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Die Eels sind eine der ersten Bands, die auf dem Mitte der Neunziger neu gegründeten Label Dreamworks Records unterkommen. Damit beginnt sowohl der Triumphzug der drei aus Los Angeles, als auch der des Entertainment-Konzerns.
Für Mark Oliver Everett (Jahrgang 1963), kurz 'E' - Mastermind der Band und Multiinstrumentalist - ist das nicht der erste Versuch, mit Musik Karriere zu machen. Der Sohn des Physikers Hugh Everett III wünscht sich schon früh von seinen Eltern ein Kinder-Drum-Set, das er auf einem Flohmarkt entdeckt hatte. Doch nicht nur das Trommeln fasziniert den Jungen. Im Zimmer seiner Schwester Elisabeth hört er deren Neil Young-Platten. Die inspirieren ihn, er beginnt auf ihrer Gitarre und dem Klavier der Eltern die ersten eigenen Melodien zu komponieren.
Doch E entwickelt sich nicht zum braven Sohn, der mit Eifer Klavier übt. Statt dessen kommt er mit Drogen in Berührung und mit dem Gesetz in Konflikt. E fliegt von der Schule. Gerade mal 19 Jahre alt, stirbt sein Vater an einem Herzinfarkt. E besinnt sich auf die Musik und befindet seine Heimat Virginia als äußerst schlechten Ausgangspunkt für eine Karriere in diesem Metier. So zieht er 1987 nach LA, arbeitet dort genau so an Tankstellen, wie auch als Techniker u.ä. für Musiker.
1991 ist es so weit, E erhält den musikalischen Ritterschlag. Polydor nimmt ihn unter Vertrag und veröffentlicht 1992 sein erstes Soloalbum "A Man Called (E)". Parallel geht er als Support Act mit Tori Amos auf Tour. Ein Jahr später erscheint das zweite Werk "Broken Toy Stop" Doch niemand möchte die Songs des Mannes mit der seltsamen Brille hören und schon gar nicht kaufen. Er verliert seinen Plattenvertrag und schaut sich nach einer anderen Möglichkeit um, mit Musik den Lebensunterhalt zu verdienen.
Dabei trifft er 1995 auf Butch aka Jonathan Norton (Drums) und Tommy Walters (Bass). Unter dem Namen Eels stehen sie bald bei Dreamworks unter Vertrag. Ihr Debüt "Beautiful Freak" geht mehr als eine Million Mal über die Ladentische und begeistert Fans wie Kritiker gleichermaßen. Auffällig ist auch das Cover-Artwork, das ein kleines Mädchen mit überdimensionalen Augen zeigt. Von diesem Bild angezogen, kauft sich der deutsche Regisseur Wim Wenders das Album. Seine Liebe zur Musik der Eels beginnt, sie soll später ihre Früchte tragen.
Vor den Aufnahmen zum zweiten Album erleidet E mehrere schwere Schicksalsschläge: Seine Schwester, die seit langem unter psychischen Problemen litt, begeht Selbstmord. Kurz darauf diagnostizieren Ärzte bei seiner Mutter Lungenkrebs im Endstadium. Dementsprechend verzweifelt fällt das '98er-Album "Electro-Shock Blues" aus, dessen Lyrics Tod und Krankheit thematisieren. Auf dem Album tummeln sich solch illustere Gäste wie der Dust Brother Mike Simpson oder Grant Lee Philipps von Grant Lee Buffalo.
Doch seinem Manager behagen die düsteren Titel der Songs nicht. Er rät E, sich etwas fröhlicheres auszudenken. Dieser hingegen pocht auf seine künstlerische Freiheit und wechselt lieber den Manager als sein Konzept. Auf dem Weg zum neuen Management geht den Eels leider auch Bassist Tommy verloren. Zu zweit machen sie weiter.
Zwei Jahre später scheint sich E wieder etwas vom Schock erholt zu haben, denn das Album "Daisies Of The Galaxy" wirkt über weite Strecken recht fröhlich. Zu den Aufnahmen holt sich E nach dem Ausstieg des Bassisten neben Drummer Butch Grant Lee Phillips und R.E.M.s Peter Buck ins Studio. Für die folgende Tournee bekommen sie Unterstützung vom Eels Orchestra.
Auf der Tour trifft E den Ex-PJ Harvey-Producer. Gemeinsam nehmen sie das nächste, weit rockigere Eels-Album "Souljacker" auf. Zur Single "Souljacker Pt. 1" bietet sich ihr großer Fan Wim Wenders an, den dazugehörigen Videoclip zu drehen. Mit der Band filmt er dazu in einem stillgelegten Berliner Gefängnis. Während der Aufnahmen zum Album heiratet E im Januar 2001 seine russische Freundin Natasha Kovaleva.
2002 kümmert sich E vor allem um den Soundtrack zum Film "Levity". Zwei Eels-Nummern sind darauf vertreten, der Rest ist ein echter Film-Score by Mark Oliver Everett. Im Frühjahr 2003 erscheint mit "Shootenanny!" das fünfte Eels-Studioalbum.
Eigentlich war dieser Wurf gar nicht geplant. Denn schon seit 1997 trägt E die Idee mit sich herum, ein Album aufzunehmen, das ein gesamtes Leben beschreibt. Doch die Sessions dazu erweisen sich als zäh. "Ich habe mich so danach gesehnt, mir eine elektrische Gitarre umzuhängen und mit einer Band loszuspielen", gesteht der Frontmann. Gedacht, getan. Er lässt die Aufnahmen an dem großen Projekt ruhen und widmet sich "Shootenanny!", das er dementsprechend schnell aufnimmt.
Doch auch das ursprüngliche Projekt verschimmelt nicht auf Demo-Bändern. Nach der Tour zum 2003er-Album setzt sich E wieder daran. Im April 2005 komm das Doppel-Album "Blinking Lights And Other Revelations" in die Läden. Darauf ist unter anderem ein heulender Tom Waits zu hören.
