laut.de-Kritik

Regenbogenfarben-Laser und ein fliegender Chris Martin.

Review von

"Ghost Stories Live" bietet exakt das gleiche Material wie das Studioalbum, gleiche Reihenfolge inbegriffen. Dementsprechend darf man hier keine Wunder und neuen Weisheiten erwarten - Chris Martin & Co. sind nun mal passionierte Musiker, die auf der Bühne genauso solide performen wie im Studio. Aufgenommen zwischen April und Mai 2014 hört man Mitschnitte von Konzerten aus unter anderem London, Sydney, Paris und Köln. Wer also die Besprechung der einzelnen Songs lesen möchte, der führe sich am besten die Review des Kollegen Kabelitz vom Mai diesen Jahres zu Gemüte.

Was an "Ghost Stories Live" jedoch besonders ist - und dafür muss man Coldplay schon mal loben - ist der Produktionsaufwand, der für die DVD betrieben wurde. Ein eigens konstruiertes Amphitheater, 360 Grad-Kulisse inmitten nur weniger, elektrisierter Fans, die die neuesten Coldplay-Songs zu diesem Zeitpunkt noch nie gehört hatten.

Dieser intime Rahmen tut "Ghost Stories" wahrlich gut und passt auch zur Ausrichtung der Songs, die wieder weiter wegrückt sind vom Stadionrock des Vorgängers. Coldplay haben sich nicht lumpen lassen, die aufgezeichnete Show nicht nur für das dortige Publikum ansprechend zu gestalten, sondern auch für jeden einzelnen Zuschauer, der sich das Konzert auf DVD ansieht.

Wer Chris Martin also schon immer mal fliegen sehen wollte, der ist mit "Ghost Stories Live" gut bedient. Er fliegt zwar nicht weit, weit weg - wie sich manch Coldplay-Hasser das wohl wünschen würde - aber er fliegt bei "Always In My Head" durch die Luft. Und singt dabei auch noch. Zu "Midnight" wird es elektronischer als bei vielen anderen der Lieder - sowohl stimmlich als auch vom Visuellen her. Bilder werden direkt von der Bühne an die Decke projiziert, es gibt Regenbogenfarben-Laser (cooool), die der Chris auch mal mit einer Handbewegung auszaubern kann.

Die Aufzeichnungen sind in Coldplay-Manier natürlich recht pathetisch (man denke an den Sternenhimmel, der bei "A Sky Full Of Stars" tatsächlich von der Bühnendecke hängt) und ähnelt außerdem eher einem Film als einem Livemitschnitt, aber die Bildwelten hat Regisseur Paul Dugdale ansprechend eingefangen. Guter Ton, guter Sound, tolle Kameraführung, guter Schnitt - und das bei jedem einzelnen Song.

Warum man sich für ausgerechnet diese Location-Wechsel nach "Another's Arms" entschied (in Zeitlupe von der Bühne, lauf, Martin, lauf, ins Taxi, auf einen Steg, Sprung ins Wasser und zurück auf die Bühne), kann ich bei besten Willem auch nicht erklären. Es ist aber immerhin nett anzusehen und das ist für eine Live-DVD doch wirklich nicht das schlechteste.

Trackliste

DVD

  1. 1. Always In My Head (Live at the Royal Albert Hall, London)
  2. 2. Magic (Live at the Enmore Theatre, Sydney)
  3. 3. Ink (Live at Le Casino de Paris) - AUDIO - Instant Grat - from 20/10
  4. 4. True Love (Live at the Enmore Theatre, Sydney)
  5. 5. Midnight (Live at the Royal Albert Hall, London)
  6. 6. Another's Arms (Live at the Beacon Theatre, Los Angeles)
  7. 7. Oceans (Live at E - Werk, Cologne)
  8. 8. A Sky Full Of Stars (Live at the Royal Albert Hall, London)
  9. 9. O (Live at the Royce Hall, New York)
  10. 10. Always In My Head (Alternate Live Take) - VIDEO - Instant Grat - from 20/10
  11. 11. Oceans (Alternate Live Take) - VIDEO - Instant Grat - from 10/11

CD

  1. 1. Always In My Head
  2. 2. Magic
  3. 3. Ink
  4. 4. True Love
  5. 5. Midnight
  6. 6. Another's Arms
  7. 7. Oceans
  8. 8. A Sky Full Of Stars
  9. 9. O
  10. 10. Alternate Live Takes: Always In My Head
  11. 11. Alternate Live Takes: Oceans
  12. 12. Midnight (Music - Video)
  13. 13. Magic (Extended Director's Cut) (Music - Video)
  14. 14. A Sky Full Of Stars (Music - Video)
  15. 15. True Love (Music - Video)
  16. 16. Ink (Live at the Royal Albert Hall) (Music - Video)
  17. 17. All Your Friends (Music - Video)
  18. 18. Ghost Story (Music - Video)
  19. 19. Always In My Head (Artwork Animation) (Music - Video)

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4 Kommentare mit 5 Antworten

