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Wir drehen die US-Rap-Top 250 des letzten Jahres durch den Review-Wolf. Diesmal die Spitzenplätze, 50 bis 1.
Gießen (stj) - Wer dachte, der gute Wudo würde an den Alben 2011 scheitern wie die Bayern, kann ab heute endgültig im Keller haten. Es ist vollbracht.
Hier sind sie, die besten, die ganzen 250 Werke des vergangenen Jahres - respektive die letzte, die derbste, die beste Portion davon.
Uns Johannesberg sagt: Die letzten 150 sind alle geil wie Bruce & Bongo. Das gilt für seine Top-50 natürlich erst recht. Fresst das!

Vocalcuts von Raekwon, stampfende Beats, dramatische Klassik-Samples, the Voice of Vinnie Paz, Verschwörungstheorien, Islam, White-Trash, Ill Bill und der Hass: So eröffnen die "Heavy Metal Kings" stilecht und berechenbar ihr Kollabo-Album. Danach folgt: genau das gleiche. Und das ist gut so. Allein politisch-persönliches Storytelling wie auf dem arabisch angehauchten "Impaled Nazarene" oder punktgenaue Beobachtungen ("Children Of God") sucht man in der angesagten College-Rapperschar vergebens. Futter fürs Gehirn.

Boom Bap-Grooves galore! Wenn die New Yorker-Veteranen Pete Rock und Camp Lo zur Block Party rufen, kann die englische Indie-Band einpacken. Selbst, wenn es sich nur um einen Teaser für kommende Camp Lo-Comeback handelt. Das Tape hier besteht aus zwei Teilen: Trackstar The DJ mixt Camp Lo-Acappellas mit den Pete Rock-Beats der "Mecca and the Soul Brother"-Ära, und Camp Lo präsentieren neue Tracks wie "Mic Check": "Mic Check, one, two, this is not a test, this is fireproof!"

2010 droppte der Wichita-Emcee noch die wütende "30 Minute Layover", nachdem er nicht als einer der XXL Freshmen des Jahres nominiert worden war. Stärker als reine Ego-Tracks kommt XV aber auf Albumlänge und mit den richtigen Songs. Nicht wenige sehen in ihm einen modern-flashigen Studentenrapper à la Mac Miller oder Wiz Khalifa (checkt "Awesome", "Pictures On The Wall" oder vor allem "Foreign Exchange Student"),doch ab und an geht XV tiefer wie Peter Maffay – siehe den Heimatpatriotismus in "Wichita". Oder "Smallville". Oder die Skill-Bombe mit Lamar über das bombastische "Textbook Stuff".

Schoolboy Q ist mit Jay Rock, Kendrick Lamar und Ab-Soul Mitglied der Black Hipp-Crew aus LA. Er spielt in der Truppe den Part-Time-Psycho, kommt wie eine nicht ganz so charismatische Gangster-Version von Tyler The Creator daher (auf seinem 2012er-Album wird dies in den minimalistisch gebrochenen Beats noch deutlicher). Die "Setbacks"-Beats pumpen die meiste Zeit hart, sein Flow und die Hooks überzeugen, die Lyrics bleiben dagegen eher nicht hängen.

Black Thought ist für viele der Lieblingsrapper deines Lieblingsrappers - und keiner weiß es. Das The Roots-Rapgenie tritt mit Dice Raw, Truck North, P.O.R.N. und S.T.S. - alle aus seinem Okayplayer-Umfeld - endlich aus dem Live-Instrumente-Schatten der Band. Der soulig-funkige Sound knistert fast wie alte Platten, das Hip Hop-Feuer brennt lichterloh. Aus den diversen Reminiszenzen der Rap-Historie sticht die für ODB im böse-fiebrigen "Philadelphia Zoo" heraus. "I grill Emcees like I'm cooking out." Jam Boys in the place, baby.

Danke, Quentin Tarantino! Hätte der Star-Filmer nicht mit Wu-Tangs RZA munter "Bong Bong"-Bongs geraucht, nur um ihm dann bekifft den Soundtrack zu "Kill Bill" zu überlassen, der gute Logic wäre vielleicht nicht dem Rap, sondern den Mädels verfallen. Erst nach der Recherche zur Musik des 2005er Kinohits soll Sir Robert Bryson Hall II aus Maryland das Rap-Genre für sich entdeckt und uns das unglaublich sympathische Boom Bap-Mixtape "Young Sinatra" beschert haben. Wo Mac Miller Party macht, sitzt Logic im Studio und nickt mit dem Kopf.

