Porträt

laut.de-Biographie

Clap Your Hands Say Yeah

Clap Your Hands Say Yeah liefern das allerbeste Beispiel dafür, dass klassische Mund-zu-Mund-Propaganda und die auf uns hereinstürzende Informationsflut nur gemeinsam arbeiten können. Vor allem aber beweist die Band aus Brooklyn, New York, dass der gute alte Indie-DIY(Do it yourself)-Gedanke prächtiger funktioniert denn je. Ohne je mit einem Vertrieb, geschweige denn einem Label, zusammengearbeitet zu haben, verkauft diese Band zwischen 30- und 40.000 Platten.

Während der Kopf der Band, Alec Ounsworth (Gesang und Gitarre), seine kreativen Ideen in Philadelphia auslebt, probt der Rest in Brooklyn. Der Rest, das sind Tyler Sargent am Bass, Robbie Geurtin an Gitarre und Keyboard, Lee Sargent (auch Gitarre/Keyboard) und Sean Greenhalgh (Drums). Alle sind freundschaftlich miteinander verbandelt. Allein Robbie muss eine Zeit lang von der Tribüne aus zugucken: Clap Your Hands Say Yeah feuern ihn, da er ihnen nicht gut genug erscheint. Später geben sie ihm eine zweite Chance.

Ihre erste Show spielen sie in einem New Yorker Club namens Siberia. Zu ihrem eigenen Erstaunen steht das Publikum zahlreich auf der Matte und reagiert begeistert. Da das zwar ausreicht, um die nächsten Male mehr Leute bei den Shows zu haben, nicht aber, um hartnäckige Clubbesitzer zu überzeugen, nehmen sie schnell ein Demo auf. Vier Songs landen zunächst im Internet, dann bei Veranstaltern, schlussendlich verkaufen sie das Demo auch an ihre Fans.

Über Konzerte und das Internet machen sich CYHSY weiter einen Namen. Nachdem immer mehr Anhänger zu den Gigs kommen, beschließen sie, den Leuten mehr zu bieten als nur ein läppisches Demo. Die Truppe geht in Brooklyn und Providence, Rhode Island ins Studio. Heraus kommt ihr erstes, selbstbetiteltes Album. Eine Melange aus wunder- aber unberechenbaren Melodien und schrägem Gesang, der stets etwas daneben klingt.

Sie verkaufen das Album auf Konzerten und per Mailorder. Einige Labels bieten den Neulingen einen Vertrag an, doch die zieren sich, möchten sich nicht binden. So sitzen die Jungs, wenn sie denn gerade keine Musik machen, zu Hause, verpacken und verschicken Platten an Privatpersonen und Plattenläden.

Erst als sie merken, dass sie vor lauter Postmann spielen kaum mehr zum Musik machen kommen, beschließen die vier, einen professionellen Vertrieb für diese Aufgabe in Anspruch zu nehmen. Das ist auch dringend nötig, nachdem Pitchfork Media Clap Your Hands Say Yeah in einem Artikel als vielversprechende Nachfolger von Arcade Fire feiert. Denn nun können sie sich vor Anfragen nicht mehr retten.

Mit Blick auf Europa allerdings fühlen sich Clap Your Hands Say Yeah nicht mehr in der Lage, alles selbst zu regeln. So unterschreiben sie in England beim Indie Wichita (die Labelheimat von Bloc Party).

Doch ein Verrückter wie Band-Kopf Alec kann es nicht bei einer Combo belassen. Er schreibe am Tag etwa acht Stunden lang Songs, heißt es, und das, obwohl er nebenbei einen regulären Job hat. Als kreativer Freak findet er da natürlich noch Zeit für einen weiteren: Auch mit seiner Zweitband Pelican Picnic arbeitet Alec an einem Album. Außerdem haben CYHSY bei der Europa-Veröffentlichung ihres Debüts bereits Stoff für zwei bis drei neue Alben zusammen.

Im Sommer 2006, zwischen diversen Festivalterminen, erfolgen die Aufnahmen zu "Some Loud Thunder", die Dave Fridmann (Mercury Rev, Flaming Lips und Sleater Kinney) im New Yorker Tarbox Studio abmischt. Bis zur Veröffentlichung betouren die Musiker ihr Heimatland und Japan, partizipieren am 9. November neben Patti Smith und Sonic Youth an einer Bob Dylan-Tribute-Feier in New York und treten Silvester im geschichtsträchtigen Hammerstein Ballroom auf.

Nach wie vor meiden Clap Your Hands Say Yeah die US-Labels. Vertrieb und Herstellung erfolgen über die Alternative Distribution Alliance. Sie bleiben den Briten von Wichita treu, die die zweite Platte hierzulande im Januar 2007 veröffentlichen, und schließen ein ausschließlich über iTunes erhältliches Live-Album an.

Es wird still um die New Yorker. Als Ounsworth 2009 ein Soloalbum veröffentlicht und auch die anderen Bandmitglieder sich in neue Projekte vertiefen, kommen gar Trennungsgerüchte auf. "Hysterical" werden muss jedoch keiner: Mit einer eben so betitelten Platte erscheinen CYHSY zwei Jahre darauf wieder auf der Bildfläche.

Auch wenn die Band sich bei dem Werk nicht mehr ganz so unerwartet und spannend verschroben zeigt, fasziniert noch immer Alec Ounsworths nasaler Schräggesang. Dies bekommen Fans ab Herbst 2011 bei der Tour durch Europa, Amerika, Asien und Australien wieder vor Augen bzw. Ohren geführt.

Nach der Tour jedoch ist es vorbei für die Ursprungsformation: Bassist Tyler Sargent und Robbie Guertin (Gitarre, Keyboard) verlassen im Juli 2012 die Band. Ounsworth und Sargent holen sich für das darauf folgende Album daraufhin bekannte Gastmusiker mit ins Boot: Auf "Only Run" hört man Kid Koala und Matt Berninger von The National, außerdem gibt es dezentere Klänge als noch zu Beginn. Gitarren weichen häufiger elektronischen Klängen. Doch das, was CYHSY ausmacht - Ounsworths spezielle Stimme und das verschrobene Songwriting – ist geblieben.

Zehn Jahre liegt die Bandgründung zurück, als die frisch zum Duo geschrumpfte Formation auf "Living Room Tour" geht - durch die Wohnzimmer der Fans. Wer sich auf einen Aufruf der Band bewirbt, bekommt mit etwas Glück einen Gig in der heimischen Stube. Nachdem diese Konzerte in den USA mehr als positiv aufgenommen werden, reisen CYHSY zum Albumrelease im Frühjahr 2014 auch durch Europa. Paris, Berlin und Amsterdam. Überall hört man nur: "Yeah!"

Alben

Clap Your Hands Say Yeah - Hysterical: Album-Cover
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  • Redaktionswertung: 3 Punkte

2011 Hysterical

Kritik von Deborah Katona

Mit wohligen Klängen gegen die Erwartungshaltung. (0 Kommentare)

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