laut.de-Kritik

Galoppierender Wahnsinn zwischen Rammstein, In Extremo und plakativem Pathos.

Review von

Die Sonne scheint (oder schien) ihnen aus dem Arsch. Das ist schon mal bemerkenswert. Live sind (oder waren) sie meistens eine unterhaltsame, amüsante, manchmal auch verstörende Nummer zwischen Freakshow, Mittelalter-Markt und Thrash-Gewitter. Ihre Alben aber waren stets eher anstrengend. Eine Menge Krach und zwischendrin alles Mögliche zwischen Intellekt und Barbarei, angereichert mit einer gehörigen Portion Apokalypse. Ein typisch (ost-)deutscher Spagat, der quasi Goethe, Elvis und die Offenbarung des Johannes zusammenbringen will, aber (natürlich) an so einer gewaltigen Aufgabe scheitern muss. Inzwischen geradezu barock erscheinende Ossi-Bands wie die Puhdys, Berluc oder die Sterncombo Meissen haben sich schon im real existierenden Sozialismus der DDR erfolglos daran versucht.

Nun melden sie sich also zurück, Die Apokalyptischen Reiter aus dem schönen Thüringen, wo heutzutage außer einer Menge Bäume leider auch andere, teils recht unerfreuliche Gewächse aus dem altehrwürdigen Boden schießen. Im wahrsten Sinne des Wortes. Frage: Waren sie jemals weg, die Reiter? Ich weiß es nicht, denn ich habe sie nie wirklich vermisst. Aber ich kann nur für mich sprechen.

Eines immerhin ist erfreulich. Nämlich das rotglühende Cover mit seiner chinesisch anmutenden Samurai-Ästhetik. Das kann man sich gut als Poster in Jugendzimmern vorstellen, in denen der Geist der Summerbreeze-Opposition haust. Dort wird das Album sicher auch gerne gehört werden. Ungeachtet der Tatsache, dass die Hersteller dieses Werkes schon längst mindestens doppelt so alt sind wie ihre treue Klientel. Und völlig anders geprägt.

Das Album startet mit "Wir Sind Zurück" gleich heftig und das folgende Titelstück kommt dann inklusive des rollenden 'R' im Gesang so derbe rammsteinig rüber, dass man innerlich schon Plagiats-Anklagen formuliert. "Auf Und Nieder" verbreitet folkrockig altbekannte Lebensweisheiten, "Folgt Uns" kommt als starker Thrasher um die Ecke. Der doofe deutsche Text mit seinen Allgemeinplätzen zerstört leider alles. So geht es immer weiter im mit plakativen Klischees behafteten Spiel.

"Die Freiheit Ist Eine Pflicht". Der gute Ernst Thälmann (kennt den noch einer?) hätte das deutlich zwingender zur Parole "Freiheit Ist Pflicht" verkürzt. Und was denn nun? "Ich Bin Weg" oder "Ich werde Bleiben"? Ich tendiere nach 'Genuss' dieser Platte zu Ersterem. Man verstehe mich nicht falsch. Ich habe vor einer Weile mal ein schönes und interessantes Interview mit Sänger Fuchs von den Reitern gemacht und bin von der Ernsthaftigkeit und dem Können dieser Band durchaus überzeugt. Auch was 'rechts-herzliche' Tendenzen angeht, ist diese Chaos-Kombo erfreulicherweise völlig unverdächtig.

Trotzdem geht mir ihr überkandideltes und letzlich unentschlossenes Gelärme inzwischen ziemlich auf den Geist. Wer sich allerdings musikalisch gern nerven lässt, dem sei dieses krachige Kunstmachwerk ausdrücklich ans hyperventilierende Gemüt, Herz oder sonstwas gelegt. Ich aber ziehe mir das nicht nochmal rein. Dreimal reicht.

Trackliste

  1. 1. Wir Sind Zurück
  2. 2. Der Rote Reiter
  3. 3. Auf und Nieder
  4. 4. Folgt Uns
  5. 5. Hört Mich An
  6. 6. The Great Experience Of Ecstasy
  7. 7. Franz Weiss
  8. 8. Die Freiheit Ist Eine Pflicht
  9. 9. Herz In Flammen
  10. 10. Brüder Auf Leben Und Tod
  11. 11. Ich Bin Weg
  12. 12. Ich Nehm Dir Deine Welt
  13. 13. Ich Werd Bleiben

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6 Kommentare mit 19 Antworten

  • Vor einem Monat

    Live durchaus unterhaltsam, auf Platte aber seit jeher enormes fremdschämpotenzial....

    • Vor einem Monat

      Fremdscham auf Platte und dann trotzdem live geben?... Achso billiger als eine Domina..nee?

    • Vor einem Monat

      Ne, aber ich hab freunde, probier des mal aus, da machste auch mal sachen mit die du allein vllt net starten würdest und hast trotzdem spaß dabei.... Is n ganz geiles Konzept

    • Vor einem Monat

      Hab auch Freunde aber die sind wohl nicht so peinlich wie deine. Aber frei nach Audio 88... "wenn du nur mit Spasten hängst, bist du höchstwahrscheinlich auch ein Spast"

    • Vor einem Monat

      Ich glaub dir sofort das du true und linientreu bist, man muss ja im gesteckten Rahmen der Szene bleiben... Da kannst dich ja gerne mit "deinen Freunden" einlullen und euch auf gegenseitig die Gucci Shirts vollsabbern...

