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Wir drehen die US-Rap-Top 250 des letzten Jahres durch den Review-Wolf. Diesmal die Plätze 99 bis 51.
Gießen (stj) - Weiter gehts: Wer dachte, der gute Wudo würde an den Alben 2011 scheitern wie die Bayern, kann ab heute im Keller haten.
Hier sind sie, die besten, die ganzen 250 Werke des vergangenen Jahres - respektive die endgültig vorletzte Portion davon.
Alle über die Maßen genießbar, denn uns Johannesberg sagt: Die letzten 150 sind alle geil wie Bruce & Bongo. Fresst das!

Okay, die USA findet man hier höchstens am Pranger, als Immortal Technique-Feature oder in Form eines Lupe Fiasco-Loops. Trotzdem muss das zweite Album von Lowkey, seines Zeichens Brite mit irakischen Wurzeln, Beachtung finden. Polit-Rap, Dancehall-Hooks, arabische Einflüsse: Manchmal wähnt man sich auf einer Zeitreise in die frühen 90er, ohne jedoch den faden Beigeschmack eines Aufgusses zu schmecken. Zu interessant (und diskussionswürdig) und catchy hält Lowkey Lyrics und Beats.

Nach Phonte und 9th Wonder geht auch das dritte Ex-Little Brother-Mitglied Solo-Wege. Zum Split äußert er sich lyrisch zwischen den Zeilen auf dem handclappenden, Modern-Soul getränkten "Real Love": "Little Brother ain’t the little brother any longer / Big brother being absent made me much stronger." Und Big Pooh ist ein höflicher, angenehmer Geselle am Mic. Niemals prollig, immer intelligent und das Innere nach Außen kehrend rappt er sich nicht zu monoton durch seine Seele. Sure Shot. Beastie Boys.

"When It comes to talent, we the Jacksons”, rappt Crooked I im Opener "Back On The Scene". Nimmt man dieses Bild weiter auseinander, waren die Solo-Jacksons auch besser als die 5-Truppe. Slaughterhouse versuchen auf dieser EP, die Kritiker milde zu stimmen, die Royce, Crooked I, Budden und Oritz fehlende Chemie vorwarfen. Dass alle das Mic rippen können wie Jack, weiß jeder, doch ein Clan kommt nicht über Nacht zu Stande. Hier flexen sie wieder über Beats von Mr. Porter, Black Milk und Sean C & LV. Joe Budden pulverisiert wie immer alles, das Ding rummst und bummst hart, zu einem wahrlich kongenialen Miteinander ist aber noch ein langer Weg.

Gregory Skyler Taylor aus New York geht seinen eigenen Weg wie Fleetwood Mac – ohne Pop-Appeal, ohne Club-Sounds, ohne Thug-Attitüde. Sein Weg ist eher gepflastert mit soulig-erdigem Eastcoast-Sound und gutem, alten NY-Lyriscm. Allein mit Flow und Reimschema auf "Rap Like Me" zerstört Skyzoo mehr Rapper als Sizzurp. Was fehlt?Vielleicht ein wenig mehr Charisma, Gregory ist fast ein bisschen zu normal.

Das A1 Free Band Gang Movement kommt hart, Auto-Tune hart. Dancehall-Vibe, R'n'B, Trap Rap, Street Life – Rocko und Kumpel Future sind nie um eine coole Synthie-Hymne verlegen und treiben es beim Downtempo-Ohrwurm "Take You Away" auf die Spitze wie fickende Fakire. Rocko spielt dabei die Rolle des Rappers (checkt: "The Choice Is Yours"), während A1-Kollege Future die gut abgehangenen Hooks singkrächzt. Die Beats sind spacig, melancholisch ("Balance") und machen auf dicke Hose. Das ist nix für Hip Hop-Nazis, aber echte Rider Music für alle anderen. "Cool As Shit".

