Porträt

laut.de-Biographie

Crash Test Dummies

Auch ein Cadillac muss sich den Gesetzen der Physik beugen, entdeckt Brad Roberts, als er im September 2000 zu schnell in eine Kurve fährt, sich mehrmals überschlägt und mit den Rädern nach oben in einem Graben zu stehen kommt.

Hätte sich der Unfall vier oder fünf Jahre zuvor ereignet, wäre das Medienecho groß gewesen. Zu diesem Zeitpunkt geht die Nachricht jedoch so gut wie unter, schließlich liegen die großen Zeiten von Roberts und seinen Crash Test Dummies schon etwas zurück: die Nachfolger des Hits von 1994, "Mmm Mmm Mmm Mmm," sind mehr oder weniger alle untergegangen, eine neue Platte steht nicht an.

Die Ursprünge der Band sind im kanadischen Winnipeg zu finden, wo Roberts Ende der 80er Jahre mit wechselnder Begleitung folk-poppiges Material aufführt. Ende der 80er Jahre gibt sich die Combo den Namen Crash Test Dummies, 1991 stehen die Grundmitglieder fest und die Zeit ist reif für einen Plattenvertrag. Die erste Veröffentlichung ist "The Ghost That Haunts Me"; neben Brad Roberts als Sänger und Gitarrist sind sein Bruder Dan (Bass), Ellen Reid (Keyboards und Hintergrundgesang), Ben Darvill (alles mögliche, darunter Gitarre), und Michael Dorge (Schlagzeug) mit von der Partie.

In Kanada verkauft sich das Album 200.000 Mal, eine Tournee erwirkt auch in den USA eine gewisse Aufmerksamkeit. Nichts lässt jedoch den Erfolg erahnen, den die Band im Januar 1994 mit "Mmm Mmm Mmm Mmm" erhält. Nach zähen Verhandlungen mit dem Label als Singletitel durchgesetzt, erobert es die Radiostationen erst Nordamerikas, dann der ganzen Welt, während sich das zugehörige Album "God Shuffled His Feet" innerhalb weniger Monate millionen Mal verkauft. Die tief angesiedelte und vibrierende, aber durchaus flexible Stimme Roberts und die verspielten akustisch-poppigen Arrangements der Band erweisen sich als Kassenschlager.

Auf den Flügeln des Erfolgs erscheint zwei Jahre später "A Worm's Life". Roberts sieht in sich eher einen Künstler als einen Hitmusiker und behandelt in seinen Lyrics alle mögliche anstößige Themen. Die erste Singleauskopplung, "He Liked To Feet It" handelt von einem Jungen, der über verschiedene Möglichkeiten nachdenkt, sich seine Zähne ziehen zu lassen; in der zweiten, "My Own Sunrise", sinniert der Sänger über seinen Morgenständer. Kaum überraschend: Die Platte floppt gnadenlos und wird sogar in der kanadischen Heimat kaum wahrgenommen.

Der Nachfolger aus dem Jahr 1998, "Keep A Lid On Things", ist zwar weniger brisant, aber die Verkaufszahlen bleiben trotz extensiver Amerika- und Europa-Touren hinter den Erwartungen zurück. Die Kündigung der Plattenfirma Anfang 2000 scheint das Ende der CTD zu besiegeln: Ben Darvill gründet sein Projekt "Son Of Dave", Ellen Reid arbeitet an einer Soloplatte, Brad Roberts begibt sich auf eine Kneipentournee und plant die Veröffentlichung eines Livemitschnitts.

Auf dem Weg zu einem Auftritt kommt es zu jenem schweren Autounfall. Mit einem gebrochenen Arm versucht Roberts vergebens, sich zu befreien; einem vorbeikommenden Fahrer gelingt es schließlich, den Sänger heraus zu ziehen - nur kurze Zeit, bevor das Wrack in Flammen aufgeht.

Knapp dem Tod entronnen, verbringt er seine Rehabilitationszeit an der kanadischen Ostküste und schreibt Material für eine neue Platte. Erst als Soloveröffentlichung angedacht, mischen Reid und Bruder Dan im Studio mit; das Ergebnis ist ein neues CTD-Album, das fröhliche, verspielte "I Don't Care That You Don't Mind".

Die Weichen sind jedoch gestellt, und CTD mutieren zum Roberts-Projekt mit Begleitung. Nach dem Weihnachtsalbum "Jingle All The Way" 2002 bringt er ein Jahr später "Puss'N'Boots" auf dem eigenen Label Cha-Ching heraus.

2004 folgt "Songs Of The Unforgiven", bevor es um die Band still wird, zumindest im Studio. Auf der offiziellen Webseite veröffentlicht Roberts in unregelmäßigen Abständen neue Stücke, die unter dem Titel "The Cape Breton Lobster Bash Series" zusammengefasst sind.

2008 kündigt er an, dass er wieder mit Co-Sängerin Ellen Reid im Studio ist. Das Ergebnis trägt den Titel "Oooh La La" und erscheint Ende Mai 2010.

Alben

Crash Test Dummies - Puss'N'Boots: Album-Cover
  • Leserwertung: Punkt
  • Redaktionswertung: 2 Punkte

2003 Puss'N'Boots

Kritik von Giuliano Benassi

Tief brummende Stimme mit einer Begleitung wie Kraut und Rüben. (0 Kommentare)

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