Im Jahr 2008 ist es dann allmählich an der Zeit zurück zu blicken. E sortiert den eigenen Nachlass schonmal zu Lebzeiten und fördert Unmengen an Songs zu Tage. Zunächst sammelt er die Singles ein, die seine zehnjährige Karriere mit sich brachte und packt diese zusammen zwölf interessanten Eels-Videos auf das Album "Meet The Eels - Essential Eels".
Parallel dazu erscheint die Doppel-CD "Useless Trinkets", auf der B-Seiten, Raritäten und unveröffentlichtes Zeug versammelt ist, ebenfalls aus zehn Jahren Eels und mit 50 (!) Stücken wahrlich ausreichend dokumentiert. Deswegen denkt der Meister aber noch lange nicht ans Aufhören.
Denn seine nächsten drei Alben - die Triologie "Hombre Lobo", "End Times" und "Tomorrow Morning" - erscheinen im Abstand von nur zwölf Monaten. Im Zuge des letzten Teils gehts - zur großen Freude der munteren Fanszene - auch wieder auf Welttour.
Bis "Wonderful, Glorious", das zehnte Studioalbum und ein komplettes Bandprodukt wie E betont, Anfang Februar 2013 erscheint, lässt er es dann wieder langsamer angehen: E, The Hardest Workin' Man in Showbiz? Könnte dennoch hinkommen.
Mark Oliver Everett über Depressionen, schlechte Gene und Vorurteile.
E ist sozusagen sein eigener Rick Rubin: er kümmert sich um alles selbst, von der Aufnahme übers Produzieren bis hin zur Abmischung. Wie hat er nur in so kurzer Zeit drei neue Alben hinbekommen?
Kurz vor diesem Interview wurde Mark Oliver Everett in London von der Polizei verhört. Jemand hatte den Hinweis gegeben, durch den Hyde Park spaziere eine verdächtige Person, die wie ein Terrorist aussehe. Sein lakonischer Kommentar, nachdem ihn die Polizei wieder freigelassen hatte: "Not every guy with short hair and a long beard is a terrorist. Some of us just want to rock."
Hallo, ich rufe an aus Berlin, für laut.de
Hi. Ich bin gerade in London.
Fangen wir am besten gleich an. Könntest du das Konzept erklären, das hinter den drei Alben "Hombre Lobo", "End Times" und "Tomorrow Morning" steckt?
Es geht um drei spezielle Emotionen, die wir alle schon mal erfahren haben. Das erste Album dreht sich um Verlangen, das zweite darum, seine Liebe zu verlieren, und beim dritten geht es darum, eine neue Chance zu bekommen, eine Wiedergeburt.
War das von Anfang an geplant, die drei Alben zu machen?
Ursprünglich dachte ich mal, dass es nur zwei sein würden, aber dann entschied ich mich, doch drei zu machen.
Hast du das nach "End Times" entschieden?
Nein, nein, das hab ich sehr früh entschieden.
In "Hombre Lobo" bist du ja in einen fiktiven Charakter geschlüpft. Bei den anderen Alben auch?
Nicht wirklich. Allerdings ist auch keines von ihnen allein autobiographisch. Es ist wohl beides, wahrscheinlich.
Ist die Message, dass es nach dem Ende aller Zeiten immer noch einen nächsten Morgen gibt?
Ja, mir gefällt es, wenn man auf den Titel "End Times" schaut und danach auf "Tomorrow Morning", dann verändert es die Bedeutung von "End Times". Also das Ende ist in der Mitte und es endet schließlich mit einem neuen Anfang.
Also wenn man eine Krise hat und denkt, das sei das Ende ...
Es kann sich wie das Ende anfühlen, aber es kann und wird besser werden, wenn du es willst.
Aber es ist nicht autobiographisch, wie du sagtest?
Naja, manches davon natürlich schon. ... Ja
Aber du willst nicht sagen, was?
Nein, besser nicht.
Ist es wichtig, manchmal depressiv zu sein?
Nein, das glaube ich nicht. Ich wünsche es niemandem, Depressionen zu haben. Depressionen und Traurigkeit sind zwei unterschiedliche Dinge. Es ist wichtig, manchmal traurig zu sein, wenn man über etwas traurig sein sollte. Aber Depressionen sind etwas ganz anderes. Man fühlt überhaupt nichts mehr, man hat keine normalen Gefühle mehr.
Nicht sehr viele. Das nimmt schon den Hauptteil meines Tages in Anspruch.
Nimmst du denn zum Beispiel politische Prozesse wahr?
Ja, natürlich. Aber ich bin kein Fan davon, Politik und Musik zu vermischen. Das Geheimnisvolle steckt mehr in der Politik des menschlichen Herzens. In der Politik des eigenen Hinterhofs.
Aber Tiere scheinen dir sehr wichtig zu sein. In der Doku "Parallel Worlds, Parallel Lives" gehst du den Spuren deines verstorbenen Vaters nach. Das einzige, auf das er sich einließ, waren seine physikalischen Theorien und seine Hunde. Das seid ihr euch sehr ähnlich, oder?
Ja, das habe ich mit ihm gemein. Er konnte sich nicht mit Menschen erwärmen. Aber es war immer eine Überraschung, wenn man ihn mit Hunden spielen sah. Da war er ganz anders.
Macht dir das Sorgen, so ähnlich wie dein Vater zu sein?
Ja, das macht einem manchmal Probleme. Man versucht immer, das anders zu machen, was einen an seinen Eltern gestört hat. Aber es gibt wohl ein paar komische Dinge in einem, genetisch oder so was, die schwer zu vermeiden sind. Aber man kann sich immer Mühe geben und versuchen, es besser zu machen.
Wärst du ein guter Vater?
Ich weiß nicht. Manchmal glaube ich schon, aber andererseits denke ich oft, dass ich zu sehr wie mein Vater wäre.
Willst du denn einmal Kinder haben?
Da ist es ähnlich. Manchmal möchte ich das, aber andererseits habe ich genau aus dem Grund auch Angst davor.
