- Top 100
- Redaktionsempfehlungen
- Zuletzt gehört
Format
Playlist
Aktuelle Sendung
SeitHomepage:
Der mentale Grundstein zum Soloalbum des ehemaligen Onkelz-Bassers, -Denkers, -Texters usw. wurde eigentlich schon 1996 gelegt. Doch wie das so ist, es fehlt die Zeit. 2005 sind die Böhsen Onkelz dann Geschichte und auf einmal geht es recht schnell. Ein Mann wie Stephan Weidner hat mit den Onkelz noch lange nicht alles gesagt und auch musikalisch war noch nicht jeder Ton gespielt. So ist es 2008 an der Zeit, dass Der W. mal wieder Tacheles redet und die Gefühle und Gedanken von Tausenden in Worte kleidet.
So sehr ich die Onkelz geliebt habe, aber mit Stephans Gesangsversuch bei "Der Regen" konnte ich auf "E.I.N.S." nicht wirklich viel anfangen. So hielt sich meine Begeisterung zunächst ein wenig in Grenzen, als klar war, dass Stephan auf seiner Soloscheibe den Gesang selbst übernehmen würde. Doch jegliche Befürchtungen waren vollkommen unnötig, denn er besitzt auf "Schneller, Höher, Weidner" eine verdammt charismatische Stimme, die mal angenehm rau, dann einfach nur markant klingt, aber immer mit dem notwendigen Schuss Melodie versehen ist.
In Sachen Lyrik war ohnehin klar, was auf einem zukommt, wenngleich das Sticheln gegen die Presse und das Pathos mit dem Ableben der Onkelz vorerst außen vor bleiben. Dass der Mann mir und wohl auch unzähligen anderen auch dieses Mal aus der Seele spricht, steht hingegen außer Frage. Doch wie sieht es mit der Musik aus? Bleibt er beim Stil der Onkelz? Gibt es Experimente? Geht der Schritt nach vorne, zurück oder einfach nur zur Seite? Ein bisschen von allem. Auf jeden Fall hat er sich ein paar Musiker an die Seite geholt, die auch mit versierterem Material umgehen können.
Zum Beispiel wären da Pro Pain, die zum Opener "Der W. Zwo Drei" (und drei weiteren Songs) ihren Teil beigetragen haben. Die Nummer rockt recht hart und direkt und lässt natürlich manche Parallele zur alten Band zu. Mit der Vorabsingle "Geschichtenhasser" ist ihm ein richtig guter Rocksong mit einer tollen Melodie gelungen, die sofort ins Langzeitgedächtnis zischt. Musikalisch hat das etwas sehr Positives, Fröhliches, das in seiner Unbefangenheit an einen besseren Die Happy-Track erinnert.
Experimenteller wird es mit dem sehr düster rockenden "Waffen & Neurosen". Wie gewohnt brilliert Der W. mit ein paar griffigen Zeilen, die in ihrer Art oft genauso simpel wie genial sind. Vom musikalischen Standpunkt geht allein "Tränenmeer" mit noch mehr Mut zum Experiment zur Sache. Die Nummer überrascht mit Trip Hop-artiger Rhythmik und vermeintlicher Elektronik - die sich letztendlich aber doch als handgemachte Gitarrenmusik herausstellt - und interessant eingesetzten Streichern. Dass einem hier textlich aber gar nicht zum Heulen zumute ist, steht außer Frage.
Dazwischen hören wir mit "Asche Zu Asche" noch den Abgesang auf die Onkelz, der so etwas wie Stephans eigenes Mahnmal darstellt, nie eine Reunion zu starten. Sowohl textlich als auch musikalisch ist der Song mit seinen akustischen Klängen sehr wehmütig gehalten. Dazu tragen auch die gegen Ende einsetzenden und perfekt passenden Streicher bei. Wenn das kein Single ist, weiß ich auch nicht ... Aber auch das fast schon poppige "Mein Bester Feind" besitzt deutliches Singlepotential. Dabei handelt es sich um eine typische weidnersche Abrechnung mit allen Neidern und Unbelehrbaren, die immer noch versuchen, Scheiße zu verbreiten.
