laut.de-Kritik

Der Jesus des R'n'B auf dem Kreuzweg.

Review von

"Die Sache mit Schreibblockaden ist die: Du willst so verdammt gern etwas schreiben, aber auf diese Weise entstehen einfach keine Songs. Songs bringt dir das Leben. Du musst leben, um zu schreiben." Fragen Sie einen Experten. Wenn jemand etwas von Schreibblockaden versteht, dann ja wohl Michael Eugene Archer.

Mit seinem Debütalbum "Brown Sugar" legt der Mann, den die Musikwelt unter seinem Bühnennamen D'Angelo kennt, 1995 das Fundament für das aufstrebende Genre Neo-Soul. Seine Mixtur aus Soul, Funk und R'n'B, geprägt von einem tief verankerten Verständnis dafür, was Hip Hop ausmacht, bestellt den Boden, den bereits Tony! Toni! Toné! oder Me'Shell Ndegeocello beackerten, und auf dem die Karrieren von Maxwell, Omar oder auch Erykah Badu keimen und bald reiche Ernte einfahren.

D'Angelo selbst lebt ebenfalls nicht schlecht. Die Kritiken zu "Brown Sugar" fallen freundlich bis überschwänglich aus. Das Album selbst verkauft sich blendend. Die Promo-Tour zieht sich über zwei Jahre hin. Spätestens dann wächst im schnelllebigen Musikgeschäft allerdings die Unruhe. Wäre die Zeit nicht reif für einen Nachfolger? Müsste man nicht langsam ...? Die Muse jedoch lässt sich nicht drängen. Sie küsst, wen sie will, wann sie will, nicht etwa dann, wenn es der Plattenfirma gerade in den Kram passt.

D'Angelo bleibt wenig anderes übrig, als sich in sein Schicksal zu fügen. Er gibt irgendwann die krampfhaften Schreibversuche auf, raucht ein bisschen, stemmt halbherzig ein paar Gewichte und wartet ansonsten auf die Inspiration. Dass einer, der seit seinen frühesten Kindertagen Klavier und diverse andere Instrumente spielt, der Musik nicht ganz abschwört, versteht sich von alleine. D'Angelo sprenkelt seine kreative Auszeit mit Feature-Auftritten, die teils Eingang auf diverse Soundtracks finden, und kollaboriert unter anderem mit Erykah Badu und Lauryn Hill, auf deren Album "The Miseducation Of ..." er zu hören ist.

Den Startschuss für die zweite Etappe seiner eigenen künstlerischen Laufbahn feuert allerdings, wie er rückblickend feststellt, das Leben ab. Ein neues Leben, um genau zu sein: Die Geburt seines ersten Sohnes beendet den Dornröschenschlaf, in dem der Songwriter D'Angelo schlummert. Plötzlich lodern die Flammen wieder.

D'Angelo, der zudem noch schwer unter dem Eindruck der gewaltsamen Tode von Tupac Shakur und Biggie Smalls steht, begibt sich auf Spurensuche. Er bereist den Süden der USA, spürt in South Carolina seinem musikalischen Erbe nach. "Ich geriet in einen richtigen Sog", erinnert er sich später. "Ich schwamm in Gospel, Blues, einer Flut von altem Soul, frühen Sachen von James Brown, ganz frühe von Sly And The Family Stone und reichlich Jimi Hendrix. Ich habe eine Menge gelernt, über Musik, über mich, und darüber, in welche Richtung ich mich musikalisch bewegen möchte."

Mit der Entwicklung nämlich, die R'n'B eingeschlagen hat, kann sich D'Angelo überhaupt nicht anfreunden: "R'n'B bedeutet nicht mehr, was es einst bedeutet hat", ätzt er. "R'n'B ist Pop, das wäre eigentlich die korrekte Bezeichnung dafür. Zeitgenössischer R'n'B ist ein einziger Witz, und das Komische daran ist, dass die Leute, die diese Scheiße fabrizieren, ihr Zeug todernst meinen. Es ist traurig: Sie haben schwarze Musik zu einem Club-Ding verkommen lassen."

Auf diesen Zug will D'Angelo keinesfalls aufspringen. Kurz nach der Veröffentlichung seines Live-Albums "Live At The Jazz Café" 1998 nimmt er, diesmal mit aller Entschlossenheit, seinen Zweitling ins Visier. Das bescheidene Ziel: einen neuen Sound erschaffen, der die logische, natürliche Weiterentwicklung der Arbeit seiner musikalischen Helden darstellen soll.