Sie waren wirklich respektvoll, ... aber es war so was von lächerlich! Ich meine, ich verurteile nicht die Polizei, sondern denjenigen, der dachte, ich sei ein Terrorist und deshalb die Polizei gerufen hat. (lacht) Sie mussten natürlich darauf reagieren, das verstehe ich. Aber die Tatsache, dass jemand mich herausgesucht hat, ist schon sehr seltsam. Ich meine, ich verstehe schon ... ich hab einen Bart und so ... aber ich bin nur durch den Park gelaufen, saß auf einer Bank und machte eine Pause im Grünen! Da waren wahrlich einige Leute im Park, die mir verdächtiger schienen als ich. Das war wirklich die komischste Sache, die mir je passiert ist, das kann ich dir sagen!
Aber hattest du nicht auch mal Probleme an amerikanischen Flughäfen in der Vergangenheit?
Ja, das ist lange her. Das war 2001, als ich das erste Mal den Bart trug. Das lag vor allem am schlechten Timing. Wir waren gerade auf Tour, als 9/11 passierte und plötzlich war jeder, der ein bisschen anders aussah, ein potentieller Terrorist. Das war so ein großes Problem, dass ich am Ende meinen Bart abrasierte, weil ich müde von den ganzen Schikanen war. Das war das Schlimmste an diese ganzen Erfahrungen.
Was ist der Unterschied zwischen amerikanischen und englischen Polizisten?
Die englischen haben keine Waffen, aber die amerikanischen haben Kanonen! (entrüstet) Große Kanonen!
In einem großzügigen Sitzungsraum im Kölner Radisson-Hotel empfägt E aka Eels seine Interviewpartner. Wieder einmal ist er allen anders lautenden Warnungen zum Trotz völlig entspannt.
Die Eels sind eine der ersten Bands, die auf dem Mitte der Neunziger neu gegründeten Label Dreamworks Records unterkommen. Ihr Debüt "Beautiful Freak" geht mehr als eine Million Mal über die Ladentische und begeistert Fans wie Kritiker gleichermaßen - sicherlich auch, weil die Art der Popmusik, wie sie die Eels machen, ziemlich einzigartig ist. Nun erscheint bereits das sechste Studioalbum; aus diesem Anlass sprach laut.de mit Mark Oliver Everett, kurz 'E' - dem Kopf der Band.
Als ich dein neues Album das erste Mal durchhörte, war ich ein wenig enttäuscht: Ich konnte keine Struktur erkennen. Die Songs schienen nicht zusammen zu passen. Ich frage mich, ob du ein Konzept bei der Zusammenstellung der Songs verfolgt hast?
E: Hast du es dir denn danach noch mal angehört?
Ja, und es wurde besser. Aber ich denke: Da sind gute Songs, aber die Reihenfolge macht für mich einfach keinen Sinn.
Für mich macht es sehr viel Sinn. Das ist etwas, an dem ich seit Jahren gearbeitet habe. Ich denke, dass die Dinge, die kreiert wurden, um zu bleiben, sich nicht sofort erschließen müssen. Da braucht es eine Weile. Bei Sachen, die ich gerne mag, war es bei mir auch oft so: Am Anfang haben sie mich schnell ermüdet. Also habe ich versucht, etwas zu machen, das ein wenig braucht, bis der Hörer drin ist. Aber wenn du mal reingekommen bist, hält es auch länger.
Hattest du denn ein Thema zur Reihenfolge der Stücke im Kopf? Denn: Schaut man auf die Lyrics, so kann man eine Geschichte vom Beginn eines Lebens bis zum Ende erkennen.
Ja, im Grunde versuche ich, das Leben zu reflektieren. All die verschiedenen Sachen, die man in einem Leben erfahren kann.
Das Album stellt ja eine Kollektion von Songs seit 1997 dar ...
Das meiste habe ich letztes Jahr aufgenommen. Fast alles. Nur kleine Teile habe ich schon in früheren Jahren geschrieben. Ich habe die ganze Zeit versucht, dieses "Blinking Lights"-Album zu machen. It kept changing. So wie es jetzt raus kommt, stammt nur noch ein kleiner Teil aus früheren Jahren.
Hattest du also alte Songs, die du über die Jahre verändert hast?
E wirkt nun sehr aufgeregt. Er mag es nicht, wenn man nicht sofort versteht, was er meint. Er hat wohl einfach Angst, missverstanden zu werden. Der älteste Song ist wohl "Blinking Lights". Der sollte eigentlich mal in einem Wim Wenders-Film gespielt werden, der dann doch nicht produziert wurde. Das brachte mich auf die Idee, ein "Blinking Lights"-Album zu machen. Es sollte eine einfache CD sein, auf dem alle Songs von Orchester begleitet werden. Ich habe es auch gemacht, aber nicht gemocht. Ich habe die Idee, was für ein Album das werden könnte, mit den Jahren immer wieder überdacht. Erst als ich beschloss, dass es ein Doppelalbum werden soll, machte es klick und ich konnte loslegen.
Warum ein Doppelalbum?
Ich bin keiner von den Typen, die denken, dass alles, was sie schreiben, großartig ist und raus kommen sollte. Ich denke, viele Leute bringen Doppelalben raus, weil sie so viele Songs geschrieben haben, also soll das auch rauskommen. Aber das, was man hier hören kann, ist nicht Mal die Hälfte von dem, was ich gemacht habe. Also ist das schon die kleinere Version. Ich hätte auch ein 4-CD-Album rausbringen können.
Ich war eigentlich immer gegen die Idee von Doppel-Alben. Aber ich habe gefühlt, dass das nur funktionieren kann, wenn ich das Ganze ausweite. Wenn ich dem ganze Raum zum Atmen gebe, ein paar instrumentelle Parts zwischen die Songs packe. Da hat es Klick gemacht. Es mussten zwei Teile sein.
Du siehst die zwei CDs aber nicht als zwei unterschiedliche Sachen, die im Gegensatz zueinander stehen, oder so?