Vor ein paar Jahren hypte sich das Duo aus Chicago mit BMX-Rädern, harten Old School-Drumbeats und Style in den Vordergrund auf Playgrounds und Blogs. Nach Mixtapes en masse erschien dann 2011 endlich das Debüt "When Fish Ride Bicycles", auf dem neben den Raps von Antoine "Sir Michael Rocks" Reed und Beats von Chuck Inglish noch Pharrell Williams, Travis Barker, Bun B, Ghostface Killah und Asher Roth mitstylen. Im alten minimalistischen Gewande funktionieren "Rush Hour Traffic" oder "GMC", während der Iron Man beim Swagger-Stück "Penny Hardaway" ein paar seiner eigenen Sounds und Loops kredenzt bekommt. Gänzlich aus dem Cool Kids-Ruder laufen dagegen der Uptempo-Track "Swimsuits" oder die Houston-Hymne mit "Gas Station". Nice, aber kein Klassiker.

Murs hisst in L.A. einmal mehr die Indie-Flagge und fährt das ganze Arsenal aus Straßenstorys ("67 Cutless"), Majorlabel-Prügel ("International") und Hip Hop-Referenzen ("Eazy E") auf, während der versatile Producer Ski Beatz seinen krachenden Sound kongenial dem charismatischen Rapper anpasst. "While the rest of these rappers trying to be Scarface, we were selling our tapes." Hoffentlich noch sehr lange.

Okay, der Preis für das Cover des Jahres geht an Georgias Newcomer, Haarminister und inoffiziellen Bone-Thugs-And-Harmony-Erben Rittz. Der singrappende Doubletimer eröffnet sein von DJ Burn One und DJBooth.net gehostete Mixtape mit Zungenakrobatik und dunkel-trauerenden Piano-Sounds - und bremst seinen Style und die langsamen, melancholischen Beats nicht mehr wirklich. Eher im Gegenteil. Weitere Anspieltipps: "Sleep At Night" mit Yelawolf und der Westcoast-by-night-Cruise-Soundtrack "Blowin My Mind".

Text Part I, rewind: Zwei offizielle Tapes warf Young Jeezy 2011 vor seinem sehr gutem Album "TM103" mit DJ Drama auf den Markt. Gleich der Titeltrack offenbart auch dem letzten Hater des Snowmans Qualitäten: melancholisch schwer schleppende Beats, nach innen gekehrte Thug Life-Lyrics und coole Hooks und Adlibs. Und Jeezy hält seinen Standard bis zum letzten Track. Schöner Nebeneffekt: Freddie Gibbs darf hier öfter in die Booth als beim ersten Teil.

Wie rappte Jay-Z auf Missys "Back In The Day" einst: "Me and missy be the new tag team / Whoomp! there it is / We like, rae & ghost, a.g. and showbiz." Nach 20 Jahren im Game droppt das Duo aus der D.I.T.C-Crew immer noch dope Songs. Moderne Trends interessieren Producer Showbiz nicht, die Beats pumpen minimalistisch und böse, Eastcoast-Style, und AG bleibt auf seiner OG-Schiene.

Kommt hier schor der erste Tylor The Creator-Klon? Mitnichten! Der 30-jährige Danny Brown spuckt sich mit einer Mischung aus Eminem, Ol' Dirty Bastard und Ghostface über Nerd-Rap-Def-Jux-Beats inklusive richtiger Drogenerfahrungen und abgedrehter Fantasien in die Herzen. Lyrik gefällig (Hookline aus "Pac Blood")? "Tears to Mona Lisa / Medusa to liquid / Make Gandhi grab the burner / while they shoot shit / Rhymes that make the Pope wanna get his dick sucked / Had Virgin Mary doing lines in the pick-up / Make Sarah Palin deep-throat 'til she hiccup / Had T.D. Jakes round this bitch doing stick-ups / Rhymes so real, thought I wrote it in Pac blood / Told me in my dreams that these niggas is not thugs." Kostenloser Download hier.

Wu-Mash-Ups sammeln sich im Web wie Sand am Meer. Die Fusion mit Fugazi, den Hardcore-Prog-Rockern aus den 80ern, funktioniert außerordentlich schmissig. Produzent Cecil Otter und Multiinstrumentalist Swiss Andy A-Capella verpassen den Wu-Capellas (auch von Gravediggaz und anderen Randprojekten) eine zackige Live-Instrumentierung, die dank melancholischer Grundstimmung grandios mit den Clan-Grooves harmoniert. Free-downloaden und genießen!