Nachdenklich und auch ein wenig ruhiger geht es anschließend "Angst" an. Dennoch baut der Song eine ständige Spannung auf, die voran treibt, und die, trotz vereinzelt platzierter Streicher, kaum Platz für Melancholie lässt. Den gibt es bei "Stille Tage Im Klischee" eh nicht, handelt es sich dabei doch um eine Art Funsong mit einem verdammt guten Drive. Würde mich nicht wundern, wenn hier wieder die Jungs von Pro Pain am Werk waren und dem selbstironischen Stephan einen fetten Groove unter den Arsch legen.
Mit "Schatten" folgt ein sehr reduzierter und auch etwas unauffälliger Song, der erst im Refrain Fahrt aufnimmt, aber eher textlich, denn musikalisch interessant ist. Das sieht bei "Bitte Töte Mich" schon wieder anders aus, hat sich Der W. doch mit Nina C. Alice von Skew Siskin eine Gastsängerin ins Studio geholt. Nina setzt ihre Stimme aber ein wenig anders als bei ihrer eigenen Combo ein und trägt ihren Teil dazu bei, dass der Track so richtig schön abrockt.
Zeit für wahre Melancholie ist schließlich mit "Zwischen Traum Und Paralyse", dem traurigsten Song der Scheibe gekommen. Vielleicht mag Stephan nicht der begnadetste Sänger sein, doch der Track ist mit Sicherheit ein Stütze für jeden, der gerade einen Menschen verloren hat, der ihm viel bedeutet. Einfach nur groß! Bevor es aber zu schwermütig werden kann, geht es mit "Liebesbrief" schon wieder deutlich rockiger zur Sache. Denn: "Was du hier liest, ist kein Liebesbrief - Ein Buch mit sieben Siegeln, mit Wut geschrieben", und genauso geht es auch ab.
Dennoch gehört das Ende der Scheibe eher den leisen Tönen. Zunächst wäre da mit "Ein Lied Für Meinen Sohn" ein weitgehend ruhiger Song, der seinem Sohn gewidmet ist und ihm irgendwann einmal bestimmt Hoffnung und Zuversicht geben wird. Dem folgt das musikalisch sehr reduzierte Finale "Pass Gut Auf Dich Auf". Ein wenig fühlt man sich an Radiohead erinnert. Einmal mehr ein Beweis, dass beendete Beziehungen einfach geniale Antriebsfedern für besondere Texte sind.
Alte Onkelz-Fans werden sich "Schneller, Höher, Weidner" ohnehin ins Regal stellen und dabei Melancholie aber bestimmt keine Trauer verspüren. Wer sonst die Eier hat, sich dem Debüt von Der W. unvoreingenommen zu begegnen, wird mit einem verdammt guten Alternative/Rock-Album belohnt, in dem man sich auch in 10 oder 20 Jahren noch wiederfinden wird.
| Shop | Titel | Info | Preis | Porto | Gesamt |
|---|---|---|---|---|---|
![]() |
Schneller,Höher,Weidner | Infos (Lieferzeit/Service) | €14,99 | €2,99 | €17,98 |
![]() |
Der W - Schneller,Höher,Weidner - plus Bonustracks [Vinyl LP] | Infos (Lieferzeit/Service) | €21,99 | €0,00 | €21,99 |
![]() |
Schneller,Höher,Weidner | Infos (Lieferzeit/Service) | €21,99 | €0,00 | €21,99 |
![]() |
Der W - Schneller, Höher, Weidner | Infos (Lieferzeit/Service) | €19,99 | €3,95 | €23,94 |
![]() |
Der W - Schneller,Höher,Weidner (Schwarz,Girlie-Shirt Gr.XL) | Infos (Lieferzeit/Service) | €28,99 | €0,00 | €28,99 |
2 freds braucht doch kein mensch.
guckst du hier:
http://forum.laut.de/viewtopic.php?t=59349
wie kann man Portishead mit 4 Punkten, the Mars Volta gar mit nur einem Punkt beglücken und dann bei einem soliden aber schnöden Rockalbum zur Höchstnote greifen???