Nein, nicht wirklich. Viele Leute bringen heute Doppel-Alben raus, wo dann eine CD die Rock-CD und eine die Akustik-CD ist. Bei mir ist alles ein Ding. Aber es ist nicht so gedacht, dass da zwei unterschiedliche Stile oder so zu finden sind.
Für dieses Album hast du dich wieder im Keller verkrochen. Den Output davor hast du ja mit Band aufgenommen. Was hat dich dazu bewogen, diesen Schritt zurück zu gehen?
Das letzte Album - "Shootenanny!" - war eine Reaktion darauf, wie schwer es war, dieses Album aufzunehmen. Ich habe mit einem Orchester an einigen dieser Songs gearbeitet. Es war so nervig und langweilig. Überhaupt kein Spaß. Ich habe mich so danach gesehnt, mir eine elektrische Gitarre umzuhängen und mit einer Band loszuspielen.
Ich habe das dann einfach abgeblasen und begann, "Shootenanny!" aufzunehmen. Es hat sich als clevere Sache herausgestellt. Ich habe einfach eine Pause gebraucht. Und als ich damit fertig war, die ganzen "Shootenanny!"-Konzerte zu spielen, habe ich mich danach gesehnt, wieder an "Blinking Lights" arbeiten zu können. Ich war wirklich erfrischt von dem, was ich eingeschoben hab. Ich empfehle jedem, der gerade Probleme mit der Arbeit an seinem Album hat, einfach ein anderes aufzunehmen. Wenn du dir diesen Luxus leisten kannst.
Nachdem du die "Shootenanny"-Sache durchgezogen hast, erschien dir das "Blinking Lights"-Projekt also nicht mehr langweilig?
Nein, ich hab mich wieder dran gesetzt and I was dying to do it. Ich habe geschaut, was ich bis zu dem Moment hatte und ich hatte eine Menge Ideen, was ich damit anstellen könnte. Es gab noch eine andere Sache, die sehr clever war. Wir haben die Aufnahmen so eingeteilt, dass wir 2004 immer zwei Wochen aufgenommen haben und dann wieder zwei Wochen Pause hatten. In der Zeit habe ich die Aufnahmen angehört, bearbeitet und ausgewählt. Und dann haben wir uns für zwei weitere Wochen zusammengesetzt und aufgenommen.
Zu dem Zeitpunkt war dann schon sehr klar, was wir noch brauchten. Ich konnte sagen: 'Ich habe diese vier Songs aus dem und dem Grund raus genommen, wir brauchen eher vier Songs, die so und so klingen'. Ich hatte dann etwas neues geschrieben, weil ich dachte, dieser oder jeder Aspekt des Lebens ist noch nicht stark genug repräsentiert. Das haben wir eine ganze Weile lang so gemacht. Normal nimmst du ja erst alles auf und überlegst dann später, was gut ist. Aber das war ein großartiger Weg, das Album zu machen. Ich wusste immer, was ich noch brauchte.
Du hast ja auch mit ziemlich berühmten Leuten zusammen gearbeitet. Wie ist es dazu gekommen?
Tom Waits, den ich nie getroffen hatte - ich habe ihn tatsächlich bis jetzt nicht von Angesicht zu Angesicht gesehen, wir haben nur am Telefon miteinander geredet. Er schickte mir seine Aufnahmen via Mail. Er hatte "Shootenanny" für den Shortlist Music Prize - bei dem er Juror war - nominiert. Das war sehr aufregend für mich, denn ich mag Tom Waits natürlich. Allein herauszufinden, dass er die Eels mag, war sehr aufregend für mich. Letzten Endes fragte er jemanden nach meiner Telefonnummer. Und die Person, die sie ihm gegeben hatte, sagte anschließend: 'Ich hoffe, es ist Ok, dass ich Tom Waits deine Telefonnummer gegeben habe.' Ich sagte: 'Ja, wenn Bob Dylan, John Lennon oder Tom Waits meine Telefonnummer wollen, dann ist das Ok. Aber niemand anders.'
Wir haben dann telefoniert und er war wirklich nett. Und ich dachte, ich kann doch jetzt nicht auflegen - ich war da mitten in den Aufnahmen zu dieser Platte - ohne ihn zu fragen ... Ich dachte nach: Was wäre der beste Song, zu dem er was beisteuern könnte? Und es gab viele offensichtlichere Stücke. Aber ich dachte: Es wäre doch interessant, ihn in eine Situation zu bringen, in der er vorher noch nicht war. Ich werde ihn auf den Song bringen, der sich anhört, als stünde er gerade im Top Of The Pops von 1965 oder so. Also erklärte ich ihm den Song und ich sagte: 'Das ist eine Tanz-Nummer, wo jeder versucht, so verrückt wie möglich zu tanzen und am Ende auf der Erde landet'. Und er sagte: mit verstellt tiefer, rauer Stimme 'Ja, ich wollte schon immer mal auf einer Dance-Nummer auftauchen. Schick's rüber!'. Er nahm das auf einem 4-Track-Kassettendeck auf, das er in seinem Bad stehen hat. Er mag den Sound, der da entsteht.
Ich schickte ihm lauter Anweisungen mit und er ignorierte sie alle. Was er tat, war: Er nahm über meine Stimme - meinen Vocal Track - auf, was ihm sehr leid tat. Und er schickte das Tape zurück, auf dem er wie ein Baby heult, schreit und so weiter. Ich dachte: Oh Man, wie soll ich das denn hinkriegen? Wenn ich jetzt zurückschaue, denke ich: Mir hätte auffallen sollen, dass es das ist, was ich hätte erwarten sollen. Aber ich habe eben etwas anderes erwartet. Das war, als ich endgültig beschloss, dass sich das wirklich so anhören sollte, als sei er in der TV-Show. Als würde er die Mädchen zum Kreischen bringen, wenn er weint. Und du weißt nicht, ob sie aus Entzückung oder Angst kreischen. Das war eine großartige Erfahrung. Und er will mehr machen. Also vielleicht gibt es ja eine Fortsetzung.
Du sagst immer wieder, du würdest am liebsten die ganze Zeit Platten aufnehmen und nie mehr Interviews geben ...