Das Fleisch liegt auf dem Grill, die Herde lümmelt sich auf der Hängematte und vielerlei Rauch steigt in die schwülwarme Luft. Soulig-smoothe Kopfnicker untermalen den entspannten Samstagnachmittag perfekt, für die Brooklyn-Emcee Rashad und Philly/Boston-Producer Confidence verantwortlich zeichnen. "The Element Of Surprise" enthält dabei keine Überraschungen, Höhepunkte, Tiefschläge, R'n'B, House, Auf-die-Fresse-Geprolle und sonst irgendwelche störendende Elemente. So muss Boom Bap.

Endlich ein Rap-Konzeptalbum! Unterstützt von Black Thought, der Strong Arm Steady Crew, DJ Khalil und Terrance Martin zollt Yannick Thurz Koffi dem 20-jährigen Jubiläum des Rodney King-Falls und den anschließenden Riots Tribut. Der LA-Native arbeitet momentan als General Manager einen Shoe Stores in der Stadt der Engel und beleuchtet das damalige und heutige Geschehen als eine Art Ghetto-Reporter. Er ist nicht der Gangster, lebt aber trotzdem mittendrin. Songtitel wie "Molotov Cocktail", "Rodney King", "Fuck The Police", "Colors" oder "Riot" geben die Richtung vor. Spannend und musikalisch stimmig umgesetzt.

Dom Kennedy aus L.A. ist ein Hip Hopper klassischer Prägung. Lyrics, Beats und Skills stehen im Vordergrund, Pop. So eröffnet Dom sein erstes offizielles Album ungewohnt mit dem deepen "Dom's Prayer" und versucht im weiteren Verlauf, die ganze Palette seines Ichs an die Headz zu bringen. Ob Native Tongue-Flow auf "New Jeeps", Westcoast mit 90er-Feeling bei "When I Come Around", das Leben am Block mit Boom Bap Revue passieren lassen in "Icre Cream Truck" oder der melancholische Seelenstriptease in "Graduate": Dom bietet mehr als "Beats, Hoes And Rhymes".

Yelawolf in kräftig oder Everlast ohne Gitarre: Haystak hält ich schon seit Jahren sympathisch und charismatisch im Game. Der Tennessee-Native mit irischen und deutschen Wurzeln liebt und lebt auch auf seinem neuen Album den klassischen Dirty South-Sound, tickend-rollende High Hat, melancholische Synthies und coole Hooks. Rider Music einmal mehr auf dem "Back Of That Cadillac".

Willie The Kid erblickt aus dem Bauch der Mutter von Wu-Affiliate LA The Darkman das Licht der Welt und vereint Philly-Straßen-Flow mit den weisheitgetränkten Reimen aus dem Shaolin-Umfeld. Zumindest auf seiner "The Cure"-Reihe. Wie wandelbar Willie wirklich ist, zeigt er auf "The Crates". Hier rappt er zackig, aber eher im Rawkus-Style über zurückgenommene Laid-Back-Beats und Indie-Folk-Tunes à la "Cornucopia". Stimmig, schön, saugen.

Vinnie Paz macht gnadenlos tabula rasa wie Mellow Bag. Ohne Freundeskreis oder mellow. "I'm Kool G Rap Kaczynski and God wrapped in one / I keep a stupid bitch around me just to stash the gun / Fuck a crucifix, I'll use it just to stab a nun / What y'all did is incurrable to what Paz has done / I'm Black Sabbath, you savages get a lashing tongue / I'm black magic and ravenous, you a passive crumb / I'm a Russian AK and you's a Gatling Gun / I only listen to black metal and rap from Pun / I treat bitches like a jewel thief, smash and run / I write ignorance on loose-leaf, that's for fun / You have the female tendencies of a bastard son / They say it's parts unknown where the assassin's from / Hey yo Jus Allah load the Glock, rob his drums / And tell these sucker motherfuckers that the gods have come / I drink clear liquor all the way to blackened rum / The Glock an icebreaker, I don't mean a pack of gum." Die erste Strophe des ersten Songs zerstört jeden Wischiwaschi-Wiz-Khalifa-Weed-Sound. Vinnie erreicht hier dank Hass, Leid und Emotionen eine Intensität, die ihn wirklich seine Hardcore/Metal-Größen nahe bringt. Und auch Jus Allah steht dem Vinnie in Sachen Terror am Mic in nichts nach. Bleiben die Beats: Ohne Ex-Producer Stoupe fehlt diesen trotz orchestralem Drama und schwer-schlagenden Beats das Besondere - auch wenn sie ohne Nachzudenken funktionieren wie nach Gehirnwäsche.

