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Ein fixes musikalisches Bild transportierten über Jahre hinweg die immer erfolgreicher werdenden Hip Hop-Künstler des Dirty South. Wummernde Bässe und narkotische Synthies wurden zum Trademark der dritten Küste, die irgendwann East und West Coast den Rang ablief.
Der Erfolg gab dem Derrty Derrty Recht. Lange Zeit hat es gebraucht, dass sich Rapper aus dem Süden von diesen starren Sound-Vorstellungen emanzipieren konnten.
Der in New Orleans geborene Curren$y (Geburtsname: Shante Anthony Franklin) steht sinnbildlich für diese Entwicklung. Nach Stationen bei den Down South-Institution No Limit und Cash Money wird der Hot $pitta zum Szene-Liebling ohne Süd-Stempel.
Hip Hop mag nach wie vor in den Händen der Lil Waynes, Soulja Boys und Gucci Manes liegen, doch eine neue Rapper-Generation zeigt unter Mitwirkung Curren$ys, dass man nicht zwangsläufig wie der tonangebende Rest klingen muss.
Die musikalische Emanzipation erklärt in Curren$ys Fall seine tiefe Verwurzelung im Dirty South und den nachfolgenden Enttäuschungen. Als Teil der 504 Boyz steht der Jungspund neben Choppa, Krazy, T-Bo, Magic, Master P und Silkk The Shocker zwischen 2003 und 2006 in den Reihen des No Limit-Imperiums.
Die Chance einer Solo-Karriere bekommt er dort jedoch nicht. Es geht schnurstracks zum nächsten großen Namen in New Orleans: Cash Money Records. Lil Waynes Tochterunternehmen Young Money verpflichtet den ambitionierten jungen Mann und sagt ihm eine große Zukunft voraus. Doch auch hier liegt Curren$ys Debüt "Music 2 Fly 2" auf Eis. Eine Trennung ist unvermeidbar.
Frust macht sich breit. Fortan zeigt Curren$y den Down South-Traditionen die kalte Schulter. Ein beeindruckender Arbeitswahn und etliche Mixtapes sind die Folge. Auf seinem Free Download-Tape "Fear And Loathing In New Orleans" pickt der Down South-Rapper etwa ohne Skrupel die Instrumentals von Beastie Boys "Intergalactic", The Polices "Roxanne" oder Camp Los "Luchini" und zeigt dabei, dass er sich vom Derrty Derrty-Gewand nicht einzwängen lassen will. Sein ungemein lässiger Flow heiligt alle Mittel.
Aus dem ehemaligen No Limit-Soldaten und Cash Money Millionaire wird der neue, oftmals übersehene Held einer Stoner Rap-Bewegung. Ohne Küstenkonvention und ohne dezidierte Verankerung in der Dirty South-Tradition. Mit dem Skateboarder und Rapper Terry Kennedy gründet Curren$y die Klamottenmarke Fly Society, die die beiden bald zu einem Label umfunktionieren.
Die Flucht vor den Mühlen der Industrie führt direkt in den DIY-Grind. Den Vertrieb übernimmt Digitallabel Amalgam, auf dem alsbald das Album "This Ain't No Mixtape" erscheint. Die Hip Hop-Journaille hat sich längst auf den Newcomer, der nicht wirklich ein Newcomer ist, eingeschossen.
Die Kollaboration mit Wiz Khalifa "How Fly?", sowie die Mischung aus Album und Mixtape "Jet Files" nicken Blogs und Szene-Postillen zwischen LA, New York und New Orleans gleichermaßen ab. Langsam haben die Leute offensichtlich verstanden, dass es den einen typischen Dirty South nicht mehr gibt.
The Jet Files (2009), This Ain't No Mixtape (2009)
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