Ich würde am liebsten die ganze Zeit Platten machen und sie gar nicht rausbringen, das ist mein Traum.
Aber was würde dann mit den ganzen Platten passieren?
Ich mache das vielleicht sogar eines Tages. Ich überlege das ernsthaft, denn das ist, was ich wirklich gerne mache. Vielleicht katalogisiere ich die alle in meinem Keller und lass das jemanden sortieren, nachdem ich gestorben bin. Dann interessiert es mich ja nicht mehr. Lacht. Ich will bloß nicht mehr da sein, wenn die alle raus gebracht werden. Mit leiser, weinerlicher Stimme. Das macht keinen Spaß, weißt du?
Und wenn du sie nur im Internet, auf deiner Website veröffentlichst ...
Nein, das würde ich auch nicht tun! Ich will sie einfach nur aufnehmen. Das ist der gute Teil. Platten aufnehmen, das ist das Gute. Sie rauszubringen, zu wissen, dass Leute sie hören ... ich interessiere mich nicht für diesen Teil.
Warum? Du kannst den Leuten etwas geben ...
E wirkt aufgeregt, redet mir mit ungewöhnlicher Lautstärke rein. All das ist das Gegenteil des guten, kreativen Teils. Ich habe einfach das Bedürfnis, Dinge zu tun. Und das sind die Momente, in denen ich glücklich bin. Dieses Zeug, das ich hier mache, ist sehr unkreativ. Ich meine, ich versuche, bei all diesem Zeug, das man tun muss, wenn man eine Platte raus bringt, so kreativ wie möglich zu bleiben. Aber es ist wirklich einfach nur langweilig. Ich fühle mich dabei sehr verletzlich: Jeder hört und bewertet, was ich getan hab. Seine Stimme klingt wieder sehr versöhnlich: Weißt du, ich mag das alles nicht.
Aber denkst du denn nicht, dass es viele Leute da draußen geben würde, die sich über ein paar Songs auf deiner Website freuen würden? Die die Musik einfach nur mögen würden und sonst nichts?
Die müssen einfach ein paar Jahre warten ... bis ich sterbe. Lacht
Du hast mal gesagt, du hättest das Gefühl, man würde Musik in Europa viel mehr wertschätzen als in Amerika.
Es entsteht eine Pause. Anscheinend eine Frage, mit der E nicht gerechnet hat. In Amerika stirbt die Musik immer weiter. Sie gehört nicht mehr als fester Bestandteil ins Leben der Leute. T-Bone Burnett (Singer/Songwriter und Producer, Anm. d. Red.) sagte etwas, das die amerikanische Musikindustrie gut beschreibt: 'Sie haben herausgefunden, wie man Musik für Leute macht, die keine Musik mögen'. Und das ist, worauf die Musikindustrie in Amerika konzentriert: Viel Musik an Leute zu verkaufen, die sie eigentlich gar nicht mögen. Leute hingegen, die Musik wirklich mögen, werden von den Firmen nicht als Priorität gesehen.
Ich denke, das läuft hier genau so.
Wahrscheinlich ist es noch nicht ganz so schlimm.
Den ganzen "Popstars"-Scheiß gibt es in Europa allerdings auch.
Ja, das wird in Amerika gerade wirklich hart.
Irgendwie finde ich das komisch: Wir sitzen hier shon ein Weilchen zusammen und du wirkst kein bisschen schüchtern oder unsicher auf mich. In deinen Lyrics - und auch in dem, was du hier gesagt hast - entsteht allerdings das Bild von einer Person, die sehr schüchtern ist, sehr viele Selbstzweifel hegt ... Ist es eine Fassade, die du in Interviews aufsetzt?
Ja, das ist es. E lacht und ringt nach den richtigen Worten. Die Leute, die meine Songs hören, kennen mich als Person wahrscheinlich besser, als jemand der mich wirklich kennt. Was wahrscheinlich tragisch ist, aber ich bin einfach einer der Menschen, der einfach nur weiß, wie er über Songs eine Beziehung aufbaut. Sie machen sich nicht so gut in den alltäglichen Beziehungen.
Eine letzte Frage: Beim letzten Interview hast du mir von einem Film erzählt, den ihr über die Eels-Tour machen wolltet. Was ...
Oh ja, wir haben ihn nicht gemacht. Wie die meisten Filme wurde auch dieser nicht gedreht. Aber es gibt einen anderen, an dem wir bald arbeiten werden. Es könnte also - vielleicht - einen Eels-Film geben. Das Film-Business ist voll von gebrochenen Herzen. Es ist sogar noch schlimmer als das Musikgeschäft.
Das Interview führte Vicky Butscher
Kamerakind Ingrid und ich sind gerade an dem Haus angekommen, in dem das Interview stattfinden soll, als ein Taxi hält. E, Kopf der Eels, steigt aus und begrüßt uns sehr freundlich. Ich schaue mir den Mann an. Die Promoter hatten mich gewarnt ("E hasst Scheißfragen"), ich schloss daraus, dass ich vor diesem Mann Respekt haben sollte. Sonst würde er womöglich das Interview abbrechen.
In der Kreuzberger Wohnung führen uns die Label-Abgesandten mit E aufs Dach. Dort stehen schon zwei Liegestühle, ein Planschbecken, ein Sonnenschirm und eine frische Brise bereit. Der Blick über die Berliner Dächer und Hinterhäuser ist einmalig. Im Hintergrund hört man Vogelgezwitscher. Aber ich sollte mich lieber auf E konzentrieren. Der hat anscheinend auch vor, seinen Fokus ausschließlich auf uns zu richten: "Ich will mit den Ladies alleine sein", schickt er seinen Tourmanager vom Dach, "da unten sind noch mehr Frauen. Hab da deinen Spaß. Das hier sind meine Frauen."
Ich beschließe, noch vor Beginn des Interviews in die Offensive zu gehen:
Wenn dir irgendwelche Fragen nicht passen, sag Bescheid, dann musst du die nicht beantworten!
