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Check your headlines: Sido im Krankenhaus, Harris der Mann im Haus und Fanta 4 mit Mann im Ohr.
München (max) - Man möchte es kaum glauben, aber jetzt - 2010! - hat es in Krawallo-Rap-Deutschland doch noch mal medienwirksam gescheppert: Ausgerechnet der Mann, der mit dem Royal Bunker heutigen Größen wie Savas, Sido oder K.I.Z. den seinerzeit steinigen Weg ins nationale Hip-Hop-Universum (mit-)bereitet hat, kriegt von einem aktuellen Vertreter der Nische "Hassrap" eins auf die Zwölf.
Da erscheint Flers erboster Anruf in den hiesigen Redaktionshallen von anno dazumal ja schon fast explizit höflich. Sowohl den Weg zur Polizei als auch den ins Krankenhaus spart sich der rap.de-Chefredakteur aber - nicht so allerdings Sido.
Wertewandel
Der war jüngst gleich zwei Mal im Klinikum, wie er uns via Twitter wissen lässt: Zum einen freute sich der Ex-Aggro-Berliner auf die Niederkunft seiner Schwester, das andere Mal war es wohl um Frauchen Doreen nicht so gut bestellt. Fler wiederum, der ja auf Sido dieser Tage eher nicht so gut zu sprechen ist, ließ sich daraufhin zu einem "alles gute!" hinreißen - und Sido bedankt sich einen Tag später ausdrücklich bei "ALLEN" für die getwitterten Genesungswünsche.
Nicht überall gehen Hass und Rap also Hand in Hand, respektive bis aufs Blut. Paradoxerweise gerade dort nicht, wo vor noch gar nicht langer Zeit von Bundesprüfstellen, Elternbeiräten und ähnlichen Zeigefingern noch das Epizentrum für gewaltverherrlichenden Rap verortet wurde.
Nicht jede Promo ist gute Promo
Apropos Blut: Auf die stilprägenden Werte des vergangenen Jahrzehnts zurück besinnt sich offenbar Massiv, von dem in letzter Zeit nicht viel zu hören und sehen war. Nachdem er sich zuletzt in Handarbeit einen gewissen künstlerischen Status erarbeitet hat, kündigt er jetzt einen Nachfolger seines inzwischen indizierten Debüts "Blut Gegen Blut" an:
Mal sehen, inwieweit sich sein "BGB 2" mit dem GG, speziell Art. 5 Absatz 2, vereinbaren lässt. Auch die Taktik mit einem "Üüber-Disstrack" als Vorbote zum Album erscheint mehr als gestrig - insbesondere, wenn er so grundlos und scheinbar lediglich Aufmerksamkeit heischend angekündigt wird. Was macht noch mal schnell eine Überraschung aus?
Interessanter machte es da jüngst unser aller Lieblingsrapper Harris. Zu seinem morgen erscheinenden Album "Der Mann im Haus" hat sich das Berliner Trademark eine deutlich sympathischere Kampagne ausgedacht, in der es unter anderem Sidos Frauchen noch blendend geht:
Die anderen drei Clips gibts hier.
Zu wenig daheim gewesen
Den Nagel in die Wand, respektive den Fuß in die Tür hat auch Wyclef Jean nicht bekommen. Dieser musste seine Pläne, Haitis kommender Präsident zu werden, nun endgültig begraben. Er konnte die notwendigen fünf Jahre, die man als Kandidat vor der Wahl am Stück auf der Insel gelebt haben muss, nicht vorweisen. Der Fugee will sich zwar weiterhin für die Verbesserung der Zustände in seiner Heimat einsetzen, sich nun aber vorerst wieder auf seine Musik konzentrieren, wie CNN ein schriftliches Statement zitiert.
Fanta 4: Der Volkswagen des Rap
Wo wir schon bei den Umtriebigkeiten des alten Adels sind: Die Fantastischen Vier, beziehungsweise zwei davon waren neulich in der Late-Night der öffentlich-rechtlichen Volksfesthupe Ina Müller zu Gast, wo Sie - zumindest für die etwas spätsommerlicheren Hip Hop-Semester - durchwegs charmant plaudern. Höhepunkt des Auftritts: Smudo und Thomas D. covern Ulrich Roski:
Die ganze Sendung gibts an dieser Stelle in der ARD-Mediathek.
Der kleine Mann von der Straße: Von leibhaftig Chefredakteure umboxend bis hin zur Hamburger Kneipen-Version. Da behaupte mir keiner mehr, Hip Hop in Deutschland habe zu wenige Facetten.
Track der Woche:
Langsam aber sicher werde ich spürbar zum Alte-Zeiten-Verehrer. 13 Jahre ist es her, dass Tame One und El Da Sensei - in dieser Kombo leider viel zu wenig bekannt als Artifacts - einen lupenreinen Klassiker abgeliefert haben. Und ich meine die ganze Platte "That's Them", nicht nur den Song "31 Bumrush":
Ich, Maximum Brandl und sie, Yo Mama Fromm, sammeln und kredenzen wöchentlich Diverses aus dem Kopfnicker-Universum. Anträge, Blumen oder Punchlines an dani@laut.de oder max@laut.de.
Deine Mutter ist ein dickes Ding!
Ich bin schrecklich gespannt auf Massivs neues Album, ich hab da immer großen Spaß dran, das kann man immer schön mit Kumpels hören und mal so richtig ne Runde lachen. Der persifliert Rap wie kein anderer und merkts nicht einmal.
Jaja, Massiv. Ein Pirmasenser Hinterpfalz-Prolet zieht nach Berlin und macht auf dicke Hose, weil ihm die in Pirmasens schon niemand abkaufte. Und während er unfreiwillig die beste Rap-Persiflage seit MushiFlow (word, Strenner!) abgibt, steht Papa daheim in Pirmasens in der Schuhfabrik und erzählt den Mitarbeitern, wie er dem Sohn die Kohle zusteckte, damit er nach Berlin ziehen und ein Star werden kann. Darf man hier von gelungener Integration sprechen ohne gesteinigt zu werden? Im Sinne gelebter Ironie vermutlich schon ;-)
Zu Artifacts: Tribe, ick hör dir trapsen. Kannte die Jungs nicht, hört sich aber sehr geschmeidig an.
Rap? - BGB! Style? - BGB! Deine Mudder? - BGB! Und hoffentlich gibts in der Deluxe-Platin-krault-euch-einen-Edition Outtakes, wo man sehen kann, wies den Massiv nach dem Sprung so richtig frontal auf die Fresse legt. btw die "Raw Footage" von Ice Cube war absolut genial.
Zum Thema verstrahlt betrachte man nur mal das großartige Cover.
Aber ich finds auch nüchtern ganz cool, kommt zwar nicht an die "richtigen" Alben ran, aber ich find dieses Reggae-Gewand steht ihm einfach sehr gut vor allem wegen Stimme, Akzent und Flow.
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