Taylor Gangs Juicy J (Three-6-Mafia) lädt auf 28 Tracks zur großen Club-Dirty-South-Synthie-Party. Es koksen und saufen mit: A$AP Rocky, Kreayshawn, 2 Chainz, Alley Boy, Casey Veggies, Project Pat und Co. Die Beats schmeißen wie immer Lex Luger, Drumma Boy und Konsorten auf die Table Dance-Fläche. Zum Schluss schaut Taylor-Chefkiffer Wiz Khalifa auf einem entspannten Harry Fraud zur "Stoners Night 2" vorbei. Klarer Fall von "Drugged Out".

James Wade und Produzent DJ Benzi mixen auf der "Ugly Show" Spoken words, Rap und Gesang mit R'n'B, Indie Rock und 2Step. Auf den 19 Tracks gibt sich Wade sozialkritisch und beleuchtet durchaus gekonnt die Probleme der heutigen Menschen. Das Ganze könnte ein bisschen mehr auf den Punkt sein, ein überraschendes Werk ist es jedoch auf jeden Fall geworden.

Der Slacker und der Beatmaker: Wie zu guten, alten Emcee-meets-Producer-Duo-Zeiten formieren sich Asher Roth und Nottz Raw zu Voltron. Sie retten zwar nicht das Rap-Universum, die sehr enge Bindung der beiden spiegelt sich jedoch in den Songs wider und macht süchtig. Als da wären: Nottz' Joanna Newsom-Sample bei "Break Bread", Ashers softer Slim Shady-Moment auf "Gotta Get Up" oder die klassisch-pumpende Motivationshymne inklusive Roths hingerotzten Hookgesang in "Nothing You Can't Do". Asher hat mehr Tiefe als Mac.

"We the hardest niggas!" Wäre König Leonidas mit Rap-Mugge in den Kampf gegen die Perser gezogen, seine Wahl wäre neben DMX wohl auf Lil Fame und Billy Danze gefallen. Unbeeindruckt von Drizzy-Yeezy-Tunes pumpen die Beats und Piano-Loops der deutschen Snowgoons-Truppe um DJ Illegal böse, während M.O.P. das Mic anspucken wie eh und je. They're back at it. Und das ist gut so! This is Brownsville!

Roc C sagte mir nix. Erst Ende des Jahres, beim Diggen in the 2011 crates, fiel mir sein drittes Album auf die Festplatte. Roc kommt wie Madlib aus dem kalifornischen Oxnard. "Stoned Genius" bastelte er in Eigenregie zusammen und holte sich Produktionen von Alchemist, Madlib, Oh No und Jake One sowie Gastauftritte von Termanology, Big Pooh, Freeway, Blu und Chali 2na ab. Der moderne Boom Bap-Rawkus-Indie-Live-Mix erklimmt mit Alchemists hypnotisch-walzenden "Starchild" sogar einmal Top-Notch-Level.

Als Reaktion auf die (unberechtigte) Kritik seitens der Heads, sein Majoralbum "Lasers" wäre von den Labels oktroyierter Pop-Müll, reagierte Lupe Fiasco verständnisvoll und droppte sofort ein kompromissloses Mixtape. "Lupe Back" fliegt in Höchstgeschwindigkeit ins Gehirn, Club-Sounds zwar, aber ohne Hook, und Lyrics wie "Catch a bad piece / You can stick that 360 between your asscheeks / Artists let's mobilize and unionize like the athletes / Radio is making our craft weak". Der musikalische Wahnsinn erinnert auch im Weiteren an eine Hip Hop-Version der französischen Justice, und Lupe rapt alles in Grund und Boden. Mit Skills, Swagger und sozialkritischen Ansagen. "Super Cold".