Crooked I und seine Horseshoe Gang rappen wie die Irren und erbarmungslos wie Clint Eastwood. Melodiöse Hooks? Meist Fehlanzeige - hier wird geflext, Motorsägen-Style. Jeder echter Rapfan muss Crooked und seinew Crew einfach lieben - nur ein ganzes Klassiker-Album braucht halt auch manchmal Songstrukturen, Deepness und Abwechselung. Und da hapert es bei den Jungs wie bei Charlie. Leider.

Maybach Music marschiert: Kanye Wests Good-Truppe verliert, genauso wie das Young Money-Roster. Das heißeste Hip Hop-Label gehört Rick Ross und droppte 2011 seinen ersten Sampler. Das selbsternannte "Dream Team" bestand zu jener Zeit aus Rick Ross, Wale, Meek Mill, Teedra Moses, Pill, Stalley sowie den Triple Cs Torch und Gunplay. Während standesgemäß Lex Luger, Lee Major, Lil Jody und Co. die bösen Synthie-Bretter in die Booth blasen, darf jedes Mitglied seinen Style gebührend ausbreiten. Wale ist der 2.0-Ladies-Rapper, Gunplay der Gangsta, Meek Mill der Hardcore-Rapper, Pill der Normalo von der Straße und Stalley räumt die Outkast-Fraktion ab. Klug. Killer.

Mr. Slow Flow schnorrt von Drake, J. Cole und Co. die souligsten 2.0-Beats der Moderne und schnurrt nuschelnd wie eh und je seine Punchlines ins Mic. Das passt wie die Faust aufs Auge. Gerade. Fabolous täte gut daran, sich diese Schlagkraft auch für das kommende Album zu bewahren statt den Trends mit Synthie- und Trap-Einerlei zu folgen.

Wenn jemand die Boom Bap-Ära frisch ins Filesharing-Facebook-Zeitalter gerettet hat, ist es DJ Statik Selektah. Unzählige EPs, endlose Feature-Listen wie Papyrusrollen und ein Beat-Sortiment wie die Klitschkos. Aus Platzgründen fällt das Name-Dropping für "Population Control" heute aus. Die Anspieltipps sollten genügen: Auf dem melancholisch-souligen "Play The Game" duellieren sich Big K.R.I.T. und Freddie Gibbs auf intensivem Elite-Level, Mac Miller feiert wieder einmal über einem Old School-Break und das "Ballerina"-Sample (Vigrass & Osborne) auf "Black Swan" treibt dich an wie Stoff.

Es waren wohl nicht nur Stalleys Bart-Skills, die Rick Ross auf die Spuren des Nachwuchs-Rappers brachten. Der Ohio-Native überzeugte mit seinem zuerst als Mixtape veröffentlichten "Lincoln Way Nights" auf ganzer Linie. Hovas Haus-und-Hof-Toningenieur Young Guru mixte daraufhin das Teil noch einmal ab, und Rauce schob es auf itunes. Stalley kommt darauf mit klarem Flow, durchdachten Lyrics und musikalisch-versierten Laid-Back-Cruise-Sounds um die Häuserblockecke.

Washington wirft weiterhin wie wild talentierte Rapper auf den Markt. Phil Ade gehört dazu und geht auf seinem Mixtape "A Different World" die Wege eines Kendrick Lamars: Straßenreporter mit komplexen Lyrics und Lines. Auch die frisch souligen und abwechselungsreichen Beats von Bink!, 9th Wonder und ein paar Hausproducern überzeugen. "You're The One" schmeißt gekonnt entspannt L.A. und Houston in einen Topf und kreiert fast schon eine eigene D.C.-Note. "See You Again" kommt poppig, "Second Chanc" rockt die Party im Uptempo. Kein Wizard, aber durchaus magisch.

Allein für den Albumtitel gibt es einen Platz unter den Top 50, doch auch für das komplette Schaffen des kleinen B gilt: Ich bin based, Gott, denn seine Raps keepen' es real in Reinkultur. Zwar klingt Lil B zuweilen wie 50 Cent mit Lippenherpes, und eine Songstruktur findet selbst der härteste Nerd-Digger nicht, doch er füllt seine schier endlosen Reime mit Bildern und Poesie "straight from the heart wie Bryan Adams. Wenn dann noch ab und an der geniale Clamz Casino durchs Fenster in die Booth glotzt, scheint die Sonne.