Dafür muss man die natürlich erst einmal studieren. Gründlich studieren. Die Aufnahmesessions, aus denen "Voodoo" entspringen soll, bezeichnet Musikjournalist Touré, der unter anderem für den Rolling Stone schreibt, als D'Angelos "Jahre an der Soul-Universität, mit allem, was dazu gehört: Unterrichtsstunden, dumme Streiche, Gerüchte und in etwa zu gleichen Teilen Disziplin und völlige Faulheit". D'Angelo bunkert sich mit seinen Mitstreitern in den Electric Lady Studios in New York ein, die - da war er wieder - einst Jimi Hendrix aufgebaut hatte.

Die Platten, die dort gleichzeitig entstehen, zeichnen ein Bild der kreativen Atmosphäre, die alles durchdringt: Common arbeitet an "Like Water For Chocolate", Erykah Badu an "Mama's Gun". Neben den direkt beteiligten Q-Tip, Talib Kweli und Mos Def gehen Eric Clapton, Rick Rubin und Komiker Chris Rock ein und aus. Nach kurzem Abchecken - "Wer ist heute gerade da?" - entstehen laufend spontane Kollaborationen.

Commons, Badus und D'Angelos Alben durchzieht ein gemeinsamer Vibe, dem man sich kaum entziehen, und nur äußerst schwer widersetzen kann. Zu einem wesentlichen Teil zeichnet dafür Toningenieur Russell Elevado verantwortlich, der mit seinem Faible für Liveinstrumente, Analog-Equipment und seiner Oldschool-Aufnahmetechnik allen drei Platten eine ähnliche Grundstimmung verleiht.

Bei D'Angelos Sessions trifft sich sich die allererste Sahne von Studiomusikern, die R'n'B, Jazz und Hip Hop dieser Tage zu bieten hat. Den stets überaus präsenten Bass regiert Pino Palladino - außer in "The Root", "Greatdayndamornin'" und "Spanish Joint", wo Charlie Hunter in die Saiten (in alle Saiten, von E-Gitarre und Bass) greift. Roy Hargrove spielt Flügelhorn auf "Spanish Joint". Der mehrfach Grammy-dekorierte James Poyser bedient die Tasten. An "Untitled (How Does It Feel)" ist Raphael Saadiq als Songwriter beteiligt, das Programming für "Devil's Pie" steuert DJ Premier bei. In den Gestalten von Method Man und Redman stattet Raps Duo Infernale "Left & Right" einen Besuch ab.

Den Dreh- und Angelpunkt in diesem Künstlergewusel bildet aber Roots-Drummer Ahmir 'Questlove' Thompson, den D'Angelo seinen "Copiloten" nennt. Gemeinsam nehmen sie Kurs auf neue Horizonte - indem sie erst einmal ausgiebig zurückblicken. Stunden, Tage und Wochen verbringen sie damit, sich Musikvideos und Konzertmitschnitte ihrer Vorbilder anzuschauen und alte Folgen von "Soul Train".

Die Herrschaften verwenden Unmengen von Zeit und Energie darauf, klassische Alben nachzuspielen, eins zu eins, in voller Länge. Daraus entwickeln sich dann ganz wie von selbst eigene Klänge und Melodien. "Eines Nachts haben sie Prince' 'Parade' gespielt", erinnert sich Touré, der als Augenzeuge zugegen war. "Irgendwann glitten sie daraus in einen neuen Groove hinüber, der später zu 'Africa' wurde."

So wurzelt "Voodoo" buchstäblich in seinen Vorgängern. Alle, denen D'Angelo zusammengefasst als seinen "Yodas" huldigt, haben ihre Spuren hinterlassen: Al Green, Fela Kuti, George Clinton. Curtis Mayfield und Marvin Gaye. Stevie Wonder (die Orgel, die er auf "Talking Book" verwendete, hatte Elevado ohnehin schon ins Studio geschleppt). Prince. J Dilla. Sly & The Family Stones Klassiker "There's A Riot Going On" von 1971 - und immer wieder Jimi Hendrix: "Ich bin überzeugt davon: Er war dort", beschreibt D'Angelo die Stimmung im Studio. "Jimi, Marvin Gaye, die ganzen Typen, um die sich bei uns alles gedreht hat. Ich glaube, sie haben das Projekt gesegnet."