PhillyFreezer hat die Erwartungshaltungen nach seinem unglaublich guten Kollabo-Album mit Jack One hochgeschraubt wie Turmspringer - und fällt auch wie diese. Zumindest ein bisschen. Sein charismatischer, energiegeladener Flow, die hohen Hook-Qualitäten und die durchdachten Down-To-Earth-Lyrics gehen immer gut, die Beats erreichen dieses Mal aber nicht die Tiefe und Catchyness von einst. Bei der Philadelphia-Kollabo mit Meek Mill für "Superstar" versucht sich Freeway an den Maybach Music-Synthie-Hämmern und kommt nicht wirklich in die Gänge wie Fahranfänger. Oder eben Meek Mill. Das Ganze setzt sich dann auch auf allen weiteren Tracks fort. Schade.

DJ Green Lantern mixt so punktgenau und stylish alte und neue Beats, eigene Sounds mit alten Reimen und neuen Freestyles durcheinander. Kanye West-Tracks treffen auf Dr. Dre-Songs, Drake auf Nas und "If I Ruled The World", und und und. The evil genius is on again.

Zwei offizielle Tapes warf Young Jeezy 2011 vor seinem sehr gutem Album "TM103" mit DJ Drama auf den Markt. Gleich der Titeltrack offenbart auch dem letzten Hater des Snowmans Qualitäten: melancholisch schwer schleppende Beats, nach innen gekehrte Thug Life-Lyrics und coole Hooks und Adlibs. Jeezy hält seinen Standard bis zum letzten Track.

Lahmer J-Live-Backpacker-Shit holte schon Ende der 90er nur noch Hip Hop-Akademiker hinterm AOL-Modem hervor, insofern lag die Erwartungshaltung für das neue fünfte Studioalbum des Rap-Professors bei Minus Sonstwas. Zu Unrecht, vollkommen zu Unrecht. Die Renaissance des frischen Boom Bap-Sounds hat auch den alten Sack gepackt. Juwelen wie "The Authentic" oder "How I Feel Pt.3" schaffen es locker in meine Top 50-Rapsongs 2011.

Der Geist vom Wu-Tang Clan weht durch Albumtitel (RZA versprach "The Cure", wir warten immer noch) oder durch die Reminszenzen an die Gravediggaz oder Sunz Of Man. Willie The Kid vereint Philly-Straßen-Flow mit den weisheitgetränkten Reimen aus dem Shaolin-Umfeld, während sich die Beats sehr Wu-ähnlich auf hypnotisch-bombastischen Loops aufbauen. Spannend und definitiv besser als das gemeine C-Künstler-Post-Werk der Staten Island-Natives.

Manchmal weiß Straßenpoet Jon Connor wohl nicht so recht, wohin mit seinen Skills. Der Peoples-Rapper aus der Provinz flext auf seinem Mixtape alle Beats – ob eigene oder bekannte – in Grund und Boden. Dabei zerfetzt er manche Songs und deren Strukturen förmlich, was ihm zwar Respekt von Busta, Primo und Nas einbrachte, den Genuss seiner Alben aber auf Dauer anstrengend macht. Daher funktioniert Jon momentan noch auf Beats mit Hooks am besten, wie die Single "Someone Like Me", "Place On Earth" mit Belinda Carlisle-Loop oder das balladeske "True Colors" zeigen.

Offizielle Mixtapes von The Game gehen ja immer ab wie Messi auf Speed. Auch dieses Mal. Der völlig unterschätzte Produzent Mars warf dem L.A.-Emcee hier fast alle Beats vor die Füße. Touchdown. Allein der heftig "Good Morning" von Kanye West sampelnde Opener präsentiert Game in Hoodform. "Hello, a hundred thousand in the mattresses / I'm Hollywood, yeah, I only fuck actresses." Der absolute Killer-Track kommt mit "I'm On". Über einen pumpenden Ellenbogen-raus-Beat mit einigen netten Orgel-Elementen cruist Game wie durch Compton. "Matter of fact Chucks, red Cadillac trucks / Panamera red folks, peanut butter guts on my Paul Gasol shit / Hit the block and post up."