Shante Scott Franklin aka Curren$y kifft sich bereits seit Master Ps späten No Limit-Tagen durchs Rapgame. Seit 2009 erntet der Workholic mit dem smoothen Swagger endlich seine Meriten. Gleich drei gleichermaßen gute Alben lud Curren$y 2011 hoch. Sein Mixtape mit DJ Drama enthält die typischen Themen, "Smoke Sum'n", "Hennessy Beach" oder "Music to Ride To". Als geilster Tune fährt jedoch das überraschend mächtige, nach vorne preschende "Car Talk" ins Ziel - mit klarer Ansage: "Critics say that he flow only bout weed / they don't know about me / they just judging from my Tweet Quotes."

Ach, Pille. Schon bei "Star Trek" immer das fünfte Rad am Wagen, beamt ihn Rick Ross im Januar 2012 aus seinem Maybach Music Label up wie Scotty. Dabei hatte Tyrone Rivers aka Pill aus Atlanta bis dato eine Bilderbuchkarriere als Unsigned Hype, XXL-Freshmen und DJ Drama-Tapes hingelegt - aus guten Gründen, wie auch sein 2011er-DJ Scream-Mix zeigt. Hungrig rappt er sich über Monster-Kopfnicker wie "Staying Down", übt sich auf "Scottie Pippen" in Wortspielen, erledigt in "Send One Down" lässige Hooks und kann selbst mit Tech N9ne mithalten ("Ya Killing Me").

Neben Kendrick Lamar wird Big K.R.I.T. dieses Jahrzehnt bestimmen wie Finanzkrisen. Neben dem weit höher platzierten "Return4eva"-Mixtape droppte er so nebenbei auch noch Solo-Tracks und Freestyles, die DJ Breakem Off und DJ Wally Sparks schön auf diesem Free-Tape zusammen mixen. Der sanfte Club-Banger mit catchy "Call her Yoko Ono"-Hook, die klassisch-klaviergetriebene Hymne "Happy Birthday Hip Hop" oder die Zungenbrecherattacken auf "Fulla Shit" zeigen Bigs Wandelbarkeit.

Wer Beats von DJ Premier, Pete Rock, Diamond D, Large Professor, 9th Wonder und Nottz auf sein zweites Indie-Album bannt, muss a) Skills besitzen und b) eine "Real Hip Hop"-Boom Bap-Sause der kopfnickenden Art planen. Torae aus Brooklyn zielt genau in dieses offene Tor eines jeden 90er-Liebhabers. Anspieltipps: Primos "For The Record" und der Nackenbrecher "What It Sound Like" (wäre ein Song-des-Jahres-Kandidat, würde da nicht die Hook ein bisschen schwächeln) und Nottz' "Thank You". Danke.

Vier Jahre saß Saigon mit seinem Debütalbum auf den Knien zwischen den Bürostühlen der Labelbosse. Erst 2011 wurde es dem New Yorker Hardcore-Emcee zu bunt und er warf es trotz verschwundenem Hype auf den Markt. Zum Glück. Just Blaze beschenkt Saigon mit seinen hart pumpenden Live-Drum-Beats, auf denen dieser in der guten, alten OG-Tradition von Big Apple-Pros wie 50 Cent, Raekwon und Kool G Rap tight flowt. Früher war alles besser.

"He helped me become the emcee that I am today." Co$$ aus dem kalifornischen Blu-Umfeld steht lyrisch klar in der Linie seines Mentos und befriedigt sämtliche Bedürfnisse des Underground-Rapfans. "Risen" vereint Eastcoast-Lyricism mit Westcoast-Smoothness, "Wisdom Over Ignorance" trifft auf den Ghetto-Reporter. Musikalisch gibt es den swingenden G-Funk "Spaceman", spacige Uptempo-Beats und Rawkus 2.0-Styles. Würde ein Blu im Dogg Pound-Team spielen, hieße er Co$$.

Die beste Performance des Jahres 2011 lieferte Lil Wayne mit "I Am Not A Human Being" ab. Das minimalistische "Gonorrhea" mit Drake vereint so viele Punchlines wie der Pac Men. "B-tch I'm in the building, you in the front yard / lifes a b-tch nah, better yet a dumb broad / and I bet I can f-ck the world and make it cum hard / yeah you, boys is washed up / and I'm sh-ttin on em like two girls and one cup." Danach folgen das ungewohnt soulig-autotunige "With You" und "Popular". "Bill Gates" sowie "Right Above It" pop-rocken mit hypnotischem Synthie-Bombast. "I got my gun in my boo pursue and I don't bust back, cause I shot first!"