Ich habe mir das Album komplett angehört und muss zugeben, es ist gar nicht mal sooooo schlecht. Aber so toll wie es hier angepriesen wird ist es schon einmal nicht. In einem 10 Jahre alten Seelig Album steckt mehr Kraft und Ideenreichtum als in diesem Konzeptalbum
verschiedene rezensenten. das solltest du beachten.
Das neue Mars Volta ist nun mal schrecklich. Andererseits vergibts eddy meiner Meinung nach viel zu oft die 5 Punkte. Und das komischerweise immer bei Kackbands 
jap
kann die wertungen auch sehr oft niccht nachvollziehen
bei sundowning von this is hell etwa wird grade mal die kurze spieldauer, die in diesem genre aber normal ist, kritisiert und das album bekommt trotzdem nur 3/5 
metalbands kriegen die 5 punkte hier so und so leichter...
Kotzt mich langsam auch alles an, ich hab mir die cd angehört und nach 2 min voller Grauen wieder rausgeschossen ausm CD Deck
echt geldverschwendung - genau so sch***** wie onkelz
- und klar - 5/5 Punkte
-2/5 vl
da hat sich wohl der rezensent von seinem eigenen fan-sein zu den 5 punkten übermannen lassen 
kenne das album nich, kann mir aber schwer vorstellen, dass 5 pkt. gerechtfertigt sind.
na ja meine antipathie dieser "band" (und all ihren auswüchsen) gegenüber verschafft wohl auch mir nicht die nötige objektivität.
eben! die wahrheit gehört in beide threads! deshalb auch hier:
boah, evil edele, man, man ,man....ganz schön naßforsch die punktekelle rausgeholt und sich gleich noch der legendenkeule bedient.
ob man das so richtig teilen kann/muß ist die 2. frage.
was ist den hier so viel besser als alle anderen veröffentlichungen der letzten monate, daß es zb melodische großtaten wie tiamat, technische könner wie testament oder septic flesh, groovekings wie meshuggah oder originell-subversive partykracher wie das aktuelle ministry-opus mal locker in die schranken weist?
der opener haut einen mit seinem gelungenen refrain ja durchaus vom stuhl. die lustig konterkarierenden bläser darin lassen einen den text ja fast schon als selbstironie wahrnehmen.
dieser in den strophen jedoch immer etwas presswehen-gedrückte sprechgesang a la joachim witt und den lyrischen plattitüden (ich schreibe dunkle ergusse) hätte es doch echt nicht gebraucht.
"geschichtenhasser" klingt in tonlage und arrangement ganz schön nach wolf maahn und kommt von der songstruktur auch wie 80er liedermacherrock plus stromgitarren daher.
nett!
"waffen und neurosen" zeichnet sich vor allem dadurch aus, das der ja scheinbar wichtige text mitnichten betont, sondern in den strophen so labberig dahergesprochen wird, während die gitarren viel zu weit in den vordergrungd gemischt sind. "tolle" soundtaktik! erst durch die vocal-dopplung im refrain werden die lyrics verständlicher.
in "asche zu asche" krächzt sich der gute w durch eine simple aber durchaus schöne lagerfeuerballade, die textlich dann leider doch eine erschreckende nähe zu gängigen PUR-sprachverbrechen aufweist: "ein ende ist anfang und gar nicht schlimm; ich sag es als mantra vor mich hin!" solche sätze gehören schon seit locker 20 jahren zu den totgelaufensten phrasen im gesamten rockbereich. die hier einsetzenden konservenstreicher wie aus der kaffewerbung brauchen sicher auch nur wenige.
"tränenmeer" läßt nach dem obigen genuß erneut ein so typisches "last man standing"-lied erwarten. man wird nicht enttäuscht : "rette sich wer kann, doch du kannst nicht mehr, du havarierst in einem tränenmeer" doch wie sagt herr weidner dem hörer so treffend wie selten auf dem album: "da hilft nur ironie und deprimiert zu bleiben".