Sie müssen es äußerst großzügig gesegnet haben: Mit "Voodoo" - auch der Titel eine Referenz an schwarze Tradition und Mythen, dunkel und kraftvoll - legt D'Angelo, Sänger, Songwriter, Multiinstrumentalist und Produzent, eine der besten R'n'B-Platten moderner Prägung vor. Wenn nicht die beste überhaupt, handelt es sich doch im Grunde um ein lupenreines Funk-Album, das eigentlich wiederum pursten Soul birgt. Eins führt zum anderen, jedes Genre erwächst aus dem vorherigen. Blues, Jazz, Funk, Soul, Hip Hop und Ambient greifen darauf dermaßen organisch ineinander, dass die Entwicklung schwarzer Musik wie ein Film vor dem inneren Auge abläuft.

"Ich empfinde größten Respekt für die Meister, die vor mir am Werk waren", erklärt D'Angelo in einem Interview mit Ebony. "Ich fühle mich in gewisser Weise dafür verantwortlich, die Essenz ihrer Arbeit zu destillieren und weiterzutragen, in meine Zeit und meine Generation." Diese Mission erfüllt "Voodoo" in Perfektion, auch wenn sein Urheber das Album später nur als einen ersten Schritt in die richtige Richtung wertet: "Meine Inspiration besteht darin, weiter zu gehen, das nächste Level zu erreichen. (...) Ich entwickle den Sound in meinem Kopf immer noch fort, lasse ihn wachsen - und ich höre ihm zu."

Der langwierige und unorthodoxe Aufnahmeprozess schlägt sich in der Struktur von "Voodoo" nieder. Die Songs besitzen Jamsession-Charakter, keiner kommt mit einer Spielzeit von weniger als viereinhalb Minuten aus. Klar, dass die Verantwortlichen beim Label dies mit gemischten Gefühlen beäugen. Viel lieber hätten sie klassisch strukturierte Dreiminuten-Hits fürs Mainstream-Radio gesehen, wie sie "Brown Sugar" noch reichlich bot.

Die ersten drei Singleauskopplungen des lange erwarteten Nachfolgers, das unverhohlen kritische "Devil's Pie", die höchst explizite Schlafzimmernummer "Left & Right" und "Untitled (How Does It Feel)" verkaufen sich entsprechend mäßig. Keine landet in den oberen Regionen der Charts. Um ihre Investitionen zu retten, schieben die Marketingstrategen eine teure Promokampagne hinterher, Werbeanzeigen, Interviews und Videos inklusive.

Die Wende kommt mit dem Clip, den Paul Hunter zu "Untitled" dreht. Aber wie! Er zeigt D'Angelo nackt, schweißglänzend und sich die Seele aus dem Leib singend, zwar nur von der Hüfte aufwärts, doch um sich den Rest vorzustellen, braucht man auch nicht mehr besonders viel Phantasie. Dieses Video ändert alles - nicht nur zu D'Angelos Vorteil, wie sich noch zeigen soll. Es erhebt den Sänger zum Sexsymbol, degradiert aber zugleich den Künstler zum Pin-Up.

In erster Linie stellt die Optik von "Untitled" Mark Jenkins ein hervorragendes Zeugnis aus. Ihn heuerte D'Angelo, der sich während der langen Auszeit etwas aus dem Leim gegangen fühlte, als Fitnesstrainer an. Als seinen "Drill Sergeant" verspotten ihn D'Angelos Musikerkollegen, die beobachten, wie Jenkins diesem Titel alle Ehre macht: Drei Stunden täglich scheucht er seinen Klienten unbarmherzig durch die Landschaft. Mit sichtbarem Erfolg.

Trotzdem: Bei genauer Betrachtung merkt man dem Video zu "Untitled" durchaus an, dass sich D'Angelo nicht hundertprozentig wohl in der extrem exponierten Pose fühlt. "Man muss sich auch einmal vor Augen führen, dass er nie zuvor so ausgesehen hat", so Jenkins Jahre später gegenüber dem Magazin Spin. "Ein Typ, der wahnsinnig introvertiert war, steht plötzlich, nur drei oder vier Monate später, buchstäblich nackt da - es passierte alles so schnell." Viel zu schnell, um die weitreichenden Folgen abzuschätzen.