Auch Fabolous kommt langsam in die Jahre wie Altern in Zeitlupe – bleibt als Slow-Flow-Punchline-King aber auf seinem Thron sitzen. Allein seine Interpretation einer Zeile aus Nas' "The Last Real Nigga Alive" im Opener swaggt mehr als manch ganze Alben. "They be talkin sideways, keep that to a side note / An L.A bitch, that ain't my fault, she wanna be crucified, yo / Jesus Christ, he's just nice .. / Wait, I ain't say that right ... He's just Niiiice." Gemäß Jay-Z, nur umgekehrt: I made it a hot line, you made it a hot song. Der Rest ist bis auf die Just Blaze-Bombe "Lord Knows" guter Ghetto-Durchschnitt.

Seit "1st Of Da Month"-Tagen ist Layzie Bone mein Favorit aus der Bone Thugs-N-Harmony-Truppe. Erfreulicherweise enthält sein 2011er-Solowerk auch wieder Doubletime-SingSang-Flow, wenig Gangsta-Geprolle, dafür Down-To-Earth-Storys und einfache, aber wirkungsvolle Beats. Herausragend dabei: die Team-Hymne "Them Bone Thugs Niggas", der wahrscheinlich schönste, weil nicht klebrig und kopfnickend umgesetzte Love-Track ("You're My Lady") und das spannende Storytelling auf "Suicide".

Ace Hood bekam ja schon auf Platz Zweihundertundeinpaarzerquetschte ein paar warme Worte. Auf dem hier eröffenden "Victory"-Beat pustet er atemlos, ja fast heiser sympathisch durch die Speaker und gleicht damit aus, was ihm an lyrischer Eleganz und Tiefe fehlt. Die anderen, eher minimalistisch-dramatischen Beats lassen dann genügend Platz für den hungrigen Herrn Hood. Das passt dann auch wesentlich besser als DJ Khaled-Autotune-Bombast. You Feel me? Yup.

"Like Tom Hanks, nigga, I'm a make it big": 9th Wonder bleibt der König der DJ Premier-Gedächtnisbeats. Auf seinem langerwarteten Soloalbum lässt der Produzent eine illustre Starschar über seine basslastigen Kopfnicker rappen. Das Spektrum reicht von der smoothen Little Brother-Reunion auf "Band Practice" über den Westcoast-Allstarfunk auf "Enjoy" und Native Tongue-80er Souljazz mit Talib Kweli "Never Stop Loving You" bis zum bösen "Piranhas".

Sein "Ode To Illmatic"-Versuch war eher mau, doch bereits im Opener "Manny Pacquiao" rappt und boostet sich Fashawn hungrig über ein mächtiges "We Are the Champions"-Sample: "I'm a double barrel shotty, a Pacquiao blow to the body / And that'll make you niggas convert: Ali." Das zehnte Mixtape der kalifornischen Underground-Legende bleibt auch im weiteren Verlauf reich an Höhepunkten. Kanyes "Higher" strafft der RZA mit seinen ureigenen hypnotischen Händen, und J Cole liefert gleich drei coole Eastcoast-Banger. Fehlerlos wie Abi 1,0.

"Sometimes I feel life is like so overrated", leert der neue Rap-Weirdo Danny Brown bereits im kraftvollen, Black Milk-typischen Soul-Sample-Opener seine geschundene Seele aus. Die Kollabo aus Detroits moderner Motown-Boom Bap-Machine und dem ODB-meets-Hipster-Hybrid funktioniert außerordentlich frisch. Ob auf dem leicht rockig-knarzigen "Zap", dem minimalistisch 70er-Sample-Loop-Monster "Dada" oder dem Streicher-Brett "Black & Brown": Dannys unruhig-getriebener Flow und der Eastcoast-Style von Black Milk harmonieren perfekt. Sure Shot!

