laut.de-Kritik

So und nicht anders: Two Turntables and a Microphone!

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Als sich Die Fantastischen Vier im Juli 2009 auf dem Cannstatter Wasen von 60.000 Fans auf Händen tragen ließen, hielt sich so manch eingefleischter Fan der ersten Stunde frustriert die Ohren zu. Vom einstigen Two-Turntables-And-A-Microphone-Charme war nämlich nicht mehr viel übrig. Nach 20 Jahren auf der Hip Hop-Überholspur, prangte der "Mainstream"-Heckscheibenaufkleber dicker denn je am Fanta-4-Nightliner.

Sieben Jahre später rudern Smudo, Michi Beck, Thomas D und And.Ypsilon nun kräftig zurück. Kein Orchester, keine "The Voice"-T-Shirts, kein Dubstep-Pop: Die Stuttgarter Deutschrap-Pioniere kramen in Erinnerungen. Und das mit 50 ausgewählten Fans an ihrer Seite und einem Liveexperiment, das man den Endvierzigern gar nicht mehr zugetraut hätte.

Nur mit ein paar Mikrofonen und einem provisorischen DJ-Equipment-Set bewaffnet stürmten die Fantas am 16. Oktober 2016 zusammen mit Scratch-Weltmeister Eskei83 das Wiener Supersense-Café. Dort, wo digitales Schaffen regelrecht verteufelt wird, sollte es entstehen: das ultimative Back-To-The-Roots-Projekt.

Im Supersense-Café läuft alles analog. Hier stehen noch Geräte rum, die teilweise älter sind als die Fanta-4-Mitglieder. Und hier läuft auch noch eine echte Schallplatten-Mastermaschine auf Hochtouren, mit der man den Moment direkt in Vinyl-Azetat brennt. Und genau das machten die Fantas dann auch an jenem Oktobertag. Sie stellten sich vor die kleine Anhängerschaft, rappten ein hibbeliges Medley ihrer größten Hits in die Mikrofone. Und siehe da, sie können es noch.

Sicher, Smudo kommt beim Tempo der Vergangenheit bisweilen nicht mehr ganz so hinterher. Wenn sich eins der ersten Band-Outfits aus dem Jahre 1994 kaum noch über die Hüften ziehen lässt ("Dicker Pulli") und "Die Da!?!" freitags immer noch nicht kann, merkt man eben, dass man älter geworden ist. Aber alles halb so wild. Die Energie und die Leidenschaft, mit der der Mikrofonprofessor zu Werke geht, lassen jeden Kurzzeit-Verhaspeler schnell in Vergessenheit geraten.

Michi Beck und Thomas D geben ebenfalls Vollgas. Den beiden MCs gelingt der Ritt in die Vergangenheit sogar ohne nennenswerte Aussetzer. Geradezu antike Hits wie "MfG", "Tag Am Meer", "Troy" und "Populär" werden mit leicht abgewandelten Texten ins Hier und Jetzt katapultiert.

Während die kleine Masse vor der Bühne lauthals Jubelt, Eskei83 wie ein Derwisch über die Turntables rutscht und die Fantas ihre Anfänge abfeiern, bringt Gastsängerin Cäthe noch eine Prise Soul-Rock ins Spiel. Zum neuen Mutmacher-Hit "Eines Tages" lassen schließlich alle Anwesenden die Hüften kreisen.

Yo, Baby, Yo! So und nicht anders. Die Fantastischen Vier beweisen mit "Supersense Block Party", dass sie auch nach über 25 Jahren im Business noch wissen, wo sie herkommen. Das freut vor allem die Fans, die bereits am Start waren, als Michi Beck noch aussah wie die Stuttgarter Antwort auf den jungen Dave Grohl. Zumindest für die Dauer von 24 Minuten. So lange geht der Spaß hier nämlich.

Trackliste

  1. 1. A-Seite (Medley)
  2. 2. B-Seite (Medley)
  3. 3. Eines Tages (Live)
  4. 4. Eines Tages

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