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Neue Etappe im Mixtape-Marathon: Chingy verspielt den Jackpot, Chief Keef spaltet Schädel. Und: Sex-Storytelling und Schlachterdomino.
Gießen (stj) - Mixtape-Mania: Wiz legt mit seinem neuen Streich "Taylor Allderdice" sämtliche Datpiff-Server lahm, New York-Hoffnung Action Bronson rappt sich den nächsten (N-)Ast und Big K.R.I.T. zaubert den perfekten Andre3000-Big Boi-Common-Hybrid. Dazu YouTube-Größen, Internet-Hypes und DJ Premier. Der Reigen startet jedoch mit ...

Wer Van Nistelroy ("5 Minute Beats in 1 Take") in seinen Reimen kickt, ist eh schon König. Action Bronson sowieso. Der New Yorker rappt sich als eine Art Ghostface Killah 2.0 seit einigen Jahren durchs Game und haut nun mit "Blue Chips" seine beste Ghost-Ehrerbietung raus, ohne einen eigenen Style zu leugnen. Da rappt der bärtige Mann beim Opener über Beats ohne Drum-Pattern, fährt bei der "Thug Love Story 2012" schärfstes Sex-Storytelling auf und nutzt 60er Boom Bap-Loops wie Rick Ross das "Uh, uh". Unbedingter Download-Befehl.

Harlems neuer Herzog swaggt und rappt König Cam aufs Altenteil. Bereits auf dem straighten Bob Marley-Loop-Nicker "Revolution" rappt er sich stimmig durch Battle-, Street Hustle-, Thug Life- und Polit-Rap. Auf "Body Bag" lässt er mit Hell Rell klassisch-ignorantes Harlem Punchline-Doubleryhme-Gewitter aus dem Ghetto Heaven regnen, und "Dirty Rotten Scoundrels" pumpt mit Guru-Vocal-Sample. Quintessenz: Auf allen Tracks reimt A-Mafia sauber, mit großer Mic-Präsenz und feinem Gespür für kurzweilige Beats. Nice one!

Der 16-jährige Chief Keef ist der Held der Chicagoer Schulhöfe. Mit seinen Adlib-Monster "Bang", das mit ignoranter Intensität alles in den Schatten stellt, was seit Prodigys "Shook Ones Part II" die Straßen rockte, spaltete Chief die Rap-Fans wie Äxte Schädel. Für die einen ist es dumpfe Gewaltverherrlichung, für die anderen die künstlerische Umsetzung der harten Realität. Auf seinem neuen Mixtape knüpft Keef an den typischen Trap-Böse-Synthies-sind-gesetzt-Sound an und steuert wieder lustige Lippenbekenntnisse bei - ohne jedoch das "Bang'sche" Level zu erreichen.

Ein One-Hit-Wonder kehrt zurück. Nach seinem Debütalbum "Jackpot" mit dem "Right Thurr"-Superhit vor zig Jahren fiel Chingy nur noch mit Labelstreitereien auf. Auf seinem Comeback-Werk humpelt er dann leider kratzig, aber monoton über Bekanntes wie "Tupac Back" von Rick Ross. Klar, der nette Breitwand-Beat auf "Muthafucka" mit coolen Goon-Chören im Hook, geht gut rein, Chingy dagegen bringt wenig Neues und wenig Charisma zum Rap-Tisch. Er strengt sich zwar an und zeigt diverse Styles (zum Beispiel Bone-Thugs-N-Harmony-Flow auf "Bitch Im Roling"), doch unter dem Strich bleibt nur Mittelmaß. Jackpot weg.

Nach den Fast-Klassikern "K.R.I.T. Wuz Here" (2010) und dem komplett in Eigenregie produzierten "Return Of 4Eva" (2011) gilt der junge Mann aus Mississippi neben Kendrick Lamar als das beste Gesamtpaket der neuen Generation. Auf dem wiederum selbst zusammengebastelten neuen Mixtape zaubert Big K.R.I.T. sowohl thematisch als auch soundtechnisch wieder den perfekten Andre3000-Big Boi-Common-Hybrid aus dem Hut. Intelligent, smooth aber trotzdem mit Schmiss sorgt er für einige Repeat-Drückereien. Im Gegensatz zu den vorherigen Klassikern fehlt es jedoch dieses Mal an richtigen Bangern und dem nötigen Variantenreichtum. Wer auf stimmig-smoothen, Organized Noize-inspirierten Südstaaten Rap mit Eastcoast Flavor steht – also fast jeder, eigentlich – der greife zu.

