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Verträumt wehen Bläser durch den Titeltrack, der Dellés Alleingang wahrhaft würdig eröffnet: Die Sehnsucht nach einem Ausbruch aus grauem Einerlei, aus dem Hamsterrad der Alltäglichkeiten, nimmt schier greifbare Formen an. "I am my village, my village is me." Wie vertraut. Wie gruselig.
Im Grunde steckt im Track "Before I Grow Old" bereits alles, was das Album "Before I Grow Old" auszeichnet. Der hier explizit getätigte Aufruf, um Himmels Willen den Arsch hoch zu bekommen, sich die Welt anzusehen und den eigenen Horizont über den Tellerrand hinaus zu erweitern, ehe es möglicherweise zu spät ist, zieht sich wie ein roter Faden durch den Longplayer.
Egal, ob "Pound Power" nach einem ordentlichen Nachschlag verlangt, "Fly Away" die Flucht aus selbst errichteten Fassaden plant. Oder ob "You're Why I Wake Up In The Morning", "Family Thing" und in seiner Intimität irgendwie auch der akustische Vorspann zu "Pound Power" ("Ghana Fufu Acoustic") in warmen Worten die Stärke familiärer Bande preisen: Es dreht sich stets darum, die pulsierende Kraft des Lebens zu spüren und zu genießen.
"The Power Of Love" regiert seine Welt, deswegen - und, weil das Resultat gar so zauberhaft geraten ist - darf Frankie Dellé ungestraft Frankie Goes To Hollywoods Superschnulze covern. Für gelungene Adaptationen fremden Materials beweist er noch ein weiteres Mal ein Händchen: "Waiting On The World To Change" stammt im Original - wie ich mich gerne belehren lasse - nicht etwa von den Impressions, wohl aber aus der Feder John Mayers.
Das kurz aufkeimende Gefühl, sich in eine klassische Piano-Ballade verirrt zu haben, hält nicht lange vor. Schon bratzen und quaken, ohne Melodie und Gesang zu erschlagen, diverse Effekte durch den Song, der sich, unmerklich fast, im Reggae-Rhythmus eingegroovt hat. "That's another Dellé speaking": Cousin Reub steuert einen höchst amtlichen Rap-Part bei.
Klar, die mit Seeed gesammelten Erfahrungen ziehen an Dellé und seinem Sound nicht spurlos vorüber. Insbesondere den gerne und gekonnt eingesetzten Bläsern merkt man die fette Schule der Dancehall Caballeros an.
Unter Mithilfe des Kölner Produzenten Guido Craveiro entsteht jedoch eine ganz eigenständige Interpretation des traditionellen Roots-Reggae. Topmodern tönt das, was aus den Boxen pluckert. An altvertrauten Mustern orientiert sich "Before I Grow Old" höchstens, ehe Dellé neue Pfade beschreitet.
Gegen den "alltime blues" besitzt er die perfekten Heilmittel: "I'm on a mission to bring the people up." Neben Party-Nummern wie "Cry Out" bleibt jedoch trotzdem Raum für Nachdenklichkeit und leise Melancholie. Erstaunlich stimmig finden tragische Geschichten und lässiger Sound nicht nur in "Be My Girl" zueinander.
Einen Strich gibt es für den überflüssigen Autotune-Einsatz in "Pound Power". Viel mehr Anlass zu Nörgelei lässt sich jedoch auch bei ausgiebigen Dauerrotations-Konsum nicht finden. "Don't you say my music is too loud." Ich werde den Teufel tun.
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