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Wenn keiner nervt, lässt es sich gut im Kalender blättern. Was war los, im Hip Hop-Jahr 2010? Check your headlines!
Konstanz (dani) - "Die Zeit", das wussten weiland schon die Fantastischen Vier, "ist gnadenlos. Denn die Zeit verstreicht, vergeht, verrinnt" - und ehe man es sich versieht, ist schon wieder so ein Jahr vorbei.
"Die Zeit kommt und sie geht, sie nimmt, was sie gewinnt." Was ist 2010 eigentlich passiert, im Hip Hop-Universum? Zwischen den Jahren, wenn einem kaum einer auf die Nerven fällt, lässt es sich gut noch einmal gediegen im Kalender blättern. "Tick, tack, tick ... Hörst du, wie das Pendel schwingt?"

Den größten Spaß zum Jahresauftakt bescherte uns, nachdem sich Bushido zu Gast bei Stefan Raabs "TV Total" erschütternd zahnlos gab, Sandy Meyer-Wölden, die sich nicht öffentlich eine "olle Crack-Braut" heißen lassen wollte. Sie verklagte Sido, der sich im Rahmen eines längst vergessenen Freestyles dazu hinreißen ließ, auf Schmerzensgeld. Ihre Anwälte versuchten zudem, die berichtende Presse einzuschüchtern. Der Schrei nach medialer Aufmerksamkeit verhallte weitgehend ungehört. Die zuständige Richterin erkannte wenige Monate später in der Äußerung "olle Crack-Braut" (wir benutzen diese Worte immer wieder gerne!) keine Persönlichkeitsverletzung, sondern lediglich "substanzlose Blödelei". Frau Meyer-Wölden, die als ehrwürdiges Komiker-Eheweib inzwischen Alessandra Pocher genannt zu werden wünscht, blieb der Blick in die Röhre.

Sido dagegen freute sich zusammen mit ProSieben über eine Nominierung für den Grimmepreis in der Kampfklasse Unterhaltung für seine Doku "Sido geht wählen". Dass die Auszeichnung letzten Endes für die "heute-show" ans ZDF ging: egal. Welcher Rapper stieg sonst schon gegen Pelzig, Harald Schmidt und Käpt'n Blaubär in den Ring?
Xatar jedenfalls nicht: Er wurde im Zusammenhang mit einem Goldraub zur Fahndung ausgeschrieben. Der Unschuldsbeteuerung auf der Homepage seines Labels Alles Oder Nix Records zum Trotz begann eine Verfolgungsjagd, die erst im Mai ihr vorläufiges Ende fand.
Auch für Bushido brachen wenig fluffige Zeiten an: Ob es die schlechte Presse für seinen Film "Zeiten Ändern Dich" war, die ihm ausgerechnet Alice Schwarzer in die Arme trieb?

Wer sagt eigentlich, dass der Frühling die zarteste aller Jahreszeiten ist? Im März 2010 wurde jedenfalls mit harten Bandagen gekämpft. Die Gerichte hatten alle Hände voll zu tun, unter anderem mit der Klage des Grünen-Politikers Volker Beck, der - wozu nicht viel gehörte - in den Texten Kaisas eine Aufforderung zum Mord an Schwulen entdeckte: "Das kann man weder bei deutschen Rappern noch bei jamaikanischen Dancehall-Sängern durchgehen lassen." Recht hat er, auch wenn sich Kaisa über derlei Gratis-Promo noch zu freuen schien.
Ausgefreut hat sich Bushido: Der kassierte vom Hamburger Landgericht, das ihn der Urheberrechtsverletzung für schuldig befand, einen deftigen Schwinger. Man klaut aber halt nicht bei Metal- und Dark Wave-Bands. Besonders dann nicht, wenn man selbst jede Verwendung der eigenen Songs kleinlich verfolgen lässt.