French Montana ist die coolste Sau und die melancholisch-pathetischen Trap-Beats seines Produzenten Harry Fraud so unterbewertet wie ein Aktienkurs. Wenn French lässig und langsam Hookline nach Hookline zum Thema Koks und Kohle raushaut, fühlt man sich locker wie Füße. Dann schiebt der gute Montana auch noch Diamanten wie das kleine, aber feine Wu-Tang-Zitat auf "Move The Cane" ein. Ya Mean!

Gangsta Gibbs aus Atlanta und Statik 'Pete Rock 2.0' Selektah bilden sechs Songs lang ein tödliches Duo wie Wade und Lebron. Auf den dicken Eastcoast-Bangern des Producers fließt Freddie wie einst Steuergeld in die Schweiz: dauerhaft, erfolgreich und sicher. Anspieltipp: der Rakim-Vocal-Loop-Tune "Wild Style" mit Termanology und Fred The Godson sowie das entspannte "Rap Money" mit Daz.

Groß. Überlebensgroß. Vielleicht zu groß? Jay-Z und Kanye West legten mit "Watch The Throne" ein Monster-Album in den Apple-Store, das in seiner Opulenz und Bandbreite an Michael Jacksons "Bad" erinnert. Hood-Dudes machen auf Hollywood in Paris und besinnen sich nach Champagner auf die starken Wurzeln der afroamerikanischen Familie oder anders: Sie mixen saftige Synthie-Sounds, poppige Hollywood-Hooklines, harte Beats, tiefe Lyrics und Hip Hop-Referenzen zu einer Orgie unvorstellbaren Ausmaßes. Bei Michael waren es damals übrigens die Zerrissenheit zwischen Soul-Roots, Sozialkitsch, Selbstironie, King Of Pop-Anspruch und purer Melancholie.

CyHis erster Streich verpasst die Top 25 nur knapp. Der Kanye West-Protegé rappt sich variabel und mit starken Bezug zu den Wurzeln des Hip Hop in den Vordergrund. Wie so viele neue Talente, reitet er fast alle Beats zu und bereitet Hooks zu, inklusive eben der erwähnten Down-To-Earth-Attitüde. Checkt dafür den J.U.S.T.I.C.E. League-Banger "When The Smoke Clears", das Lady Gaga-Sample-Monster "Bulletproof" oder den Laid Back-Boom Bap in "Take You Back".

"Lass laufen, Kumpel", möchte man Eastcoast-Hoffnung J Cole zurufen. Da rappt und beatbastelt sich der Jay-Z-Zögling mit den drei unglaublich guten Mixtapes ("The Warm Up", "The Come Up", "Friday Night Lights") in die erfüllten Herzen der Headz, nur um diese mit seinem Debüt etwas blutleer zurückzulassen. Klar, auf Songs wie "Can't Get Enough" oder "Sideline Story" überzeugt Cole mit durchdachten Texten und Soul-Spirit auf ganzer Linie, das Spannende und Stimmige der Tapes geht jedoch zwischen altbekannten ("Lights Please", "In The Morning") und uninspirierten ("Breakdown", "God's Gift") Tracks verloren. Ein Platz unter den Top 50 wäre für etwa 500 Künstler ein Riesenerfolg, für Jermaine Cole ist es wie ein deutsches Ausscheiden im EM-Halbfinale.

Donny who? Inspiriert vom afro-amerikanischen, aus dem Drogen-Milieu stammenden Autor Donald Goines erschien der Rapper aus Harlem wie aus dem Nichts in den relevanten Blogs. Doch damit der Überraschungen nicht genug, enthält sein Free-Album doch große Beats, coole Skills und Features von Bun B, Brother Ali und Just Blaze. Die rockig-frischen Boom Bap-Beats von Donny Goines bestimmen dann auch "Success Served Cold" mit den absoluten Höhepunkten "Barbarians" und "Champion's Anthem".

Hass und Neid, Big Sean aus Detroit kennt dies zur Genüge. Zu poppig, zu nett, zu talentiert, zu arrogant - doch allein sein natürlich und sympathisch smooth darniedergelegtes Intro widerlegt die Vorurteile sofort. Der von Kanye West gesignte Hochglanz-Rapper flowt auch im Folgenden nett über NO I.D.s klar produzierten Reigen aus Club-Beats, Pop-Art und Boom Baps. Egal ob mit Lyrik-Lord Lupe Fiasco oder gestandenen Emcees wie Ross oder Pusha T: Sean schlägt sich wacker wie Burghausen.