Die umkämpfte Schlacht um den Titel "Best Producer on the Mic" bekommt Zuwachs. Terrace Martin produzierte sich bereits durch die Creme de la Creme des Westcoast Rap (Snoop, Murs, Kendrick, Warren G, Nipsey) und legt 2011 sein Solowerk vor. Wie so viele L.A.-Beatschmiede beherrscht Martin seine Instrumente und geht in die funkige Richtung eines DJ Quick mit jazzigen Pete Rock-Einflüssen. Am Mic fällt Terrace weder negativ noch extrem positiv auf. Anspieltipps: das hypnotische Synthie-Gerüst auf "Some Other Shit" sowie der housige Four-To-the-Floor-Tune "Do It Again" mit Wiz Khalifa und Kendrick Lamar.

Album Nummer 15! Fuffzehn!! Und selbst der normale Head kennt die Legende aus Houston nicht. Kein Wunder, dass die New York Times Z-Ro einst zu einem von Americas Most Underrated Rappern kürte. Joseph Wayne McVey drugrappt, pimpt, singt und screwt sich schon seit 1998 durchs Game. "Meth" ist nach "Crack", "Cocaine" und "Heroin" der vierte Teil seiner Drogenserie, und wie bei jedem echten Gangster lautet das Motto: "I'm a asshole by nature, I don't love my bitch, I love my paper."

Von Brother Alis-Predigt auf einem vollends verzerrtes Gitarrenriff in "Invitation" über das rumpelnde Kinderchor-Club-Vehikel "Leader" bis hin zum orientalisch angehauchten Song Of The Year-Tune "Like A G" brennt DJ Amp Live originellen Ohrenschmaus auf die Festplatte, und Kollege MC Zumbi veredelt die Songs mit Weisheit und Wissen. Zusammen genommen heißt das: Zion I, Geheimtipp, reinhören!

"I gotta remain boom bap!" Rapper Reks lässt vom klassischen DJ-Premier-Fleck auf "25th Hours" weg keinen Zweifel an Inhalt und Intention seines Albums. Der Opener von "Rhythmatic Eternal King Supreme" pumpt Premo-Piano-Loops, gewohnt scharfkantige Scratches und ein Nas-Vocalsample, während Reks sich durch Rap-Reminszenzen rackert. Wer Boom Bap sagt, holt Pete Rock, Alchemist, Hi-Tek und Statik Selektah ins Boot. Besonders die entspannten Soul-Scratch-Beats von Letztgenanntem harmonieren prächtig mit dem wütenden, etwas eintönigen Flow. Anspieltipps: "This Is Or That", "Like A Star" und "Self Titled".

Im Mai 2012 brachte Meek Mill vom zweiten Teil seiner "Dreamchasers"-Reihe knapp drei Millionen Downloads auf die Festplatten der Fans. Das erste Mixtape schaffte es 2011 dagegen "nur" auf etwa 660.000 zip-Dateien, zeigte aber trotzdem Mills großes Talent. Über die Maybach Music-Trap-Synthie-Brecher flowt, flext, rappt, rackert, leidet und liebt sich Meek einen Wolf. Und jetzt alle: "Ima Boss, Ima Ima Boss!"

"Looking in the mirror everyday I get older / Learn from the past everyday I get stronger / I like to get high, but it's great to be sober / Yesterday was hard, but it made me a soldier / You don't get nothing / if you don't work hard / You can't earn stripes if you never had scars / There's way more to life then money and nice cars / You are who you are, you might be a bum / You could be a star, you might be a prisoner fighting behind bars / You trying to find peace, I'mma try to find God / You searching for your destiny we trying to find ours / The blood in my hearts pumping for the right cause / And I get that same feeling when I hear that old Nas" – So wie auf dem positive-vibenden "The Mirror" will ich Pac Div hören. Ach was, so muss Hip Hop.

Ach, der Statik schon wieder ... Im Januar 2011 wagte sich der umtriebige DJ und Produzent mit Street-Mode-Ikone Frank The Butcher zu Ehren von Guru an eine Reminszenz klassischer 90er Mixtapes. Er wirft hier für Jungs wie Freddie Gibbs, Big KRIT, Action Bronson, Termanology oder Joell Ortiz Classic Beats mit den eigenen Sounds durcheinander und, oh Wunder, es boombapt altehrwürdig und fresh zugleich.

