laut.de-Kritik

Das Debüt des vermeintlichen Wunderkinds.

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Die Vorschusslorbeeren, die Declan McKenna mit gerade mal 18 Jahren schon so in der Tasche mit sich rumführte, waren imposant. Da war vom Wunderkind die Rede, Freunde des Superlatives sprachen gar von der Stimme (s)einer Generation. 2015 gewann McKenna die "Emerging Talent Competition" beim renommieren Glastonbury-Festival, Managements und Labels klopften an. McKenna entschied sich, dass "Q Prime" fortan die Geschäftsbelange für ihn regelt - und mit Columbia hat er auch nicht unbedingt das schäbigste Label ausgesucht. Läuft bei McKenna – und nun liegt auch die Einlösung des Versprechens in Form des Debütalbums "What Do You Think About the Car?" vor.

Elf Popsongs hat McKenna auf "What Do You Think About the Car?" gepackt, einige davon hatte er in den letzten Jahren bereits vorgestellt. Die Prämisse: durchorchestrierte, eingängige Popsongs mit einem gelegentlichen Hauch 70er-Sepia, Elektronik und einer ordentlichen Portion Melancholie. Bemerkenswerter als die zweifellos guten Songs ist die Vielfalt der Themen, die McKenna angreift.

Da wäre zum Beispiel "Paracetamol", das den Selbstmord des Transgender-Teenagers Lelah Acorn behandelt. "There's a boy, fifteen, with a gun in his hand / And the people with no audience say should be hanged / They ask for his motive but they don't understand /Why they love like they do, like they do" singt er. Wachrütteln soll der Song: "Oh won't you let me finish / You drive me insane / The world will keep on turning / Even if we're not the same / Don't come on to me, come on to me" heißt es im Chorus.

Man könnte McKenna durchaus als Protestsänger bezeichnen. In "The Kids Don't Wanna Go Home" schreibt er über das Gefühl seiner Generation: "I don't know what I want, if I'm completely honest / I guess I could start a war, I guess I could sleep on it". In dem Stück, so McKenna, geht es darum, eine junge Person im Hier und Jetzt zu sein. Darum, mit der Dunkelheit und den Ängsten klarzukommen, etwas zu verändern. "You don't know how to give love to anyone You don't know how to pretend / You told your kids that they'd live long forever / But the kids don't wanna come home again /No the kids don't wanna come home again", singt er später.

In "Betlehem" legt er sich mit Religion im Allgemeinen an, so wie im Stück "Brazil" (bereits bekannt und von Kritikern in den Himmel gelobt) mit der Fifa. Egal, gegen was und über was McKenna ansingt, er bleibt eingängig, liebenswürdig.

Sendungsbewusstsein in Sachen Protestsong hat McKenna ohne Zweifel. Am Ende, bei "Listen To Your Friends", hebt er den Zeigefinger noch mal ordentlich in die Höhe. Hört auf zu singen, hält Sprechen und Sprechgesang für geeigneter: "Look online / Do ten minutes of research and in turn find / The problem is poor kids who want holidays in term time / The problem is poor kids who can't afford the train fare / So we up the train fare and charge them for not paying the train fare / The problem is welfare / And the problem is free healthcare / 'cause it's unfair and if it's gone it's welfare / The problem is drugs / The problem is free love and free hugs / So stay in fear / Do some drugs and stay here".

Ambitioniertes und gutes Album, ganz abgesehen von diesem eh niemals einzulösenden Wunderkind-Quatsch.

Trackliste

  1. 1. Humongous
  2. 2. Brazil
  3. 3. The Kids Don’t Wanna Come Home
  4. 4. Mind
  5. 5. Make Me Your Queen
  6. 6. Isombard
  7. 7. I Am Everyone Else
  8. 8. Bethlehem
  9. 9. Why Do You Feel So Down
  10. 10. Paracetamol
  11. 11. Listen To Your Friends

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