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Die SPD-Politikerin Monika Griefahn empört sich über Gewaltverherrlichung, Pornographie und Rechtsradikalismus in Videos deutscher Rapper. Dem will sie nun einen Riegel vorschieben.
München (mma) - Für die Vorsitzende des Bundestagsausschusses für Kultur und Medien, Monika Griefahn (SPD), ist die Sache unzweideutig. Deutscher Hip Hop, insbesondere der aus dem Aggro Berlin-Stall, verherrliche Gewalt und verpasse sich selbst stellenweise ein rechtsradikales Outfit. Um empfindliche Kinderseelen vor dem audiovisuellen Unrat zu schützen, sollen Videos von Sido, Fler und anderen Hip Hoppern aus den Musikkanälen verschwinden. Kämen MTV und Viva ihrer Fürsorgepflicht nicht nach, so Griefahn, dann werde sie über die Rundfunkräte ein Verbot durchsetzen.
Die Ankündigung der Politikerin im Focus fügt sich nahtlos in die Welle der Entrüstung, die deutscher Ghetto-Rap derzeit entfacht. Erst ging Flers Marketingstrategie voll auf: Er setzte auf die nationale Karte und spielte mit rechter Attitüde und Symbolik. Die Süddeutsche meinte gar, einen neuen "Hip Hop von rechts" am Horizont ausmachen zu können. Vergangene Woche erhielten Aggro Berlin und ein Ex-Künstler des Labels dann erneut einen dicken PR-Bonus. Die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien setzte eine Bushido-Platte und eine Aggro-Compilation auf den Index und hievte die Hip Hop-Fabrikanten so in die Schlagzeilen.
Mit ihrem jetzigen Vorstoß beweist Griefahn zwar hervorragendes Timing. Die SPD im absoluten Stimmungstief, das Sommerloch steht vor der Tür und die mangelnde Unterscheidbarkeit von der Opposition. Warum also nicht mit luftig-leeren Pseudothemen mobil machen? Gegen rechts und Gewalt sind ja sowieso alle in der neuen Pazifistenhochburg Germany. Der Boulevard wird schon aufspringen.
Ob den Wähler das Thema Pop-Zensur in Zeiten hoher Arbeitslosigkeit aber tatsächlich mobilisiert? Zumindest taugt das Thema wenig, um sich im Wahlkampf von anderen Parteien abzugrenzen. Die Nummer zwei im Medienausschuss, Peter Gauweiler, springt sodann auch gleich auf den Zug auf und posaunt seine Zustimmung zum Videobann eiligst in die Welt hinaus. "Ich unterstütze ihre Forderung uneingeschränkt", betont der CSU-Politiker wenig überraschend.
So funktioniert eben die Mediendemokratie: Kaum sind Kamera oder Mikro in der Nähe, werden der moralinsauren Meinung Luft gemacht und politisch überkorrekte Blasen produziert. Die Aggro Berliner schauen dem Treiben wahrscheinlich grinsend zu. Schließlich bietet der "Skandal" mehr PR, als ein simples Video auf MTV und Viva je liefern könnte. Und Waren mit Verbots-Etiketten als Sahnehäubchen schmecken der jungen Anhängerschaft bekanntlich besonders gut.
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