Die Nummer birgt auch ohne den zugehörigen Clip puren Sex, der all das einschließt, das Sex zu gutem Sex macht: totale Hingabe, Begeisterung, völlige Ekstase. Mancher Musikkritiker beschreibt den Track als "beste Prince-Ballade, die Prince nie geschrieben hat". Saul Williams, der die Linernotes zu "Voodoo" verfasste, amüsiert sich: "Ich hätte dafür bezahlt, Prince' Gesicht sehen zu dürfen, wenn er die Platte hört." D'Angelo versteht seinen Song als Hommage an eins seiner größten Idole.

"Voodoo" erscheint, nachdem das Veröffentlichungsdatum mehrfach verschoben wurde, am 25. Januar 2000, steigt auf Platz eins ein und verdrängt Santanas "Supernatural" von der Spitzenposition. 320.000 Einheiten wechseln in der ersten Woche den Besitzer. Satte 33 Wochen am Stück hält sich das Album in den Billboard Charts. Die acht Monate währende "Voodoo Tour" gerät zum Triumphzug - zumindest in ihrer ersten Hälfte.

Dann schwingt das Pendel zurück. Das Mainstream-Publikum drängt auf die Konzerte, der Mund wässrig aufgrund des "Untitled"-Videos. Statt für seine Musik interessiert sich diese Klientel viel mehr dafür, einen Blick auf den Astralleib des Mannes zu werfen, den Musikkritiker Robert Christgau inzwischen zum "R'n'B-Jesus" ausgerufen hat.

D'Angelo stört sich zunehmend an den ständigen "Ausziehen! Ausziehen!"-Rufen und der damit einher gehenden Ignoranz für seine künstlerische Leistung. "Er wurde sauer", erinnert sich Questlove, der als Schlagzeuger und Leader der Backing-Band The Soultronics mit von der Partie war. "Das Publikum dachte: 'Fick' deine Kunst, wir wollen deinen Arsch sehen!' Das hat ihn wütend gemacht."

Questlove sieht aber auch noch eine andere Ursache des Problems: "Jeder ist unsicher", erklärt er. "Aber seine Unsicherheit hat Ausmaße angenommen, dass ich manchmal dachte, ich muss meinen Job hinschmeißen und den Cheerleader spielen. An manchen Abenden auf Tour hat er in den Spiegel gestarrt und gesagt: 'Ich seh' nicht aus wie im Video!' Seine Gedanken kreisten nur noch darum. Wir mussten mit dem Auftritt manchmal eineinhalb Stunden warten, bis er sich geistig oder körperlich bereit gefühlt hat. Manche Shows sind gleich ganz ausgefallen. Aber das war nur ein Vorwand. Eigentlich dachte er: 'Sie verstehen es nicht. Sie begreifen es einfach nicht. Sie wollen nur, dass ich mir die Klamotten vom, Leib reiße."

"Ich glaube, wenn er gewusst hätte, was 'Untitled' für Auswirkungen hatte, er hätte das Video nicht gedreht", zieht Questlove Bilanz. Die Zeit lässt sich aber nicht zurückdrehen. Irgendwie bringen alle Beteiligten die "Voodoo"-Tournee trotzdem zuende.

Was man seitdem von D'Angelo hört, bleibt sporadisch und größtenteils unerfreulich. Alkohol und Drogen hinterlassen ihre Spuren. Der Musiker kommt mehrfach mit dem Gesetz in Konflikt, unter anderem wegen unerlaubten Waffenbesitzes und Fahrens unter Rauschmitteleinfluss, was ihn mindestens einmal beinahe das Leben kostet. Er tritt mehrere Entziehungskuren an. Seine Beziehung geht in die Brüche, er verliert den Kontakt zu seiner Familie. 2010 wandert er kurzzeitig hinter Gitter, weil er ausgerechnet einer Undercoverpolizistin 40 Dollar für einen Blowjob angeboten hatte.

Wieder und wieder machen Gerüchte um einen geplanten Nachfolger vor "Voodoo" die Runde. D'Angelos Versuch, nicht nur die meisten, sondern vollends alle Instrumente selbst zu spielen, um die totale künstlerische Kontrolle zu erlangen, beschleunigt die Sache vermutlich nicht gerade. Das Label verliert irgendwann die Geduld und dreht den Geldhahn zu.

D'Angelo kündigt ein neues Album erst für 2009, dann für 2010 an. Ein Jahr darauf lässt Questlove, der am Entstehungsprozess beteiligt sein soll, verlauten, das Werk sei "zu 97 Prozent fertig gestellt". Anfang 2013 erhöht er gegenüber dem Billboard Magazin auf "99 Prozent". Der letzte Stand im Mai 2014: Seit Januar kursieren zwei Videos von Aufnahmesessions.

