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Auftragskiller, gefährliche Muschis, Beat-Mörder, Halunken, Staatsfeinde und alte Säcke: Hip Hop ist eine Schlangengrube.
Konstanz (dani) - Hip Hop und Gangstertum - eine scheinbar unverbrüchliche Allianz, die mittlerweile schon beinahe Tradition besitzt. Farid Bang tat im Interview mit hiphop.de beispielsweise kund, Gewalt gehöre für ihn dazu, "so lange es sportlich bleibt".
"Es geht um die Provokation ... das ist eine Art von Entertainment. Und wenn sich der Kunde dadurch unterhalten fühlt, dann ist das meine Absicht. Es gibt ja auch Komödien, in denen du Waffen siehst. Also, man sollte das alles immer auch mit Humor sehen."
Kein Promi-Bonus für Ja Rule
Nicht genug Humor brachte Staatsanwalt Cyrus Vance auf, der Ja Rule wegen unerlaubten Waffenbesitzes verknackte: "Mit einer illegalen Waffe in New York herumzulaufen, bringt alle New Yorker in Gefahr. Ob man ein für den Grammy nominierter Musiker ist oder ein Jugendlicher, der für einen Freund eine Waffe trägt, spielt für die Justiz keine Rolle."
Das Urteil folgte dieser schlüssigen Argumentation und verhalf Ja Rule zu zwei Jahren hinter Gittern. Seine Haftstrafe hat er nun angetreten, nicht ohne vorher schnell noch einen wehmütigen Blick zurück zu werfen:
"Ich sehne mich in die gute alte Zeit zurück, bevor dieses ganze Beef-Ding aufkam. Wir haben alle miteinander Softball gespielt und zusammengehalten", so seine nur unwesentlich verklärte Erinnerung. "Die Kameradschaft wurde meiner Meinung nach nach Pac und Biggies Tod noch intensiver. Wir Hip Hop-Künstler haben versucht, besser miteinander umzugehen. Diese Ära war großartig - und dann kam die G-Unit, und alles drehte sich nur noch um Hass, Zorn und Eifersucht."
Gefährliche Muschis
Ah, die G-Unit ist also an allem schuld. Aber Tupac tot? Da wäre ich gar nicht so sicher. Glaubt man dieser Theorie, lebt zumindest seine Seele weiter - im Körper einer Katze. Nachdem mein eigenes, nach dem Hardcoregladiator benanntes Vieh erst vor ein paar Tagen völlig anlasslos alle vier Eckzähne bis zum Anschlag in meiner Schulter versenkt hat, bin ich übrigens überzeugt, dass ich ebenfalls einen Gangster-Wiedergänger zu Hause habe. (Es sind halt nicht alle niedlich.)
Nebenjob Auftragskiller
Im Grunde ist jedoch all das Kinderkram: Gegen den lateinamerikanischen Rapper mit dem wohlklingenden Namen Tostao kann zum Glück die komplette Hood einpacken. Der Mann, der 2010 noch einen Latin Grammy in der Kategorie "Bester alternativer Song" kassierte, soll sich eines interessanten Nebenberufs befleißigt haben: Berichten zufolge operierte er als Auftragskiller. Die stolzen 40 Morde, die man ihm zur Last legt, hat er offenbar sämtlich gestanden. DAS nenn ich mal einen Gangsterrapper.
Vorsätzlicher Beat-Mord
Zur Nachahmung freilich nicht empfohlen - tatsächlich noch weniger als eine Teilnahme beim von der unglaublich straßenkrediblen Hip Hop-Bravo ausgelobten Wettbewerb. Dort sucht man nämlich das "Rap Talent 2011". Der Gewinner darf zusammen mit Fler einen Track aufnehmen. Da wächst doch noch mehr zusammen, was zusammen gehört. Das Verbrechen hierbei: Für den zu erwartenden Unfug soll ein Beat aus der Schmiede Tai Jasons geopfert werden. Autschn.
Tight? Zumindest alt, Alta!
Da geh ich doch lieber mit Harris und Jopie Heesters ins Maxim: Der Inbegriff von tight, Alta! und der nimmermüde Bühnen-Uropa schieben ihrem gemeinsam abgedrehten Werbespot nun noch ein komplettes Video hinterher. Die alten Halunken.
Halunke beim Staatsfeind unerwünscht
"Halunke" wird übrigens auch Saads nächstes Album heißen, das am 9. September erscheinen soll - falls sich bis dahin ein Label erbarmt. Bei Ersguterjunge hat man Saad nämlich angeblich vor die Tür gesetzt, nachdem eine Anzeige wegen Körperverletzung gegen ihn erging. Tja, Ersböserjunge, und für die gibt es unter dem Dach von "Staatsfeind Nummer 1" offenbar keinen Platz ... Hip Hop und Verbrechen gehen wohl doch nicht immer Hand in Hand.
Unter Freunden
Zu Handgreiflichkeiten kam es im Verlauf dieser Woche dafür beinahe zwischen sonst so friedlichen laut.de-Redakteuren. Nachvollziehbar, schließlich handelt es sich bei der ... nun, ja ... nennen wirs mal "Abstimmung" über die morgen zu kürenden wichtigsten deutschen Rap-Crews um eine ernste Angelegenheit. Insbesondere in der Frage, ob der (unsägliche) Freundeskreis in einer derartigen Aufstellung vertreten sein sollte, darf oder gar muss, klafften die Ansichten auseinander:
"Lass dich nicht von den Typen hier wegen Freundeskreis belabern", so der leicht irre geleitete Kollege, der in Heulsuse Herre noch immer einen Halbgott vermutet. "Die packen Shiml in ihre TOP5 und Holundermann in ihre TOP10 und sind nur sauer, weil sie trotz ihrer Uni-Abschlüsse die Hälfte der Fremdwörter in Max Herres Texten nicht verstehen ..."
Pah: "Der legt nachts sein Ohr auf die Eisenbahngleise und horcht immer noch, während wir wie Bosse über Rap rollen wie ein komplett verchromter ICE." Hmm ... ich würde mal sagen: Punkt für den Feindeskreis. Aber die Zahl der Verblendeten scheint Legion. Wie die Prügeleien ausgingen, erfahrt Ihr morgen in diesem Theater. Ich geh' bis dahin mit der Gangsterkatze ringen. Und Ihr?
Track der Woche:
Ihr geht in die Schlangengrube. Diese Raekwon-Nummer habe ich, wenn mich nicht alles täuscht, zwar schon einmal gepostet. Da ich aber zu den Spießern gehöre, die im Restaurant auch immer das gleiche bestellen, und es zudem mittlerweile ein Video dazu gibt: Warum denn eigentlich nicht nochmal? Bitte:
Icke, Yo Mama Fromm, Er, Maximum Brandl, oder der andere, KRM-One, sammeln und kredenzen wöchentlich Diverses aus dem Kopfnicker-Universum. Anträge, Blumen oder Punchlines an dani@laut.de, max@laut.de oder karim@laut.de.
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