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Bryan Ferry lehnte sich weit aus dem Fenster, als er seine Leidenschaft für Leni Riefenstahl und Albert Speers Werke bekundete. Nun rudert der Pop-Dandy zurück und betont seinen ästhetischen Blickwinkel auf die Geschichte.
London (bb) - Bryan Ferry entschuldigt sich für seine positiven Bemerkungen bezüglich des Nationalsozialismus. Anlass der heftigen Kritik, die in den vergangen Tagen über den Popmusiker hereinbrach, war ein Interview mit der Welt Am Sonntag. "Leni Riefenstahls Filme und Albert Speers Bauten, dazu die Massenaufmärsche und Flaggen, einfach beeindruckend! Wirklich wunderschön!", hatte der Roxy Music-Sänger geschwärmt.
Besonders fasziniere ihn die Art und Weise des Nazi-Regimes, sich zu verkaufen und im Rampenlicht zu präsentieren. Der 61-jährige britische Sänger war schon früher in Verruf geraten, als er erwähnte, sein Studio in London zuweilen "Führerbunker" zu nennen. Ferry, der als konservativ gilt, modelt nebenher auch für Marks & Spencer. Die Marke mit jüdischen Wurzeln wurde von Holocaust-Opfern nun öffentlich aufgefordert, den Vertrag zu kündigen.
"Wie jeder vernünftig denkende Mensch verabscheue ich alle Taten der Nazis. Meine Bewunderung galt lediglich der Ästhetik ihrer Inszenierungen aus einer kunsthistorischen Perspektive", rudert Bryan Ferry nun öffentlich und eifrigst zurück. Er entschuldige sich unvoreingenommen bei allen, die er mit seinen Äußerungen vor den Kopf gestoßen habe, so der Musiker weiter. Ferrys Kritiker scheinen die Entschuldigung derweil zu akzeptieren und äußern sich erfreut über die "angemessene" aber auch "dringend notwendige" Klarstellung.
Naja, ästhetisch sind die Filme und die Bauten schon. Natürlich ist da immer dieser fade Beigeschmack... Albert Speer war (auch wenn er bis zu seinem Tod das Gegenteil behauptet hat) eindeutig ein überzeugter Nazi. Und Leni Riefenstahl habe ich es auch nie abgenommen, dass sie angeblich nix mit der Ideologie am Hut hatte, auch wenn sie später wieder "gesellschaftsfähig" wurde.
Zu Ferry: Eigentlich hätte er sich ja denken können, dass so eine Reaktion folgt. Und wenn er auch noch für eine Marke mit jüdischen Wurzeln modelt, sind solche Äußerungen einfach unüberlegt und dumm.
Ich bin der Meinung, hätte Speer unter einem anderen Regime das auch ideologisch in eine andere Richtung gegangen wäre (Bsp. Stalinismus) die Möglichkeit gehabt, sich künstlerisch auszutoben, hätte er das genauso getan. In sofern würde ich nicht unbedingt sagen das er ein überzeugter Nazi war, Hitlers Begeisterung für Speers Bauten kamen diesem nur einfach sehr gelegen,so konnte er seine Karriere wunderbar entwickeln.
Das ist jetz nicht falsch zu verstehen ich will Speer nicht von irgendeiner Mitschuld freisprechen, um Gottes Willen! Ich mein nur das Speer auch dem guten alten Stalin seine Paläste gebaut hätte, ohne zu sagen.."Oh Moment, ein Kommunist!Das ist gegen meine politische Gesinnung"
Fest steht, das Speer genauso ein Kriegsverbrecher war wie manch anderer.
Mir hängt es langsam zum Hals raus, daß jedwene Bemerkung die man in Bezug auf die damalige Zeit trifft, ständig so genaustens unter die Lupe genommen wird. Bei all den Greueltaten und Unmenschlichkeiten, die damals begangen wurden, muss man doch das Recht haben z.B. sagen zu können, "mich haben die Bauten Speers beeindruckt bzw. fasziniert". Mit einer solchen Aussage, nimmt man doch keine positive Stellungnahme bezüglich des Nazi-Regimes. Das ist dann, wie von Ferry gesagt, eine Aussage, die das Kunstempfinden darstellt.
Überall lauern solche "Heckenschützen", die nur darauf warten, das solche o.ä. Aussagen getätigt werden, um dann ihren Brei hinzugeben zu dürfen (weil sie sonst nichts zu tun haben??) bzw. mit dem mahnenden Finger zu zeigen.
Jetzt mal was anderes. Wie lange, Liebe Laut-Redaktion, muss man denn noch auf die Rezension für das neue Timbaland Album warten?
Das dauert mir zu lang, selbst bei Amazon kann man schon Kritiken lesen, auch wenn die meist nicht für bare Münze genommen werden können.