  • Vor 3 Jahren

    Nach Viva La Vida habe ich Coldplay komplett gemieden. Als ich dann letztens auf Youtube mir einfach mal eines ihrer neuen Konzerte angesehen habe, war ich umso mehr entsetzt, dass sie es hingekriegt haben, Klassiker von den ersten beiden relativ guten Alben so schmierig wie möglich zu gestalten: Sprich unnötige Breaks, um die Stimmung der Hausfrauen im Publikum hochzuschrauben, seltsame Konfetti-Explosionen, aber auch alleine das Mitsingen bei jedem verdammten Lied. Ne, beim besten Willen, es sagt schon viel aus, dass Chris Martin jetzt solch ein EDM Fan ist. Und da gab es doch ein paar gute Tracks auf dem letzten Album, vor allem die, die von Jon Hopkins produziert wurden. Ne, dann doch lieber 'ne Runde Calvin Harris $$$ einkassieren als nochmal künstlerisch anspruchsvoll sich den Erwartungen der toten Masse zu widersetzen. :(

  • Vor 3 Jahren

    Coldplay war mal eine Richtung weisende Band. Mit X&Y ging es schon leicht bergab mit der Richtung. "Viva La Vida" hab ich dann live im Stadion gesehen. Eine kleine lustige Band, ging geradezu unter im Stadion. "Ghost Storys" war ein kleiner Silberstreif am Horizont. Nichts da, nun verwursten sie es wieder. Bis auf 5-6 ganz große Songs, bleibt Coldplay als Band, die Enttäuschung des Jahrhunderts.

    • Vor 3 Jahren

      Ich könnte es nicht besser sagen!

    • Vor 3 Jahren

      Du hattest es doch völlig richtig gesagt. :)

      Mit Richtung weisend mein ich einfach nur, das um 2002/6 jeder so klingen wollte wie Coldplay. Das wurde zumindest kolportiert. Ja, wer möchte nicht klingen wie "Politik", "Clocks" oder "The Scientist"? Drei Jahre später, auch nicht schlecht "Fix You" o. "Speed Of Sound". Leise war schon Kritik zu hören an dem Album, noch leise. Um diesen Zeitpunkt muss was passiert sein mit Coldplay. Was? Keine Ahnung, wäre reine Spekulation. Traurig ist es, das man so einen Sound hat, quasi ein Alleinstellungsmerkmal und ihn dann so verliert.

  • Vor 3 Jahren

    "oceans" erinnert an parachutes, "ghost story" hätte auch irgendwo in die zweite hälfte von rush to the head gepasst. (spreche von den studio-versionen.) und das gibt der entwicklung dieser band eigentlich erst den bitteren beigeschmack. die könnten, so sie wollten - aber die wollen seit 2005 nicht mehr.

    • Vor 3 Jahren

      kann ich so nicht unterschrieben, angesichts u.a. folgender songs (eine kleine auswahl aus der post-rush of blood-ära)
      https://www.youtube.com/watch?v=qEObcK9qqKQ
      https://www.youtube.com/watch?v=T-92XB8EU3E
      https://www.youtube.com/watch?v=Y-KsutWy3UU
      man muss nur über die paar totgenudelten singles hinwegschauen, die jeder kennt, und entdeckt einige schätze. ;)

    • Vor 3 Jahren

      @PogChamp, die "totgenudelten Singels" waren/sind Coldplay. Vieles von dem anderen Kram war einfach gesagt viel Mist. Gebe dir sogar recht, es gibt vereinzelt Schätze zu finden, dann aber nur ansatzweise innerhalb des Stückes. Wenn du sagen willst alles was Kommerziell erfolgreich ist, ist kein Schatz mehr. Dann erwidere ich darauf, dass das Argument so totgenudelt ist, wie kein anderes.

    • Vor 3 Jahren

      "die "totgenudelten Singels" waren/sind Coldplay."
      für mich persönlich waren coldplay schon immer ganz klar eine album-band (was auch das aberwitzige verhältnis zwischen album- und singleverkäufen ziemlich deutlich zeigt, insbesondere bei den ersten 2 alben). nicht, dass verkaufszahlen ein indikator für qualität sind, ist ja wohl klar (bevor mir hier einer mit den kreuzfahrtschiffen kommt), aber den satz "coldplay sind die paar singles" kann ich persönlich so nicht unterschreiben und ich würd mal behaupten, das geht vielen anderen, die im ansatz was mit ihrer musik anfangen können, ähnlich, insbesondere, wie gerade schon erwähnt, bei parachutes und rush of blood.

      bottom line: du findest, coldplay sind keine album-band sondern haben 'ne (baby)handvoll guter singles, ich finde, sie sind eine album-band --> alles subjektiv.
      und bzgl. "Wenn du sagen willst alles was Kommerziell erfolgreich ist, ist kein Schatz mehr.": das ist natürlich totaler quatsch und würde ich nie behaupten, kam dann oben falsch rüber.

      zum rezensierten "live"-album: sie sollten für meinen geschmack die playback-backing-tracks mal wieder was runterfahren, akustik-gitarren vom band bei songs wie magic und ink? muss nicht sein. das war anno 2003 in der philippshalle bei der rush of blood tour noch anders ;)

  • Vor 3 Jahren

    Chris Martin fliegt durch also durch die Luft? Ich hab da schon so ne Vorstellung...

    http://www.youtube.com/watch?v=6gESFElAOpQ