Mash-Up-Blend-Mixtapes sind ja etwas aus der Mode wie Baggy Jeans, die Nas-trifft-auf-Kanye-Version von JC Skillz und I.L.L. roc(k)t jedoch selbst 2011 noch das Mic wie Beanie Sigel und Freeway. Die Songs klingen so stimmig, als habe Nas seine Raps extra für Mr. West geschrieben - und dieser seine Beats nicht Jay-Z sondern der Queensbridge-Legende auf den Leib geschneidert. "Rule"-Reime treffen auf den "Diamonds Are Forever"-Beat und die "Black Zombies" machen auf "Monster" und so weiter. Meint: KOLLABO-ALBUM ALARM! Anspieltipps: alles.

Black Black Black Black Black Cocaine, Blablablackblacklack Cocaine - vielleicht war die 2011-Frisch-aus'm-Knast-EP das letzte gemeinsame Mobb Deep-Monster von Ego-Psycho Prodigy und Alcoholic Havoc (plus "Gast" Alchemist). Der Abschied fällt dank des unglaublich intensiven, ja fast schon an "Hell On Earth"-Zeiten erinnernden Titeltracks mehr als schwer. Auch das bekannt böse "Dead Man Shoes", die hektische Traum-Kollabo "Get It Forever" mit Nasty Nas oder das hymnische "Conquer" lassen einem das Herz bluten wie beim Gnadenschuss.

Vor lauter "Section.80" und den ganzen "killings on other rappers shit" fliegt sein 2011er-Mixtape "Overly Dedicated" unter dem Radar wie Stealthbomber. Natürlich zu Unrecht. Zwar fehlt Kendrick Lamar hier ab und an die Auf-den-Punkt-getimmte Kombination von Flow, Lyrics und Beat, doch allein sein raptechnisch-atemloses Durchdrehen in der zweiten Hälfte des Openers "The Heart Pt. 2" knallt rein wie Korn. Auch das Battle-Boosting mit dem kongenialen Kollegen Schoolboy Q auf "Michael Jordan" oder die entspannte Hood-Betrachung "P&P 1.5" sind 1A wie ABC-Schützen.

David Hilzendegens Review lässt keine Wünsche offen: "Musikalisch ist 'Undun' der Soundtrack zu einem Kopfkino, das gesellschaftlich aufrütteln und gleichzeitig unterhalten soll. Ungewöhnlich orchestral, jedoch ohne pompösem Bombast, kommt die neue Scheibe der Legendary Roots Crew daher. Unaufdringlich, überlegt und doch vereinnahmend. Und The Roots haben Blut geleckt. 'Vielleicht gehen wir beim nächsten Album weiter und arbeiten mit einem vollwertigen Orchester', blickt Questlove bei Spin voraus. Es wäre wünschenswert, wenn am Ende ein intelligentes Meisterwerk wie 'Undun' steht."

Die Kollabo von Freddie "Atlanta Gangsta" Gibbs und dem irren Underground-Helden Madlib an sich lässt Hip Hop schon mehr leben als DJ Tomekk. Wenn Madlib mit schwülen Gitarren-Loops und zurückgenommenen Drums losschleicht und Freddie "Ich reite jeden Beat wie Nas" Gibbs seinen variablen Straßenflow ausbreitet, ist Hip Hop nicht tot. Auf der EP gibt es neben Instrumentals mit "Deep" noch einen ähnlich deepen Track der beiden. Ein ganzes Album, bitte.

Ja, er singt. Und er mimost über oberflächliche Frauenzimmer und das leidige Leben an der Spitze. Dazu ist er ein ehemaliger Kinderschauspieler aus Kanada. Trotzdem beweist Drake mit seinem zweiten Album "Take Care", dass er der nächste große Welt-Star des Hip Hop-Genres ist. Seine emotionalen Texte über die Höhen und Tiefen eines Mittzwanzigers mit Millionen auf dem Konto und der Last des Berühmtseins auf den Schultern auf dem Sound-Mix aus Aaliyah-R'n'B und UGK-Drums seines BFF-Produzenten Noah "40" Shebib treffen den Nerv der Zeit. Kurzweilig und klar, bombastisch und bravourös übersetzt Drake seine Lebensrealität in die Sprache der Mädels in High-Heels und Typen in College-Jacken - all das auf einem Album, auf dem Stevie Wonder und Rick Ross, Lil Wayne und The Weeknd, Kendrick Lamar und Andre 3000, Rihanna und seine Großmutter ihren berechtigten Platz finden. Drake macht alles richtig, nur eben anders. Oder, um es mit seinen Worten zu sagen: "Looking for right way to do the wrong things."