Danke
@Gast2
damit hast du schon Recht, aber trotzdem hätte Ferry sich denken können, dass solche Kommentare kommen.
richtig, Speer hat die panzerproduktion massiv angekurbelt. ich denke er war überzeugungstäter, auch wenn er am schluss nicht mehr 100% alle führerbefehle ausgeführt haben mag.
deswegen kann man ihm aber auch seine leistungen als architekt nicht absprechen, dem stimme ich auch zu. und manche leute scheinen wirklich auf derartiges zu lauern. das sind die gleichen leute die dann mit mahnendem finger auf einen zeigen wenn man das wort "neger" (ohne böse absicht wohlgemerkt!) benutzt. man kanns auch übertreiben mit der political correctness xD
es ist bedauernswert dass man in der öffentlich so sehr aufpassen muss was man sagt. wobei man sich es ja bei solchen sachen schon denken kann und dann gleich so formulieren sollte dass möglichst jeder weiß wie man es meint.
Was die andere Person, Leni Riefenstahl, anbelangt, ist es mit dem "Aufpassen" eher umgekehrt: Bis (fast) zum Ende ihres Lebens hat die nämlich wie ein Schießhund aufgepasst, dass nur keiner die von ihr - verständlicherweise - so gehasste Bemerkung verbreitet, die in ihrem "Tiefland"-Film aus Sinti- und Roma-Zwangslagern angeheuerten Statisten wären später in KZs umgekommen. Kurz vor ihrem Tod musste sie es freilich dennoch eingestehen. Personen wie Speer oder Riefenstahl standen während der NS-Zeit - und bei Riefenstahl auch danach - enorme Mittel zur Verfügung, ihre persönliche Karriere und ihre Reputation aufzubauen. Am Ende wurde die Riefenstahl - zum Beispiel in Schwarzer's Emma - auch noch als Kultur-Ikone und Jahrhundert-Person dargestellt. Es schadet nix, wenn sich ein paar wenige auch für ein korrektes Geschichtsbild in Bezug auf die einsetzen, denen solche Mittel nicht zur Verfügung standen und stehen.
Völlig unanbhängig von der Diskussion um P.C. behaupte ich, dass sich die Nazi-Ideologie - mit allen ihren inhumanen Konsequenzen - eins zu eins und ganz direkt sowohl in der Architektur Speers als auch in der Filmästhetik der Riefenstahl wiederspiegeln. Genau wie sich auch der Inhumanismus des Stalinkults in der entsprechenden Architektur wiederspiegelt.
Führen wir die "Political Correctness" konsequent weiter, dürfte man sich auch nicht mehr von Geschichtsdenkmälern wie dem Kolosseum in Rom beeindrucken lassen. Denn schließlich wurde dort massiv gegen die Menschenrechte verstoßen - Sklaven mussten gegen Gladiatoren kämpfen, Andersgläubige wurden Löwen zum Fraß vorgeworfen - und das alles vor Publikum.
Aber niemand kommt auf die Idee, Touristen in Rom eine menschenverachtende Gesinnung vorzuwerden. Von daher ist es durchaus legitim geschichtliche Leistungen außerhalb des politischen Kontextes zu betrachten.
Bryan Ferry ist ein großartiger Künstler, finde ich. Was aber nicht im Gegensatz zur Widersprüchlichkeit seiner Persönlichkeit und zu dem, was er so von sich gibt, steht, sondern vielleicht - eher im Gegenteil - damit zu tun hat.
Es lässt sich schwer etwas denken, was der Bombast-Kitsch-Ästhetik der Nazis ferner stünde als die Musik Bob Dylans. Leider kommen die Stücke des aktuellen Albums "Dylanesque" von Ferry nicht annähernd an die "It's All Over Now, Baby Blue"-Interpretation auf "Frantic" aus dem Jahr 2000 heran.
[quote:0c4e05cbd9="István"]Führen wir die "Political Correctness" konsequent weiter, dürfte man sich auch nicht mehr von Geschichtsdenkmälern wie dem Kolosseum in Rom beeindrucken lassen. Denn schließlich wurde dort massiv gegen die Menschenrechte verstoßen - Sklaven mussten gegen Gladiatoren kämpfen, Andersgläubige wurden Löwen zum Fraß vorgeworfen - und das alles vor Publikum.
Aber niemand kommt auf die Idee, Touristen in Rom eine menschenverachtende Gesinnung vorzuwerden. Von daher ist es durchaus legitim geschichtliche Leistungen außerhalb des politischen Kontextes zu betrachten.[/quote:0c4e05cbd9]
Zwischen dem Kolosseum in Rom und den Akropolis-Bauten in Athen gibt es einen gewissen Unterschied. Ich denke, es manifestiert sich darin schon ein gewisser Niedergang der antiken Kultur. Zumindest was ihren humanen Gehalt anbelangt.
eine intelligente äußerung war das sicher nicht. aber solange er der ideologie abschwört und sich sagen wir mal intellektuell mit der "ästhetik" auseinander setzt soll das recht sein. sowas allerdings in die öffentlichkeit zu bringen ist aber sicher nicht die beste idee.
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