laut.de-Kritik

Absolut TV-tauglich, was da abgeht.

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Ja, zugegeben. Ich kenne keine sympathischere Absolventin irgendeines "Die große Karriere wartet auf denjenigen, der nie aufgibt, hart an sich arbeitet und die Massen bedient"-TV-Wettbewerbs. Musikalisch gesehen, könnte man sich die Kritik im Prinzip aber sparen: "Über allem scheint ein fetter Silbermond", meinte Kollege Fuchs zum Vorgänger. Geändert hat sich wenig.

Schließlich hat das Mädel in der Musikbranche Fuß gefasst und will - wie jeder andere Act auch - viele Platten verkaufen, um den Deal für die Zukunft abzusichern. Schlecht stehen die Zeichen nicht, denn Christina und ihre Jungs tun keinem weh. Das Konzept Frontfrau mit Backing-Rockband ist seit Jahren hoffähig, Christinas Stimme kommt relativ authentisch rüber, und angesagt ist auch der Mix aus kräftigen Balladen und Teenie-Abgeh-Rocknummern.

Textlich bleibt ebenfalls alles im grünen Bereich. Jedem Pubertierenden erschließen sich ihre Geschichten unmittelbar: Es geht um Liebesschmerz, Sinn des Lebens, jugendliche Alltags-Probleme und deren Bewältigung oder zumindest den Appell daran. Oft so plakativ formuliert, dass genügend Raum für Interpretation bleibt ("Gib nicht auf/die Welt dreht sich mit dir", "Ich lass mich nicht umdrehen/ich bleibe einfach wie ich will und ich will alles auf einmal/ich kriege nie genug vom Leben). Nun gut.

Zuweilen gießt Christina den Plot in eine konkretere Sprache, die weniger Raum für Interpretation lässt. Das kommt dann eckiger rüber, fällt mit ungewohnter Wortwahl aber positiv auf ("Reine Nebensache") - vorausgesetzt man steht auf den gängigen Deutschrock-Kodex. Ansonsten überzeugt der schnelle Titeltrack "Lebe Lauter", der besonders im Refrain über eine interessante Riff-Abfolge verfügt. Am Job, den Christinas Backing-Band erledigt, gibts übrigens nichts auszusetzen. Eine starke Nummer ist auch "Scherbenmeer".

Vier mit Sicherheit sympathische Musiker, eine blitzsaubere Produktion mit einer aparten jungen Frontfrau. Absolut TV-tauglich, was da abgeht. Und das macht auch den Unterschied. Wirklich coole Bands spielen sich von der Straße ins TV. Christina kommt aus dem Fernsehen, was ihr Talent keineswegs schmälern soll.

Trackliste

  1. 1. Nie Genug
  2. 2. Lebe Lauter
  3. 3. Die Welt
  4. 4. Ohne Dich
  5. 5. Revolution
  6. 6. Augenblick Am Tag
  7. 7. Seite 1
  8. 8. Scherbenmeer
  9. 9. Unsere Besten Tage
  10. 10. An Sommertagen
  11. 11. Sonne Hinter Dem Nebel
  12. 12. Um Bei Dir Zu Sein
  13. 13. Reine Nebensache
  14. 14. Mitten Unterm Jahr

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LAUT.DE-PORTRÄT Christina Stürmer

Nicht nur hierzulande gehen Musiker aus Castingshows hervor. In Österreich heißt eine angesagte Sängersuchmaschine "Starmania", hier kommt Christina …

1 Kommentar

  • Vor 10 Jahren

    Christina Stürmer habe ich vor etwas mehr als einem Jahr mal durch einen Freund kennengelernt, der mir den "Astronaut" vorgespielt hatte und mich fragte, ob ich nicht mehr Sachen von ihr downloaden könnte.

    Das Lied hatte mich nicht so richtig überzeugt,
    ich dachte erst, so eine Art Ulla Meinecke in etwas jüngeren Jahren ...
    Aber um des lieben Friedens willen sagte ich dann halbherzig-mitleidig zu, dass ich mal sehen will, ob ich ihm mehr Lieder besorgen kann.

    Dazu war dann erst eine kleine Recherche nötig, denn den Namen Christina Stürmer hatte ich bis dahin noch nie gehört und dachte eher an so eine neue Schlagertussie á la Andrea Berg.

    Nach dem ersten Video, das ich von ihr heruntergeladen hatte, sah ich dann, dass ich es mit einem eher ziemlich jungen Mädel zu tun hatte statt mit einer etwas älteren Schlagertussie, die jetzt mal ins Spotlight gerät.

    Wikipedia, Laut.de und viele andere Seiten klärten mich dann auf.
    Aha - "Starmania", genauso ein Scheiss wie DSDS in österreichisch.
    Aber das Video und ein paar Clips, die ich dann von Starmania-Auftritten ergatterte, liessen mich die junge Dame dann interessanter finden als nach dem ersten Eindruck.

    Bei "Astronaut" fand ich schon die Stimme und die Artikulation der Sprache hervorstechend.
    Und nun hatte ich entdeckt, dass das gar keine mittelalte Schlagerbraut ist, sondern ein relativ junges Mädel, was ausserdem noch aus Österreich ist.

    Mittlerweile gehört sie zu meinen Favouritinnen
    der deutschsprachigen neueren Popmusik wie die Sängerinnen von Juli, Silbermond und den Helden.

    Für ihr Alter macht sie ihre Sache wirklich gut, da kann ich nicht meckern.

    Besonders die Stimme und die Klarheit der Aussprache sind ihre Stärke.
    Die Texte sind teilweise auch sehr treffend,
    aber leider nur teilweise.
    Sprich, in einem gelungenen Lied gibt es trotzdem leider schwache Stellen.
    Da steht dann die Stärke mit Worten bestimmte Dinge sehr deutlich ausdrücken zu können dem textlichen Inhalt entgegen, der manchmal echt belanglos wirkt.

    Das ist aber gar nicht so schlimm, wenn man in Betracht zieht, dass die süsse Christina noch nicht so lange im Geschäft und noch recht jung ist.

    Da kann sich noch einiges tun.
    Und die Art von ihr deutet darauf hin, dass es nicht bei dem bisherigen Level bleiben wird.
    Natürlich, direkt, musikalisch hohes Niveau ohne grosse Kompliziertheiten in Harmonie oder Text.
    Momentan mischt sie eher den Mainstream auf,
    vielleicht wird mal wesentlich mehr draus.

    Auf jeden Fall brauchen wir Mädels wie sie.