Jay-Z setzte Anfang des Jahrtausends mit seiner "Blueprint"-Reihe den Sequel-Trend, Raekwon frischte 2010 mit "Only Built for Cuban Linx II" seine Karriere mächtig auf, und dieses Jahr überzeugte Lloyd Banks mit dem zweiten Teil seines Debüts. Schon immer mit Method Man-Reibeisenstimme und coolem Fabolous-Slow-Flow ausgestattet, besteht der letzte G-Unit-Soldat von Bedeutung hier zum ersten Mal auch im lyrischen Duell mit Raekwon ("Sooner Or Later"). Natürlich pumpt die Platte auch klassischen New Yorker Club-Sound galore, doch Banks drückt "Hunger For More 2" mit Swagger und Reife seinen stimmigen Stempel auf.

Der Detroiter Boom Bap-Soul-Clap-Produzent Apollo Brown liefert für den New Yorker Rawkus-Emcee Hassaan Mackey Beats ab wie die Klitschkos. Leider rappt Mackey eher im mittelmäißgen Mittelgewicht und nicht auf Marquez-Level. Anspieltipps gibt es dank Appollo aber einige, wie der hypnotische Nackenbrecher "Volume", das sonnige "Something" oder das Eastcoast-Loop-Monster "Elephants".

Hate me now wie Nas, doch Lupe Fiascos extrem kritisiertes Major-Debüt passt zu mir wie Xavi zu Messi. Auf der einen Seite der lyrisch und technisch versierteste Emcee seiner Generation, auf der anderen durchgehend pathetisch-poppige Beats und Hooks. "Lasers" rollt herein wie ein trojanisches Pferd. Mitsingrefrains treffen ultralinke Obama-Kritik ("Words I Never Said"!). Ich war nie ein Rapper, ich bin ein fucking Popper. Jetzt ists raus.

Wiz Khalifa endlich wieder als Zauber- statt Zauderer: Allein Track eins seines offiziellen Mixtapes "Cabin Fever" scheißt auf sein gesamtes "Rolling (Toiletten)Papers"-Album. Elektro-Kopfnicker-Beats, ein gepitchtes Queen-Sample, Trae The Truth-Feature und "If time is money, I'm a Rolex"-Lyrics – so muss Khalifa! Dazu die brutalen Bässe und klassisches Snoop Dogg-Bitch-Storytelling im Titeltrack und auf der dunklen Großstadt-Hymne "Homicide" ganz neue Seiten: Wiz Khalifa zeigt auf "Cabin Fever", warum der Hype doch berechtigt war.

"Mäßige Beats und zu viele Filler denn Killer", urteilte Alex Austel damals. Ich habe dagegen die Gnade der späten Review: Anfangs ärgerten mich wie Alex die für The Game-Verhältnisse mittelmäßigen Beats. Im Laufe des Jahres gedieh sein fünftes Studioalbum jedoch immer mehr. Klar, Kendrick Lamars Part auf "The City" fickt den vom Taylor Großzeit, doch danach schlägt sich The Game wacker und taucht auch noch Monate später im iPod auf. Ich würde sogar soweit gehen, ihn dank all seiner Alben und Mixtapes in die Top fünf des 21. Jahrhunderts zu packen. Gebt ihm eine Chance wie Frieden!

Der Alex hat schon recht, wenn er über Commons "The Dreamer / The Believer" schreibt: "War 'Be' noch eingängig bis zur Perfektion und tropfte zuckersüß aus den Kopfhörern, ist die musikalische Begleitung hier tiefschürfender. Mit dieser Platte kann man zwar seine Schwiegermutter nicht von seinem Lieblings-Genre überzeugen, dafür passen die Beats maßgeschneidert zu Commons Flow und seiner Art und Weise zu rappen. Kanye West versteht sein Handwerk, I.D. aber kennt seinen Schulfreund schon seit Kindestagen, begann mit ihm die Erfolgsstory und hievte ihn auf den Conscious-Rap-Thron, auf dem er sich heute breit macht." Nuff said!

