laut.de-Kritik

Wieder Toast Hawaii, diesmal noch leckerer.

Review von

Als Mute-affiner Musikkonsument ist man redaktionsintern schon mal gerne höhnischen Späßchen ausgesetzt, wenn man ein Produkt aus dem Hause Daniel Millers über den grünen Klee lobt. Auch Kollege Straub plagt bisweilen diese Vorverurteilung, dennoch verlieh er dem Client-Debüt furchtlos hervorragende vier Punkte. Im Nachhinein, an einem unserer abendlichen Elektro-Stammtische, waren wir uns aber beide einig, dass es eine Dreier-Wertung auch getan hätte, schmeckten die elf femininen Pop-Häppchen auf Albumlänge doch zu sehr nach Mensa-Käse, sprich: extrem cheesy.

Ein Jahr später kommt nun das Desert, wieder Toast Hawaii, diesmal aber auch auf den zweiten Biss ausgesprochen saftig. Zwar verstecken Kate Holmes und Sarah Blackwood beim Opener ihren Drang, fortan rocken zu wollen, noch hinter einem schluffigen E-Piano und einem sicheren Client-Hit. Wer aber bei "Come On" noch nicht merkt, dass hier ein neuer Spirit weht, hat an Client bislang wohl vor allem die fraglos hübschen Frauenbeine bewundert.

Ultradreckig tönt hier der Synthie-Bass in der Rotationsschleife, Blackwoods Strophen verlassen alte "Rock'n'Roll is all I wanna do"-Herzschmerz-Schemata, und huldigen dafür beinahe gelangweilt der Monotonie. Ein neues Groove-Bewusstsein im Client-Konzept. Gleich danach das zweite Highlight: "Overdrive". Man muss - natürlich im Kontext - sogar erstmals das Wort Soul zur Beschreibung eines Client-Songs heranziehen, woran nicht unwesentlich ein gewisser Martin L. Gore (ja, auch Mute!) mit seinen ultra-cheesy "Yeah"-Background Vocals mitschuldig ist.

Ist Gores Geschlecht auf Anhieb nur schwer zu erraten, verhält sich das bei "Pornography" anders. Carl Barât, momentan alleiniger Libertines-Steuermann, lenkt das Synthie-Boot gemeinsam mit Blackwood im Refrain dank gewohntem Leiergesang weit weg von jeglichen Kitschfelsen. Dies schafft auch Pete Doherty, Libertines-Steuermann a.D., der im folgenden, bereits von der Single-Auskopplung bekannten "Down To The Underground" sogar in den Strophen ran darf. Bedanken darf man sich für diesen Gäste-Coup vermutlich bei Alan McGee, hauptberuflich Libertines-Manager, und nebenbei Ehemann von Keyboarderin Holmes.

Natürlich bietet "City" auch die bekannten sequencer-gestärkten Hits und zwei Erasure-mäßige Balladen auf, die dann auch etwas über's Ziel hinaus schießen: das mit Streichern angereicherte "The Chill Of October" und "One Day At A Time", dank Uralt-"Speak & Spell"-Sounds aber nicht uncharmant. Mit "Don't Call Me Baby" und dem ruhigen "Everything Must End" beweisen Client vielmehr, dass sie mittlerweile als Pet Shop Boys des Damen-Pops bezeichnet werden dürfen. Selbst wenn Neil Tennant niemals "nuthin" statt "nothing" oder "enugh" statt "enough" singen würde.

Trackliste

  1. 1. Radio
  2. 2. Come On
  3. 3. Overdrive
  4. 4. One Day At A Time
  5. 5. Cracked
  6. 6. In It For The Money
  7. 7. Pornography
  8. 8. Down To The Underground
  9. 9. The Chill Of October
  10. 10. Theme
  11. 11. Don't Call Me Baby
  12. 12. It's Rock&Roll
  13. 13. Everything Must End

Preisvergleich

Shop Titel Preis Porto Gesamt
Titel bei http://www.amazon.de kaufen Client - City €17,59 €3,95 €21,54

Videos

Video Video wird geladen ...

Weiterlesen

LAUT.DE-PORTRÄT Client

Unzählige unbekannte Bands träumen davon, im Vorprogramm einer berühmten Band auftreten zu dürfen. Für Technique geht dieser Traum in Erfüllung.

Noch keine Kommentare