Porträt

laut.de-Biographie

Candlemass

1985 findet sich, zunächst unter dem Namen Nemesis, in Schweden eine junge Band zusammen, die als Urheber eines neuen Genres im Metal gelten soll: Die Rede ist von Candlemass, ihre neue Kreation ist der Doom-Metal.

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Basser Leif Edling und seine beiden Kumpels Drummer Mats Ekström und Gitarrist Mats 'Mappe' Björkman sind alle begeisterte Fans von Black Sabbath, Venom und Mercyful Fate und wollen selbst in eine ähnliche Richtung gehen.

Bald haben sie ein paar Songs zusammen und schicken ihr erstes und einziges Demo (auf dem übrigens Leif singt) an das französische Label Black Dragon Records, die ihnen auch gleich einen Deal über eine Platte anbieten. Mit dem lächerlichen Budget von 1.800 Dollar nehmen sie im Februar 1986 "Epicus Doomicus Metallicus" auf und frieren sich in dem Bretterverschlag, der sich Studio nennt, beinahe den Arsch ab.

Als Sänger gewinnen sie Johan Langquist, der vor den Aufnahmen keinen einzigen Ton der Musik gehört hat und sich danach auch gleich wieder verkrümelt, da er seine musikalische Heimat eher in poppigeren Gefilden sieht.

Trotz aller Widrigkeiten gerät der Sound des Albums gar nicht mal so schlecht. Jedoch bleibt die Nachfrage aus. Candlemass stehen schnell wieder ohne Deal da. Auch Mats Ekström verlässt die Band, schafft aber zuvor mit Jan Lindh Ersatz ran.

Mit Lars Johansson holen sie sich zudem einen zweiten Gitarristen ins Boot, der sich aber kurz vor der Tour mit King Diamond den Arm bricht und so durch Mike Wead (King Diamond, Mercyful Fate, Hexenhaus, Memento Mori) ersetzt werden muss.

Die größte (und auch gewichtigste) Neuanschaffung ist aber Sänger Messiah Marcolin. Nachdem Messiah mitbekommen hat, dass Candlemass einen Sänger suchen, ruft er Leif mitten in der Nacht an und singt "Solitude" durch den Hörer, den seine Mutti netterweise festhält, während er noch die Gitarre zupft.

Messiah spielt fortan eine enorm wichtige Rolle in der Band. Nicht nur, dass seine Stimme überragend und einzigartig ist, sondern auch sein Auftreten in der Mönchskutte, die Frisur eines explodierten Pudels und die Tatsache, dass er seine Kutte nur alle Jubeljahre mal wäscht, erreichen schnell Legendenstatus.

Für das zweite Album "Nightfall" erwirbt Messiah für läppische 250 Dollar die Rechte an insgesamt vier Thomas Cole-Bildern, welche die nächsten vier Cover-Artworks der Band zieren sollen. Das Album gilt als absoluter Klassiker und überzeugt aufgrund der schleppenden, aber vorzüglich gespielten Songs und Messiahs glasklaren Gesangs. Eine Platte, von der alle zu Depressionen neigenden Menschen die Finger lassen sollten.

Zwar machen sich Candlemass mit "Nightfall" einen guten Namen, doch mit den Aufnahmen zum Nachfolger "Ancient Dreams" fangen die Probleme an. Da Produzent Mats Lindfors leider mit anderen Projekten beschäftigt ist, versuchen Candlemass, die Scheibe selbst zu produzieren. Das geht größtenteils in die Hose. Als Mats auch nicht für den Endmix zur Verfügung steht, stinkt der Sound des Albums gegen den der beiden Vorgänger endgültig ab.

Da für den Herbst schon eine Tour mit Motörhead ansteht und die Scheibe bis dahin in den Läden stehen soll, drängt das Label auf Fertigstellung. Somit sind die Songs auf "Ancient Dreams" ebenfalls von höchster Qualität, der Sound hingegen lässt zu wünschen übrig.

Nachdem sie in Europa unter anderem mit Destruction, Sacred Reich und Coroner touren und auch in den USA mit Liege Lord durch die Clubs ziehen, ist es an der Zeit, wieder mit einer echten Hammer-Scheibe aufzuwarten.

Diese entsteht in Form von "Tales Of Creation". Leif arbeitet ein Konzeptalbum aus, das ihm schon seit einigen Jahren im Kopf herum geistert. Endlich wieder mit ihrem gewohnten Produzenten Mats Lindfors, spielen Candlemass ihr eigentliches Meisterwerk ein. Für das Cover verwenden sie nicht, wie geplant, das dritte Thomas Cole-Gemälde, sondern ein Bild von Gustave Doré.

