laut.de-Kritik
70er-Rock, Metal, Blues und ein wenig RATM.
Review von Eberhard Dobler
Clutchs sechstes Studio-Album erscheint später als geplant. Man könnte sich fragen warum (zwischenzeitlich wechselte die Band aus Maryland zum zigsten Mal das Label), ziehen die vier US-Amerikaner doch meist denselben Reifen auf. Dennoch hat sich die Pause durchaus gelohnt: das gute Stück wirkt runderneuert.
Spielfreude und Rhythmus zeichnen die harten und differenzierten Arrangements aus. Clutch setzen bei "Blast Tyrant" zwar wieder auf das, was sie am besten können: 70er-Rock, Metal, Blues und ein wenig RATM. Ihr heavy Rocksound klingt aber frisch und mitreißend: der richtige Stoff für Fahrten auf verstaubten Highways.
Die dröhnend verzerrten Riffs und trocken gespielten, kaum knallenden Drums geben oft ordentlich Gas, können aber auch psychedelisch ausufern ("Wysiwyg"). Neil Fallon hält den ganzen Apparat mit seinen eigenartigen Vocals zusammen. Sein Organ klingt dreckig wie in der dick rockenden Moshhymne "The Mob Goes Wild" oder komisch abgehoben (im zu Beginn akustischen "The Regulator"). Bei "Promoter (Of Earth Bound Causes)" singt er auch mal zwei Spuren ein.
Fallon und Gitarrist Tim Slut, die gemeinsam mit Drummer Jean-Paul Gaster und Basser Dan Maines Hunderte Konzerte auf dem Buckel haben, treten zudem gerne ins Wahwah-Pedal. Morellosches Lickverständnis blitzt partiell in "(In The Wake Of) The Swollen Goat" oder dem coolen "Cypress Grove" auf. Letzteres Stück sorgt wie der obszöne Groove von "Worm Drink" mit lockeren Perkussions für Abwechslung.
Clutchs Webseite firmiert nicht zufällig unter dem Domain-Namen "Pro-Rock": sie schaffen es auch nach über zehn Jahren klar definiertem Bandsound Standards mit einer sehr persönlichen Note zu versehen. Und so dürfte es auch weiter gehen.