Dass nichts nachkommt, nährt die Legende von "Voodoo" im Grunde nur. "I'm like that old bucket of crisco / sitting on top of the stove." Mit dieser Zeile bringt D'Angelo sein Kunststück, die Aromen all seiner Vorgänger einzufangen und daraus seine eigene, ganz neue Geschmacksrichtung zu köcheln, auf den Punkt. Genau so treffend fasst es der NME in Worte: "Diese Platte repräsentiert nicht weniger als die afro-amerikanische Musik am Scheideweg. D'Angelos Werk als klassischen Neo-Soul zu bezeichnen, wird ihm nicht gerecht, weil es zu viele Elemente unter den Tisch fallen lässt: den Vaudeville-Jazz, die Memphis-Bläser, den Ragtime, Blues, Funk und die Bass-Grooves, ganz zu schweigen von dem Hip Hop, der aus jeder Pore dieser 13 Songs, die Besitz von dir ergreifen, strömt."

Egal, ob er Basketball-Metaphern bemüht wie in "Playa Playa", die Fixierung auf materielle Werte anprangert wie in "Devil's Pie", den "Chicken Grease" erklärt, bei "One Mo' Gin" einer verflossenen Liebe nachtrauert, Roberta Flacks Hit "Feel Like Makin' Love" von 1974 covert oder wie in "Africa" in einem zarten Wiegenlied, das er für seinen Sohn schrieb, die Herkunft der schwarzen Bevölkerung bis ins Mutterland zurück verfolgt: D'Angelo wirft jedes einzelne Mal sein blutendes Herz und seine ganze Seele in den Ring.

"Voodoo" beschert ihm und Russell Elevado einen Grammy für das beste R'n'B-Album und dem Sänger einen weiteren für die beste männliche R'n'B-Gesangsleistung. Das Time Magazine erklärt die Platte zur gelungensten des Jahres 2000. Sie klingt wie das Album, das Marvin Gaye oder Curtis Mayfield hätten aufnehmen können, hätten sie den Jahrtausendwechsel heil erlebt. Der omnipräsente Groove kriecht unter die Haut und generiert flächendeckend Gänsehaut. Von innen.

"Ich halte ihn für ein Genie, das zu beschreiben mir die Worte fehlen", so der sonst gar nicht um Vokabeln verlegene Kollege Questlove über D'Angelo. "Zugleich frage ich mich, wie ich mich hinstellen und jemanden lauthals als Genie anpreisen kann, von dem es kaum Arbeiten gibt, mit denen ich das belegen könnte. Dann wieder sage ich mir, dass das wenige, das er aufgenommen hat, so kraftvoll ist, dass es für zehn Jahre reicht." Die sind inzwischen allerdings um.

Die Schreibblockade hält den Musiker aber offenbar weiterhin fest im Würgegriff. Möglicherweise speist sie sich aus der nagenden Angst, die D'Angelo einst in einem Interview offenbarte. Konfrontiert mit der Tatsache, dass 98 Prozent seiner musikalischen Heroen in irgendeiner Form gescheitert, ausgebrannt oder tot endeten, entgegnete er leise: "Genau darüber denke ich die ganze Zeit nach."

In der Rubrik "Meilensteine" stellen wir Albumklassiker vor, die die Musikgeschichte oder zumindest unser Leben nachhaltig verändert haben. Unabhängig von Genre-Zuordnungen soll es sich um Platten handeln, die jeder Musikfan gehört haben muss.

Trackliste

  1. 1. Playa Playa
  2. 2. Devil's Pie
  3. 3. Left & Right (feat. Method Man & Redman)
  4. 4. The Line
  5. 5. Send It On
  6. 6. Chicken Grease
  7. 7. One Mo' Gin
  8. 8. The Root
  9. 9. Spanish Joint
  10. 10. Feel Like Makin' Love
  11. 11. Greatdayndamornin'/Booty
  12. 12. Untitled (How Does It Feel)
  13. 13. Africa

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LAUT.DE-PORTRÄT D'Angelo

Der Begriff "Neo-Soul" wird zur Zeit für so ziemlich alles verbraten, was aktuell ist, und auch nur einen Hauch von Soul beherbergt. D'Angelo allerdings …

7 Kommentare mit 13 Antworten

  • Vor 3 Jahren

    ach nöööö ich bin echt kein Musiknazi aber diese Art von R&B ( Rhythm ’n’ Beat) hat einfach keine Daseinsberechtigung und dann noch Meilenstein. Shame on You Laut.de!!!