Amüsierte man sich eben noch erheblich über das Aufeinandertreffen von Wu-Recken Method Man und der sichtlich überforderten deutschen Ordnungsmacht, blieb einem wenig später das Lachen im Hals stecken: Guru, gifted rhymes unlimited universal, lebt nicht mehr. Die eine Hälfte des schier legendären Duos Gang Starr erlag einem bisher geheim gehaltenen Krebsleiden. Er wurde 43 Jahre alt. "We all must meet our moment of truth." Ich möchte immer noch in die Tastatur heulen.

Doch: Lebbe geht weider, das weiß nicht nur Dragoslav Stepanovic. Schalke 04 hatte dieser - sehr im Gegensatz zur Frankfurter Eintracht - zwar nie trainiert. Vielleicht hätte sein Rat seine Schützlinge davor bewahrt, im Video eines gewissen Farid Bang mitzuwirken, von dessen Track sie sich später zu distanzieren genötigt sahen.
Außerdem: Alles neu macht der Mai. So musste sich Godsilla von seiner Göttlichkeit verabschieden und sich künftig schlicht - und nur ein klitzekleines bisschen albern - Silla nennen. Der japanische Konzern Toho, der die Namensrechte Godzillas inne hat, machts nötig. Don't mess with the beast.
Inzwischen ging der immer noch gesuchte Xatar im Irak (!) der Polizei ins Netz. Mit den doch recht dubiosen Umständen seiner Verhaftung werden sich die Gerichte vermutlich auch noch zu befassen haben.

Juni? Welcher Juni? Im Juni war Fußball. Nicht nur Marteria warf sich in sein Maradona-Shirt. Punkrock-Tröte ausgepackt und zu Blumentopfs Raportagen mit dem Kopf genickt. "Ey, Beckham, kuck mal da, so geht kick and rush!" We were very amused – insbesondere vom Sieg über England.

Sommerloch, Sommerloch. Aus demselben durfte man schon mal berichten, dass die Sekte mit ihrem gleichnamigen Album auf dem Index gelandet ist. "Mach' den Grill an, wenn du Beef willst." Warum eigentlich nicht?
Bushido wollte statt dessen offenbar endlich einmal wieder auf der Klägerseite des Gerichtssaals sitzen und stritt sich parallel mit der Piraten-Partei und zwei seiner Girlie-Fans.
Sido darf inzwischen auch mit richterlicher Genehmigung "olle Crack-Braut" sagen (deswegen schreiben wir es auch gerne noch einmal) - und eröffnete im Überschwang der Gefühle auch gleich ein Tattoo-Studio. Kollege Alex Engelen besuchte die Eröffnungsfeierlichkeiten, kam aber sehr zu unserer Enttäuschung ohne Tupacatoo-and-the-Notorious-B.I.R.D.-Tattoo zurück. Wir traten die Memme daraufhin an die Redaktion der Juice ab.

Wyclef Jean nahm Anlauf auf das haitianische Präsidentenamt. Die Meinungen zu diesem seinem Vorhaben waren geteilt, spielten aber ohnehin keine Rolle: Die Wahlkommission schiebt der Kandidatur des Ex-Fugees einen Riegel vor.
Ebensolches taten die Verantwortlichen beim Microblogging-Dienst Twitter bei 50 Cent, denen die hochgeladenen expliziten Fotos des Rappers wohl zu ... explizit waren. Gar wundervoll seine kaum erzürnten Posts wie dieser: "Hör mal, Mann, es tut mir leid, dass ich geflucht habe. Aber fuck that shit, ich muss mich ausdrücken, bitch! Das ist ein öffentlicher Dienst, meine Tweets sind für Motherfucker, die 18 oder älter sind. Wenn ihr unter 18 seid, bewegt eure kleinen Ärsche weg vom Computer!" Word.
Im Deutschrap-Sandkasten buddelte Freund Bushido derweil seine Uralt-Crew Berlin's Most Wanted wieder aus und ersetzte seine Ex-Mitstreiter King Orgasmus One und Bass Sultan Hengzt flugs mit seinem ebenfalls im Sandkasten wiedergefundenen Kumpel Fler und Oberschwabens Kay One. Die abgelegten Mitstreiter zeigten mehr Humor, als man im Ersguterjunge-Camp in drei vollen Jahren zusammenkratzen kann: "Ganz ehrlich: Als ich mit Orgi über dieses Thema geredet habe, haben wir uns totgelacht." Weniger zu lachen hatte Kollege Max Brandl, der die neuen BMW-Ergüsse aushalten musste: "Bei drei Nullen ist es im Endeffekt egal, wie man sie verquirlt."