Zusammen mit den Thrashern von Nuclear Assault und Death Angel machen sie Ende 1989 Europa unsicher und kehren Anfang 1990 nochmal mit King Diamond und Savatage für einige Shows zurück.

Kein Wunder, dass es an der Zeit ist, ein Live-Album zu veröffentlichen. "Live" trägt seinen Titel absolut zu Recht. Video-Aufnahmen finden statt, doch dank eines rechtlichen Debakels können diese erst Jahre später verwertet werden. Nichtsdestotrotz fängt "Live" die Atmosphäre, welche die Band auf der Bühne verbreitet, hervorragend ein.

Schon vorher ist die Situation innerhalb der Band jedoch angespannt. Auch der Manager kann die Eskapaden seiner Schützlinge nicht länger ertragen und schmeißt seinen Job hin. Leif versucht kurzfristig, die geschäftlichen Belange selbst zu handhaben, gibt dies aber schnell wieder auf. Nach einem kurzen aber heftigen Streit gehen Candlemass getrennte Wege, noch bevor "Live" überhaupt in den Regalen steht.

Leif und Messiah machen daraufhin mit Mike Wead und ein paar Bekannten weiter, was letztendlich zu Abstrakt Algebra führen soll, doch zuvor raufen sich alle nochmal zusammen. Sogar eine Tour durch England und die USA ziehen sie durch.

Messiah führt sich aber immer unerträglicher auf, so bleibt der Band nichts anderes übrig, als ihn während der Aufnahmen zu "Chapter VI" vor die Tür zu setzen. Messiah gründet daraufhin mit Mike Wead und Snowy Shaw (Ex-King Diamond/Dream Evil) Memento Mori und veröffentlicht insgesamt drei Alben.

In Thomas Vikström finden Candlemass einen neuen Sänger, mit dem und etwas mehr dem Mainstream angenäherten Songs sich endlich auch in Schweden der Erfolg einstellt. Da Leif sich damals schon eher auf Abstrakt Algebra konzentriert, befinden sich die besseren Titel definitiv auf deren selbstbetitelten Debüt-Scheibe, die 1995 erscheint und auch die einzige bleibt.

Nach dem "Best Of"-Album von 1994 und dem ausbleibenden Erfolg von Abstrakt Algebra fängt Leif zwei Jahre später damit an, neue Songs für ein zweites Album aufzunehmen. Nachdem der Mix aber total in die Hose geht und er beinahe ohne einen Penny dasteht, wendet er sich an Music For Nations, die ihm auch sofort einen Vertrag über drei Alben anbieten: jedoch nur für Candlemass.

Da ihm eigentlich nichts anderes übrig bleibt, krallt sich Leif daraufhin Drummer Jejo Perkovic und Gitarrist Patrick Instedt, die beide für Abstrakt Algebra vorgesehen waren, sichert sich die Aushilfe von Gitarrengott Michael Amott (Arch Enemy, Spiritual Beggars) und findet in Björn Flodquist einen annehmbaren Sänger. Das Ergebnis lautet 1998 "Dactylis Glomerata", der Name einer Blume gegen die Leif allergisch ist. Wenn das mal nicht bezeichnend ist ...

Für den nächsten Output "From The 13th Sun" haben alle Beteiligten jede Menge Wut im Bauch und klingen deswegen deutlich direkter und rauer, als auf der letzten Scheibe. Mit Mats Ståhl ist ein neuer Gitarrist dabei, der dem Sound hörbar gut tut, und das Material des öfteren in die Nähe der Doom-Godfathers von Black Sabbath drängt. Die CD kann sich durchaus hören lassen, aber so richtig kratzt keinen mehr, was da aus dem Hause Candlemass kommt. So dauert es nicht lange und Leif beschließt die Band für immer zu Grabe zu tragen.

2001 tauchen erneut Gerüchte auf, dass sich Leif und Messiah wieder zusammen gesetzt haben und über eine Reunion im einzig wahren Candlemass-Line-Up sprechen. Tatsächlich trifft man sich bei Bier und Pizza und plaudert nicht nur über die anstehende Wiederveröffentlichung der ersten drei Alben mit Messiah sondern auch über eine erneute Zusammenarbeit.

Zur Release-Party am 13. Dezember 2001 in Stockholm steht die alte Mannschaft mit Leif, Messiah, den beiden Gitarristen Mats Björkman und Lars Johansson, sowie Drummer Jan Lindh dann wieder auf der Bühne und trifft Vorbereitungen, die kommende Festival-Saison um eine Attraktion reicher zu machen.

