Porträt

laut.de-Biographie

Burial

Gestatten? Dubstep der Name, London die Geburtsstätte. Im Süden des Epizentrums der Popkultur entwickelt sich kurz nach der Jahrtausendwende aus Garage, 2Step und Drum'n'Bass eine Clubkultur, die sich innerhalb der nächsten Jahre weit verbreitet. Vorreiter wie Kode9, seinerseits Moderator des Piratensenders Rinse FM, filtern düstere Beats aus verschiedensten Tracks heraus und spielen sie gegeneinander aus. Ein ungewöhnlicher, verschobener Sound entsteht.

Schuh-Plattler: The Cure, Burial, Notwist, etc.
Schuh-Plattler The Cure, Burial, Notwist, etc.
Der Olympia-Countdown läuft. Außerdem: The Cure, Left Boy, Burial, Notwist, Foo Fighters, eine Erinnerung an Philip Seymour Hoffman etc.
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Bleischwere Subbässe, die man nicht nur hört, sondern spürt, und minimalistische Arrangements zeichnen das Genre aus. Immense Anforderungen an die Tieftöner verbannen den Style aus hauseigenen Soundsystems - Dubstep findet lediglich im Club statt. Im Laufe der Zeit wächst die stilistische Bandbreite stetig.

Einer der größten und maßgeblichsten Namen taucht 2006 auf, und zwar auf Hyperdub, dem Label von Kode9. Ohne Gesicht, Namen, Interviews. Lediglich das musikalische Statement und ein Pseudonym stehen zunächst im Raum: Burial. Unter den Label-Fittichen des Dubstep-Jesus setzt der Unbekannte von Südlondon aus neue Maßstäbe.

Formgebende Bässe, gepaart mit vernebelten Lo-Fi-Beats und kryptischen Vocal-Schnipseln (seit "Untrue") verwandeln mit minimalistischer Konsequenz Dancefloors in Darkrooms. Während die Musik einer elegischen Irrfahrt gleicht, spiegelt sich diese Undurchsichtigkeit auch in der Person selbst wieder. Ein auf der Labelseite auftauchendes Interview, dass Kode9 mit Burial führt, wirkt nur wenig entmystifizierend.

Dafür rotiert der Name im Underground nur umso heftiger, und auch erweiterte Indiekreise verfolgen Burial aufmerksam. Angeblich wüssten überhaupt nur fünf Menschen seines Bekanntenkreises, dass er Musik mache, behauptet der Künstler selbst. Außerdem habe er eigentlich nie daran gedacht, seine Stücke jemals jemandem zu zeigen.

Burial - Untrue Aktuelles Album
Burial Untrue
Dubstep-Dämmerung am Ende der Nacht.

In sechs Jahren entstehen über 2000 Tracks, aus denen Kode9 den ersten Longplayer zusammenstellt. Verschont vom Fame, produziert das Dubstep-Wunderkind fleißig weiter. In einem hypnoseähnlichen Zustand entwirft Burial Nächtelang neue Tunes, bei denen jeder einzelne Ton jederzeit um seine Existenz fürchten muss: "Die Laune macht die Sounds, nicht ich."

Wer dieses Ich ist, enthüllt 2008 der britische Independent: "Peter Parker" ist im bürgerlichen Leben der Londoner Elliott-School-Absolvent William Bevan. "Ich bin eine ruhige Person, und ich möchte bloß ein paar Tunes machen, mehr nicht", bestätigt Bevan kurz nach einer Mercury Prize-Nominierung lakonisch via MySpace. Ganz ohne Celebrity-Fame einem kompletten Genre die Fäden anzulegen, ohne jemals live zu performen, bereitet dem Ein-Mann-Innovateur offensichtlich ausreichend Vergnügen.

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Alben

Burial - Untrue: Album-Cover
  • Leserwertung: 5 Punkt
  • Redaktionswertung: 5 Punkte

2007 Untrue

Kritik von Matthias Manthe

Dubstep-Dämmerung am Ende der Nacht. (0 Kommentare)

  • Hyperdub Records

    Eines der wenigen Interviews mit "Peter Parker".

    http://www.hyperdub.net
  • MySpace

    Streams, Blog, Freunde.

    http://www.myspace.com/burialuk

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