"mein bester feind" ist ja durchaus solider rock, wie ihn auch die ärzte fabrizieren könnten, subtrahierte man ihre humorebene.
"angst" lockt den hörer mit hypnotischem rhythmus und ästhetisch nebeneinandergeschichtetem acoustic- und e-gitarrensound. man möchte das gerne mögen und es klappt auch mit abstrichen, da im refrain wieder die wiener kaffehaus-streichersamplings auftauchen.
"stille tage im klischee" zeigt, das der mann durchaus zu sprachlichen und soundmäßigen taten eines frank z (abwärts) fähig ist. hätte auch auf dessen comic-krieg (abwärts 1991) erscheinen können. sicherlich nicht so originell und originär, wie es fans gerne hätten, aber doch endlich mal ein normaler nicht phantasieloser song ohne dieses stetige märtyrerpathos. es geht doch.
"schatten" ist von ähnlichem selbstreflexiven kaliber und löst sich auch musikalisch von den simplen schlagerarrangements der onkelzvergangenheit.
"bitte töte mich" hätte musikalisch auch ein outtake aus der mittleren phase der band "schweisser" sein können, ohne dessen sprachliche originalität zu erreichen.
"zwischen traum und paralyse" empfinde ich ähnlich intensiv, wie herr edele. das liegt jedoch weniger an der musikalischen qualität, sondern mehr an der authentischen emotionalität des vortrags. gesanglich lehnt sich weidner hier erneut an wolf maahn an.
liebeslied kommt wieder als "schweisser"-b-seite daher (s.o.)
"lied für meinen sohn" präsentiert sich lyrisch wieder als positive überraschung. es scheint w. textlich gut zu tun, sich zwischendurch mal nicht selbst zum gegenstand und mittelpunkt eines songs zu machen. natürlich vorgetragen, simpel aber nicht kalt lassend.
"pass gut auf dich auf" läßt weidner textlich fast zum emo werden. die phrasen der strophen klingen hierbei allesamt wie gesampelte westernhagen-zeilen aus dessen mottenkiste. (alles ist wahr und alles ist schein; alles wird gut, wird wieder so sein); sogar der rauhkehlige gesang klingt hier ähnlich.
zwiespältig!
und zwiespältig fällt auch das fazit aus. textlich stecken hier viele gute ansätze neben teenage pennälerlyrik und dem typischen selbstmitleid plus eastwood pathos.
musikalisch ist vieles nett, vieles aber auch nicht ohne banalität. als debüt wär das vollkommen ok.
so aber gewinnt man den eindruck, das weidners band ihn 25 jahre an der lyrischen und musikalischen entwicklung gehindert hat, die jetzt erst beginnt.
Textlich sehr gut gemacht, musikalisch sicherlich nicht jedermann Geschmack. Mir gefällt das Album zwar sehr gut, dennoch sollte man bedenken das diese Musik doch nichts für die breite Masse ist. Interresant finde ich besonders die Entwicklung der Ausdrucksweise Stephans: Sind die frühen Texte noch als agressive, sowie grobe Gesänge zu werden, werden besonders ab dem Jahr 2000 seine Texte immer anspruchsvoller und sensibler. Das dürfte sicherlich auch seine Fangemeinde verändert haben. Die frühen Texte waren meist etwas für junge Menschen, die einfach nur Wut auf den Rest haben und meist nicht besonders gebildet waren. Die neuen widerum sind eher etwas für Menschen die über ein gewisses Maß an Bildung verfügen sowie sich für Musik mit einer tieferen Botschaft interessieren.
Sicherlich lässt sich über dieses Album streiten, jedoch kann man kaum abstreiten, dass Stephan Weidner sich deutlich wieterentwickelt hat.

immerhin zumindest mal der versuch, sich dem mann ohne die unfaire nazikeule bzw die totale vergötterung zu nähern.
Format
Homepage: