Porträt

laut.de-Biographie

Calexico

"Ich bin der Überzeugung, dass sich alles irgendwie annähert; die multikulturelle Gesellschaft, Technologien, Philosophien, usw. Musik spiegelt lediglich das wieder, was da draußen vor sich geht. Aber ganz am Ende geht es doch nur darum, dass dein Herz am richtigen Platz sitzt und man genügend Spielraum für musikalische Raffinessen, Nuancen und dynamische Elemente lässt. Dieser Raum ist extrem wichtig und wir versuchen, die Musik frei atmen zu lassen und das Gefühl in eben diesem Raum einzufangen."

Calexico: Comeback im Lana Del Rey-Stil
Calexico Comeback im Lana Del Rey-Stil
Das Video zur Single "Para" ist der Vorbote zum neuen Album "Algiers", das im September erscheint.
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So antwortet Joey Burns, Sänger, Gitarrist und Songwriter von Calexico 1998 auf die Frage nach dem Einfluss lateinamerikanischer Musik auf seinen Stil. Überhaupt ist die Musik von Calexico eine Frage des Stils, oder besser: der ständige Versuch einer Stildefinition. Sämtliche Berichte über die Band lesen sich wie eine verzweifelte Suche nach nötiger Klarheit. Immer wieder stößt man auf ellenlange Reihungen, die sich aufmachen, die höchst unterschiedlichen Richtungen wie TexMex, Folk- und Country-Rock, Country-Folk, Mariachi-Sound, Mood-Music, Western-Sound, Latin-Jazz oder auch Desert-Rock und Gringo-Rock unter einen Hut zu bringen...und meistens scheitern.

Ob mit Tucson-Desert-Rock, dem jüngsten Etikettierungsunterfangen der Kritikerszene, nun eine aussagekräftige Bezeichnung gefunden worden ist, sei dahingestellt. Letztendlich ist es auch nicht nötig. Schließlich lassen sich die unterschiedlichsten musikalischen Einflüsse nicht leugnen, mit denen Calexico virtuos experimentieren.

Die 1996 in Tucson/Arizona ins Leben gerufene Band bezieht sich explizit auf ihre gleichermaßen amerikanischen und mexikanischen Wurzeln. Ein Umstand, der bereits durch den Namen zum Ausdruck kommt. Das tatsächlich existierende Grenzkaff Calexico ist ebenso zwischen zwei unterschiedlichen Welten und Einflüssen gefangen, wie sich die Musik von Burns und seinem Partner John Convertino, Schlagzeuger und Multiinstrumentalist, permanent zwischen scheinbar gegensätzlichen Stilen hin und her bewegt, ohne einen wirklich greifbaren Anhaltspunkt zu bieten.

Calexico - Spiritoso
Calexico Spiritoso
Auftritt mit Orchester in mäßigem Klanggewand.
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"Wir leben in Arizona. Aber was war hier früher? Es war einfach nur das Land der indianischen Ureinwohner. Es ist diese Vorstellung von existierenden Grenzen oder nicht existierenden Grenzen oder auch dem resultierenden Gegensatz dieser beiden Widersprüche, der uns umtreibt. Ich glaube, indem man Einflüsse aus anderen Quellen benützt, z.B. unsere Nachbarn und die Mariachi-Bands oder der Latin Jazz aus New York oder Südamerika, oder auch die Musik, die wir über die Jahre gemacht oder gehört haben – das alles entfaltet sich in unserer Idee, diese unterschiedlichen Elemente zu vereinigen."

Burns bezeichnet sich und seinen kongenialen Partner Convertino als "Frankensteins of instruments" und spielt damit auf die klangliche Vielfalt ihrer Musik an, die von einfachem Schlagzeug und Gitarre, über Mundharmonika, Mariachi -Trompeten bis hin zu Marimbas, Vibraphon, Pedal-Steel-Gitarren und Harpsichord alles zu bieten hat.

