitch, you faecal shit, you will spit on me, you will make me spit..."
@JaDeVin Guggst Du vielleicht auch hier: eisblume.net
Das ist die authentische Eisblume, die es schon vor der Band gab. Sie arbeitet anscheinend gerade an ihrem neuen Album.

aber wir kriegen deine seele trotzdem: der don lässt dich da natürlich nicht im regen stehen. er war nur ertwas schneller als die rubrik:
http://www.laut.de/The-Cure/Disintegration-Deluxe-Edition-%28Album%29
....kiss me....ist auch am start. viel spaß
liebes biest 666, wenn du mich schon für altersmilde hältst, wurde es ja wohl mal zeit. blutengel und down below haben hier übrigens auch bekommen, was sie verdienen. http://www.laut.de/Blutengel/Schwarzes-Eis-%28Album%29 und http://www.laut.de/Down-Below/Wildes-Herz-%28Album%29
....aber schon ein echtes armutszeugnis, dass ausgerechnet die deutschen - deren kulturelle schwerblütigkeit bei so vielen internationalen pionieren das inspirierende fundament war - hier auf breiter front so derbe versagen.
Ich halte dich keineswegs für Altersmilde, sondern unvoreingenommener und fairer als andere Rezensenten, aber die Tatsache, dass Eisblume sogar DEINEN Kragen zu platzen bringen, erheitert mich doch sehr.
Ich frage mich sowieso, was mit der Schwarzen Szene los ist. Wenn ich mal nen Grufti nach "Bauhaus" frage, bekomme ich nur ein fragendes Gesicht zur Antwort. In meinem ehemaligen Lieblingsclub treten demnächst "Stahlmann" auf. Generell würden mir auf Anhieb viel mehr ätzende als gute deutsche Goth-Bands einfallen.
Wann kommt denn die Review zu "fremd" von ASP?
meine these - und da darfst du mich gern zitieren - lautet:
"hier hat nicht die revolution ihre kinder gefressen; sondern die kids ihre revolution."
und genau diesen punkt, den du auch gerade nanntest erlebt man im gothbereich in einzigartig negativer qualität.
undenkbar, dass die hiphopper ihre nwa/public enemy vergäßen; unvorstellbar, dass junge metaller nicht etwa wüssten, wer maiden wären....etc.
aber ausgerechnet der angeblich so sesitive darkroom feiert die große kollektivdemenz? ....das ist ja psychologisch schon hochinteressant.
Liegt vielleicht daran, dass der "sensitive Darkroom" inzwischen ein kulturloser Haufen banausiger, uniformierter Modeopfer ist, die sich Goth inzwischen von RTL2 erklären lassen.
@AnwaltMeine These hierzu ist: "Gothic ist tot, seit die Gothics aufgehört haben Punks zu sein." Den künstlerischen Spagat, den z.B. Bauhaus ihrerzeit geschafft haben, irgendwie abgefuckt und gleichzeitig im höchsten Maße ästhetisch zu sein, der Kunst ins Gesicht zu spucken und sie gleichzeitig neu zu erfinden, schafft heute irgendwie kein Interpret (der mir bekannt wäre) mehr. Dabei hätte gerade Gothic das Potenzial zu einer Kunstbewegung, die über die Grenzen der Musik hinaus geht (gehabt). Aber mittlerweile ist Gothic eine Szene ohne Underground, eine kommerzielle Geldmaschine. Und was soll aus einer Subkultur ohne Underground schon werden?
Deine These hat gerade ne Idee für nen Songtext bei mir geweckt.
Kennst du "The Trend" von Annihilator? Widmet sich ungefähr der Thematik.
Es ist eine Schande das so ein wunderschönes Klavierstück von Yiruma ("River Flows in You") für einen von deren "Songs" herhalten muss......
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