"Country Boy Return" - wenn straighte Street Raps auf eine Menage à trois aus Arrested Development, Outkast und Goodie Mob treffen, vibriert das Barbecue am Block feurig-frisch. Unterlegt von staubig-südlichen Folk-Beats der genialen Organized Noize-Truppe grooven die Nappy Roots mit Spaß ohne Ende - vom Party-Tune "Legend Lives On" bis zum Everlast-inspirierten rockigen Schlußtrack "Congratulations".

Ellenbogen, Obacht: Young Jeezy liefert seine Mercer- und Mitsubishi-Mugge auch bei winterlichen Temperaturen und hypenden Hip Hop-Hipstern on point wie Karl 'The Mailman' Malone. Keep it real, Thug Motiviation Teil III bis zum Abwinken wie genervte Auswechselspieler. Das macht Jeezy auf dem standesgemäß-prunkvollen Opener asap klar: weiterlesen.

Elzhi ein ewiges Talent? Fuck it, wer mit "Illmatic" den Hip Hop-Klassiker schlechthin so fresh und stimmig in Szene setzt, spielt in der ersten Liga. Vom atmosphärischen "Genesis"-Intro an interpretiert der Detroiter Slum Village-Gründer die Raps von Nas neu, fügt immer wieder Referenzen und Zeilen aus dem Original-Flow ein. Produzent Will Sessions verleiht den Beats eine eigene, oft jazzig-soulige Note. It's a Detroit State Of Mind!

"Carolina, freak-a-leak, no Petey Pablo though. See this is the Nas hoe flow." Vom epischen "The Mirror"-Intro bis zum Indie-melancholischen Endlos-Kopfnicker "Going Numb" hält Locksmith die Spannung hoch wie Strommasten. Producer Ski Beatz speist für die sozialkritischen Lyrics des persisch-afroamerikanischen Rappers aus Richmond harte Eastcoas-Beats mit frischen Live-Drums ins Netz. Sure shot!

Heimlich, still und leise mausert sich CyHi The Prynce zum Lieblingsrapper-den-man-immer-vergisst: zwei Mixtapes in den Top 25 des Jahres 2011! Allein sein fehlerfrei, perfekt akzentuiert geflowter Opener "Assassin" lässt den Mund offen stehen wie beim Zahnarzt. Und wenn danach eine kleine, aber feine Outkast-Reminszenz und 'ne entspannte Doubletime-Dirty-South-Arie folgen, rauscht CyHi eh direkt mitten ins Zentrum. U-Bahn. Der Prynce aus Atlanta kennt seinen Hip Hop. "It ain't about the hustle. It's the art. It ain't about the muscle. It's the heart." Schlaft nicht.

Alter Bobbele, was hast du denn hier kurz vor Weihnachten 2011 für 'ne Wuchtbrumme an Mixtape rausgehauen? Gitarren-Tunes, Boom Bap, Laid-Back, Club-Banger, Indie-Rock - zum ersten Mal rockt B-O-B-O-B die ganze Bandbreite im modernen Rap. Wahrlich epic, jeder Track ein Banger und nebenbei besteht Bobby Ray gegen die ganz Großen des Game. Anspieltipps: alles. Echt jetzt. Leider fällt dann im Mai 2012 das richtige Album wieder ab - in zu gewollt-poppige Gewässer.

Warum in die Ferne des Hirns schweifen, wenn das Gute liegt so nah, gell, Ghostfromm Killah? "Shaolin Vs. Wu-Tang" funktioniert Track für Track, sollte aber tatsächlich so genossen werden, wie es konzipiert wurde: am Stück als Gesamtkunstwerk. Dann offenbart sich der ausgefuchst arrangierte Variantenreichtum nicht nur, er springt einem mit der Fackel in der Hand direkt in die Fresse ...