"Im Laufe der Jahre war es eine natürliche Folge, dass wir mit den verschiedenen Instrumenten, die wir gesammelt haben, auch unsere eigene Musik machen wollten. Einige dieser Instrumente haben wir aus einem Laden namens The Chicago Store in Tucson gerettet, der eine Art Instrumentenfriedhof ist. Man läuft durch enge Gänge und kleine Tunnels und findet dort all diese Instrumente, bedeckt mit dem Staub der letzten Jahrzehnte, und wir erwecken sie wieder zum Leben und geben ihnen eine Chance auf unseren Platten zu singen."

 - Aktuelles Interview
Giant Sand Der Ärger mit Calexico begann 1995 ...
Howe Gelb, der Mann hinter Giant Sand, spricht mit LAUT über das neue Album "Is All Over The Map", an dem Vic Chesnutt und John Parish beteiligt waren, die Trennung von John Convertino und Joey Burns alias Calexico und eine mögliche Zusammenarbeit mit PJ Harvey.

So ist auch die Gründung der Band vielmehr das Ergebnis zahlreicher Sessions und Ideenfragmente als eine geplante Aktion und fällt mit dem Release der Low-Budget-Produktion "Spoke" (1996) zusammen (ursprünglich nur in Europa veröffentlicht), wo sie sich erstmals als musikalische Grenzgänger zeigten.

Doch auch die Jahre davor waren die beiden nicht untätig. Bereits 1990 beginnt die Zusammenarbeit von Burns und Convertino unter der Fittiche von Howe Gelb, dem Mastermind der Kultband Giant Sand, die bis 2003 andauert. Es ist genau diese Zeit, in der sie durch die Zusammenarbeit mit den unterschiedlichsten Musikern ihren eigenen Stil entwickeln konnten, darunter Bands wie Friends of Dean Martinez und OP8.

Zwei Jahre später, 1998, erscheint das Album "The Black Light", auf dem sie den bereits mit "Spoke" eingeschlagenen Weg fortsetzen und sowohl in der Independent-Szene als auch bei den Kritikern für höchste Aufregung sorgten. Mit "The Black Light" legten Calexico den Grundstein für ihren unverwechselbaren Stil. Das als Konzeptalbum angelegte Werk ist stark instrumental ausgerichtet und erzählt auf angenehm unaufdringliche Weise Geschichten von Abschied und Einsamkeit oder von schießwütigen Desperados.

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Ein Erlebnis der besonderen Art sind die fulminanten Live-Auftritte von Calexico, wobei die Besetzung der Band mit jeder Tour variiert. So kann es schon mal vorkommen, dass Burns und Convertino beschließen, eine ganze Besetzung original mexikanischer Mariachi-Bläser mit auf die Bühne zu bringen und für einen Abend die Atmosphäre von Tucson-Downtown in Europas Konzertsälen heraufbeschwören.

Dabei kann man sich kaum der fast psychedelischen Aura entziehen, die über der Musik von Calexico schwebt. Eine Aura, die Joe Burns als völlig natürlichen Bestandteil des Alltags in Arizonas betrachtet: "In Arizona muss man keine Drogen nehmen um high zu sein. Die psychedelische Aura ist in der Luft, in der Sonne und am Himmel. Mir persönlich reicht es eigentlich Tequila und guten mexikanischen Wein zu trinken."

Die sonore, teilweise fast eintönige Stimme von Burns - prachtvoll unterstützt vom Spiel seiner Gitarre - ergänzt sich dabei hervorragend mit Convertinos kompromisslosen Drum- und Perkussionspiel. Für den Hörer baut sich dabei ein eindringliches Klangbild der Einöde des nordamerikanischen Südwestens auf, wo die flimmernde Hitze der Wüste förmlich auf der Haut brennt.

Nach dem Achtungserfolg von "The Black Light" schießt der Nachfolger "Hot Rail" (2000) von 0 auf 43 in den deutschen Charts und steigt sogar bis auf Platz sechs in den griechischen. Der Ohrwurm-Single "Crystal Frontier" (2001) folgt 2003 das von Kritikern wieder hochgelobte Album "Feast Of Wire", das sich in vierzehn europäischen Charts platziert.

Nach der Live-DVD "World Drifts In" (2004) stürzen sich Convertino und Burns in verschiedene Projekte. Sie schreiben für und spielen mit Nancy Sinatra, Laura Cantrell und Neko Case, treten als Bar-Band im Tom Cruise-Film "Collateral" auf und veröffentlichen das Album "In The Reins" (2005) mit Iron & Wine, mit dem sie in den USA auch auf Tour gehen.