E: Bist du dir sicher, dass du das auch so meinst? Ich mache das dann wirklich!"
Klar bin ich mir sicher, sonst hätte ich's ja nicht angeboten. Außerdem scheint er sehr viel netter zu sein, als ich ihn mir vorgestellt habe.
Wie hast du es geschafft, das neue Album in nur zehn Tagen aufzunehmen? Das ist ja superschnell!
Es brauchte einfach nicht mehr Zeit. Normalerweise nehmen wir in meinem Keller auf. Der ist sehr klein und wir können da immer nur eine Sache nach der anderen aufnehmen. Die Songs haben sich dann langsam aufgebaut. In diesem Fall sind wir mal in ein richtiges Aufnahmestudio, haben uns in einen Kreis gesetzt und live gespielt. Also haben wir nicht soviel Zeit dafür gebraucht. Drei Minuten später war der Song aufgenommen.
Also habt ihr alles in einem Take aufgenommen?
Ja, in vielen Fällen schon. Manchmal haben wir auch ein paar Takes gebraucht, aber nie allzu viele.
Ihr könntet mit den Songs, die ihr aufgenommen habt drei Alben füllen. Was passiert mit dem nicht veröffentlichten Material?
Das versuche ich auch gerade raus zu finden. Es ist sehr kompliziert. Ich versuche gerade Stücke daraus zu nehmen, neue Sachen hinzu zu fügen und was komplett neues draus zu machen.
Heißt das, dass es in Kürze wieder ein Eels-Album geben wird?
Nein, das wird wohl noch eine ganze Weile dauern. Wir werden jetzt erst mal länger auf Tour sein. Und vielleicht machen wir auch einen Film. Einen Film über uns auf Tour. Also wird es noch ein bisschen dauern, bis ich wieder Sachen aufnehmen kann, denn ich möchte neue Sachen aufnehmen. Vielleicht dauert es noch ein paar Jahre, bis ein neues Album von uns raus kommt.
"Shootenanny" ist ein ziemlich kurzes Album. Warum, wenn ihr so viele Songs habt?
Also, es ist so lang wie unsere anderen Alben. Nur weil 74 Minuten Musik auf eine CD passen heißt das noch lange nicht, dass 74 Minuten Musik drauf sein müssen. Es gibt großartige Alben, die nur 29 Minuten lang sind, "Revolver" [von den Beatles, Anm. d. Red.] zum Beispiel. I don't weigh music by the pound!
In "Agony" singst du "all the joy and happiness was replaced with hunger." Hunger worauf?
Gerade nur auf Essen. E soll im Anschluss ans Interview für eine Fernsehsendung kochen. Das wird sein Frühstück sein.
Gleich kriegst du unten welches!
Das ist ein komisches Leben. Menschen denken immer, das wäre so einfach. Du bist heute morgen aufgestanden und hattest wahrscheinlich ein Frühstück, richtig?
Klar!
Ich stehe morgens auf, fahre zu einem komischen Apartment mitten in Berlin, frage nach Frühstück und sie sagen zu mir 'Warte, du machst ein Interview und dann wirst du dein Frühstück live im Fernsehen kochen. Siehst du, es ist nicht so einfach wie du denkst! Aber irgendwie fand er die Idee dann doch ganz lustig. Außer der Tatsache, dass er einen leeren Magen hat, so lange wir miteinander reden. Wenigsten bringt uns jetzt jemand ein Tablett voller Getränke.
Ich denke nicht, dass das Leben eines Pop-/oder Rockstars wirklich einfach ist. Wenn du dich überhaupt als so was siehst ...
Hungry Popstar. E lacht, und das nicht zum ersten Mal in diesem Interview. Was erzählen eigentlich alle von diesem 'komischen Freak', den ich beim Interview treffen würde!? Neben mir sitzt auf jeden Fall ein hochsympathischer Mann! Ich bin hungrig wie ein Wolf! Hier, willst Du was trinken? Lass es mich für dich machen! Was willst du? Willst du Eis? Das ist wunderbar an solch einem heißen Tag! Aber du bist Deutsche, du magst bestimmt nicht so viel Eis, ist das genug?
Ja, das reicht, sonst ist da ja gar nichts mehr zu trinken drin!
E macht allen Getränke und findet, dass das alles wunderbar aussieht. Er freut sich, dass er sich so viel Eis reinmachen kann. Nächste Frage bitte!
Ich habe gehört, dass deine Texte nicht mehr autobiographisch sind? Das kann ich nicht glauben!
Nein nein nein, das stimmt so auch nicht! Das ist halb-halb.
Was willst du mit deinen Lyrics erreichen? Willst du dein Publikum berühren? Oder willst du ihnen etwas ganz bestimmtes erzählen?
Das ist von Song zu Song verschieden. Manchmal will ich nur eine Geschichte erzählen und ein anderes Mal versuche ich etwas loszuwerden. Ich will etwas ausdrücken, warum auch immer. Aber meist will ich einfach nur eine Geschichte erzählen. Ich versuche Menschlichkeit in den Charakteren zu entdecken. Es ist interessant herauszufinden, wo auch Bösewichte menschlich sind. Das ist ein interessanterer Weg, menschliche Qualitäten von jemandem zu finden, der etwas Schlechtes getan hat.
Ich denke, du bist irgendwie von diesem ganzen Zynischen und Ironischen in deinen Songs weggekommen, hin zum Storrytelling.
Ich denke, ich bin gar nicht so zynisch wie die Leute immer denken. Ich bin eigentlich zwei Personen, und die sind im Krieg. Da ist eine zynische Person und eine eher gutmütige ... und die kämpfen gegeneinander.
Was denkt deine Frau, wenn du einen Song wie "Lone Wolf" schreibst? Ich meine, du singst darüber, dass du ein Einzelgänger bist und dass du nicht willst, dass Leute dir zu nahe kommen. Meinst du das wirklich so?