2003 spielen Candlemass auf allen wichtigen Open Airs und arbeiten gleichzeitig an neuem Material, auf das nicht nur die Doom-Gemeinde schon sehnsüchtig wartet. Doch Leif ist in der Zeit nicht untätig und stampft mit Krux eine weitere Band aus dem Boden.

Bevor Candlemass wieder touren, gibt es noch die "Doomed For Live - Reunion 2002"-CD, und auch die DVD "Documents Of Doom" kommt 2003 endlich in die Läden. Die Euphorie ist überall groß, doch auf einmal wollen sich wieder alle am liebsten den Schuh in den Arsch hauen: Bevor sie sich richtig an die Reunion gewöhnt haben, isses auch schon wieder vorbei.

Kurze Zeit später entscheiden sich die Schweden schon wieder anders, spielen auf dem Bang Your Head 2004 und schließlich landet Anfang Mai 2005 das schlicht "Candlemass" betitelte ultimative Reunion-Album in den Läden. Eine zweite DVD folgt noch im selben Jahr. "The Curse Of Candlemass" wartet mit jeder Menge Live-Material und ein paar interessanten Interviews auf.

Mit einer Europatour, zusammen mit Destruction, After All und Deathchain (für die später Perzonal War einspringen), lassen sie das Jahr ausklingen und konzentrieren sich danach wieder auf Songwriting. Glaubt man zumindest, denn im April macht die Nachricht die Runde, dass die Band sich wieder einmal trennt: Das Gezicke erinnert stark an Kindergartengehabe von Fünfjährigen. Jedenfalls beklagt sich Messiah darüber, dass die vertraglichen Konditionen (Kohle) auf einmal geändert wurden, und dass die Musik zu sehr in Richtung Krux gehe.

Messiah ist raus, und Candlemass müssen sich einmal mehr nach einem adäquaten Ersatz umschauen. Den finden sie im Januar 2007 in Person des Solitude Aeturnus-Sängers Robert Lowe. Der hat sein Live-Debüt während des 20-jährgen Jubiläums Ende März, bei dem mit Johan Langquist und Tomas Vikström zwei der ehemaligen Candlemass-Sänger mit auftreten und mit Mikael Åkerfeldt, Mats Levén (Krux/Ex-Therion) und Janne Christoffersson (Spiritual Beggars) noch weitere Gäste am Start sind. Robert will fortan bei beiden Bands singen und gibt auf "King Of The Grey Island" Ende Juni seinen Einstand bei den Schweden.

Schon Anfang Oktober 2008 kommt mit "Lucifer Rising" eine EP mit drei neuen Songs, die dank diverser Livetracks der letzten Europatour eine Spielzeit von über 70 Minuten aufweist. Darauf zeigt Rob, dass er die alten Nummern der Band ebenfalls überzeugend umzusetzen weiß. Zwar ist Leif auch mit seiner anderen Band Krux äußerst aktiv, doch scheint der Mann vor Ideen nur so zu platzen. Das Anfang April 2009 erscheinende "Death Magic Doom" beweist ohne Zweifel, dass Candlemass und Robert Lowe ein unschlagbares Team bilden.

Was die Live-Einsätze der Band angeht, hält sich all das aber leider nach wie vor in engen Grenzen. Dennoch veröffentlichen sie im April 2010 die DVD "Ahses To Ashes", auf der sich sowohl der Gig vom Sweden Rock Festival als auch eine Clubshow in Athen befinden. Dabei zeigt sich, dass Robert auch alte Klassiker durchaus ansprechend intoniert.

Dennoch ist für Leif Edling schon damals klar, dass das nächste Album gleichzeitig das Letzte für Candlemass wird. Allerdings wollen sich Candelmass nicht auflösen, lediglich keine Alben mehr aufnehmen. Doch "Psalms For The Dead" ist noch nicht mal veröffentlicht, als Anfang Juni bereits die Kunde von Rob Lowes Rausschmiss die Runde macht. Seinen Platz wird live zunächst Leifs alter Kumpel Mats Levén übernehmen.

News

Alben

Candlemass - Death Magic Doom: Album-Cover
  • Leserwertung: 4 Punkt
  • Redaktionswertung: 4 Punkte

2009 Death Magic Doom

Kritik von Michael Edele

Düstere, zähe Riffs, bedrohliche Glockenschläge, Weltuntergangs-Stimmung. (0 Kommentare)

Videos

Thrash Hits TV: Candlemass @ Bloodstock 2009
  • Candlemass

    Das doomt aber nicht sonderlich ...

    http://www.candlemass.se
  • Candlemass@MySpace

    Burn my candles, it's MySpace.

    http://www.myspace.com/candlemass

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