Seine One-Take-Solo-In-The-Booth-YouTube-Videos sind legendär, Don Trips neues Mixtape noch nicht ganz. Die Beats wildern im Trap-Dirty-South-Synthie-Einerlei, manche Hooks schwächeln, und die Lyrics könnten ein wenig mehr auf den Punkt kommen. Trotzdem erkennt man Don Trip aus einer Vielzahl an Rappern wieder. Manche seiner Tunes bleiben auf heißer Rotation, so das 70er Jahre-Rock sampelnde "Help Is On The Way", das vielschichtig-spannende, von Cool & Dre produzierte "Allen Iverson" sowie das melancholisch-gebrechliche "Trap'd In The Trap".

Hook-Master Jeffery Johnson Jr. war nach einigen Klasse-Features und Mixtapes zu recht in der "XXL Top 10 Freshmen list 2012". Warum der Dash dann eine lange Wurst legt wie beim Schlachterdomino, weiß nur er. Die Originale wurden durch die Bank besser geritten als hier. Schockemöhle. Und Hoven X rappt wie seine Name klingt: Poser-Rock aus den 80ern.

Vom undergroundigen Next Big Thing zum meistgehateten Hype in knapp zwei Jahren: Wiz Khalifa schrammt mit seinen 2011er Ergüssen immer wieder knapp die Grenze zum uninspirierten Nummer Sicher-Sell Out. Mit dem neuen Mixtape legt er jetzt zuerst die Server von Datpiff.com lahm - jedoch auch endlich ein hörbar frischeres Werk vor. Seien es die tiefenentspannten, teilweise mit bekannten 80er Synthie-Glocken veredelten "Amber Ice", "Blindfolds" und "California" oder das bouncende Westcoast-Clubber "Never Been Part II", sie alle kommen dem "Kush And Juice"-Level ein wenig näher. Auch wenn Khalifa immer noch nicht die Poesie gepachtet hat, sein Swagger like Snoop strahlt wieder aus allen Bytes.

Chaundon, der ehemalige Internet-Hype aus der South Bronx, droppt ein neues Album, das mit Scratch-Attacken, rockig-hektischen Live-Sounds und Boom Bap-Beats an gute alte Rawkus-Zeiten erinnert. Anspieltipps: das westcoast-melancholische "Loyalty Is Royalty" und der klassische New York-Soul-Tune "The Note".

Als Teaser für das kommende Album wirft das Dirty Old Man-Duo eine kleine, aber feine EP auf den Markt. Inhalt? Primo-Bass, Primo-Pianoloops, Primo-Scratches und Freddies gnadenlose Verbal-Punches gegen Whack Emcees und Fake Ass Gangstas. Das klingt jetzt auf den ersten Blick höchstens für Auf-Dem-90er-Trip-Hängengebliebene interessant, beim ersten Mic-Check frisst sich Bumpy Knuckles hungrig und geschärft in die Gehörgänge, während Gangstarr-Legende DJ Premier überraschend vielschichtige Kopfnicker mit einigen überraschenden Ideen in die Eingeweide streut. Sure Shot!