Was ein echter Fan ist, das zeigten uns zwei hammerhart gesottene Cypress Hill-Anhängerinnen im September, der scheut keine Unannehmlichkeiten, um seinem Idol möglichst nahe zu kommen. Aber muss man sich deswegen gleich unters Tourbus-Klo quetschen? Offenbar schon.
Wir krönten nach endlosen Diskussionen den unserer Meinung nach besten MC deutscher Zunge - und traten damit schier endlose Diskussionen los ...
... und freuten uns angesichts der Meldung, Blokkmonsta habe der rap.de-Redaktion einen Besuch abgestattet und versucht, Chefredakteur Staigers Meinung über seine Platte mithilfe seiner Faust zu ändern, wieder einmal über die ebenso idyllische wie am Arsch der Welt positionierte Lage unserer Redaktionsräume.

35 Minuten dauert der Kurzfilm "Runaway", den Kanye West im Oktober ins Netz entließ. Viel länger gab Kollege Brandl dem Hype um einen gewissen MoneyBoy auch nicht. Weit gefehlt, Alter. Irgendwie ist der Kerl nicht tot zu kriegen. Man kann ja auch nicht immer Recht behalten.

Recht behalten haben wir allerdings mit der Ahnung, die uns schon im Sommer beim Interview mit Chakuza beschlich: Der bleibt nicht mehr lange bei Ersguterjunge. Im November gab der Österreicher die Trennung von Bushidos Label bekannt.
Fettes Brot zogen sich in eine Auszeit von unbegrenzter Dauer zurück, und wir kürten in seltsamer, weil seltener Einigkeit "How I Got Over" von den Roots zum Hip Hop-Album des Jahres. Kann ja nicht mehr viel kommen ...

Doch, der Dezember. Der brachte uns Schnee, noch mehr Schnee sowie einen zauberhaften Beef zwischen Laas Unlimited und Kollegah, der Headlines der Güteklasse "Fick dich, Felix!" gebar.
Außerdem saßen wir noch schnell der von der Bild-"Zeitung" in die Welt gescheuchten Ente auf, Kay One werde Busendoktor-Witwe Tatjana Gsell im Dschungelcamp ersetzen. "FÜR DIE DIE ES NOCH NICHT MITBEKOMMEN HABEN ... DIESE NEWS SIND FAKE! AN DER GESCHICHTE IST NICHTS DRAN", dementierte Ravensburgs Most Wanted. IN GROSSBUCHSTABEN, via Facebook. Schade, eigentlich. Ich bin überzeugt, eine Beteiligung seinerseits hätte mir Spaß gemacht. Na, ja. Neues Jahr, neues Glück!
Also wenn ich eins nicht verstehen kann, dann wie man dieses Deutschrap-Jahr als belanglos bezeichnen kann. Es gab ca. 8 Jahre kein besseres.
Zum Thema Deutschrap 2010:
Kauft euch das JAW- und das Orgi/Mach One-Album. Der Rest war WHICKIDIWHACK.
Zum Thema Deutschrap 2010:
Kauft euch das JAW- und das Orgi/Mach One-Album. Der Rest war WHICKIDIWHACK.
haftbefehl hat einen starken rhytmus in seinen raps. auch ohne klassische haus-maus reime hören sich seine raps durch die betonung immer sehr musikalisch ein. ich behaupte mal wenn azzlack stereotyp mit diesem soundbild und dieser attitüde 2002/2003 herausgekommen wäre, dann hätte es denn gleichen status heute wie ccn 1 oder vbbzs. aber 2010 ist halt das jahr in dem man den kanaken endlich mal zeigen kann, dass man die schnauze voll hat. aber das natürlich auf technisch sehr hohem niveau.

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