Lemmy rappt! Trae Tha Truths heisere Hooks und Dirty Doubletimes gehören in jede Top-Liste. Dank seiner eindringlichen Micpräsenz drückt der Houston Hero allen Songs seinen Stempel auf wie Postbeamte. Egal, ob ein Lil' Wayne, ein Rick Ross, ein Jadakiss, ein Game oder ein Big Boi neben ihm in der Booth stehen, Trae bleibt da Truth.

Ghostface Killah nennt sich heutzutage Action Bronson? Mitnichten, doch der bärtige, ein wenig wie ein Serienmörder aus den Rocky Mountains ausschauende US-Albaner aus New York flowt sich wie die Wu-Legende mit hektisch-hohen Vocals einen Ast (auch gemeinsam zu hören auf dem "Legendary Weapons"-Clan-Werk). Wiedererkennungswert hoch hundert. Auf dem Streetalbum "Well Done" kreiert einmal mehr Statik Selektah einen frischen Boom Bap-Sound, der im rumpeligen "Time For Some" inklusive Cypress Hill-Killer-Sample und dem Big Pun ehrenden Kopfnicker "Keep Off The Gras" seine Höhepunkte findet.

"I never take a day off, work around the clock my engineer gettin' paid off rock like Aseop, light the weed and take off so high I cannot see Adolf." Allein der ohne Beat gerappte Opener des Mixtapes verwandelt die Hater in Lover. Immer nahe am White Trash, aber mitten im Leben rappt the great white indie hope Ladys und Stunden vom Barhocker locker wie Hausmarke. Ob melancholisch oder Party-Hymne, ob Strophe oder Hook, bei Mac Miller wirkt alles natürlich, nichts ist aufgesetzt wie Kondome. Auch wenn er - im Gegensatz zu Kendrick oder Cole - an der Oberfläche bleibt wie Leichen.

Das vierte Soloalbum des L.O.X.-Mitglieds flog ein wenig unter dem Rap-Radar des Jahres 2011. Zu unrecht. Vom Warren G-produzierten Opener "How I Fly" über Pete Rock-Pharao Monch-Anspruch auf "Children" bis hin zum klassischen Straßen-Tune "I'm A Gee" - Styles P spult auf bekannt hohem Niveau seine gesamte Charakter-Breite ab. Und landet daher auch 2012 immer wieder in der wichtigsten Playlist.

Cunninlynguists-Produzent Kno verfeinert seit Jahren sein dicht-dickes Soundgewand. Man höre nur den atmosphärisch-spacigen Opener "Predormitum", das Sample-Monster "Hard As They Come" mit Freddie Gibbs (wo ist der eigentlich drauf?) oder das großartig geloopte "My Habit". Feinster Studio-Stoff – bis auf die Drums. Zu drucklos, zu schwammig gehen Snare und Bass in all den Harmonien und kleinen Referenzen unter. Schade, aber trotzdem hörenswert.
Lisa Wörner, Stefan 'Wudo' Johannesberg und Yo Mama Fromm, sammeln und kredenzen wöchentlich Diverses aus dem Kopfnicker-Universum. Anträge, Blumen oder Punchlines an doubletime@laut.de.
Die Frage, die sich mir stellt: muss man 250 Alben (mixtapes, EPs usw.) in einem Jahr hoeren, egal welches Genre? Aber solange 'Grief Pedigree' unter den besten 10 landen wird, naja.
Ach, klar, ist ja alles fuer 2011, pardon. Dann frage ich jetzt nochmal hier, wie sieht's denn mit Rezensionen zu Killer Mike, K.R.I.T. und Purrp (und Ka evtl.) aus? Das sind doch jetzt 3 recht namhafte Veroeffentlichungen 2012 (Purrp was weniger, Mike was mehr) und es waere etwas schade, sie nur knapp kommentiert zwischen mixtapes von Fabolous (nix gegen Loso dabei, aber naja) und Meek Mill in eine Liste gesteckt zu sehen.
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