laut.de-Kritik

Die wunderbare Leichtigkeit des DJ-Seins ...

Review von

Koze, Koze, noch einmal! Wer den Werdegang des ehrenwerten DJ-Herren Koze, bürgerlich: Kozalla, in Disco, Radio und/oder auf Tonträger in den letzten paar Jahren auch nur ansatzweise verfolgt hat, weiß, dass man bei ihm überall und jederzeit auf quasi alles gefasst sein muss und auch - sein darf. Hip Hop, Techno, Acid, Gospel, schmierige House- und Disco-Tunes, es ist alles drin in seiner Wundertüte, die er da geschickt als ganz normalen DJ-Koffer getarnt hat. Und diese Tüte hatte er offenbar auch dabei, als er sich Oktober letzten Jahres ins Soundtology Studio in HH-St.Georg zurückzog, um dort mal eben für die Kompakten aus Köln eine neue Mische aufzunehmen.

Und dort packt Koze etliche internationale Herrschaften wie Mr. Oizo und Mathew Johnson, größtenteils jedoch deutsche Homies à la Thomas Brinkmann, Wolfgang Voigt sowie den Herrn Müller alias Isolee in den charmant mit "All People Is My Friends" betitelten Mix. Die Stilrichtung, in der sich dieser Mix bewegt, ist somit mit Minimal-House zwar etwas grob, aber doch recht passend zu benennen, was ja auch mit der grundsätzlichen Ausrichtung des Kompakt-Labels ganz prima harmoniert.

Bevor allerdings die Beats und Bleeps und die ganzen elektronischen Sounds aus dem Käfig gelassen werden, zeigt Koze erst mal allen, was für ein prächtiger Querkopf er doch ist. Könnte schließlich sein, dass da einer zum ersten Mal was von ihm hört, und dann ... ja dann wird halt mit doch eher simplen Pianoklängen und leichtem Knastern das freaky Terrain abgesteckt und gezeigt, dass nicht alle DJs mit Scheuklappen auf die Welt kommen.

Doch damit nicht genug, jetzt dürfen noch die Schüler der Langley School (Langley, dort wo CIA lebt ?) in ihrem Musikprojekt "The Long And Winding Road" von Herrn McCartney interpretieren und die Christians mit Herrn Sprenger rumdudeln. Nice, aber doch auch ein klein wenig seltsam, wie Koze hier den Hörer in den Bann seiner Mischkunst zu ziehen gedenkt. Und just in dem Moment, in dem man sich nach so ca. 8 -9 Minuten dann doch fragt, wie und wo und vor allem was hier eigentlich läuft, zückt er mit Jan Jelinek das erste gaaaaanz dicke Elektro-Ass aus dem Ärmel. Extrem smooth und geschmackvoll ist das und jetzt, ja endlich, wird auch mal etwas auf die Tube gedrückt. Stuttgarts Liebling Michel Baumann darf als Jackmate die Technohupe bedienen, was uns wohlig an Garniers famoses Houseforce erinnert, hmmmmmmmmm-schön.

Weiter im Programm, schlicht, schön, sachlich, sexy ziehen Oizo, Isolee, Fabrice Lig (mit schicken Disco-Sounds) und Thomas Brinkmann ihre Bahnen, da gestattet Koze sich und uns mit dem veritablen Sommerhit "Waiworinao" des Exilchilenen Villalobos eine kleine Beatpause und lässt den Bass grooven. Tja, das war ja mal wieder schon beinahe zu schön, gleich mal was Verzirpteres hinterher, oder was meint ihr, und dann wieder auf die gepflegte Beatschiene einschwenken.

Mathew Jonson schnurrt ganz gut vor sich hin, Grungerman bringt mich mit seinem Reinhard Mey-Sample (?) doch ein wenig aus der Fassung (heavy shit, respect), und als würdiger Abschluss: der Meister himself. Geklöppel B2. Lovely, wie eine Reise durchs Honigkuchenpferdland, psychedelische und bewusstseinserweiternde Nebenwirkungen nicht ganz ausgeschlossen. Glockenspiel, Gekrähe karaokegeschädigter Mitmenschen und Schluss.

Nun, da der Vorhang gefallen ist, bleibt eigentlich nur noch der Repeatdaumen und die Feststellung, dass Koze uns mit "All People Is My Friends" neuerlich eine erquickende Ahnung der wunderbaren Leichtigkeit des DJ-Seins beschert. Tolle moderne Unterhaltungsmusik, vermittelt mit sehr viel Humor, sehr viel Feeling und sehr wenig Mixrumgewichse. All Peolple Is My Friends? I Am.

Trackliste

  1. 1. World Standard & Wechsel Garland: Solitude Sea
  2. 2. Langley Schools Music Project: The Long And Winding Road
  3. 3. The Christians & Konrad Sprenger: I Was Yours
  4. 4. Jan Jelinek Avec The Exposures: My Favourite Shop
  5. 5. Jackmate: 80SC 7SEQ
  6. 6. Mr. Oizo: Last Night A Dj Killed My Dog
  7. 7. Isolee: Lost
  8. 8. Fabrice Lig: Meet U In Brooklyn
  9. 9. Thomas Brinkmann: Isch
  10. 10. Villalobos: Waiworinao
  11. 11. Smith'n'Hack: For Disco Play Only
  12. 12. Matthew Jonson: Stereotype
  13. 13. Grungerman: In Tyrannis
  14. 14. DJ Koze: Geklöppel B2

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