      Audio88 is zb des Gegenteil, auf Album ganz geil, der gig mit Yassin war aber eher ne dröge Angelegenheit

    • Vor einem Monat

      Bin eher szeneübergreifend und daher omnipräsent. Auch in der Auswahl meiner Live Events unfehlbar ich weiss einfach vorher schon was gut ist. Dir allerdings rate ich dringend zur Aktualisierung deines "Freundeskreis"! Obwohl ich mir gut vorstellen kann das Kevin, Chantal und Co. eher von dir genervt sind!

    • Vor einem Monat

      Ernsthaft? Du gibst dir nur Gigs wo du im vornherein genau weißt was dich erwartet? Ne, da bin ich anders druff, da hast wohl recht, hab türlich auch des glück n Kerl zu sein der egtl überall spaß haben kann und leute findet.... Des geht natürlich schlecht wenn man wie du so penibel drauf achtet wo und mit wem man gesehen wird, des wär mir schon zu stressig

      Aber süß dass du dir Gedanken um mein soziales Umfeld machst und wie ich des aus deiner Sicht verbessern könnte, aber sry honey, ich tausch meine jungs net aus, ich erweitere höchstens...

    • Vor einem Monat

      Das Leben ist zu kurz für schlechte Konzerte und definitiv zu kurz für falsche Freunde. Eine Erweiterung ist seltener als die Mondfinsternis und ich finde das gut! So unterschiedlich kann man gestrickt sein. Folgender fiktiver Dialog veranschaulicht das vielleicht am besten..... "ey Bock auf das Reiter Konzert?..... (ich)" um Gottes Willen find die ja schon auf CD scheisse".... "ey aber live sind die voll geil".... (ich) "wünsche dir viel Spaß bitte meld dich nie mehr"

    • Vor einem Monat

      Oh je, du hast aber n merkwürdiges verständnis von Freundschaft, des könnt ich gar net..... Jemanden abschießen weil er mucke hört die net so meins is, nö ey, dafür lieb ich meine jungs viel zu sehr....

      Aber do your thing, so richtig verstanden was dich so aufwühlt hab ich zwar nicht, aber du scheinst auch n dude zu sein den ich allgemein net wirklich verstehen kann geschweige verstehen will, deine Einstellungen ziehen einen ja hart runter.....

    • Vor einem Monat

      Meine Freunde hören keine Musik, weil Haram.

    • Vor einem Monat

      Balls out for Haram!

    • Vor einem Monat

      aber kekswichsen zur vorstellung Pilz auf dem Moscheeteppich zu ficken geht klar.

      Hm, ich höre auf platte relativ wenig beatdown (hardcore) aber konzerte gehen schon klar.

      aber die reiter würde mich mir wahrscheinlich auch nur in frauenbegleitung (ladyboys gehen auch) anschauen, wenn ich danach einen wegstecken könnte.

  • Vor einem Monat

    Dieser Kommentar wurde wegen eines Verstoßes gegen die Hausordnung durch einen laut.de-Moderator entfernt.

  • Vor einem Monat

    Ihr habe einfach null Ahnung von guter harter Musik. Wenn hier etwas schlecht ist dann euer Review. Die Apokalyptischen Reiter sind viel tiefgründiger als Rammstein und auch musikalisch wesentlich variabler. Wer von Heavy Metal keine Ahnung hat oder diese Musik eh nicht leiden kann sollte einfach mal die Klappe halten und den Platz für jemanden frei machen der das wirklich beurteielen kann. Die Reiter sind ganz sicher was anderes als stumpfes "gelärme", aber man muss es ben mögen und auch die Ojren dafür haben. Ich kenne kaum eine Musik die so episch ist wie die apokalyptischen Reiter!

    • Vor einem Monat

      "Ich kenne kaum eine Musik die so episch ist wie die apokalyptischen Reiter!"

      was ja dann doch auf einen arg limitierten musikalischen horizont schließen läßt.
      oder auf einen beschissenen geschmack, wird sich im laufe des tages aber sicher noch klären.

    • Vor einem Monat

      Dieser Kommentar wurde vor einem Monat durch den Autor entfernt.

    • Vor einem Monat

      Wow, scheinbar haben einige Reiterfans einzig durch Genuss der Band schon neue Körperteile gebildet und entdeckt. Wenn das so weitergeht, kommen zu den Ojren bald noch Aujen, Naje und Mujd hinzu und - zack! - da isser, der neue Übermensch, der über uns alle herrschen wird - und später dann gemeinhin als "der rote Metaller" bekannt sein wird. Merket euch meine Worte!

    • Vor einem Monat

      Die Reiter sind egtl exakt wie rammstein.... Live echt ordentlich, aber auf Platte lächerlicher Rotz mit textniveau Bohlenstyle (ok, rammstein hatte auf Mutter 3/4 gute tracks aber des wars auch)...

      Episch is höchstens der kotzstrahl der sich nach maximal 2 tracks auf Platte langsam aber unabwendbar den Weg nach oben bahnt

      Aber hey, immerhin beide nicht so peinlich wie die Onkelz, geht also immer noch schlimmer

  • Vor einem Monat

    Erster Eindruck eines altgedienten Fans: Endlich wieder gut. "Franz Weiss" ist ne klassische Reiter-Hymne und Album Highlight. Sie waren halt immer am besten, wenn sie Geschichten erzählen. Wenn sie nur endlich so platten Halte-Durch-Schlager-Schmonz wie "Auf und Nieder" verbannen würden... 3/5

  • Vor einem Monat

    Das Review ist ja durchaus gut geschrieben, und mir liegt es fern, nur Fanboy-Lobhudeleien lesen zu wollen. Ob es indes sinnig ist, dass sich jemand einer Veröffentlichung annimmt, der jener - so dringt es zumindest zu mir durch - von vornherein schon eher desinteressiert bis ablehnend gegenüber steht, finde ich mehr als fraglich.