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Das geplante Konzert von Sizzla in Berlin wurde gleich zweimal abgesagt. Wegen enormer Proteste gegen die homophoben Texte des Jamaikaners fand sich kein Veranstaltungsort.
Berlin (dek) - Ein geplantes Berlin-Konzert des jamaikanischen Reggae-Stars Sizzla wurde gleich zwei Mal abgesagt. Nachdem zuerst das Kesselhaus den Termin aus dem Programm strich, erteilte auch Huxley's Neue Welt, die Ersatzlocation in Neukölln, dem umstrittenen Sänger eine Absage.
Sizzla fiel schon häufiger wegen seiner homophoben Texte auf, in denen er offen zum Mord an Schwulen aufruft. "Lesben und Schwule, ich sage, tot sollen sie sein. Ich traue Babylon für keine Sekunde. Ich gehe und erschieße Schwule mit einer Waffe." So oder ähnlich tönt es aus mehr als einem Song von Sizzla.
Der 33-jährige Jamaikaner steht wegen seiner Lyrics schon länger unter Beschuss. Das geplante Konzert im liberalen Berlin stand daher eigentlich von vornherein unter keinem guten Stern - obwohl Sizzla zu den Unterzeichnern des "Reggae Compassionate Acts" und damit eigentlich zu den Unterstützern der Kampagne "Stop Murder Music" gehört.
Proteste auf den Berliner Straßen
Unter dem Motto "Smash Homophobia" formierte sich eine kleine Protestbewegung, die am Donnerstag durch Berliner Straßen zog und gegen das Konzert revoltierte.
Unter deren Befürwortern befanden sich Vertreter des Lesben- und Schwulenverbands (LSVD), der Grünen, der Linkspartei und einiger anderer Verbände.
Neuer Vertrag ohne Nennung des Namens
Die Verantwortlichen sagten das Konzert im Kesselhaus daraufhin ab. Das Management des Künstlers versuchte noch, eine neue Location zu finden. So unterschrieb man bei Huxley's Neue Welt einen Vertrag, ohne den Namen Sizzla zu nennen.
Erst kurz vor dem Konzertbeginn stornierte man die Zusage: "Der Betreiber des Huxleys stellt dem Künstler die Räumlichkeiten nicht zur Verfügung und distanziert sich ausdrücklich vom Inhalt dieser Veranstaltung", hieß es.
Zufriedenheit beim Lesben- und Schwulenverband
Der Schwulen- und Lesbenverband zeigte sich zufrieden: "Die Entscheidung ist nur folgerichtig. Das Kesselhaus sowie das Huxleys haben Zivilcourage bewiesen", sagte LSVD-Geschäftsführer Klaus Jetz der Berliner tageszeitung.
Auch Volker Beck, Grünen-Politiker, dürfte mit der Meinung einhergehen. Bereits am Tag zuvor hatte er im Deutschlandradio Kultur verlauten lassen, Sizzla zähle zu den "geistigen Brandstiftern der Pogrome gegen Schwule in Jamaika. ... Diese Leute haben keinen Anspruch darauf, hierher einzureisen", sagte er.
Anti-Homophobie-Kampagne auf Jamaika?
Die Betreiber des Kesselhauses hatten dem Jamaikaner im Vorfeld einen Deal angeboten. Das Konzert könne stattfinden, wenn Sizzla daraufhin eine Kampagne gegen Schwulenhass in seiner Heimat starte.
"Wir hatten die Idee zu einem Projekt gegen Homophobie direkt auf Jamaika", so Sören Birke, Geschäftsführer des Kesselhauses, ebenfalls gegenüber der taz.
"Sizzla hätte etwas bewegen können"
Sizzla sollte sich dazu verpflichten, mit Videobotschaften und Broschüren – von seinem eigenen Geld finanziert – zu mehr Liberalität aufzurufen. "Wir hätten uns gewünscht, dass Sizzla als Meinungsmacher in seinem Land eine solche Kampagne unterstützt. Er hätte etwas bewegen können", so Jetz.
Der Jamaikaner teilte auf dem Weg nach Berlin mit, dass dies für ihn nicht machbar wäre, weil er damit die Gesetze seines Landes brechen würde. In Jamaika wird gleichgeschlechtlicher Verkehr mit hohen Gefängnisstrafen geahndet.
Wuppertal: Neue Proteste angekündigt
Heute ist Sizzla im Münchner Backstage angekündigt, morgen zum zweiten Mal binnen einer Woche im Wuppertaler U Club und am Sonntag im Stuttgarter Zapata. Für seine Rückkehr nach Wuppertal sind bereits neue Proteste angekündigt.


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