laut.de-Kritik

Reicht nicht ganz an die Größe von "White Pony" heran.

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Die bange Frage, die sich den gesamten Frühling wie ein Menetekel durch die Fangemeinde der Deftones zog, lautet schlicht: ist das neue Album annähernd so gut wie "White Pony"? Mit selbigem haben sich die Deftones im Hartwurstbusiness selbst ein Denkmal gesetzt. Das zu wiederholen, muss immens schwer sein, zumal der Druck von Seiten ihrer Fans nicht gerade gering war. Wie gestaltet sich dann der Deftones-Sound anno 2003?

Zur Freude der Anhänger kann bereits nach den ersten Klängen konstatiert werden, dass alles beim Alten bleibt. Um mit Konrad Adenauer zu sprechen: "Keine Experimente", wenn man vom düsteren Elektro-Sound von "Lucky You" absieht, das auf dem neuen Matrix-Soundtrack Verwendung findet. "Hexagram" knödelt nach kurzem Intro derbst nach vorne und Chino brüllt sich die Seele aus dem Leib, als stünde er kurz vorm Herzanfall. Das folgende "Needles And Pins" hat zwar auch seine Qualitäten und umfängt den Hörer mit einer Wand aus Gitarren und ganz tiefem Boss, wirkt jedoch etwas uninspiriert.

Der erste ganz große Moment steigt darauf mit der ersten Single "Minerva", die virtuos zwischen melodischen Parts und aggressivem Sound hin- und herwechselt. Speziell der Refrain gehört zum Gefühlvollsten, was Chino bislang auf Platte gebrüllt hat. Das Klangbild gestaltete einmal mehr Terry Date, der die ausgewogene Mischung aus Riffgewitter und Melodie wieder in ein perfektes Licht gerückt hat.

Passend zum Titel taucht in "Deathblow" ein Effekt auf, der stark an die Mundharmonika aus "Spiel mir das Lied vom Tod" erinnert. Nach dieser düsteren Atmosphäre sticht "When Girls Telephone Boys" wieder direkt und fies ins Ohr: Vocal-Distortion und reichlich Riff-Geschrubbel, Deftones galore eben. Das bereits erwähnte "Lucky You" führt von der bewährten Schiene weg, und ist auch eines der uninteressanteren Lieder, wenn man hier überhaupt von uninteressant sprechen darf.

"Anniversary Of An Uninteresting Moment" hat zwar einen seltsamen Titel, gerät jedoch zum stärksten, was es auf diesem Album zu hören gibt. Sanfte Pianoklänge leiten in den Song ein, der mit ebenso zärtlichen, kaum wahrnehmbaren Gitarrengezupfe garniert wird. Chino seufzt sich sehnsüchtig durch die Lyrics und presst dem Hörer die Tränen in die Augen. "Deftones" reicht zwar nicht ganz an die Größe von "White Pony" heran, aber solide Qualitätsarbeit muss man den Amerikanern schon attestieren.

Trackliste

  1. 1. Hexagram
  2. 2. Needles And Pins
  3. 3. Minerva
  4. 4. Good Morning Beautiful
  5. 5. Deathblow
  6. 6. When Girls Telephone Boys
  7. 7. Battle-axe
  8. 8. Lucky You
  9. 9. Bloody Cape
  10. 10. Anniversary Of An Uninteresting Event
  11. 11. Moana

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