Porträt

laut.de-Biographie

David Bowie

"Damals war ich absolut Ziggy Stardust. Es war keine Rolle mehr. Ich bin er", sagt David Bowie im Frühjahr 2008 über seine wohl berühmteste Person. Der britische Ausnahmemusiker hat sich über die Jahrzehnte eine Stellung erarbeitet, die ihn aus dem Business nicht mehr wegdenken lässt. Nicht zuletzt, weil er sich bis zuletzt immer wieder neu erfunden hat.

David Bowie: "I Can't Give Everything Away" im Video
David Bowie "I Can't Give Everything Away" im Video
David Bowies Art Director ehrt die verstorbene Legende mit einem animierten Videoclip.
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Als David Robert Jones am 8. Januar 1947 im Londoner Stadtteil Brixton geboren, wächst er in Bromley in Kent auf. Zur Musik kommt er im Kindesalter: Sein Vater spielt ihm Rock'n'Roll vor, sein Bruder den Jazz. Mit zwölf Jahren beginnt er, Saxophon zu spielen. Ab den frühen Sechzigern spielt er in verschiedenen Bands, mit denen er vereinzelt auch Platten veröffentlicht. Ab 1966 tritt er unter dem Namen Bowie auf. Er entlehnt ihn einem amerikanischen Pionier.

Nur ein Jahr später veröffentlicht er sein erstes, selbstbetiteltes Album. Die Welt scheint jedoch nicht bereit für seinen psychedelischen Pop. Erst die 1969er Single "Space Oddity" schlägt ein, sie klettert in die Top Ten der UK-Charts. Major Tom ist seither der Popwelt ein Begriff.

Anfang der Siebziger wendet sich Bowie dem bombastischen Glamrock zu, eine Entwicklung, die in Ziggy Stardust gipfelt. Das Album "The Rise And Fall Of Ziggy Stardust And The Spiders From Mars" gehört heute zu den Klassikern des Genres. Wie sehr er in der Rolle seines schillernden Alter Ego aufgeht, zeigt sich auch in der Tatsache, dass er sich als bisexuell outet. Später widerruft er seine Aussagen und äußert sich über die Jahre ambivalent über seine sexuelle Orientierung. Nichtsdestotrotz ist er in den Siebzigern mit Mary Angela Barnett verheiratet, sie haben einen gemeinsamen Sohn.

Seine Popularität ermöglicht es ihm, auch als Produzent in Erscheinung zu treten. Lou Reeds Solodebüt "Transformer" nimmt er unter seine Fittiche, später arbeitet er mit Iggy Pop und dessen Stooges zusammen. Seine Alben sind mittlerweile Selbstläufer, auch als er Mitte der Siebziger immer mehr Soul und Funkeinflüsse aufnimmt.

David Bowie - Blackstar
David Bowie Blackstar
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Eine weitere Persona, die Bowie annimmt, ist der Thin White Duke. Ironischerweise ist er zu dieser Zeit schwer kokainabhängig. 1976 beginnt mit seiner Rolle in "The Man Who Fell To Earth" seine Schauspielkarriere. Über die Jahre steht er immer wieder vor der Kamera. Im gleichen Jahr zieht er zusammen mit Iggy Pop nach Berlin. Beeindruckt von der deutschen Musikszene fließt immer mehr Krautrock in seine eigenen Kompositionen ein.

Während seiner Zeit in der Mauerstadt entsteht mit "Low", "Heroes" und "Lodger" die sogenannte Berliner Trilogie. Die ersten beiden Alben beinhalten viele düstere, wenig zugängliche Instrumentaltracks, die auch vom in Klima des Kalten Kriegs inspiriert sind. An allen Alben arbeitet Brian Eno mit.

In den folgenden Jahren wird der nun cleane Bowie wieder rockiger. Dabei beginnen die Achtziger für ihn mit dem Hit einer anderen Band: Seine Stimme ist auf Queens "Under Pressure" zu hören. Im Kultfilm "Christiane F. - Wir Kinder vom Bahnhof Zoo" hat er einen Cameo-Auftritt. Mit Titeln wie "Let's Dance" und "China Girl" feiert er größte kommerzielle Erfolge, wonach er sich tanzbarer Popmusikzuwendet.

1989 gründet er die Band Tin Machine, die es auf zwei Studioalben bringt. In den Neunzigern zeigt der Brite wieder einmal, wie er es versteht, Einflüsse aktueller Musik in sein eigenes Oeuvre einzubringen. Zuerst sind es Jazz und Hip Hop, später elektronische Klänge, die seine Platten prägen. 1996 folgt die längst fällige Aufnahme in die Rock'n'Roll Hall Of Fame.

