laut.de-Kritik

Kein Schlemmermenü vom Exkoch.

Review von

Koch-Einmaleins für Dummies: Man nehme den vielleicht besten Rapper des bestverkaufendsten deutschen Hip Hop-Labels, packe ihn auf grandiose Beats aus dem eigenen Repertoire, koche alles gemeinsam kurz auf und lasse es ein Weilchen ziehen. Sollte kein Schlemmermenü dabei herauskommen, stand es wohl ein kleines Stück zu lange "Unter Der Sonne". Ein Fauxpas, der Chakuza als gelerntem Koch eigentlich nicht passieren dürfte.

Woran aber liegt's dann, dass Chakuzas Zweitling nicht signifikant besser gewürzt ist als das streitbare Debüt? Immerhin servieren Beatlefield, Sti, Brisk Fingaz und andere die Instrumentalbeilage knackfrisch. Trotz Synthielastigkeit balancieren sie gekonnt auf dem schmalen Grat zwischen Eingängigkeit und Anbiederung an die Popmusik. Tiefe Stimme, monotoner Flow, dazu hohe Synthiemelodien, das funktioniert nach mittlerweile altbewährtem Rezept.

Auch als Rapper hat Chakuza die besten Voraussetzungen: Seine Stimme geht unter die Haut, der leicht hörbare österreichische Akzent mengt interessante Nuancen bei. Und obgleich das analytisch hörende Ohr recht schnell die Monotonie der grundsätzlich interessant anmutenden Reimstrukturen durchschaut - der Linzer kann mit Worten umgehen, gar keine Frage.

Ärgerlich, dass er bei diesen Skillz plus einem nicht wegzudiskutierenden Wortschatz viel zu oft ins Schema F verfällt. "Auch die dunkelste Wolke ist noch unter der Sonne" stellt er auf dem Titeltrack feinsinnig fest, nur um danach selbstmitleidsuhlend alle seine Tage grau zu zeichnen. Franz Schubert variierte in seiner Ode "Oh Sonne, Königin Der Welt" bereits im 19. Jahrhundert verschiedene Gefühlslagen in nur einem Gedicht - Chakuza gelingt das 184 Jahre später auf Albenlänge nicht ansatzweise.

Allein sie Battlestyles sorgen für einen Hauch von Vielseitigkeit. Obwohl sich der Rapper alle Mühe gibt, seine mitunter grandiosen Punchlines im monotonen Flow untergehen zu lassen - diese Seite gefällt mir auf dem Zweitling deutlich besser. Und das, obwohl der Österreicher gemeinsam mit Bizzy Montana auf dem Mixtape "Blackout" gleich mehrfach gezeigt hat, wie man Melancholie astrein vertont.

Das Feature mit Bizzy gehört auch heute zu den wenigen Höhepunkten, ansonsten hat sich Chakuza zwei Jahre nach seinem Debüt ein gutes Stück zu charttauglichen Standardphrasen heruntergearbeitet. Weitgehendes Schlagwortdropping erschafft Atmosphäre auf Kosten der Aussage.

Ein Jammer, denn seine innere Zerrissenheit scheint nicht von chronischer Erfolglosigkeit beim Rappen herzurühren. Und Hooklinesänger vom Schlage eines Tareec braucht er erst recht nicht - der Mann würde mit seinem nichtssagenden Stimmchen dicke Dollarnoten in Bohlens Augen zaubern. Mit Hip Hop hat das nichts zu tun.

Chakuza muss sich die Frage gefallen lassen, ob er seinen künstlerischen Anspruch wirklich so weit hinter dem kommerziellen verstecken will. Rap an den Haaren in die Neuzeit zu zerren, funktioniert über würzigen Stimmeinsatz, nicht über Phrasendrescherei, auch wenn die Charts häufig eine andere Sprache sprechen. Dieser Mann sollte sich am frühen Azad orientieren, nicht am späten Bushido.

Trackliste

  1. 1. Intro
  2. 2. Blind
  3. 3. Unter Der Sonne ft. Bushido
  4. 4. Licht Und Schatten ft. Nyze
  5. 5. Running Man
  6. 6. Geht Nicht ft. Raf Camora
  7. 7. Stahlstadtjunge
  8. 8. Lass Mich Atmen ft. Tareec
  9. 9. E.R. ft. Bizzy Montana
  10. 10. Jackpot ft. Lenny Wolf
  11. 11. Ich Warte
  12. 12. Asozialenslang ft. Summer Cem
  13. 13. Was Ist Passiert?
  14. 14. Wir Marschieren
  15. 15. Krieg Im Kopf
  16. 16. Outro

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