"Take a trip down memory lane" - Ty Nittys Memory Lane. Sein gleichnamiger Track verdichtet Seele, Sound und Stimmung seines ersten Soloalbums auf 2:43 Minuten. Getrieben von dem Bruch mit Mobb Deeps Prodigy erzählt der ehemalige Infamous Mobb-Rapper über einem klassisch-straighten Eastcoast-Beat aus seinem Leben – und seine Version der Geschichte. Wer mehr darüber lesen will, klicke hier, kaufe das Prodigy-Buch "My Infamous Life" oder höre halt "My Loyal Life", denn auch die restlichen Tracks widmen sich immer wieder jenem Topic. Warum aber schafft es ein solch altmodisches Werk 2011 in die Top 25? Die Brillanz und süchtig-machende Essenz liegt in der stimmigen Besinnung auf solide Stärken: Keine Experimente, kein Herumgeprolle, sondern rechtschaffene Reality Raps spittet Ty Nitty über einen kurzweiligen Sound-Teppich aus Streicher-Samples, Boom Bap-Drums und vereinzelten Scratches. Rap kann so zeitlos frisch sein wie eine Burt Bacharach-Harmonie.

"Rise And Shine", "R4 Theme Song", "Dreamin'" und "Rotation" - nimmt man nur die ersten vier Songs seines Mixtapes, hat Big K.R.I.T. hier so nebenbei einen Rap-Klassiker rausgehauen. Als selbstproduziertes Free-Tape. Mit Outkast-Swagger und Common-Poesie vereint der Mississipi-MC alle Himmelsrichtungen der US-Rap-Landkarte und schmeißt diese in einen positiv-smoothen Hippie-Pimp-Cocktail. Rise and shine, the sky is the limit. Biggie.

Eigentlich ist es nur simpler Rap übers Kiffen, Ficken und die dicken Eier in der dicken Hose. Eigentlich. Aber der 24-jährige A$ap Rocky hat nicht nur Bravado und Swag seiner Harlem-Vorfahren The Diplomats im Blut, sondern auch den richtigen Riecher für die besten Beats vom Produzenten der Stunde. Clams Casino kriegt mit seinem blubbernd brodelnden Sizzurp-Jazz Hipster wie Hardcore-Hip Hopper an die Angel. Dazu addiert Rocky mit seiner A$ap-Crew eine verspulte DJ Screw-Ästhetik, todernste Mobb Deep-Gefährlichkeit und die unbeeindruckte Coolness des neuen New Yorks. Große Pläne mit A$ap haben Sony Records, die dem jungen Mann kurz nach Veröffentlichung seines Umsonst-Tapes "LiveLoveA$ap" für drei Millionen Dollar unter Vertrag nahmen. Es steht die Rückkehr Harlems an.

All Eyez on Kendrick: "The Good Kid" aus Compton vereint auf seinem Streetalbum "Section.80" nicht nur sämtliche Stärken und Styles von 2Pac bis Nas, Kendrick Lamar lässt zudem die gesamte laut.de-Hip Hop-Fraktion in seltener Eintracht schwärmen wie von der ersten Liebe. Poesie, Politik, Swagger, Straße, Respekt: Hier gerät jeder Track zum Manifest - kongenial unterlegt von modernen Kanyeschen Kopfnicker-Sounds. Ob ihn im kommenden Jahr ein ähnliches Schicksal ereilt wie seine Freshman-Kollegen J. Cole und Wiz Khalifa, als diese nach grandiosen Mixtape- und Warm-Up-Alben auf den Majorlabel-Debüts schwächelten, wird die gesamte Rap-Welt mit Argusaugen verfolgen. Bis dato heißt es gemäß Herrn Bushido: "Ersguterjunge!"
Lisa Wörner, Stefan 'Wudo' Johannesberg und Yo Mama Fromm, sammeln und kredenzen wöchentlich Diverses aus dem Kopfnicker-Universum. Anträge, Blumen oder Punchlines an doubletime@laut.de.
J-Berg, ich frag mich immer wieder wie es möglich ist, in 365 Tagen 250 Mixtapes und Alben anzuhören und darüber zu schreiben. Beachtlich. Bemerkenswert! Hut ab!
Und danke für bestimmt 10 'neue' Brecher aufm iPod, die mir unwissend letztes Jahr durch die Lappen gegangen sind.
Und ich denk ich schieb als aller erstes die Game-Platte nochmal rein und check aus, ob du recht behältst.
50 gründe warum Hip Hop tot ist und MCA verdammt nochmal vermisst wird !!!!
@thebogfoofightersfan
hast du auch nur ein einziges mixtape von diesen 50 gehört du volltrottel?
Apollo Brown ist natürlich genial, ich find aber sogar "Gas Mask" von dem Jahr davor und Trophies in diesem Jahr sogar noch besser. Tolle Liste muss da noch einiges nachholen
Nope, seit 1990 war jedes Rap-Jahr gleich stark - global und über alle Geschmäcker hinweg betrachtet.
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