laut.de-Kritik

Aus Schmerz wird Qual, aus Kummer Todessehnsucht.

Review von

Wie bitte? Kleiner Tod? Converge können über frankophone Konzessionen bloß wissend lachen. Wenn Die Vier Apokalyptischen Reiter den totalen Brutalgalopp durch die zerklüfteten Landschaften ihres eigenen Seelenvorgartens vollführen, wird aus Schmerz Qual und Kummer zu Todessehnsucht. Entmenschlicht im Ausdruck, zutiefst bewegend im Eindruck, hinterließ ein Opus namens "Jane Doe" vor fünf Jahren eine Schneise physischer, psychischer und emotionaler Verwüstung.

Ein Monolith an ironiefreier Intensität war das, mehrere Meilensteine vor anderen Metalcore-Formationen errichtet. Unerbittliche Liebe. Deliriöse Härte. Eiskalte Schauer. Converge sahen sich im Angesicht dieser Grenzmarke zu einer Schwerpunktverlagerung gezwungen: hin zu Noiserock, epischen Endzeitballaden, überhaupt mehr Breite in Klangfarbe und Darbietung. Mit "You Fail Me" gelang erneut ein Genrestandards sprengendes Album.

Das Drittwerk stellt nun das logische Resultat seiner Vorläufer. "'No Heroes' brilliantly combines the textural sonics of 'You Fail Me' with the brutal assault of 'Jane Doe'." Ja, eine Zusammenführung. Nur brillant ist das leider nicht. Zwar blickt selbst der schwächste Titeltrack seit "When Forever Comes Crashing" siegesgewiss auf die Konkurrenz herab. Nichtsdestotrotz hat der Vierminüter wenig mehr als die üblichen Blastparts in der Auslage.

Noch ein wenig belangloser geraten die Stücke eins bis vier, die der zuletzt mit "First Light/Last Light" verfolgten Tragik entsagen und stattdessen einen einzigen cholerischen Anfall bilden. Des Fronters gebellte ADHS-Ticks verkommen hier zum monotonen 08/15-Thrash. Zum eigentlichen Dreh- und Angelpunkt des Albums machen Converge dagegen ihre Helden Black Sabbath.

Im Tribut "Grim Heart/Black Rose" überraschen saubere Ozzy-Vocals und verschleppte Sludgecore-Arrangements. So konsequent zog man bislang noch nie die Handbremse. Mit dem belanglosen Mosh-Track "Orphaned" werden Kurt Ballou, Jacob Bannon und ihre zwei Gefährten jedoch bald wieder rückfällig, wie auch die zweite Albumhälfte nur selten aufhorchen lässt.

Etwa, wenn die New School-Hymne "Trophy Scars" mit den choralen Zeilen "I want to die without this pain" aufwühlt. Oder die "Lonewolves" durch den Hintereingang schleichen, um ihr Opfer anzufallen. Eine Minute lang geben sich hier Hardcore-Punk, Frodus und Radiofreundlichkeit die schroffe Klinke in die Hand, bevor die Party aus der Rockdisco in die Vorhölle verlegt wird.

Schwer in Worte zu fassen, warum die Platte oft so seltsam kalt lässt. Der Puls rast doch, wenn auch gleichmäßiger als zuvor. Hat sich die Band die Kritik ihrer alteingesessenen Hörerschaft zu sehr zu Herzen genommen, denen es bei "You Fail Me" schlicht an BPM mangelte? Möglich. Ohne Frage agieren Converge nach wie vor auf hohem Niveau. Am eigenen Maßstab gemessen, ist "No Heroes" jedoch keine Heldentat.

Trackliste

  1. 1. Heartache
  2. 2. Hellbound
  3. 3. Sacrifice
  4. 4. Vengeance
  5. 5. Weight Of The World
  6. 6. No Heroes
  7. 7. Plagues
  8. 8. Grim Heart/Black Rose
  9. 9. Orphaned
  10. 10. Lonewolves
  11. 11. Versus
  12. 12. Trophy Scars
  13. 13. Bare My Teeth
  14. 14. To The Lions

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