Inzwischen begeistert sich Bowie zunehmend fürs Internet. Im Herbst 1999 veröffentlicht er seine neue Platte "hours ..." zuerst im Netz. Auch als Internet-Provider tritt Bowie auf. Und weil er so gerne mit Identitäten spielt, leiht er seinen Charakter an ein Computerspiel aus.

Ende 2001 signalisiert der Popstar der Plattenfirma Virgin, dass er den Vertrag nicht verlängern wird. Alle zukünftigen Aufnahmen sollen statt dessen auf Bowies neuem Label ISO erscheinen. Dort erscheinen die Alben "Heathen" (2002) und "Reality" (2003).

Im Laufe des Jahres 2004 muss Bowie mehrfach dem jahrzehntelangen Rockstarleben Tribut zollen. Nach einem Auftritt beim Hurricane-Festival diagnostizierten Ärzte eine schwerwiegende Verengung der Herzkranzgefäße und leiteten eine sofortige Notoperation ein. Der zweifache Vater und Ehemann des Ex-Models Iman Abdulmajid zieht sich zunehmend aus der Öffentlichkeit zurück.

Nur die ein oder andere Performance zu besonderen Anlässen gönnt er sich. 2006 erhält Bowie einen Grammy für sein Lebenswerk. In der Folge werden immer wieder mal Gerüchte über Aufnahmen zu einem neuen Album laut, die Bowie aber mit schöner Regelmäßigkeit dementiert, besser gesagt aussitzt. Bis 2013: Pünktlich zu seinem 66. Geburtstag stellt der Brite den neuen Song "Where Are We Now?" auf seine Homepage, verbunden mit der überraschenden Ankündigung des neuen Albums "The Next Day", das im März erscheint. Es ist sein erstes neues Songmaterial seit 2003. Ein echter Coup im Social Media-Zeitalter. Alle Musiker mussten Verschwiegenheitserklärungen unterzeichnen, heißt es später.

Das Album präsentiert sich als typisches Bowie-Spätwerk. Der Großmeister hetzt glücklicherweise nicht schnelllebigen Trends hinterher, sondern verwaltet sich selbst und seine Vergangenheit. Eine Tournee gibt es nicht und aus Bowies engstem Vertrauenskreis heißt es, der Musiker wolle auch nie mehr auftreten. So rechnet niemand mehr mit einem weiteren neuen Album. Doch Ende 2015 erscheint erneut wie aus dem Nichts der Song "Blackstar" samt Video. Wie der Nachfolger "Lazarus" kündet er von einem weiteren Album, das "Blackstar" heißt und wieder an seinem Geburtstag erscheint, diesmal an seinem 69er. Mit dem musikalischen Stil der sieben Songs erfüllt er die Träume seiner experimentellen Fans: "Blackstar" wurde mit dem Jazz-Saxofonisten Donny McCaslin und dessen Drummer aufgenommen, was einen deutlichen Stempel auf den Songs hinterlässt.

Doch nur zwei Tage nach der Veröffentlichung und seinem 69. Geburtstag stirbt David Bowie am 10. Januar 2016. Wie seine Familie mitteilt kämpfte der Musiker bereits 18 Monate mit einem Krebsleiden. Er hinterlässt seine Frau Iman Abdulmajid, die gemeinsame 15-jährige Tochter Alexandria Zahra, seinen erwachsenen Sohn Duncan Jones aus der ersten Ehe mit Angela Barnett sowie Imans Tochter Zulekha aus ihrer Ehe mit dem Basketballspieler Spencer Haywood.

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David Bowie - Blackstar: Album-Cover
  • Leserwertung: 4 Punkt
  • Redaktionswertung: 4 Punkte

2016 Blackstar

Kritik von Michael Schuh

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The Jean Genie

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Live München 29.09.2002 Ein schicker Bowie und eine Top-Bassistin.

Ein schicker Bowie und eine Top-Bassistin., Live München 29.09.2002 | © LAUT AG (Fotograf: ) Ein schicker Bowie und eine Top-Bassistin., Live München 29.09.2002 | © LAUT AG (Fotograf: ) Ein schicker Bowie und eine Top-Bassistin., Live München 29.09.2002 | © LAUT AG (Fotograf: ) Ein schicker Bowie und eine Top-Bassistin., Live München 29.09.2002 | © LAUT AG (Fotograf: )

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