    Daher nochmal ein paar Empfehlungen meinerseits:

    John Frusciante: Smile from the Streets you hold
    Quicksand: Slip
    Melvins: Houdini
    Electric Wizard:Dopethrone
    Syd Barrett: Barrett/madcap laughs
    Fugazi:Red Medicine
    Sleep:Dopesmoker
    phillip Boa & The Voodooclub: Hair

  • Vor 3 Jahren

    Danke Dani! Endlich dieses Album. Und dann noch mit so einer liebevollen, detaillierten Kritik beschrieben!
    Multi-Instrumentalist D'angelo hat damit ein Werk geschaffen, das von der ersten bis zur letzten Sekunde seinen einzigartigen, düsteren Groove durchhält.
    Hier schmelzt wirklich das Beste aus Funk, Soul, Jazz und Hip Hop zusammen.
    Nebenbei sind mit Send it on, Spanish Joint, Africa und Untitled (How does it feel) vier Tracks für die Ewigkeit drauf.
    Was soll man noch sagen? Für mich rundum gelungen, das beste Soul-Album der letzten zwei Jahrzehnte und eine meiner absoluten Lieblingsplatten aller Zeiten.
    Bin gespannt was aus seinem neuen Werk wird, das mittlerweile ja schon über zwei Jahre groß angekündigt wird!

  • Vor 3 Jahren

    Diese Sorte von R&B geht leider gar nicht. 50 Gesangsspuren übereinandergelegt und jede davon besteht aus Uhhhs und Ahhhh und yeah baby yeahs und sonstigem gehauche. Wenn man die Platte heute hört klingt das alles wie ne Parodie.

    • Vor 3 Jahren

      Nein, sie klingt eher wie die beste R'n'B Platte dieser Ära.
      Außerdem glaube ich kaum, dass D'angelo auch nur ein einziges mal yeah Baby yeah haucht.
      Vielleicht solltest du mal deine Vorurteile vergessen, und dir das Album mal anhören?

    • Vor 3 Jahren

      Was hat das mit Vorurteilen zu tun? Ich hab die Platte gehört sonst würd ich hier wohl kaum meine Meinung dazu schreiben. Und natürlich haucht er nich explizit "yeah baby yeah."

  • Vor 3 Jahren

    das album ist damals 2000 erschienen, dass es damals keine Rezi auf Laut.de gab, macht doch schon irgendwie deutlich wie belangslos das Teil ist. Von diesen Album spricht in 5-10 jahren kein Schwanz mehr und das soll ein Meilenstein sein!!!!!!!!??????

    • Vor 3 Jahren

      1. Meilenstein-Rubrik offensichtlich grundlegend missverstanden.
      2. Das Album gilt an sich ueberall als moderner Klassiker.
      3. Der Beitrag ist trotzdem irgendwie top. :D :D :D

    • Vor 3 Jahren

      Im habe damals erst im November als Prakti angefangen (erste Rezi Der Klan...). Davor regierten Schuh und Dobler auch Rap und R'n'B... Sorry :-D

    • Vor 3 Jahren

      Wie SillyWalk schon sagte: Du bist wohl einfach zu dumm zu lesen, bzw. wahrscheinlich bist du auch zu dumm, die Qualität solcher Musik zu erfassen. Wer D'Angelo schlecht redet, hat wohl von der gesamten Blackmusic keine Ahnung.

  • Vor 3 Jahren

    Das Album hört sich Heutzutage immer noch organisch, frisch und sexy an, hat nichts von seiner Anziehungskraft verloren und erweist sich in verschiedensten Situationen als perfekter Soundtrack. Sei es entspannt in der Sonne, gechillt auf dem Sofa, nach einem guten Essen zum Drink, in einer Bar, beim Rendezvous oder im Bett beim verlängerten Rendezvous: Voodoo passt dann immer. Vorausgesetzt man hat einen versatilen und unvoreingenommen Musikgeschmack. Betonung auf GESCHMACK! Ausserdem hat Questlove immer Recht! Definitiv CLASSIC!

  • Vor 3 Jahren

    candy apple Grey, Meilenstein bitte