laut.de-Kritik

Mal sarkastisch, mal spöttisch singt Cerys über Konflikte und Kämpfe.

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Ob man in früher Kindheit auch in Wales gerne "Schnick Schnack Schnuck" gespielt hat, ist fraglich, aber sicher haben die Bandmitglieder von Catatonia das neue Album nicht aus Spaß an der Freud "Paper Scissors Stone" genannt. Im letzten Jahr legte die Band erst einmal eine 18-monatige Pause ein, um sich in der walisischen Heimat vom Tourstress zu erholen und Kraft für eine neue Scheibe zu schöpfen.

Dann ging es Ende 2000 "husch husch" ins stille Landhäuschen, wo sie das neue Songmaterial von Bandmitglied Mark Roberts testeten. Einer Kommune gleich machte man sich daran, gemeinsam daraus die Songs für das nächste Album zu entwickeln. Mit der Wandergitarre und einer englisch-walisischen Übersetzungshilfe im Gepäck ging es anschließend zu den Aufnahmen nach London.

Herausgekommen ist das Album "Paper Scissors Stone" mit 14 Songs. Gleich das erste Stück "Godspeed" streichelt die Seele mit zarter, verträumter Popmusik. Neben Orgelsound und Streicherelementen gefällt Cerys Matthews schöne Stimme. Dass sich Catatonia aber nicht nur dem Schmuse-Pop verpflichtet fühlen, zeigt der zweite Song "Immediate Circle", bei dem Stromgitarre und Tasteninstrumente eine rockende Klangtapete an die Wände des Pop-Zimmers kleistern. Ein kleines Gesangs-Break lässt dann aber doch die Pop-Ambitionen wieder durchscheinen. Nach dem ultrareinen Popsong "Fuel" überraschen die fünf bei "What It Is" den Pop-Hörer mit ungewohntem, aber gutem Elektro Beat-Rhythmus. Sind bei einigen Songs Ähnlichkeit zu Heather Nova und Tori Amos zu erkennen, so gehts bei "What It Is" eher etwas Björk-alike daher.

Nach diesem Kurzausflug in die Beatwelt gibt es dann aber doch wieder die altbekannten, schönen Pop-Perlen. Bei einigen Songs ist es aber nicht nur die Musik, sondern vielmehr die Texte, die die Stücke auszeichnen. Mal sarkastisch, mal spöttisch singt Cerys über Konflikte und Kämpfe, wohl wissend, dass jede "psychologische Kriegsführung" eine schwache Stelle hat - so auch Papier, Schere und Stein. Nachtigall ick hör dir trapsen: Daher weht also der Wind bei der Namensgebung des Albums. "Is Everybody On Drugs", "Blues Song" und "Arabian Derby" hauen kräftig in diese Sarkasmus-Schiene und beweisen, dass Catatonia nicht nur feine Pop-Balladen schreiben.

Dass Sängerin Cerys im Vergleich zu dem letzten Album ihre Stimme noch klarer und vielseitiger einsetzt, zeigt auch der Song "Beautiful Loser". Kommt ihre Stimme bei einigen Stücken rauher und kratziger rüber, haucht sie bei "Beautiful Loser" ähnlich wie Nina Persson von den Cardigans die Melodie ins Mikrofon.

Im Ganzen gefällt die Platte mit schönen Pop-Songs, die maßgeblich von Cerys Matthews Stimme geprägt sind, wobei sich dem aufmerksamen Hörer wahrscheinlich erst bei mehrmaligem Hören der Wert der Platte richtig erschließt. Nachdem die Band schon mit dem letzten Album auf der englischen Insel im großen Stil erfolgreich war, kann man gespannt darauf sein, ob sie es nun endlich mit ihrem neuen Album schaffen, auch auf europäischem Festland als Pop-Größe Fuß zu fassen. Wenn einem die Musik doch nicht gefallen sollte, kann man auf jeden Fall etwas fürs Umwelt-Gewissen tun. Catatonia unterstützen die "FutureForests"-Initiative, durch die sie sich verpflichten, abhängig von den produzierten CDs die Aufforstung von Wäldern finanziell zu fördern. Also, Umweltfreaks und Popfans, ran an die Scheibe!

Trackliste

  1. 1. Godspeed
  2. 2. Immediate Circle
  3. 3. Fuel
  4. 4. What It Is
  5. 5. Stone By Stone
  6. 6. The Mother Of Misogyny
  7. 7. Is Everybody Here On Drugs?
  8. 8. Imaginary Friend
  9. 9. Shore Leave
  10. 10. Apple Core

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