laut.de-Kritik

Bunt und schrill: ein Musik gewordenes Testbild.

Review von

Ziemlich genau vier Jahre liegt es zurück, dass das deutsche Fernsehen die erste Folge der schwedisch-dänischen Krimireihe "Die Brücke - Transit In Den Tod" ausstrahlte. Neben den außergewöhnlichen Hauptfiguren und durchdringenden Fällen sorgt die Titelmelodie seitdem regelmäßig für Gänsehaut. Perfekt fügt sich "Hollow Moon" von Choir Of Young Believers in den Charme der Serie ein: fragile Klavierklänge unter einer brüchigen Männerstimme, verheißungsvolle Streicher, am Ende steht der große Knall.

Fast zeitgleich mit der dritten Staffel erscheint jetzt auch der dritte Longplayer des Kollektivs um Kreativkopf Jannis Noya Makrigiannis. Wer "Hollow Moon" auf Albumlänge sucht, wird auf "Grasque" nicht fündig. Weit entfernt von der massentauglichen Emotionalität, schleppt er sich durch eine sehr getragene Stunde Musik.

Passagen von beinahe kathedralischer Größe waren schon immer die Spezialität. Auf "Grasque" bekommen sie allerdings eine völlig neue Instrumentierung: eine logische Folge persönlicher Krisen und musikalischer Orientierungslosigkeit ihres Schöpfers.

Mit dumpfen Beats, schrill flirrenden Synthies und waberndem Hall im Gesang verneigt sich Makrigiannis vor dem düsteren Pop der 80er und 90er. Es bleibt natürlich seine stets klar und hell scheinende Stimme. Sie liegt über dem neuen Gewand, als plötzlich androgyn anmutender Schleier.

In der Komposition kennt Makrigiannis keine Grenzen. Seine griechischen Wurzeln finden in melancholischen Gitarrenmelodien Platz, die über weite Synthie-Teppiche hüpfen ("Vaserne"). Dazu singt er - jawohl! - auf Dänisch. An anderer Stelle experimentiert er mit technoidem Stakkato ("Gamma Moth") oder den schleppenden Beats des jüngeren R'n'B ("Face Melting").

"Serious Lover" fasst den bunten, pixeligen 80s-Look der Platte gut zusammen. Aus einem epischen Choral und markant gezupften Tönen wächst eine tiefe Melodie, die in ein nebulöses Tal aus Schwaden von Stimmhall und Synthies rollt. Makrigiannis' Gesang liegt klar darüber und verschwimmt im Refrain zu verträumter Lethargie. Daneben lockern immer wieder überraschende Zwischenspielchen auf. Hier fällt das Einlassen auf die kitschigen Retro-Elemente leicht.

So gut klappt es allerdings nicht immer. Der Fluss aus plätschernden Melodien und breiten Klangflächen strömt zwar stets langsam, manchmal aber so schwer und träge, dass er zu verebben droht ("Face Melting"). Auch kraftvolle Momente wie "Jeg Ser Dig" helfen nicht darüber hinweg, dass dieses fordernde Werk dann und wann einschläfernd und narkotisch wirkt.

Bei aller Schwere bleiben die vielseitigen und unvorhersehbaren Arrangements absolut bemerkenswert. Unzählige Elemente und Einflüsse setzen viele bunte Pixel zusammen, überraschend, aber zuweilen ziemlich unangenehm und grell: "Grasque" ist ein musikgewordenes Testbild.

Trackliste

  1. 1. Olympiyskiy
  2. 2. Serious Lover
  3. 3. Vaserne
  4. 4. Face Melting
  5. 5. Græske
  6. 6. Jeg Ser Dig
  7. 7. Cloud Nine
  8. 8. The Whirlpool Enigma
  9. 9. Perfect Estocada
  10. 10. Salvatore
  11. 11. Gamma Moth
  12. 12. Does It Look As If I Care

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