Ja, dieser Song ist autobiographisch. Naja, das ist ihr Problem. lacht Nein, ich kann so einen Song nur schreiben, weil ich verheiratet bin. Verheiratet zu sein bringt bestimmte Sachen erst ans Licht. Du weißt vielleicht erst wirklich wer du bist, wenn du in solch einer Beziehung steckst. Nachdem du ein paar Jahre verheiratet bist, fängst du erst an zu sehen, woraus du wirklich gemacht bist. Es gibt nichts schlimmeres, als mit jemandem eine Beziehung zu haben, der mit sich selbst im Krieg ist. Der nicht akzeptiert hat, wer er ist. Wenn jeder um diese Person herum weiß, wie dieser Mensch drauf ist. Nur dieser Mensch weigert sich, es zu sehen. Und er arbeitet die ganze Zeit gegen sich selbst und ist sein eigener größter Feind.
Das ist kein Spaß für diese Person oder irgend jemanden in seinem Umfeld. An einem bestimmten Punkt muss man einfach sehen: Es gibt Dinge, die man ändern kann und es gibt Sachen, gegen die kann man einfach nichts machen. Man muss einfach das beste daraus machen und sagen: 'Das ist, wer ich bin'. Naja, und als ich geheiratet habe, habe ich gemerkt, dass jeder weiß, dass ich ein Einzelgänger bin. Und ich habe immer versucht das zu bekämpfen, es war mir immer irgendwie peinlich. Da musste ich mir eingestehen, dass das ein großer Teil von mir ist. Jetzt stehe ich dazu. Außerdem bin ich mit einer sehr unabhängigen Frau verheiratet. Sie kann das bei mir auch akzeptieren. Das ist eine komische Ehe.
Stimmt es, dass du sie in Deutschland kennen gelernt hast?
Ja, das stimmt, Deutschland ist schuld! lacht
In meinen Ohren kling "Shootenanny" viel hoffnungsvoller als deine alten Platten. Naja, "Souljacker" hat gerockt.
Für mich sind alle meine Alben hoffnungsvoll, das ist die Idee hinter den Alben. Es kommt natürlich darauf an, wie man die Sache betrachtet. Weiß du, es kann auch tröstlich sein, diese Alben zu hören, wenn du unglücklich bist. Du fühlst, dass du nicht alleine bist. Du bist nicht die einzige, die im Regen nass wird.
Die ersten Takte von "Wrong About Bobby" erinnern mich an Nirvana. Ist das Absicht?
Nein, mir wird oft gesagt, dass meine Songs die Leute an irgendwelche anderen Songs erinnern. Oft sind das Stücke, von denen ich noch nie was gehört habe oder ich habe definitiv nicht an diesen Song gedacht, als ich meinen geschrieben hab.
Du klingst auch ein bisschen nach Beck.
Warum?
Deine Stimme ...
Meine Stimme? Die klingt überhaupt nicht nach ihm. Irgendjemand sagte mir, das würde so ähnlich klingen, weil Beck und ich mit den Dust Brothers zusammen gearbeitet haben und die haben einen sehr eigenwilligen Sound.
Und wo wir schon dabei sind: Deine neue Single ("Saturday Morning") klingt nach den Dandy Warhols.
Aha!
Ich habe gelesen, dass du viel Recherche für deine Songs betreibst. Wie kann man sich das vorstellen?
Manchmal mache ich das, ja. Wie zum Beispiel bei "Saturday Morning". Das basiert auf meinen Erinnerungen. Als Achtjähriger bin ich immer viel zu früh aufgewacht. Es handelt davon, wie lang dir dein Tag vorkommt, wenn du acht Jahre alt bist. Ich habe mir nun ein Videotape von der TV-Show besorgt, das ich in diesen Morgenstunden immer geschaut habe ... um irgendwie wieder in diese Gemütsverfassung zu kommen. Und dann hört sich das an wie die Dandy Warhols, well ... lacht Die ganze Arbeit umsonst. Hm, eigentlich kenne ich die Dandy Warhols nicht mal.
In einer Review über dein neues Album stand, dass du 'intelligente Rockmusik' machst. Wie siehst du das?
Das klingt ziemlich schlecht, finde ich. Hört sich an, als ob es so was nicht geben sollte. Ich weiß nicht, wie ich meine Musik nennen würde.
Warum sollte es so was wie intelligente Rockmusik nicht geben?
Rockmusik sollte mehr von den Geschlechtsorganen als von deinen denkenden Organen kommen.
Nochmal zurück zu "Souljacker". Ich denke, das ist ein ziemlich untypisches Eels-Album. Es war lauter, ging mehr vorwärts als sie anderen. Denkst du, es gibt ein typisches Eels-Album oder -Song?
Nein, nicht wirklich. Das ist immer ein Problem, ich weiß nicht, wie ich meinen Sound nennen soll. Als ich zum ersten Mal zu meinem Zahnarzt ging, musste ich einen Zettel ausfüllen, in dem ich eintragen sollte, als was ich arbeite. Ich schrieb Musiker oder Songwriter rein und sie fragten mich, was für Musik ich mache. Ich weiß einfach nicht, wie ich das genau nennen soll. Kommt auch immer drauf an, aus welchem Jahr man Sachen von mir betrachtet.
Ich finde die Idee toll, dass du mal mit einem Orchester auf Tour warst. Möchtest du das noch mal machen?
Ja, ich würde gerne eine Eels-Orchestra-Reunion machen. Oder so was ähnliches. Vielleicht das nächste Mal, wer weiß?
Was war das beste daran?
Jedes Jahr machen wir etwas, das wir so vorher noch nicht gemacht haben. Und jedes Mal ist es wieder aufregend für mich. Aber das war wirklich ein großer Spaß. Schon die Overtüre, die wir am Anfang gespielt haben, ein instrumentelles Potpourri verschiedener Eels-Songs. Allein das hat schon sehr viel Spaß gemacht.
Was ist dieses Mal das Besondere an der Tour?
Es rockt, irgendwie anders als sonst. Das ist schwer zu beschreiben. Kommst du heute zur Show?
Ja.
Dann wirst du mir diese Frage ja beantworten können.