Im September 2008 kommt "Carried To Dust" in die Läden, das im Gegensatz zum folklastigen Vorgänger "Garden Ruin", der sich explizit mit der verfehlten Politik der Bush-Regierung auseinandersetzt hatte, mit der Rückkehr von Bläsern und weltmusikalischer Anleihen wieder einen anderen Weg einschlägt.

"Darum ging es uns schlussendlich: Der Vorgänger war so groß angelegt und beschäftigte sich mit Bush, dem amerikanischen Werteverfall und dem Krieg im Irak. Diesmal wollten wir einfach auf den Boden der Tatsachen zurückkehren und den Blick auf den 'kleinen Mann' innerhalb dieses unmenschlichen Systems richten, um eine Brücke zwischen Protest und Poesie zu schlagen."

2011 beglücken Calexico ihre Fans mit einem 12 LPs umfassenden Box-Set mit Songs, die bis dato nur auf acht CDs zu finden sind, die die Band ausschließlich bei ihren Konzerten zum Kauf angeboten hat. "Selections From Road Atlas 1998-2011" erscheint auch in komprimierter Form auf CD und glänzt mit 16 Tracks, die das facettenreiche musikalische Schaffen dieser stilprägenden Band illustrieren ebenso eindrucksvoll illustrieren wie das 2012 veröffentlichte Studiowerk "Algiers".

Interviews

Giant Sand: Der Ärger mit Calexico begann 1995 ...

August 2004 Der Ärger mit Calexico begann 1995 ...

Interview von Giuliano Benassi

Howe Gelb, der Mann hinter Giant Sand, spricht mit LAUT über das neue Album "Is All Over The Map", an dem Vic Chesnutt und John Parish beteiligt waren, die Trennung von John Convertino und Joey Burns alias Calexico und eine mögliche Zusammenarbeit mit PJ Harvey. (0 Kommentare)

News

Alben

Calexico - Spiritoso: Album-Cover
  • Leserwertung: 5 Punkt
  • Redaktionswertung: 3 Punkte

2013 Spiritoso

Kritik von Giuliano Benassi

Auftritt mit Orchester in mäßigem Klanggewand. (0 Kommentare)

Calexico - Algiers: Album-Cover
  • Leserwertung: 5 Punkt
  • Redaktionswertung: 4 Punkte

2012 Algiers

Kritik von Martin Leute

Zwischen Alternative Folk und Wüstenrock. (0 Kommentare)

Videos

Splitter
Para
Crystal Frontiers
Quattro (World Drifts In)

Fotogalerien

Live 2008 Calexico beim Sothside-Festival 2008.

Calexico beim Sothside-Festival 2008., Live 2008 | © laut.de (Fotograf: Florian Schade) Calexico beim Sothside-Festival 2008., Live 2008 | © laut.de (Fotograf: Florian Schade) Calexico beim Sothside-Festival 2008., Live 2008 | © laut.de (Fotograf: Florian Schade) Calexico beim Sothside-Festival 2008., Live 2008 | © laut.de (Fotograf: Florian Schade)

Live-Bilder Calexico 2001 live in Konstanz.

Calexico 2001 live in Konstanz., Live-Bilder | © LAUT AG (Fotograf: Giuliano Benassi) Calexico 2001 live in Konstanz., Live-Bilder | © LAUT AG (Fotograf: Giuliano Benassi) Calexico 2001 live in Konstanz., Live-Bilder | © casadecalexico.com (Fotograf: ) Calexico 2001 live in Konstanz., Live-Bilder | © LAUT AG (Fotograf: Giuliano Benassi)

Termine

Mi 15.04.2015 Hamburg (Große Freiheit)
Sa 18.04.2015 Berlin (Heimathafen)
Mo 20.04.2015 Köln (E-Werk)
Di 21.04.2015 München (Muffathalle)
So 21.06.2015 Duisburg (Landschaftspark)
  • Offizielle Page

    Sehr informativ, mit MP3-Mitschnitten von diversen Konzerten un weiteren Links.

    http://www.casadecalexico.com

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