laut.de-Kritik

Modern Talking und Rihanna fahren gemeinsam Achterbahn.

Review von

Sie habe in den letzten Jahren viel durchmachen müssen, so Christina Aguilera im Vorfeld der Veröffentlichung ihres neuen Studioalbums "Lotus". Für die vierfache Grammy-Preisträgerin ist das neue Schaffen gleichzusetzen mit einer musikalischen Wiedergeburt. Also: Weg vom R2D2-Pop des letzten Albums "Bionic" und auf in neue Welten?

Das "Lotus Intro" schürt die Hoffnung. Ein grooviger Beat, sphärische Synthies und Christinas leicht durch den Effektwolf gedrehte Stimme: so einfach kann das sein. Auch das anschließende "Army Of Me" lässt sich mit stampfender Bassdrum, kämpferischer Attitüde und eingängigem Refrain gut an. Lediglich die überflüssige Modern Talking-Huldigung während der Strophen kämpft vergeblich um ein Gehörgangs-Visum.

Weiter geht's mit dem Boops-Hüpfer "Red Hot Kinda Love", ein Song, der gut und gerne auch auf dem letzten Nelly Furtado-Werk funktioniert hätte. Mit Bläsern aus der Retorte und reichlich Vocal-Spuren bittet "Make The World Move" zum Tanze. So richtig zünden will die Nummer aber nicht. Auch "Your Body" dümpelt mit kitschigem Großraumdisko-Refrain und vorhersehbaren Strukturen eher vor sich hin. Vom Reinkarnationsschwung des Anfangs ist nicht mehr viel übrig.

Das folgende "Let There Be Love" verpasst jeder treuen Seele, die sich nach Wiedergutmachung sehnt, eine weitere schallende Ohrfeige. Mit dürftigstem Balearen-Pop à la Inna und Co. geht es schnurstracks in Richtung Niemandsland. Doch gepriesen sei der, der den Mut aufbrachte, urplötzlich alle Kabel im Studio zu entfernen. Denn eingebettet in ein minimalistisches Soundgewand und mit unerschöpflichem Tissue-Vorrat ("Sing For Me", "Blank Page") auf dem Piano beruhigt die Sängerin die aufgebrachten Gemüter wieder.

Mit "Cease Fire" schiebt sich gleich im Anschluss ein weiterer Vierminüter in den Vordergrund. Ungewöhnlich düster und aggressiv präsentiert sich die Protagonistin urplötzlich mit allerlei Ecken und Kanten. Doch spätestens mit dem Rihanna-Aufguss "Around The World" geht es wieder steil bergab.

Scheppernde Sounds ("Circles"), tiefgehende Opulenz ("Best Of Me") und aufwühlende Dramatik im Duett mit Blake Shelton ("Just A Fool") beenden die musikalische Achterbahnfahrt. Christina Aguilera gibt sich beim Freischaufeln aus dem "Bionic"-Grab redlich Mühe. Doch irgendwie hakt und klemmt es noch an vielen Stellen auf dem Weg ins Freie.

Trackliste

  1. 1. Lotus Intro
  2. 2. Army Of Me
  3. 3. Red Hot Kinda Love
  4. 4. Make The World Move
  5. 5. Your Body
  6. 6. Let There Be Love
  7. 7. Sing For Me
  8. 8. Blank Page
  9. 9. Cease Fire
  10. 10. Around The World
  11. 11. Circles
  12. 12. Best Of Me
  13. 13. Jus A Fool

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16 Kommentare

  • Vor einem Jahr

    Ich finde das Album eingängiger als Bionic, und es ist dennoch nicht so charts-anbiedernd wie es die Produzentenwahl vermuten lässt. Eigentlich kann sich das Ergebnis sehen lassen - für eine Xtina.
    Ihre Stimme bekommt jedenfalls ordentlich Gelegenheit zum Brüllen. Insofern gutes Mittelmaß.

  • Vor einem Jahr

    Stichwort Brüllen, du sagst es. Sie übertreibt zu sehr. Ich fühle mich als ob ich 1 Stunde lang angeschrien worden wäre. Nein danke, meine Mama macht das umsonst!
    Es ist noch schlechter als Bionic, was teilweise nette Ideen un Beats hatte.

  • Vor einem Jahr

    Meh. Eher nicht so. Talent hat sie, aber irgendwie schafft es auch dieses Album nicht, mich richtig zu fesseln.
    Ihr Debütalbum ist richtig gut, Stripped ist phänomenal. Seitdem kann ich immer weniger mit ihrer Musik anfangen. Stripped ist ein tolles Werk von oben bis unten. Habe bei Lotus eigentlich etwas in der Richtung erwartet. Schade.