Coverst du wieder Songs live? Ich habe auf deiner Homepage eine Eels-Coverversion von Missy Elliots "Get Ur Freak On" gehört und fand sie klasse!
Das hat Spaß gemacht. Ist aber schon ein paar Jahre her. Wir machen die Nummer nicht mehr. Wir werden heute ein paar Coverversionen spielen, aber nicht Missy Elliot.
Das ist schade!
Du hättest halt das letzte Mal kommen sollen. Da bist du jetzt selber schuld. Ich kann nicht für alles verantwortlich sein.
Du hast oft erwähnt, dass du dich nicht gerne bei deiner Musik beeinflussen lässt. Gab es nicht doch irgendwelche Einflüsse, nach denen du klingen wolltest?
Ich habe mir einfach alles angehört, ich hatte da keine Berührungsängste. Mich hat es nicht interessiert, welche Art Musik das jetzt war, solange es mich berührt hat. Ich war noch nie von irgendwas so besessen, dass ich genau so klingen wollte. Als ich ungefähr 18 war, las ich die Autobiografie "Brother Ray" von Ray Charles. Die hält sehr gute Ratschläge bereit. Er sagt darin, dass es das wichtigste ist, herauszufinden, was an dir so besonders ist. Und dass man das füttern und in die Welt setzen sollte. Aber heute ist es für viele Leute hart, sich selbst zu finden. Jeder ist von so vielem beeinflusst. Es ist schwierig all diese Einflüsse kreativ zu nutzen.
Du hast gesagt, dass das einzige, was dich glücklich macht, das Aufnehmen von Platten ist. Und schon bevor das Album rauskommt bist du nicht mehr wirklich daran interessiert. Wie überlebst du dann diese ganze Promo - Interviews, das Touren, ...
Es ist hart, es ist komisch. Es ist der schwerste Teil. Ich versuche dabei so viel Spaß wie möglich zu haben, aber manchmal wird man einfach verrückt. Das was mich am laufen hält, ist mich aufs neue Album zu freuen.
Warum macht es dich verrückt?
Weißt du, ich bin hungrig. Jetzt gerade will ich einfach nur was zu essen.
Ok, sind auch nicht mehr viele Fragen. Du hast mal behauptet, dass es gut ist, dass Depressionen und Selbstmord auch eine romantische Seite haben. Warum? Oder: wie hilft es dir?
Naja, das ist vielleicht ein eher kontroverses Statement. Aber ich habe damit gemeint: Für jemand, der wirklich depressiv ist - weißt du, ich hatte eine Menge tragische Situationen in meinem Leben - und Er spricht nun langsam und noch überlegter als ohnehin. ich war wirklich dankbar dafür, dass es diese romantische Seite dieser Tragik gibt. Etwas, das hilft.
Naja, das gilt vielleicht für die Leute drum rum, aber wenn man wirklich eine Depression hat, kann man die romantische Seite gar nicht mehr sehen?
Man versucht sich halt an allem festzuhalten.
"Humor macht das Traurige bedeutungsvoller" hast du in einem Interview behauptet. Wie soll das funktionieren?
Weißt du, wenn du keinen Sinn für Humor hast, auch wenn es um Tragödien geht, dann wird es zu viel. Es zieht dich runter. Aber wenn man einen ausbalancierten Blick auf das alles behält, dann kann man es auf eine ironische Weise ernster nehmen.
Noch zwei Fragen, bis du endlich zum Frühstück darfst! Beantwortest du die Fragen in der "Dear Uncle E"-Section auf deiner Homepage selber?
Klar!
Das ist wirklich witzig zu lesen.
Danke!
Was bedeutet dir das Internet - persönlich und als Künstler
Weißt du, ich versuche einfach meinen Job zu machen, als ein Ratgeber-Kolumnist. Es war immer ein Traum von mir, meine eigene Ratgeber-Kolumne zu haben. Wir müssen beide lachen. Und jetzt ist mein Traum wahr geworden! Das sind alles echte Briefe. Und ich versuche mein bestes zu geben. Es ist einfach an der Zeit, dass ich der Community was zurück gebe. Und was kann ich ihnen besseres geben? Ich bin kein reicher Mann, aber ich bin reich an Erfahrungen. Und ich muss diese Erfahrungen jetzt weitergeben.
Okay, letzte Frage, wahrscheinlich die typische Deutschland-Frage. Wie hast du Wim Wenders getroffen - wie kam es zu der Zusammenarbeit? (Wenders hat das Video zu "Souljacker Pt. 1" gedreht und in seinen Filmen kommen Eels-Songs vor)
Er hat die Eels auf dem ersten Album entdeckt, weil er das Cover so mochte. Er war in nem Plattenladen, fand das Cover schön und hat's einfach gekauft. Das zeigt, wie ungewöhnlich er ist! Es wurde eins seiner Lieblingsalben. 1996 oder so ging er auf ein Eels-Konzert und weil er nun mal Wim Wenders ist, durfte er backstage kommen. Er gestand mir seine Liebe und fragte mich, ob ich einen Song für seinen Film "The End Of Violence" schreiben könnte. Und so sind wir Freunde geworden.
Möchtest du auch mal in einem seiner Filme mitspielen?
Wir haben da schon öfter drüber geredet, aber ich glaube nicht, dass ich das mache.
Warum?
Neee, ich weiß nicht. Die Chance ist größer, dass so was nicht klappt. Wir machen ja jetzt einen Film über unser echtes Leben.
Über diese Tour?
Ja, wahrscheinlich.
Ok, dann werden wir dich jetzt mal zum Essen entlassen!
Das war kein schlechtes Interview! Danke!
Das Interview führte Vicky Butscher.
Daisies Of The Gala (2000), Daisies Of The Gala (2000), Daisies Of The Gala (2000), Electro-Shock Blues (1998), Beautiful Freak (1996)
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Ausführlich, zu manchen Platten gibt es sogar die dazugehörenden Promo-Postkarten zu bestaunen.
http://www.eelsthediscography.co.uk/
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