Die Mixtape-Mania geht dann Anfang April in die nächste Runde. Mit dabei unter anderem Tech9ne, Prodigy, C-Bo, Gensu Dean, 8Ball, Planet Asia, Erick Sermon, Gunplay und Lil B The BasedGod.
Lisa Wörner, Stefan 'Wudo' Johannesberg und Yo Mama Fromm, sammeln und kredenzen wöchentlich Diverses aus dem Kopfnicker-Universum. Anträge, Blumen oder Punchlines an doubletime@laut.de.
Mixtape = alles, außer kostenpflichtigen Alben beim Hauptplattenlabel...
Früher waren es DJs, die Songs mixten und hosteten, dann DJs, die alte, neue Songs und Freestyles ineinandermixten und mit G-Unit brachten dann auch Künstler eigene Mixtapes mit neuen Songs, Freestyles etc. raus. Heutzutage zählen wohl noch Street-Alben (sogenannte Anheizer für die richtigen Studioalben) oder Mash-Up-Tapes dazu. Habe ich was vergessen? I don't know wie vor Gericht.
Ich versteh bloß nicht, wieso man "Anheizer", also irgendwelche halbgaren Produkte rausbringen will. Man sollte sich doch eigentlich bei jedem Release gleich viel Mühe geben - ich begegne immer mehr der Mentalität, dass ein Album irgendwie ernsthafter und qualitativ hochwertiger sein soll als ein "Tape". Dabei sollten die Unterschiede ja lediglich im Format bestehen.
@Robin90: wahrscheinlich aus dem gleichen grund warum man beim chinesen vor dem eigentlich hauptgang ne suppe oder ne frühlingsrolle bekommt...
ansonsten ganz interessante dinge dabei...zumindest bronson und chief keef werd ich mal auschecken...chingy is auch kult
Nur dass eine Suppe oder eine Frühlingsrolle wohl eindeutig etwas ganz anderes ist als der Hauptgang. Was ist der Unterschied zwischen einem Track auf einem der heutigen Mixtapes und einem Track auf dem folgenden Soloalbum? So wie ich es verstehe sind die Unterschiede in der Qualität, bzw. der "Ernsthaftigkeit" des gesamten Produktes zu sehn - und ich könnte mir nicht vorstellen in einem Restaurant erst eine mäßig und dann eine gut gewürzte Mahlzeit zu kriegen.
wo ist eigentlich der lautuser? wurde der (endlich) wieder gebannt ?
@Robin90: wenn man mal beim chinesen die obligatorische peking suppe süßsauer nimmt, die is ja irgendwo schon ein lauer aufguß, wohingegen das hauptgericht täglich frisch zubereitet wird.
@Foxi: ich tippe eher auf internet-verbot ausgesprochen durch seine betreuer.
@Sodhahn: Der Vergleich hinkt aber auch. Jemand der Lebensmittel verkauft, bietet diese mit variabler Qualität zu unterschiedlichen Preisen an. Ein Musiker macht doch keine qualitativ schlechteren Erzeugnisse für die Zielgruppe, die nichts ausgeben will.
Wenn man Musik macht, will man sich ausdrücken und seine Vision zur Wirklichkeit machen. Ich denke mal ein Song auf einem Mixtape ist da genau das gleiche wie ein Song auf einem Album. Das ist ja zum Beispiel bei einer EP auch nicht anders; es ist lediglich ein formeller Unterschied bezüglich der Laufzeit.
Deswegen verstehe ich nicht wieso man heutzutage den Unterschied "Mixtape" und "Album" aufgrund der Aufnahmemöglichkeit oder Distribution oder gar der Qualität macht.
"Discount-Mukke"..
Doch, ich glaube dass es viele Produzenten gibt (nicht Künstler) die absichtlich Kirmes-Mukke für die gehirngewaschene Masse machen, Bohlen, Guetta, watweißich. Aber natürlich war der Vergleich von Sodi nicht ernst gemeint, selbst er weiß dass man Kunst mit nichts anderem vergleichen kann. Hat er von mir gelernt.
Natürlich kann man Kunst mit anderen Sachen vergleichen. Es geht hierbei nicht um den Wert der jeweiligen Sache, sondern einfach nur um die Funktionalität des Vergleiches. Ob man sinnvolle Gemeinsamkeiten ableiten kann. Das meinte ich.
Klar gibt es solche Discontmucke von Kommerzfuzzis, aber das hat relativ wenig mit dem angesprochenen Thema der Mixtapes zu tun.
Rapkultur klingt aber so, als hätte man das schon immer so praktiziert. Dabei waren Mixtapes früher mal Compilations, dann vielleicht mal eine Sammlung an Freetracks und Tracks auf fremden Beats, aber keine "weniger ernsten" Alben. Das ist doch eher 'ne neue Erfindung.
Ich finde, dass auch etwas Spontanes, Lockeres oder Lustiges die Berechtigung hat, als vollwertiges Album angesehen zu werden.
Aber das is nur meine Meinung, an dem Trend kann ich wohl nix ändern. :P
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